Uta · 26. August 2007, 18:16

Gärten anderswo

Ich hatte hier mal eine russische Datschensiedlung im Winter gezeigt. Ziemlich lustig zu sehen, wie die Leute mit gefundenem Baumaterial improvisieren.
Dann war ich im Frühling nochmal dort. (Es ist das Gartengelände des “Sternenstädtchens” in einem Vorort von Moskau, Koslowka).

Es sah auf den ersten Blick immernoch nicht viel anders aus: hohe Zäune aus den wunderlichsten Elementen (gern Bettgestelle), viel Schlamm und zerfahrene Wege.

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Guckte man aber hinter die Abgrenzungen, zeigte sich, wie intensiv und wie so viel anders als (meist) bei uns die Gärten genutzt werden.
Jedes Fleckchen Erde war akribisch von Unkraut befreit. Ich denke, per Hand. Muss unglaublich viel Mühe gemacht haben. Jeder Zentimeter war genutzt, um etwas anzubauen. Und zwar etwas Essbares. (Ich hoffe, man kann auf den Fotos das zum Säen und Pflanzen vorbereitete Land erkennen) Dies sind keine Gärtchen für die Seele, sondern für den Bauch:

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Es gab Gewächshäuser bzw. Frühbeete, manchmal einfach aus Folie und alten Fenstern gebaut.

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Natürlich auch Blumen. Aber viel sparsamer als bei uns. Bei größeren Blumenbeeten war klar, die Blüten sind zum Verkauf bestimmt. Hier hat sich jemand Tulpen gegönnt, aber nur für den schönen Blick aus dem Fenster.

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Das Haus schien auf jeden Fall nie das Wichtigste, sondern eher Nebensache zu sein.

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… Also, sind da ergebnisorientierte Gemüse- und Obstgärtner am Werke, die wissen, was sie tun. Ein Mann erklärte uns, dass er als Gründünger Hafer ausstreut und streng nach der Wissenschaft die Fruchtfolge beachtet. Ich denke, sie ernten in Koslowka auch reichlich, leider hab ich das nie gesehen. Die Erde sah toll aus und roch richtig gut.
Ein bißchen schlechtes Gewissen wegen meines “Müßiggangs” im Garten – ich hab fast nur Schmuck – (und wegen des leisen Spotts im Winter) packte mich bei diesem Spaziergang, geb ich zu …

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4 Kommentare bisher

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Gärtnerin, 27. August 2007, 12:54

Du MUSST zur Erntezeit nochmal hin! Oder vielleicht jemand von dort mit ner Digicam auffordern, uns zu berichten. Das fände ich toll!!!

Sisah, 29. August 2007, 06:12

Das interessiert mich auch Uta…..der Blick über den Tellerrand, der sich bei den Hobbygärtner(inne)n hier hauptsächlich gen Westen und da speziell nach England ausrichtet.

Stephan, 29. August 2007, 10:25

Kennst du die Versorgungslage mit Nahrungsmitteln in Russland? Oftmals sollen die Löhne und Renten ja eher niedrig sein, so dass für eine vollwertige, bezahlbare und zuverlässige Versorgung solche vielleicht nötig sind.

Russland ist zwar an sich ein reiches Land, was aber nicht heisst, dass es die Leute dort auch sind.

Zu DDR-Zeiten gab es übrigens auch viele solcher Gärten. Da wurden “Datschen” ja durch den Staat gefördert. Wohl um auch die Versorgungslage der Menschen zu verbessern.

Uta, 30. August 2007, 22:34

Gerade Moskau ist eine der teuersten Städte der Welt. Es gibt inzwischen alles zu kaufen, aber für Normalverdiener bleibt vieles Luxus.(Ein Museumswächter z.B. hat im Monat 200 Euro, eine Lehrerin nicht wesentlich mehr. Obst kostet aber etwa so viel wie bei uns.) Dass Familien überhaupt ein Stück Land besitzen, ist meines Wissens aber auch schon selten. Kein Wunder, dass sie es nutzen – und mit Zäunen schützen.
Traditionell holen sich die Leute auch viel aus dem Wald (Blaubeeren, Walderdbeeren, Pilze) Jedenfalls die älteren… Man hat mir total leckere Marmeladen angeboten, die man zum Tee nimmt. Die sauer eingelegten Steinpilze sind auch richtig gut.
Die DDR-Datschen waren, glaube ich, wirklich recht ergiebig. In meiner Nachbarschaft gab es eine Mosterei, vor der die Leute jeden Herbst Schlange standen. Sie gaben ihre Äpfel ab und fuhren mit Saft heim. Und haben nicht auch staatliche Läden Obst und Gemüse von Kleingärtnern aufgekauft, um es dann weiter zu verkaufen, mitunter zu subventionierten Preisen…?

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