Gründüngung Gelbsenf

12. October 2005 von Gärtnerin

Gründüngung ist die natürlichste Art der Bodenverbesserung und ich bin mittlerweile ein Fan davon.

Durch den Bewuchs mit Gründüngungspflanzen wird der Boden beschattet, vor Auswaschung und Verdichtung und Erosion durch Regen geschützt, trocknet nicht so aus, wird das Bodenleben aktiviert.

Viele Gründüngungspflanzen tun dem Boden außerdem noch was Gutes, indem sie ihn durch ihr Wurzelwachstum kräftig und zum Teil auch tiefgründig lockern. Und – last but not least: Das Unkraut hat weniger Platz zum Wachsen, solange die Gründüngungspflanzen auf dem Beet stehen. Wenn es soweit ist – im allgemeinen zur/vor der Blüte des jeweiligen Gründüngers, wenn man Selbstaussaat nicht haben möchte, mäht oder schneidet man die Pflanzen ab.

Man lässt sie als Mulchschicht einfach auf dem Beet liegen (Die Würmer ziehen sich das schon selbst rein), kompostiert sie oder gräbt sie nach dem Anwelken als zusätzliche Humusgabe leicht unter. Die Würmer und sonstigen Bodenorganismen freuen sich und tun das Ihrige dazu, dem Boden das Gute daraus als Humus zur Verfügung zu stellen. ;-)

Wenn man das auf freien Flächen immer wieder mal macht, erhält man mit der Zeit tollen, fruchtbaren, humosen, lockeren Boden. Ich kann das mittlerweile beurteilen. Nach Weidelgras, Perserklee, 2x Bienenfreund (Phacelia) und Inkarnatklee und im ersten Jahr etwas Bentonit (Bodenhilfsstoff Tonmehl für Verbesserung der Wasserhaltefähigkeit; nicht ganz billig!) auf meinem Gemüsebeet ist der Boden ganz anders geworden. Statt trockenem Sand mittlerweile eine fast schon saftige, sogar großkrümelige Struktur. Ich wollte, mein Staudenbeet wäre auch schon so weit. Aber gut Ding will bekanntlich Weile haben.

Dieses Jahr probiere ich zum ersten Mal Gelbsenf ((Sinapis alba, Kreuzblütler) als Gründünger auf meinem Gemüsebeet aus, was bedeutet, dass ich nächstes Jahr keinen Kohl, keinen Rettich und keine anderen Pflanzen aus der Familie der Kreuzblütler anbauen darf, um die Kohlhernie (Pilzerkrankung bei Kohlgewächsen) nicht zu fördern.

Frisch gesät auf dem abgeräumten Tomatenbeet am 27.9.:

senf1

Am 8.10.:

senf3

Man sollte, um das Richtige auswählen zu können, also schon ein bisschen was über die Gründüngungspflanzen wissen, die verschiedenste Talente haben.

Es gibt winterharte und nicht winterharte Gründüngungspflanzen (und solche, die sich im milden Rhein-Main-Gebiet wie Winterharte verhalten, im Frühjahr mühsam untergegraben werden müssen und daher von mir nicht mehr angebaut werden :-)

Winterhart sind z.B. Inkarnatklee (Trifolium incarnatum), Spinat (Spinacia oleracea), Winterraps (Brassica napus), Winterroggen (Secale cereale).

Nicht-winterharte Gründüngungspflanzen frieren ab und ich brauche mir weniger Sorgen zu machen, dass da etwas immer weiter wächst, was nicht soll. Dazu gehören Gelbsenf (Sinapis alba), Sommerwicken (Vicia sativa), Buchweizen, gelbe und blaue Lupinen (Lupinus…), Perserklee (Trifolium resupinatum, eigentlich… bei mir ausdauernd), Bienenfreund (Phacelia tanacetifolia), Studentenblumen (Tagetes), Ringelblumen (Calendula officinalis), …

Es gibt Leguminosen (Schmetterlingsblütler), die sich besonders dadurch auszeichnen, dass ihre Wurzeln in Symbiose mit Knöllchenbakterien leben, die Stickstoff sammeln. Wenn man also mehr Stickstoff haben möchte, sollte man z.B. Bohnen, Erbsen, Klee, Lupinen, Wicken als Gründüngung auswählen.

Und dann sollte es auch noch jahreszeitlich passend sein. Senf/Gelbsenf ist z.B. so ziemlich dauernd anbaubar, überwinternde Gründünger sind logischerweise im Herbst zu verwenden. Manche sind besser für die Vorkultur, andere für die Nachkultur u.Ä.

Es gibt Gründüngungspflanzen, die besonders gegen Nematoden im Boden hilfreich sind – allen voran Tagetes und Ringelblumen. Was Gelbsenf betrifft wiedersprechen sich die Angaben diesbezüglich, die ich gelesen habe. Einmal soll er dagegen helfen, ein andermal soll er Nematoden fördern. Na ja… man muss eben seine eigenen Erfahrungen sammeln.

Das sind meine:

Bienenfreund (Phacelia):

Ich liebe es! Abgesehen von den hübschen blauen Blüten, die Bienenmagnete sind, eine bei mir unproblematische, schnellwachsende Pflanze, die viel Blattmasse bringt und sogar ziergartengeeignet ist. Bienenfreunde sind Flachwurzler und durchdringen die obersten Bodenschichten mit einem feinen Geflecht an Wurzeln. Er darf sich selbst aussäen, weil er schön blüht und fast nirgends stört. Soll für alle Böden geeignet sein.

Gelbsenf:

Dazu kann ich noch nicht viel sagen, außer dass er zuverlässig und schnell keimt. Auf der Packung angegeben sind 3-5 Wochen Kulturdauer. Kreuzblütler, daher nicht vor oder nach Kohlgewächsen/Kreuzblütlern kultivieren. Soll als in die Tiefe reichender Pfahlwurzler den Boden gut lockern. Laut Packungsangabe beeinflussen Senföle das Bakterien- und Pilzleben im Boden günstig. Soll für alle Böden gut sein.
Update: Mit Gelbsenf war ich sehr zufrieden. Der Gelbsenf liefert massig Blattmasse und bis auf wenige Pflanzen war der Senf bis zum Frühjahr erfroren. Hier übrigens mal eine Senf-Blüte (klar, dass der Gelbsenf heisst!).

Blaue Lupine:

Pfahlwurzelnder Stickstoffsammler, 60 cm hoch, schön blühend. Die Samentüte steht hier fürs nächste Jahr. Hier die gemachten Erfahrungen mit Blauer Lupine

Perserklee:

Schmetterlingsblütler, Stickstoffsammler, für eher schwere Böden. Hat obwohl nicht winterhart angegeben bei mir überlebt. Das Umgraben zur Ausrottung im Frühjahr hätte ich mir gern erspart. Soll gegen Kohlfliegen und Kohlweißlinge helfen

Ringelblume:

Problemlos in der Aussaat, zuverlässig gekeimt, hübsche orange Blüten, Nematodenbekämpfer.

Serradella:

Schmetterlingsblütler, Stickstoffsammler. Hat ebenfalls den Winter überlebt und Umgraben zur Folge gehabt. Sieht ganz hübsch aus mit den kleinen rosaweißlichen Blütchen. Nehm ich trotzdem nicht mehr.

Weidelgras:

Dickbüscheliges winterhartes Gras, das den Boden so heftig bedeckt, das Unkraut wirklich wenig Chance hat. Soll gegen Kohlhernie helfen. Das nehme ich aber auch nicht mehr.

Inkarnatklee:
Ich steh auf seine Blüten. Winterharter Schmetterlingsblütler, Stickstoffsammler, soll gegen Kohlfliege und Kohlweisslinge helfen. Laut Packungsangabe auf mittelschweren Böden. Nehme ich aber auch nicht mehr.

Luzerne:

Ich hatte eine Packung gekauft und gesät, aber was sich daraus entwickelte, war keinesfalls Luzerne (weiß der Teufel). Wohl ein Abfüllproblem seitens des Herstellers, dessen Tüte ich natürlich weggeworfen hatte. :-(

Probieren möchte ich unbedingt noch Puffbohnen (Saubohnen/Dicke Bohnen). Die kann man schon ab März aussäen und hat auch noch was für den Gaumen davon.

Früher zu Gründüngung auf dem Gärtnerblog

Service:

Späterer Artikel zum Umgang mit Gründüngung

Weiterführende Infos über Gründüngung in der Wikipedia

Alle Artikel hier zu Bodenverbesserung

Außerdem hier verfügbar: Mulchen und Flächenkompostierung

eingewurzelt unter: Garten-Boden

Alle anzeigen mit Stichwort:



8 Kommentare bisher

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Hallo Wiebke, freut mich, dass Du hier was Interessantes für Dich gefunden hast. :-)
Ich bin leider auch noch kein Profi und kann Deine Fragen daher nicht mit Sicherheit richtig beantworten. Ich habe bisher mit Ausnahmen nur leere Flächen eingesät. Die Ausnahmen waren der Platz unter meinen Johannisbeerbüschen, den ich mit Bienenfreund bestückt habe und die Bienenfreund-ßberreste im Staudenbeet. Durch Selbstaussaat kommt da immer mal wieder was vom Bienenfreund hoch, das ich dann irgendwann abschnipsele und liegen lasse. Das klappt also ganz gut. Da manche Gründüngungspflanzen doch schon relativ hoch werden, stelle ich mir gewissen Kombinationen mit Gemüsen schwierig vor, weil die sich eventuell gegenseitig das Licht, Nährstoffe und Wasser streitig machen könnten.

Bücher zum Thema habe ich noch nicht gelesen, gibts aber reichhaltig.

Gärtnerin, 28. February 2006, 17:40

Hallo, das ist eine ganz tolle Zusammenstellung, danke. Ich habe auch keinen Kompost wegen Platzmangel und möchte gerne mehr über die se mir völlig neuen Gründüngpflanzen erfahren.
Die sät man also nur, wenn das jeweilige Beet leer ist, also nach der Ernt? Oder schon mittendrinnen, zB unter den Tomaten?
Wie oft im Jahr machst du das?
Kannst du mir vielleicht gute Literatur zum Thema empfehlen?
Schöne Grüße, Wiebke

Wiebke, 28. February 2006, 17:15

Hallo,

zur Gründüngung kann ich nur sagen, dass man sich dadurch viel arbeit spart. Einfach nach dem abräumen der Beete im September Phacelia säen und stehen lassen. Die Pflanze erfriert im Winter und kann im Frühjahr mit einem Sauzahn eingearbeitet werden. Die Erde wird dadurch schön locker und man spart sich sich das umgraben. Die Beete sollten im Frühjahr aber erst betreten werden, wenn sie abgetrocknet sind da man ansonsten die Erde verdichtet.

claus schanzenbach, 17. July 2006, 14:03

Wie wahr, Claus. Danke für Deinen Kommentar!

Gärtnerin, 17. July 2006, 14:28

bei Tomaten während wachstum eher nicht schattengare fördert botrytis und krautfaüle lieber nach der ernte landsberger gemenge ist die beste gründüngung ein mal im jahr sollte reichen da du die fläche ja nicht zu sehr bewirtschaftest wie z.B.ein erwerbsgärtnerei ciaoooooooooooooooooooo

moritz, 18. February 2007, 17:47

[...] besser lesbaren Erfahrungsbericht las ich im Gärtnerblog. Die Gärtnerin hat mal verschiedene der empfohlenen bodenverbesser Pflanzen ausgebracht und [...]

Pingback Gründüngung für locker sandigen Boden, 24. July 2008, 10:46

1. In wie weit trägt Rindenmulch zur Bodenverbesserung bei?
2. Kann der Schnitt der Gründüngungspflanzen auch NACH deren Blüte erfolgen? Ich hätte es nämlich gerne,dass die Blüten dieser Pflanzen zur Schönheit meines eher kleinen Gartens beitragen.

Maria, 29. March 2009, 20:27

1. Gar nicht, Maria, er versäuert den Boden, und verbraucht Stickstoff.
2. Ja klar kann das. Eventuell haben sie sich dann aber schon wieder ausgesät. Wenns nicht stört, ist das ja ok.

Gärtnerin, 30. March 2009, 09:17

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