Garten-Stile: Reisereportage aus Russland
Mal wieder etwas Tolles von Uta. Sie schickt herrliche Gartenimpressionen der ganz anderen Art aus der russischen Datschensiedlung Koslowka. ;-)
“Liebe Gartenfreunde,
im Winter, wenn man nicht in der Erde scharren kann, guckt man normalerweise Bildbände von blühenden Gärten. Man kann aber auch mal über den Gartenzaun schauen, in die Kleingärten anderer Völker. Ich lade euch ein zu einer Reise nach Koslowka (Russland). Das ist die Datschensiedlung der Mitarbeiter des “Sternenstädtchens”. Nicht der Kosmonauten, natürlich. Sondern der einfachen Leute. Techniker, Buchhalter, Kraftfahrer usw.
Der russische Stil (Baja-Jaga-Hexenhaus bzw. Kirchenstil) ist allgegenwärtig.
Datsche mit Privatkirche:
Es ist sehr kalt, also trägt man Pelz:
Es handelt sich um ein Land, in dem es Baumärkte noch nicht flächendeckend gibt. Also bauen die Leute ihre Häuser und Zäune aus Sachen, die sie finden bzw. irgendwo mitgehen lassen. (Der Fachausdruck dafür lautet: sich etwas organisieren).
Zum Beispiel Maschendraht, den wir auch kennen.
Maschendraht klassisch:
Nur wird Maschendraht in Russland nicht gespannt, sondern genagelt und zusätzlich abgedeckt:
Mein absoluter Favorit ist dieser Zaun, der aus Bettgestellen besteht. Es sieht aus als wäre ein Krankenhaus ausgeraubt worden, vielleicht sogar mit Patienten.
Das traditionelle Baumaterial in Russland ist natürlich Holz. Zum Schutz gegen den harten Winter wird es gern mit Metall geschützt. Metall gewinnt man folgendermaßen: Man nimmt ein altes ßlfass und haut den Boden raus. Dann wird das Fass aufgeschnitten und platt gehämmert und man besitzt nun eine große, vielseitig verwendbare Eisenplatte.
Holz mit Metallabdeckung:
Das Holz ist meist alt. Aber manchmal hat man auch neues Holz. Das wird dann liebevoll im russian style verarbeitet.
Tor aus neuem Holz:
Überhaupt haben die Menschen ein große Vorliebe für die Kombination aus Holz und Metall. Es gibt zum Beispiel Metallhäuser, umgeben von Holzzäunen. Oder umgekehrt, Holzhäuser, umgeben von Metallzäunen.
Metallhaus, Holzzaun:
Metallversion:
Ich glaube, das folgende Haus besteht aus Türen von Kühlschränken. Logisch, was Wärme abhält, hält auch Kälte ab.
Gut zu wissen: Das Phänomen “klein, aber mein” ist nicht typisch deutsch, sondern allgemein menschlich.
Im Improvisieren sind die Russen groß, es geht immer um Funktion, nicht um ßsthetik. Ein Türschloss lässt sich gut durch eine aufgesetzte Plastikflasche vor gefährlicher Nässe bewahren. Aus einer Konservenbüchse
wird ein passables Windrad.
Man kann aus ollem Holz sogar zweistöckig bauen. Man kann Baustile anderer Völker kopieren, bzw. parodieren: finnisch oder italienisch z.B.)
Veranda mediterran:
Im Herzen aber ist man russisch, mit gelegentlichen modernen Zitaten.
(Nicht vergessen, ehe die Stalinzeit mit dem sozialistischen Realismus anbrach, waren die modernsten Maler der Welt die russischen, bzw. sowjetischen, z.B. Wladimir Majakowski, der nicht nur Autor war, sondern auch Agit-Prop-Sachen zeichnete, die heute Kult sind).
Pergola, russian style:
Haus, Art deco:
In Koslowka wird auch im Winter gewohnt, was man an aufsteigendem Rauch und gelben Urin-Spuren in Schneewehen sieht. (Ganze Worte in Schreibschrift! Nicht im Bild). Es wird auch gearbeitet. Mischa zum
Beispiel betreibt eine Spedition:
Wo gewohnt wird, gibt es Diebe, vor denen man sich schützen muss. Zum Beispiel durch einen Wächter-Götzen:
Oder durch böse Schilder. “Das Haus tötet!”, warnt das Schild am Häuschen unten. Das nimmt jeder ernst, denn der Besitzen könnte durchaus Starkstrom-Fallen gelegt haben.
Natürlich gibt es Strom im Sternenstädchen-Kleingarten-Paradies. Und Wasser.
Wasserversorgung:
Selbstverständlich kennt man in Russland auch Ziegel und baut damit, nur das Prinzip des Verputzens ist weniger geläufig als z.B. in Bayern oder Schwaben.
Ziegelhaus:
Ziegelhaus + moderne Kunst:
Ziegelhaus, Asbestzaun:
Der Vorteil des oben gezeigten Asbestzauns ist, dass man dahinter völlig ungestört ist. Unklar ist nur, wie lange.
Wer zu Geld kommt, lebt seine Träume aus, warum auch nicht:
Im Sommer soll Koslowka ein Paradies sein. Alles blüht und gedeiht, die Erde ist fruchtbar. Das bißchen ßl aus den alten Fässern tut nix. Auch viele Vögel haben hier ihre Wohnung:
Vielleicht kommen sie ja dafür aus Deutschland zurück.”
Vielen Dank unserer Außenreporterin Uta. Wir geben zurück ins Studio. :-)
eingewurzelt unter: Garten-Gestaltung
zur Gartenblog-Startseite


























Kommentar hinterlassen