Garten im Klimawandel
Nachdem in den letzten Tagen so viel über Klimawandel und potenzielle Veränderungen des Klimas auch in Deutschland durch die Medien ging, habe ich mir mal wieder ein paar Gedanken gemacht, was im Garten auf uns zukommt, und bin auch auf Eure gespannt!
Nicht zuletzt übrigens, weil nicht nur die Levkojen in meinem Garten noch immer blühen und die Geranien es draußen bis in die letzte Januarwoche geschafft haben…
… und die Schleifenblume schon seit Januar blüht, obwohl doch viel zu früh…
Dass sich da was im Garten verändert habe ich eigentlich zuerst so gegen 2003 bemerkt. Die Sommer sind super-heiß, einer schlimmer als der andere, und auch das Sommerferienwetter ist nicht mehr das was es mal war. Früher hatte man entweder wochenlang kühle Temperaturen und Regen zu beklagen oder wenn es schöne heiße Gartentage gab, dann spätestens am nächsten Tag Gewitter und Regen, Regen, Regen. Heute ist es wochenlang heiß und Niederschläge blieben auch 2006 im Sommer so ziemlich aus. Außerdem ist es dauernd stürmisch (bei mir aber auch besonders schlimm bemerkbar, weil meine Terrasse in einem Windkanal liegt).
Die Winter im Rhein-Main-Gebiet waren eh nie welche, aber während wir letztes Jahr immerhin ein paarmal Schnee hatten, ist dieser Winter so gar keiner und es hat auch nur an einer handvoll Tagen seit Januar Frost gehabt. Einmal hats den Gartenboden kurz weiß bedeckt und die nicht winterharten Pflanzen blühen wie gesagt z.T. immer noch. Das gibt mir schon die ganze Zeit zu denken, zusammen mit dem was durch die Medien geistert dieser Tage…
Mehr Hitzetage, mehr Trockenperioden, mehr Überschwemmungen, Landverlust, Anstieg des Wasserspiegels, Polkappen-Abschmelzung, mehr Bodenerosion, “Versteppung” … Uahh! Da krieg ich die Panik! Die meiste Angst habe ich vor Wassermangel. So etwas konnte ich in Afrika schon mal miterleben und habe es als eine der entsetzlichsten Erfahrungen meines Lebens abgelegt.
Mir stellt sich die Frage, worauf wir uns im Garten einzustellen haben und was künftig vielleicht anders werden muss. Ich meine damit nicht so sehr, wie man sich klimawandel-verträglicher verhalten sollte, sondern wie man mit den Folgen des Klimawandels im Garten umgehen kann/werden muss.
Werden wir pflanzen-technisch in ein paar Jahren mediterrane Garten-Vegetation haben?
Werden wir mehr trockene Standorte mit trockenheitsverträglichen Pflanzen ausstatten müssen?
Regenwassertanks im großen Stil? Neue Formen der Gartenbewässerung? Dürretaugliche Apfel- und Zierbaum-Sorten?
Aufhalten können wird man wohl nicht mehr sehr viel. Klar wird mich das erstmal persönlich viel härter treffen als meinen Garten, aber solche Gedanken mache ich mir eben. Findet Ihr das dämlich? Was denkt Ihr?
Würde mich freuen, wenn das hier so was wie ein Austauschplatz zum Gärtnern unter anderen Bedingungen würde.
eingewurzelt unter: Garten-Wetter
Vor einem Jahr
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12 Kommentare bisher
KommentierenIst garnicht dämlich, bin ganz Deiner Befürchtungen! Mir wird ganz mulmig zumute, wenn ich sehe wie meine Gazanien áuf´m Blumenkasten im 3. Stock noch teils am Leben sind. Die Pflanzen draußen blicken nicht mehr durch ( die Tiere ebenso, wie neulich auf´m Kuhdamm die Spatzen meiner Meinung nach gebalzt haben). Gärtnerisch wird man sich wohl neu orientiern müssen, weil es möglicherweise erst mal einfach heiß wird. Jedenfalls wird kein verlässlicher Rhythmus in Sicht sein. Der letzte Winter war ja auch was Besonderes in Berlin. Lange fand ich es sehr schön, doch dann nahm es kein Ende. Raus, rein mit den vorgezogenen Tomaten. Und dieses Jahr dann das Gegenteil. Es wird nicht nur uns persönlich treffen, denn wir sind nur ein Teil der Natur. Fest steht laut Experten, es wird schwerwiegende Veränderungen geben, sie sind schon am Laufen.
Conny aus Berlin, 09. Februar 2007, 20:18Conny
Danke für den Kommentar, Conny. Und danke für die Gazanien. Vermutlich wird man den Begriff Einjährige wohl für unsere Breiten neu definieren müssen…
Gärtnerin, 09. Februar 2007, 22:36Hallo Ihr Lieben, es kann einen schon langsam Angst werden, kein richtiger Winter und schon gar kein Frost. Landwirte die mittleiweile auf Weizenarten aus Italien umstellen. Ich überlege seit langem was man eigentlich noch pflanzen soll. Bei Temp. um 40 Grad wie diesen Sommer zu erwarten sind, kommt man dann kaum noch mit dem gießen nach. Der Tornado im Sommer hat bei uns richtige Löcher im Garten hinterlassen, jetzt wissen wir nicht so recht welche Ziersträucher wir überhaupt pflanzen sollen. Vielleicht hat jemand einen Rat? Susanne
Susanne, 12. Februar 2007, 14:37Hallo Susanne, hier in der Gegend sitzen viele relativ trockenheitsverträgliche Sträucher, weil wir Sandboden haben, der eigentlich immer ziemlich wenig Feuchtigkeit halten kann. Ohne biologische Nutzwertbewertung zähle ich mal auf, was hier gut gedeiht und deswegen von vielen gepflanzt wird: Sommerflieder, Kolkwitzie, Felsenbirne, Hartriegel, Mahonie, Hibiskus, Blutpflaume, Perückenstrauch, Forsythie, Cotoneaster-Arten, Flieder, Wildrosen, Holunder, Winterschneeball, Hainbuche, Kirschlorbeer, Zierkirschen, Gartenhibiskus, Ahorn, Haselnuss. Klappt natürlich auch erst dann gut, wenn die Biester gut eingewachsen sind. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Ansonsten können wir ja dann in ein paar Jahren die dicken Oleander als Windbruchhecke direkt nach draußen pflanzen. :-(
Gärtnerin, 12. Februar 2007, 17:50Herzlichen Dank für die Anregung, sind ein paar Sträucher dabei an die ich noch gar nicht gedacht habe. Den Oleander hätten wir heuer in einer geschützten Ecke schon mal stehen lassen können, war gerade meinen Sommerflieder zurückschneiden, man hat das Gefühl die Natur ist schon 4 Wochen weiter als normal. Alles treibt schon extrem aus. Zum Oleander fallen mir noch die Zitrusfrüchte ein, wäre doch nett, so ein Zitronenbäumchen mitten im Garten?:-(( neben den Rosen? Macht einen schon Angst, wenn die Natur verückt spielt. Susanne
Susanne, 13. Februar 2007, 14:07Nicht verrückt machen lassen! Denn Medien und der aktuelle IPCC-Bericht sorgen schon dafür, dass man das rechte Maß aus dem Auge verliert. Zum Thema Globale Erwärmung habe ich hier eine Lese-Empfehlung: Klimawandel! Globale Erwärmung!
Es gibt einige Dinge, die zu berichtigen sind.
Mit freundlichen Grüßen,
Frank Wettert, Gärtnerblog-Wetterdienstleister
Frank Wettert, 02. Mai 2007, 21:10Klimawandel in den Medien hin- oder her: wenn man über lange Jahre einen Garten pflegt beobachtet man naturgemäß die Veränderungen, die darin von statten gehen.
Gartenfreundin, 03. Mai 2007, 09:34In den 80 er Jahren habe ich auf meinem Sandhang noch Azaleen gehabt und etliche Rhododendren.
Diese bekamen im Winter und Frühjahr genug Wasser und mussten im Sommer ab und an mal nachgewässert werden. Aber meistens hatten wir reichlich Gewitter (z.T. sehr fürchterliche). Dann wurde es merklich trockener so etwa Mitte der 90er Jahre und die Azaleen verabschiedeten sich.
Den härtesten Rhododdendron mußte ich dann nach dem letzten Sommer “begraben”.
Wir haben mehr Stürme, mehr Frühjahrstrockenheit und eine wesentlich längere Sommertrockenheit hier im nördlichen Harzvorland. Im letzten Jahr gab es keine nenenswerten Gewitter. (Na gut, dafür hatten wir auch keine Einschläge…)
Um der Wasserknappheit entgegenzuwirken haben wir schon vor vielen Jahren angefangen Regenwassererdbehälter einzugraben. Das dürften insgesamt so an die 8000 Liter sein, die allerdings auch Waschmaschine und Toiletten betreiben. Diese menge hat sich im letzten Jahr verbraucht bevor der Regen wieder auffüllen konnte.
Da man einen ganzen großen Sonnenhang (Sand) unmöglich bewässern kann über das Jahr hinweg, werden vorzugsweise trockenheitsverträgliche Pflanzen angepflanzt. Darüber schrieb ich ja schon mal. Aktuell habe ich Taglilienh gepflanzt in den Halbschattenbereichen (unter Walnußbaum) und Lavendel (verschiedene Sorten), Rosmarin und Clematis, na und Sonnenröschen.
Alle diese Pflanzungen bekommen ein großes Pflanzloch, viel Kompost hienein, Bentonit wenn vorhanden und in diesem Jahr bin ich dabei zu testen, ob ein wurzelbildendes Präparat (Agrosil), den Pflanzen hilft, trotz Trockenheit besser anzuwachsen. Die Neupflanzungen werden sehr gut angegossen und dann gemulcht (mit Stroh vom Kaninchenstall). ich pflanze relativ dicht, damit die Pflanzen sich gegenseitig beschatten, muß man später eben noch mal umpflanzen – der Boden also bedeckt ist und nicht großflächig ausdörren kann. Auch die Pflanzungen vom letzten Herbst müssen immer noch nachgegossen werden, da sie durch den feuchtigkeitsarmen Winter nicht genug Wurzeln ausbilden konnten.
Gewässert wird nur, wenns nicht anders geht.
Statt Gemüse baue ich vermehrt Obst an, daß bei solchen Klimabedingungen gedeiht (Pfirsiche, Wein, Feigen, im Test momentan Lonicera camtschatica).
Soweit erst mal zur Trockenheit….
Danke Frank, danke Gartenfreundin.
Ich bestätige, dass sich im Garten massiv etwas im beschriebenen Sinn verändert. Insofern ist auch mir nicht wichtig, ob das offiziell bei der Klimawandel-Diskussion richtig ist oder nicht.
Für eins dieser Probleme suche ich noch eine gangbare, optisch nicht zu schreckliche Lösung: 30-40x im Jahr fegt der Sturm meine Kübelpflanzen auf der Terrasse zusammen. Das ständige Aufheben nervt. Leider habe ich aktuell keinen, der mir aus Baustahl-Stäben u-förmige Stücke biegt, mit denen man Kübel für mehr Standfestigkeit miteinander verbindet und Kies/Steine/Betonstücke im Topf/auch schwere Töpfe helfen bei entsprechender Höhe der Pflanzen (ausgewachsener Oleander etc.) nicht. Wer hat noch Tricks, die großen Kübelpflanzen standfest zu machen?
Gärtnerin, 05. Mai 2007, 13:21Frühling – Stand der Vegetation…
Die Tage ist mir heftig aufgefallen, was der milde Winter mit den Pflanzen im Garten macht. Eigentlich geht alles viel zu schnell. Pflanzen, die sonst nacheinander blühen, sind alle auf einmal dran. Ein Zeitraffer-Frühling so to say. Die Bild…
Trackback Gärtner-Blog, 22. Februar 2008, 11:31Stimmt, Gärtnerin. So früh wie dieses Jahr haben wir noch keine Erdbeeren blühen sehen. Die ersten Blüten sind seit 26.04 geöffnet, die Aprikose des Nachbarn ist bereits seit ca. 14 Tagen mit der Blüte “durch”, auch unsere Pfirsichbäume drohen – noch vor dem ersten Insekten-Großangriff auf die Blüten – zu verblühen ;(((.
steffen und christa, 28. April 2008, 05:35Haben gestern – 29. 05. – die ersten Erdbeeren (immerhin 7 Stück) ernten können *freu*, und wenn es weiter so warm bleibt, werden wir wohl die ganze Ern´te nicht allein schaffen ;)))
steffen und christa, 30. Mai 2008, 07:12[...] Sehr interessanter Beitrag zum Thema Klimawandel in unseren Gärten [...]
Pingback Was sind eigentlich “Erneuerbare Energien”? : Einfach Strom wechseln, 26. Oktober 2008, 01:52Kommentar hinterlassen