Gärtnerin · 24. April 2006, 22:43

Garten-Glossar: F1-Hybriden

Der Begriff der F1-Hybriden geistert durch die Pflanzenlandschaft, ohne dass man im allgemeinen allzu genau weiß was es damit auf sich hat. Darum hier eine Short-Description für Interessierte:

Die Begriffe F1 und Hybriden entstammen der Genetik oder auch Vererbungslehre, die von Gregor Mendel vor rund 160 Jahren begründet wurde. Er experimentierte mit Erbsen (Pisum sativum).

Herkunft der Begriffe F1 und Hybriden:

Mendel kreuzte also verschiedene oder auch gleiche Erbsen der Elterngeneration (P = Parentalgeneration) und erhielt dann in der Tochtergeneration (Filialgeneration = F1) je nach den eingesetzten Erbsensorten unterschiedliche Ergebnisse. Die sogenannten Mendelschen Regeln der Vererbung – Horror vieler Bio-Schüler – waren das Ergebnis dieser Pflanzenexperimente.

Wichtig für das Verständnis ist folgendes:

Er kreuzte reinerbige (homozygote) gelbe und grüne Erbsen und erhielt in der F1 Generation lauter identische gelbe Erbsen, die ja aber von jedem Elternteil ein Gen bekommen haben mussten (also jeweils eins für das Merkmal Gelb und eins für das Merkmal Grün). Alle gelben Erbsen der F1-Generation waren also Mischlinge und alle hatten das gleiche Erscheinungsbild gelb.

In diesem Fall – sind also die Eltern in bezug auf ein bestimmtes Merkmal verschieden – spricht man bei der F1-Generation von Hybriden (hybrid=von zweierlei Herkunft, Mischling, gemischt).

F1-Hybriden sind also identische Mischlinge der ersten Tochtergeneration zweier Verschiedener.

Ja und?

Die Konsequenzen: Alle Pflanzen der F1-Generation haben die entsprechend vom Züchter gewünschten identischen Merkmale, bspw. die Blütenfarbe, bestimmte Resistenzen, besonders große Früchte o.ß.

Ja und weiter?

Wenn man die F1-Generation-Pflanzen nun weitervermehrt, also untereinander kreuzt, erhält man in der F2 – 2. Filialgeneration leider keine identischen Nachkommen mehr.

Weil?

Bleiben wir beim Beispiel gelbe und grüne Erbsen:

Die F1-Generations-Exemplare haben alle das Merkmal gelb und grün, auch wenn sie optisch gelb sind. Welches der beiden Merkmale sie jeweils beim Kreuzen mit einem anderen Gelb-Grünen F1-ie weitergeben, ist so eine Sache. Mendel sagt, in der F2-Generation bekommt man 25% homozygot Gelbe, 50% heterozygot Gelbe und 25% homozygot Grüne. Optisch (phänotypisch) entstehen 3:1 Gelbe zu Grünen.

In der F2 spalten sich also die Gene nach einem bestimmten Verhältnis auf und die Pflanzen haben nicht mehr alle ein identisches Erscheinungsbild/identische Merkmale.

Ja und was hat das mit mir und meinem Garten zu tun?

1. Wenn man immer Pflanzen mit den gleichen Merkmalen haben will wie die F1-Hybriden, muss man jedesmal neues Saatgut kaufen. Selbstaussaat von gesammelten Samen führt nicht zum gleichen Ergebnis!

2. Wenn man Pflanzen weitervermehrt und sich darüber wundert, dass manche Nachkommen ganz anders aussehen/blühen als die Eltern, dann liegt das genau daran. Beispielsweise kenne ich jemand, der immer nur die Samen von den weißen Fleißigen Lieschen sammelt und sich jedes Jahr darüber wundert, warum wieder lauter Bunte (die übrigens sehr hübsch sind!) auf dem Beet stehen. :-))))))

3. Manchmal schmecken F2-ler auch einfach nicht. Kürbisse können bei der Befruchtung mit Zucchini, Zierkürbissen (nicht verzehrgeeignet wegen Bitterstoff Curcubitin) gekreuzt worden sein. Was wird da wohl rauskommen im nächsten Jahr? Kürbissamen immer frisch kaufen ist besser, es sei denn man will das Zeug nicht essen.

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17 Kommentare bisher

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geli, 29. August 2007, 16:51

hm wenn ich weisse samen einsäe von petunien bekomm ich dann blaue oder wie darf ich das verstehn

Keisha, 29. August 2007, 17:34

Balkonpflanzen sind mit Sicherheit nicht reinerbig. Es sei denn, die weitläufige Nachbarschaft hätte ebenfalls ausschließlich weiße Petunien gehabt ;-) Aber genau DAS ist doch das spannende! Ich habe meine Petunien bunt im Kasten und bin schon mächtig gespannt, was nächstes Jahr wird. Wenn du allerdings jedes Jahr deine weißen Petunien haben willst, solltest du sie wohl besser jedes Jahr neu kaufen….
Ich hab Petunien in Pink, Rosa, hellem Lila, ganz dunklem Lila, Rot und in „Lolli“, wie ich immer sage, weil die Blüten rot-weiß gestreift sind, wie eben Lollis oder Zuckerstangen ^^ Das wird nächstes Jahr bestimmt bunt ;-)

geli, 30. August 2007, 08:08

ich will ja nicht nur weisse da bin ich mal gespannt die samen hab ich getrennt gesammelt hab bis jetzt zwei farben nur mal sehn was ich noch ergattern kann an anderen farben

danke für die info

Achim, 22. März 2008, 10:46

Danke für die für mich sehr lehrreichen und verständlicherständlichen Erklärungen. Ich habe im vorigen Jahr den Samen der gegen Braun- und Blattfäule resistenten Tomatensorte „Philovita F1“ ausgesät, die Früchte geerntet und den Samen getrocknet. Sie sind schon wieder ausgesät(am Fenster). Mal sehen was in diesem Jahr herauskommt.

Gärtnerin, 22. März 2008, 14:00

Gernegerne, Achim. Freut, wenns hilft. Tomaten sind übrigens Selbstbefruchter , weswegen das Mendelsche Gesetz da nicht unbedingt in den obigen Verhältnissen erfüllt werden dürfte. ;-)

Moni, 20. April 2008, 11:55

Hallo Zusammen
eure Beiträge sind sehr Spannennt da ich auch erst dieses Jahr so Richtig angefangen habe samen vom Vorjahr zu setzen und mir verschiedene Gemüse aus gekauften Sorten zu ziehen wie zum Beispiel habe ich letztes Jahr von Tomaten die ich aus Kroatien mitbrachte, die Kerne genommen und gesetzt und sie wachsen gut dasselbe hab ich aus den peperoni(Paprika) von gekauften im Laden gemacht nur wüsste ich gern ob das überhaupt geht und ob das was Wirt Ertragglich weil ich schon verschiedentlich gelesen habe das man F1 Samen schlecht wider weiter verwenden kann und da ich ja nicht sagen kann was das für Sorten waren hmmm…scheint mir alles ziemlich kompliziert naja bin mal gespannt was das alles Wirt mein bei den gekauften habe ich ja keine Zweifel aber von all denen die gesammelt habe wie die von den petunien bin mal gespannt was das wird.

Gärtnerin, 20. April 2008, 13:05

Hi Moni. Gelegentlich ein Punkt oder Komma wären echt lesefreundlich. ;-)
Klar wird das was. Lass Dich halt überraschen, was rauskommt.

Trackback Gärtner-Blog, 19. August 2008, 10:56

Kürbis, Kreuzung und Hybriden…

*schmunzel*
Axel hat aus selbst gesammelten Kürbis-Samen neue Kürbispflanzen gezogen. Da ich vor Ewigkeiten schon mal über das Phänomen geschrieben hatte, freut es mich besonders, damit auch den Bild-Beweis zur Ansicht mal zeigen zu…

gegu, 21. Mai 2009, 11:35

== Wie sieht die PRAXIS aus ? ==
Hmm, ich kaufe im Frühjahr Unmengen von Stiefmütterche. Auf allen Töpfchen steht „F1-Hybriden“.
Ich kann mir vorstellen, daß in einem Bereich die ‚reinrassige Vätergeneration'(Sorte1) und an anderer Stelle die ‚reinrassige Muttergeneration‘ (Sorte2) blüht.

Ich kann mir NICHT vorstellen, wie es gelingen kann, Sorte 1 mit Sorte 2 zu kreuzen, um NUR 1×2-Samen zu erhalten und gleichzeitig 1×1- und 2×2-Samen zu vermeiden.

Wie verfährt man bei den Samenzuchgertnereien in der Praxis?

gegu, 21. Mai 2009, 11:37

“ Samenzuchtgärtnereien „

Gärtnerin, 22. Mai 2009, 08:22

Das interessiert mich auch brennend, gegu. Deswegen besuche ich am 4.7. eine F1-Hybriden-Samenzucht-Gärtnerei, um was zu lernen. Werde dann berichten. :-)

gegu, 25. Mai 2009, 14:36

DANKE!

– Da bin ich sehr gespannt, wie man so ein Problem „großtechnisch“ bewältigt. –

Auf dem Felde ist es wohl unlösbar [die entsprechende Ausbildung von Bienen dürfte problematisch sein], so bleibt nur das „Reagenzglas“ , so rate ich jetzt einfach mal.

Trackback Gärtner-Blog, 08. Juli 2009, 13:40

Samen-Züchtung und -Produktion…

Am Samstag hatte ich Gelegenheit, im Rahmen einer Führung bei der Firma Hild Samen GmbH in Marbach etwas über Saatgut-Züchtung und Produktion zu lernen. Hild Samen ist ein alteingesessenes, schwäbisches Kräuter und Gemüse-…

gegu, 09. Juli 2009, 10:40

DANKE!

Ganz großartig Dein ausführlicher Bericht! Man kann die Besichtigung sehr gut nachvollziehen und erfährt wirklich sehr viel Interessantes.

(Einige Fragen zu F1-Hybrieden werde ich eventuell später noch stellen wollen.)

Gärtnerin, 11. Juli 2009, 18:16

Da bin ich aber gespannt, wohin die uns führen. ;-)

Pingback Handbuch Samengärtnerei | Permakultur-Blog, 16. Dezember 2010, 12:00

[…] bzw. allgemein technischen Veränderung von Saatgut hinzu. Stichworte sind hier Gen-Mais, F1 Hybriden und […]

[…] geschweige denn allen anderen die Benutzung nur bestimmten Saatguts vorzuschreiben (sicherlich F1-Hybride, aus denen selbst kein weiteres Saatgut mehr erzeugt werden kann, man also nachkaufen muss). […]

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