Meditatives Gärtnern

28. Februar 2007 von Reto Locher

Ich bin Reto Locher aus Luzern (das liegt in der Schweiz) und wollte mal
ausprobieren, ob Meditieren auch beim Gärtnern funktioniert. Also bin ich
raus in den Garten und anstatt nur auf die Pflänzchen zu schauen, habe ich
auch nach Innen geschaut.

Dabei sind so Fragen aufgetaucht wie:

Machen mich diese Schnecken eigentlich wütend?
Wieso säe ich lieber als dass ich ernte?
Wie fühle ich mich, wenn ich Unkraut jäte?

Ich habe dabei eine ganze neue Sicht auf die Dinge gewonnen, die sonst so selbstverständlich im Garten ablaufen. Deshalb habe ich darüber ein Buch geschrieben, das ich Euch vorstellen möchte: Meditatives Gärtnern

Es ist kurz, enthält 32 Texte jeweils auf der einen und ein grosses Bild auf der anderen Seite. Und ich bin total gespannt, ob es noch andere meditative Gärtner gibt?? Wenn Euch das Buch interessiert, könnt ihr es bei mir per E-Mail bestellen: locher@comm-care.ch. (Es kostet 20.- Euro plus Versandspesen)”

Leseprobe: Nacktschnecken kübelweise

Ich nehme einen roten Plastikeimer, lege eine
Zeitungsseite ein, stülpe mir die dicksten
Gartenhandschuhe über und mache mich auf den Weg.

Der August ist verregnet und ich habe in
meinem ganzen Leben noch nie so viele
Schnecken im gesehen wie in diesem Jahr. Sie
sind braun, sie sind dick, sie schleimen und sie
sind überall.

Aber töten will ich sie nicht. Wenn ich auf eine
trete und sie zerquetsche, fühle ich mich
schlecht. Wenn ich sie in heisses Wasser
werfe auch. Und wenn ich Schneckenkörner
streue ebenso. Deshalb bin ich jetzt mit
meinem roten Plastikeimer unterwegs.

Auf der lockeren Erde in den frisch angelegten
Beeten lassen sie sich leicht einsammeln. Es
ist Morgen und sie scheinen es eilig zu haben
zu verschwinden. Wahrscheinlich sind sie satt.
Kaum eine finde ich mehr beim Essen. Mit
Ausnahme der Broccoli; dort hängen sie selbst
jetzt noch an den Blättern oder an dem was
davon übrig ist.

Ich bücke mich für jede Einzelne. Fasse sie mit
zwei Fingern unter den Bauch und werfe sie in
den mit Zeitungspapier ausgelegten Eimer.
Rund um herabgefallene Äpfel sind es zehn auf
einmal. Und auch auf dem Schneckenzaun gibt
es sie gruppenweise. Der Eimer wird schwerer.

Aber das Gefühl ist diesmal gut. Ich tu nichts
Schlechtes. Sie machen bloss eine kleine
Reise: von den Blumen- und Gemüsebeeten in
den Abgrund. Auf der einen Seite unseres
Gartens fliesst ein Bächlein in einem tiefen
Tobel, das mit Wald bestockt ist. Dorthin reisen
sie. Dort ist es schattig, kühl und es sind acht
Höhenmeter und 30 Meter Wiese bis zum
nächsten Beet. Die Reise beginnt, zuerst zu
Fuss über die Wiese und dann – fliegt
Schnecken, fliegt!

Erledigt. War das ein achtsamer Umgang mit einem
lästigen und oft frustrierenden Problem?
Ich wünschte mir eine Igelfamilie im Garten,
aber bislang hat sich keine hier eingebürgert.
Deshalb wir wohl auch das nächste
Schneckenreisli nicht lange auf sich warten lassen.

19.8.05

eingewurzelt unter: Garten allgemein

Alle anzeigen mit Stichwort:

Vor einem Jahr
Wohnzimmer-Renovierung - die Fußleisten, Neue Zimmerpflanzen-Ecke mit Bank



7 Kommentare bisher

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Macht Spaß zu lesen – ich glaub das bestelle ich mir. Danke für den Tip!

Andreas, 25. Mai 2007, 23:23

Und Andreas? Hast du es gelesen/bestellt?
Soweit finde ich den Grundgedanken ganz witzig und interessant. Nur die Idee mit der Schneckenreise ist – für mich rein persönlich! – absurd. Die Herrschaften riechen weit genug, dass sie wiederkommen werden.

Da denke ich doch lieber nochmal über das nach, was ich erst vor kurzem zufällig gefunden habe:

http://www.schneckenfluestern.de/home.htm

wer weiss … wenn´s hilft???

Gartenfee, 25. Juli 2007, 10:52

Bin gerade nach einem Gartenbuch am schauen – schon mal im voraus für den Frühling :) hört sich gut an, mal schauen ob das Buch gut ist für mich und meinen grünen Daumen :)

Gruß

Bau Blog, 02. November 2007, 12:13

Das meditative Gärtnern ist ein Gartenbuch für das ganze Jahr, insbesondere auch für den Winter! Es gibt einige Texte, die sich auf Schnee, Eis, Ruhe im Winter usw. beziehen. Ich finde, dass Gärten im Winter ganz attraktiv sein können, weil sie dann eine Ruhe ausstrahlen, die im Sommer kaum zu erfahren ist.

Herzlich aus dem schneebedeckten Garten in Luzern
Reto

reto locher, 18. November 2007, 10:58

Hallo, witziger Beitrag ;-) Es ist mal wieder bald Frühling und ich möchte dieses Jahr gern wissen, wie endlich unsere Schräge bepflanzen kann. Unser Problem ist, dass wir am Hang wohnen und somit von der linken Ecke bis zur rechten Ecke einen immer steiler werdenden Hang haben. Rindenmulch fällt immer herunter und mit Bodendeckern haben wir es versucht, die sind schon 2 jahre drin, brauchen aber EWIG… bis die die steile Fläche (ca. 60-70°) wirklich bedecken. HAst du evtl. einen Tipp? Danke :-)

Garten Frage, 08. Februar 2010, 14:33

Zur Gartenfrage !
Versuch es doch einfach mal mit Maschendraht.
Auslegen, oben befestigen und dann Rindenmulch
drauf. Sehr grobmaschig reicht und man kann trotzdem noch Bodendecker pflanzen. Dann wachsen
auch die Bodendecker besser.

Klaus, 08. Februar 2010, 17:08

Hallo Reto !
Igel fressen keine spanischen Schnecken, sie
schmecken ihnen einfach nicht. Laufenten sind
die beste Alternative und außerdem eine gerechte
Strafe, da sie unsere einheimischen Schnecken fressen. Aber unterstellt mir bitte keine Ausländerfeindlichkeit.
Das Sprechen mit Pflanzen ist weit verbreitet und wenn man daran glaubt, soll es sogar helfen.

Klaus, 08. Februar 2010, 17:23

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