Gärtnerin · 18. März 2007, 10:12

Beth Chatto, der Kiesgarten und mein Hang

Ich mache mir ja nun schon eine Weile Gedanken über meinen Garten (trockener Sandboden), die Hitze (nur heiße Sommer, seit ich hier wohne, mit dauernden Wasserspielen per Gartenschlauch) und den Klimawandel und was er für Veränderungen im Garten nach sich ziehen wird. Hab auch neulich mal was drüber geschrieben.

Dazu kommt, dass mein Hang echt beschissen aussieht mittlerweile und dringend einer Überarbeitung bedarf. Die Lavendelbüsche sind nach 3 Jahren zu wagenradgroßen dicken Kugeln herangewachsen und verdrängen so langsam alles, was neben ihnen wächst. Das Ganze nahm sich letztes Jahr schon aus wie Kraut und Rüben und dieses Jahr wirds sicher nicht besser. Und im Winter ist es deprimierend, wenn die Stauden fehlen. Echt. Also etwas mehr immergrün und Struktur wäre gut. Schöne große Lavendel sind schon schön, aber sie sollten ja auch noch im Verhältnis zu der kleinen Fläche im kleinen Garten stehen. Also aber was dann?

Und drittens gestehe ich ein, am Terrassenhang nicht wirklich gern zu arbeiten. Auf der Schräge isses anstrengend und ich bin froh, wenn ich nicht ständig da rein muß. 2-3 mal Pflegedurchgang im Jahr reichen mir völlig! Und dauernd spritzen will ich auch nicht mehr. Also Pflanzen, die Trockenheit vertragen können bzw. wenigstens trockenheits-toleranter sind als der bisherige Bewuchs und schön dicht machen, so dass wenig “Unkraut” zu jäten ist.

An dieser Stelle traf ich per Telefon auf Bergenia – Pseudonym, nicht die Pflanze ;-) – die unter sehr ähnlichen Bodenbedingungen gärtnert und einen Kiesgarten ihr Eigen nennt. Wie´s halt so ist, verschwätzt man sich in Gartenfragen heillos und wir landeten schließlich bei obigem Thema. Sie erzählte mir von dem Buch von Beth Chatto “Der Kiesgarten”

und der Geschichte, die dahinter steckt: Beth Chatto ist eine berühmte englische Gärtnerin mit eigener Gärtnerei, die einen furz-trockenen, mageren, steinigen Gartenbereich mit fast nie Regen quasi experimentell mit den geeigneten maximal trockenheitsverträglichen Pflanzen bepflanzte. Maximal trockenheitsverträglich nenne ich das deshalb, weil dieser Garten NOCH NIE gegossen wurde. Mit der Gartenplanung und Anlage des Gartens begann sie 1991 und das Buch “Der Kiesgarten”, das die Erfahrungen und Pflanzen zu diesem erfolgreichen! Langfrist-Experiment enthält, erschien 2000.

Natürlich habe ich mir das Buch gleich bestellt, um mehr über Chattos Pflanzenauswahl zu lernen. Eine steilere Steilvorlage für mein obiges Problem ist mir ja bisher gar nicht untergekommen! Ich habs auch schon verschlungen und finde es dermaßen eindrucksvoll, welche Vielfalt und Schönheit diese Frau da in den steinigen Staub komponiert hat! Sehr motivierend so weit und ich halte mich für in der Theorie auch schon bedeutend klüger. ;-)

Hier der Link zur Beth-Chatto-Website/Beth Chatto Gardens

Nun gut, ich werde also meine Hangbepflanzung und auch Teile des Staudenbeets überarbeiten und dabei zum Teil andere Pflanzen als bisher einsetzen. Einige, die Beth Chatto erwähnt, gedeihen auch in meinem Garten (und auch am Terrassen-Hang) sehr gut, andere weniger und die werde ich ersetzen durch mir zusagende Kiesgarten-Pflanzen.

Meine neuen Favoriten habe ich anhand der Pflanzenliste im Buch auch schon gewählt. Vorerst hocke ich aber noch auf der “Komposition”, also der Frage wie ich die Pflanzen am besten “auftrage”. Ich finde es vergleichsweise leicht, auf großen Flächen ansprechende Pflanzenkompositionen anzurichten, aber sehr schwer, das auf kleiner Fläche zu tun. Breite Bänder von irgendwas, richtig viel Tiefe, alles das fehlt. Außerdem sind ein paar für mich neue Pflanzen unter den künftigen Neuen, so dass ich für die noch kein Gefühl habe. Na ja, werde mal brüten. Das wird eh ein Langfrist-Projekt.

Vorläufige Pflanzenliste für Hang und Staudenbeet:
(Liste der Möglichkeiten, Vorhandenes, zu Entfernendes)

Neues:

Gaura lindheimeri
Nepeta “Six Hills Giant”
Nepeta tuberosa
Papaver orientale
Perovskia
Saponaria
Verbena rigida
Veronica spicata “Mrs Underwood”
Artemisia glacialis (kriechend)
Artemisia abrotanum und/oder absinthum
Diascia
Thymus longicaulis
Ballota pseudodictamnus
Eryngium zusätzliche Sorten?
Helianthemum
Salvia lavandulifolia, weitere Salbei
Phlomis – die rosa Sorte?!
Stipa – tolles, feines Gras. Hab mich echt verliebt!
Parahebe perfoliata
Allium verschiedene
Lein?

Vorhanden/gut gedeihen:

Helleborus – Vielfalt erhöhen
Lychnis coronaria – Samen weiße Sorte auftreiben
Sedum verschiedene – vermehren, mehr Sorten?
Verbena bonariensis - vorhanden
Eryngium planum
Gypsophila (schon in Mache)
Stachys byzantina - vorhanden, vermehren
Lavendel – Sorte wechseln. Zu lange Blütenstängel-> kippen hässlich um.
Katzenminze-Sorte ersetzen
Salbei-Staude vermehren
Iris bleiben
Blaukissen und Schleifenblume und Storchschnabel und Akelei bleiben?
Grasnelke?
Hornkraut?

rausmachen:

Sumpfschwertlilie
Polsterglockenblume wird mir zu ausladend

To be continued…

eingewurzelt unter: Garten-Gestaltung

Alle anzeigen mit Stichwort:

Vor einem Jahr
Cymbidium-Orchideen-Blüte, Garten-Angebote nächste Woche



19 Kommentare bisher

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niXda, 18. März 2007, 17:44

Die Pflanzenarten mit Fragezeichen bei den schon vorhandenen würde ich belassen, da sie solche trockenen Hang-Standorte mögen.
Eine geeignete Helleborus-Art ist die Stinkende Nieswurz (Helleborus foetidus).
Rotes Seifenkraut (Saponaria ocymoides) ist, neben einigen anderen Arten aus der Nelkengewächsfamilie, zu empfehlen.
Sedum (Fetthenne), Thymus (Thymian) und Helianthemum (Sonnenröschen) eignen sich wohl fast alle Arten.
Echter Salbei (Salvia officinalis), Wiesen-Salbei (S. pratensis), Quirl-Salbei (S. verticillata) und Muskateller-Salbei (S. sclarea) eignen sich ebenso wie der schon vorhandene Steppen-Salbei!
Mit der rosa Phlomis-Art meinst Du wahrscheinlich das, in Deutschland wildwachsend ausgestorbene, Knollen-Brandkraut (Phlomis tuberosa) welches sich genauso gut eignet wie das, bei uns gesetzlich geschützte, Pfriemen- oder Federgras (Stipa).
Von den geeigneten Lein-Arten nenne ich mal nur die blau blühenden (:-)): Lothringer Lein (Linum leonii), Ausdauernder Lein (L. perenne) und Österreichischer Lein (L. austriacum).
An Lauch dürften sich die Arten: Kugelköpfiger Lauch (Allium sphaerocephalon), Berg-Lauch (A. lusitanicum, früher: A. montanum, A. senescens ssp. montanum) und Schnitt-Lauch (A. schoenoprasum) eignen.
Ob man zusätzliche “Sorten” bzw. Arten Eryngium (Mannstreu) einsetzen sollte ist nicht nur eine Frage des Raumes, auch diese könnten eventuell durch zu starkes Wachstum bzw. Vermehrungsfreudigkeit lästig werden.
Obwohl Frauen gegen treue Männer ja eher selten etwas haben!
:-)

Gärtnerin, 19. März 2007, 12:07

Ja! Ich hab zwar einen, aber noch mehr Männertreu kann absolut nicht schaden. :-)
Ob ich die mit dem Fragezeichen lasse, weiß ich noch nicht so genau. Das Fragezeichen steht da, weil die mir eventuell in der neuen Komposition nicht so zusagen. Danke erstmal, ich brüte weiter bzw. bin grad mit Vermehrung einiger Sachen zur Vorbereitung beschäftigt.

Gartenfreundin, 28. März 2007, 21:15

Ich verfüge ebenfalls über einen trockenen Sand(Süd)hang größeren Ausmasses mit Terassen und Mauern und erlebe auch seit etlichen Jahren merkbare Veränderungen zu extremer Trockenheit im Sommer – was dennoch überraschenderweise wunderbar wächst sind alle möglichen Clematis (v.a viticella – Sorten, aber auch montana und alpina -die ranken in z.T. abgestorbene alte Obstbäume und Wacholder-sowie etliche staudige Arten).
Ebenfalls eine Pracht ist Diptam – der wird immer sehr bewundert, weil fast niemand ihn kennt komischerweise. Ebensogut wachsen Papaver orientale in vielen Sorten sowie Papaver ruprifagum, Salbei sowieso – sehr schön Salvia nevadense. Freude bereiten Zauschneria und verschiedenen Nelken wenn sie einmal eingewachsen sind. Rosen habe ich auch, die brauchen allerdings immer wieder schön Kompost und eventuell mal einen Guß Wasser solange sie noch jung sind. Was wächst sonst noch: wilde Erdbeeren, Feigenbäume, Pfirsiche, Buchs, Taglilien,verschiedene Stipa und andere Gräser, Geranium sanguineum und andere trockenheitsliebende Geranium, Cistus in mehreren Sorten, Pfingstrosen (tenuifolium, mlokosewitschii, Strauchpäonien), Tulpen (Wildsorten), Epimedium und, und und… auf einem trockenen Hang gedeiht vieles, wenn die Pflanzen einen guten Start bekommen mit Kompost, ein wenig Bentonit und Urgesteinsmehl beim Einpflanzen und geschickte Mikrostandorte geschaffen werden…
Viel Spaß beim Neugestalten!

niXda, 29. März 2007, 09:28

Ui Gartenfreundin,
das hört sich ja üppig an. Ja den Diptam (Dictamnus albus) mag ich auch ganz besonders, der duftet auch so gut. Manche mögen seinen Geruch nicht, zumindest nicht sofort. Wald-Erdbeere (Fragaria vesca) eignet sich für viele Standorte und man bekommt sie so günstig. Einen Ableger aus dem Wald an eine günstige Stelle gepflanzt und in kurzer Zeit hat man einen Teppich davon.
Eine winterharte Zauschneria?! Um welche Art handelt es sich denn?

Gartenfreundin, 29. März 2007, 10:31

Halo niXda,
Zauschneria hat sich hier (Nordharzvorland) seit etlichen Jahren (mindestens 6 Jahre her) bewährt und dabei auch den vorletzten langen winter und manche tiefkalte Perioden ohne Schutz überstanden, es ist eine, die ich bei Gräfin Zeppelin einmal kaufte -Zauschneria cana, möglicherweise Olbrich’s Silver. Ich habe zwei Pflanzen, eine im Sand leicht durch Kiefern beschattet, die andere steht seit vorigem Jahr in einem neuen Kiesbeet in voller Sonne (Beth Chatto läßt grüßen…)und wuchert hier jetzt regelrecht los. Die andere Sorte ist Zauschneria latifolia, irgendwo auf einer Börse erworben, steht am Hang und legt ebenfalls los(wohnt aber noch nicht so lange hier), könnte aber noch ein paar Nährstoffe mehr vertragen – es lohnt sich immer, dem Sand etwas Ton oder tonhaltigen Kompost zuzusetzen (Lehm, Bentonit) und die Pflanzstelle schön mit Kies abzudecken.
Alle diese empfindlichen Pflanzen bekommen bei mir ein Mikroklima durch Steinblöcke, Nischen im Hang usw., dami sie vor kalten (Ost)winden geschützt sind, es ist aber kein regelrechter Steingarten.
Ja, üppig ist meine Bepflanzung wahrscheinlich schon, was die Vielfalt der Arten angeht, allerdings wächst eben auf Sand vieles (Rosen, Taglilien) sehr viel langsamer als in guter Gartenerde und im August kann mans vergessen, dann ist hier Anadalusien (Stipa, lavendel, Salvia üppig, Rasen braun) und ein Teil der anderen Pflanzen geht in Trockenschlaf…

niXda, 29. März 2007, 22:47

Danke Gartenfreundin für die Infos! Tja die Taglilien mögens feuchter…
:-)

Gärtnerin, 01. April 2007, 14:31

Hey, vielen Dank Gartenfreundin, das verlängert meine Wunschliste deutlich. Werde Deinen Beitrag auf jeden Fall im Hinterkopf behalten. Jetzt muss ich erstmal die ersten Neuzugänge besser kennenlernen.

Bergenia, 24. April 2007, 00:33

Hallöle! Hatte Sendepause (gelobe Besserung) – jedoch habe ich festgestellt, daß du die Zeit wirklich gut genutzt hast und deine Hommage an Beth Chatto hätte ich nicht besser formulieren können! Jedenfalls freue ich mich sehr, daß dein Interesse an leistungsfähigen Pflanzen so gewachsen ist und du dir schon einige Favoriten ausgewählt hast. Nun denn, ich denke am besten gebe ich einfach mal ein paar pers. Kommentare zu deinen Liebsten ab. Gaura lindh..: empfehle Sorte Whirling Butterflies, punktuell einsetzen; Nepeta Six Hills G.: könnte ich dir im Herbst schicken; Nepeta tuberosa: schwer zu bekommen, soll nicht ganz winterhart sein, würde mich über Info deiner Erfolge freuen; Perovskia Blue Spire: kann ich dir schicken (habe zu viel vermehrt); Saponaria: ich habe Sap. lempergi Max Fei was ich nur emppfehlen kann, da es etwas höher als ocymoides ist und sich schön über Mauerkronen/Hänge legt; Verbena rigida: wenn du Samen hast melde dich; Artemisia: soll munter Ausläufer machen, würde es nur mit Powis Castle (strauchartig) wagen; Eryngium: habe das tripartitum zwischen Nepeta gesetzt, wuchert nicht und hat sich nicht ausgesamt; Phlomis: habe tuberosa-Samen mal irgendwo gesammelt, wenn du es damit versuchen möchtest kann ich sie dir schicken; Stipa: hätte Stipa gigantea und tenuissima anzubieten; Helleborus: die einzigen Sonne liebenden Sorten sind argutifolius (corsicus) und sternii, habe corsicus (hat sich bewährt), sternii ist selten und teuer; Lychnis coronaria: habe die weiße Sorte, wenn du magst gibts nach der Blüte Samen; Lavandula: probier es mal mit Munstead, ist schön kompakt und steht gut; Salvia: Caradonna ist eine schöne Sort mit schwarzroten Stielen und dunkelvioletten Blüten, hast du zufällig Samen vom sclarea (Muskatellersalbei)? Wollte ihn einfach mal ins Beet schmeißen! So Vagabunden im Beet schaffen tolle Effekte! Ansonsten fällt mir zu deiner Pflanzliste neben Nepeta, Stipa und Gypsophila noch Kautia macedonica oder Centranthus ein! Schau sie dir an – es sind unermüdlich Blüher ohne Ansprüche die zu diesem Thema passen!
Es grüßen dich aus dem Kiesgarten aktuell Nepeta mussinii Superba, div. Euphorbia (characcias Humpty Dumpty ein Traum), Helleborus, …. und natürlich Bergenia!!!

Gärtnerin, 24. April 2007, 17:59

Huhu Bergenia,
da bist Du ja. ;-)
Mannomann, das ist ja ein Informations-Konzentrat… Vielen Dank!
Ich habe schon einige der neuen Favoriten eingekauft, die, die ich halt bekommt konnte, aber eben auch die Sorten, die ich erhalten konnte. Ist nicht so ganz einfach bei manchen Sachen, das hab ich schon gemerkt. U.a. sitzen bereits im Hang Wermut, Nepeta Six Hills Giant, Helleborus, die sich selbst da hin gesät haben, Helianthemum in weiß. Gaura Lindheimeri, andere Sorte als von Dir erwähnt, muss Schild suchen, sitzt vereinzelt im Staudenbeet gegenüber. Centhrantus ist mir schon 2x in den letzten Jahren eingegangen. Muskatellersalbei – evtl. mal Marion (siehe Autoren) fragen. Derzeit stockt das Projekt, weil andere Ecken (Kübelpflanzen, Pflanzenrettung, Tulpentest, Pflanzenbörsen) mich sehr beschäftigen. Werde mich dem Thema also langsamer nähern als ursprünglich geplant.
Werde wieder berichten. ;-)

Gartenfreundin, 24. April 2007, 21:18

Hallo Gärtnerin,
Centhranthus geht ein? Das finde ich seltsam, weil ich ihn als so überaus anspruchslose Pflanze erlebe, der überall wächst, vorzugsweise an den unmöglichsten Standorten (Mauerritzen, direkt am Stamm einer Kastanie, usw., auf einer Fläche über altem Bauschutt ) – ein typischer Liebhaber sehr magerer Standorte.
Er hat lange kräftige Pfahlwurzeln und hält sich damit überall fest.
Beim Einpflanzen gut angießen, vielleicht sogar etwas ringsum antreten und dann sich selbst überlassen.
Und jetzt sprießen schon wieder Sämlinge überall-(bei Bedarf gebe ich gern welche ab.)

Gärtnerin, 25. April 2007, 07:56

Ja, tut er leider, Gartenfreundin. Vielleicht probier ich ihn doch nochmal an anderer Stelle. Was für eine Gartenecke gilt, könnte ja in einer anderen anders sein. Schön find ich ihn nämlich schon…

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Wenn der Buchs noch jung, Gabriella, könntest Du niedrige Polsterglockenblumen gut nehmen. Die kommen bei mir gut mit Buchsbaum im Topf klar. Auf die Dauer kann er aber nur alleine, wenn er größer wird.

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