Ensete-ventricosum Aussaat
In diesem Jahr ziehe ich zum dritten Mal aus Samen Zierbananen. Auf der Samenpackung steht “Musa ensete”, aber irgendwo habe ich mal gelesen, dass Musa und Ensete (ventricosum) zwei verschiedene Gattungen des Bananenbaums seien. Ich habe irgendwann als “Winterunterhaltung” damit angefangen sie zu säen. Da die Exoten zur Keimung relativ viel Wärme brauchen, bietet sich die Heizperiode geradezu dafür an.
Ensete ventricosum ist eine beeindruckende Bananenstaude, die bis 10 Meter (!) Höhe mit gigantische Blätter und ungefähr einen Meter Stammdurchmesser erreichen kann. Womit wir auch schon beim Hauptproblem wären. Hält man sie optimal, wachsen sie wie blöde. Meine einjährigen “Bananenbäumchen” passen beim nächsten Einwintern gerade noch in ein Zimmer mit normaler Raumhöhe, aber spätestens im zweiten Jahr gibts ein Platzproblem nach oben hin… Ich sehe mich deswegen sehr rechtzeitig nach potenziellen Weiterbetreuern mit hohen Wintergärten und Wohnungen mit Galerie um.
Ensete Vermehrung:
Im Gegensatz zu den Musa, die Ableger-vermehrt werden können, zieht man “Musa ensete” bzw. korrekt Ensete ventricosum aus Samen. So sehen die Samen – jeweils über 1 cm Durchmesser – aus:
Laut Packungsangabe soll man sie 2-3 Tage in lauwarmem Wasser einweichen oder vor der Aussaat anfeilen. Das spare ich mir im Allgemeinen schon mal. Mag sein, dass sie dann etwas später keimen, aber zumindest hat es bisher auch ohne Einweichen geklappt.
Und so mache ich das normalerweise:
Eine Anzuchtschale aus dem Supermarkt mit Abzugsloch mit normaler Blumenerde füllen, Samen drauflegen und ein wenig mit Blumenerde abdecken. Durchdringend wässern und gut abtropfen lassen. Das Ganze dann in eine durchsichtige Plastiktüte gestellt und diese oben verknotet (einfach, damit ich sie zum Entlüften öffnen kann).
Bananenbäume brauchen zur Keimung über 20 bis 30 Grad und entsprechend luftfeuchtes Klima. Um die Temperaturen darstellen zu können, rücke ich das Aussaat-Paket auf die Heizung. Damit kein direkter Kontakt mit der Heizung besteht (ich fürchte, das könnte zu heiß werden), baue ich ein paar Abstandshalter drunter. Fertig.
Jetzt lüfte ich täglich einmal durch Öffnen der Tüte, damit nichts schimmelt, und freue mich auf die Bananen-Pflanzen-Babies, die normalerweise nicht lange auf sich warten lassen. Bisher hat es immer so drei bis 5 Wochen gedauert und beim letzten Mal war das Highlight, dass ich “Weihnachtsgeborene” bekam.
Der Samengröße gerecht sind die Jungpflanzen von Anfang an ziemlich groß und müssen sofort in den nächsten Tagen einzeln in größere Töpfe pikiert werden.
Bananenpflanze Pflege:
Ensete ventricosum sind ihrem Wachstum gemäß ziemlich hungrige Pflanzen, die ich außer im Winter ein- bis zweimal wöchentlich dünge. Aufgrund der großen Verdunstungsfläche der Blätter brauchen sie zumindest im Sommer auch recht viel und regelmäßig Wasser, weswegen ich den Topf nie vollständig austrocknen lasse.
Sie brauchen viel Licht für optimales Wachstum und eignen sich hervorragend als Kübelpflanze für sonnigen oder höchstens halbschattigen Standort oder auch als rasch an Höhe gewinnende Ergänzung fürs Beet. Faustregel heißt also: Von allem viel! Ansonsten sind sie aber ziemlich unkompliziert.
Ensetes brauchen Platz, um sich zu entfalten. Aufgrund des raschen Wachstums pflanze ich sie jedesmal in einen größeren Topf um, wenn der bisherige durchwurzelt ist. Das geht recht schnell, so dass ich bis zum Kübelpflanzen-Rausstellen im April/Mai schon die ersten vier bis fünf Topfgrößen durchhabe.
Man sollte sie nicht gleich in die pralle Sonne rücken, weil die Blätter sehr schnell unschön verbrennen können. Wenn sie sich dran gewöhnt haben, stehen sie aber gerne vollsonnig.
Bananenbaum-Schnitt:
Sollte man m.E. vermeiden. Wenn man die Pflanze köpft oder das komplette Oberteil abbricht, hat man aber gute Chancen, dass sie neu austreibt. Was man auf keinen Fall machen sollte ist, die Blattstiele von abgeschnittenen Blättern bis ganz nach unten den Stamm entlang abzuschälen. Meine Mutter hat das gemacht – mit dem Ergebnis, dass die komplette Pflanze mangels ausreichender Stützung am Fuß abgebrochen ist. Also einfach alles bis auf vergammelte Blätter dranlassen, bis es ganz trocken ist und leicht zu entfernen.
“Stamm” kann man übrigens nicht wirklich sagen, denn es handelt sich nicht tatsächlich um einen Stamm, sondern um die Stiele der einzelnen Blätter, die aus dem Boden entspringen und eng zusammengerollt den Stamm bilden. Der Aufbau ist ungefähr so wie bei einer Lauchstange. Ich kann das “gärtnerisch” nicht besser ausdrücken.
Bananenbaum-Überwinterung:
Zierbananen sind Warmhauspflanzen. Unter 10-15 Grad wirds denen zu kalt. Die Überwinterung ist bei mir bisher jedes Jahr problematisch gewesen. Im Zimmer leiden die Zierbananen unter Lichtmangel. Wintergartenbesitzer mögen da bessere Möglichkeiten anbieten können. Macht man das so wie ich ohne Pflanzenbeleuchtung, fangen die Blätter an zu mickern und sehen bis zum Frühjahr immer schlimmer aus. Wenn der Frühling naht und die Pflanzen raus können, wird dann alles wieder gut. Im Zimmer ist meist keine ausreichende Luftfeuchtigkeit vorhanden, so dass meine trotz aller Bemühungen mit dem Zerstäuber bisher jedes Jahr Spinnmilben hatten, die sich aber z.B. mit Lizetan-Stäbchen im Griff behalten lassen.
Hier die letzte damals einjährige Ensete, die ich überwintert habe. Im Herbst sieht das noch recht schön aus:
Und wie man sieht, sind sie wirklich recht groß:
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6 Kommentare bisher
KommentierenIch wünsche viel Erfolg.
“Musa ensete” ist ein Synonym, davon gibt es sehr viele. Laut “Zander”, das Standartwerk der botanischen Namen, lautet der Name der Zierbanane “Ensete ventricosum”
Danke Hans. Auf Dich ist Verlaß!!!
hi. ich hab ne Frage. meine Banane bekommt weiterhin neue blätter. das problem ist, sie öffnen sich nicht mehr. und langsam wird es eng. was kann ich machen?
Das scheint mir das typische Wintersyndrom zu sein, Detlef. Die Banane wächst weiter, kriegt abre immer mickrigere Blätter und sieht dann oben wie dicht vollgepackt mit steckengebliebenen Blättern aus? Das kommt vom allwinterlichen Lichtmangel. Wächst sich aus. :-)
Hallo Gärtnerin,
mehrere Meter können sie hoch werden, nicht aber 10 Meter in unseren Regionen. Die Ensete ventricosum (Zwerg- oder Zierbanane) wird in Zimmerkultur ca. 1 m bis 1,50 m hoch. So steht es auch auf der Samenpackung.
Gruss
Michael
Hallo Michael, danke für die Info. Es gibt Ensete ventricosum und Zwerg-Ensete ventricosum-Samen zu kaufen. Als Kübelpflanze draußen in ausreichend großem Gefäß sprengt die non-zwerg-Form locker im ersten Sommer diese Höhenangabe. Wenn man sie einjährig hält, kommt die Größenangabe also hin.
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