Gartenzeitschriften-Überblick am Wochenende
Seit 2000 habe ich keine Gartenzeitschriften mehr gelesen. Ursprünglich war das mal anders. Was hab ich zu Beginn jeden Monat der abonnierten Mein schöner Garten entgegengefiebert, um mich damit stundenlang genüsslich zu verziehen! Damals habe ich außer MSG auch noch Flora (ähnlich Mein schöner Garten) und gelegentlich Kraut & Rüben (eher Öko-Naturnah-Gemüse-Variante einer Gartenzeitschrift) gelesen, aber das wars dann auch. So viele gabs nach meiner Erinnerung auch gar nicht.
Irgendwann hat sich meine anfängliche Gartenzeitschriften-Sucht reduziert. Einfach deswegen, weil sich viele Dinge wiederholen und in einem bestimmten Zeitraum “Trend-Gesetze” und “Wie man gestaltet” immer wiederholen. Das Mein schöner Garten-Abo musste dran glauben und in andere Zeitschriften habe ich auch nie mehr reingesehen. Damals (so um den Jahrtausendwechsel) waren es nach meiner Erinnerung bestimmte Stauden (Alles mit Funkien! Funkien sind so chic, vielseitig einsetzbar, Funkien am Teichrand ….), Themen (Der Schattengarten, der romantische Rosengarten, Bauerngarten…) und vor allem Rosen (alles Bobby James, Abraham Darby, New Dawn, Graham Thomas, moderne Romantikrosen! moderne Rambler!) und Buchs (Bauerngarten! Niedrige Buchs-Hecken! Buchs gestalten….), die sich so sehr wiederholten, dass man es irgendwann dann auch weiß, wenn man drei Jahrgänge gelesen hat. Interessanter ist es schon, ein paar Jahre auszulassen oder rückwärts zu gehen, in ein anderes “Trend”-Zeitalter. Die Zeitschriften sind dann weniger homogen, man lernt viel über die Entwicklungen in der Zwischenzeit und auch mehr über verschiedene Pflanzen, nämlich auch über die, die gerade nicht im Trend sind, es aber mal waren. Praktischerweise verticken z.B. Stadtbüchereien irgendwann ihre Altbestände.
Was außerdem früher nicht so toll war, waren die Bilder-Arien, die auch immer wieder mal im Mein-schöner-Garten-Forum diskutiert wurden: Dass viele Bilder in Gartenmagazinen so gefaked, mit Blüten angereichert und geschönt waren, dass man ein Ergebnis wie gezeigt sowieso niemals erreichen konnte. Der eine oder die andere hatte Verständnis dafür, dass sich Gartenzeitschriften nur gut verkaufen, wenn man so prachtvolle, übernatürlich schöne Inszenierungen und nicht die Realität zeigt, andere haben sich einfach bloß geärgert, weil sie sich verarscht fühlten. Ich gehörte zu ersterer Spezies.
In bezug auf den Neuheiten-Gehalt gabs meinerseits irgendwann Zweifel. Klar, alles wiederholt sich durch die Gartensaison, demnach auch die Heft-Themen. Dass man aber in einer Gartenzeitschrift immer mal wieder auf dieselben aufgewärmten Anleitungen/Bastel-Dekorations-Ideens samt duplizierter Bilder aus einem ganz bestimmten Buch stolpert, das man schon Jahre im Schrank stehen hat, fand ich damals enttäuschend.
Und Product Placement gabs in Gartenzeitschriften. Ein Thema, das heute in der Blogosphäre und unter Journalisten heiß diskutiert wird, nämlich die Trennung von journalistischem Inhalt und Werbung, zerfloss an so mancher Stelle. Kaum gabs ein neues praktisches Produkt oder eine neue Trendpflanze, schon erschien ein entsprechender Artikel dazu hier und da, der eher Werbung als Artikel war.
Am allerliebsten habe ich jedenfalls immer den Praxisteil in Mein schöner Garten gelesen. Das ist eine Ansammlung von saisonalen Gartentipps für Ziergarten, Nutzgarten, Schädlingsprobleme etc., bei denen oft echt hilfreiche und lehrreiche Sachen dabei waren.
Es scheint genug Zeit vergangen, um Neues zu entdecken. Vielleicht haben sich auch die Garten-Trends mittlerweile ein wenig verändert. Ich les mal wieder rein.
Ich also heute zum Zeitschriftenhändler und alles gekauft, was mir zwischen die Finger kam. Für die Lektüre an diesen blöd verregneten Tagen. Flora und Kraut & Rüben waren nicht dabei, so dass ich auf die beiden verzichten musste. Per Google hab ich aber rausgefunden, dass es beide wohl noch gibt. Die meisten anderen Gartenzeitschriften kenne ich überhaupt noch nicht, so dass es ein Erstlings-Lesevergnügen werden wird.
So. Das hab ich mir vorgenommen:
Im Einzelnen: Aprilheft der Gartenzeitschriften…
Mein schöner Garten (Burda Senator Verlag)
Druckauflage 566313, Knapp 160 Seiten, 3 Euro
GartenIdee (Heinrich Bauer Zeitschriften Verlag)
Auflage ?, 66 Seiten, 2,50 Euro
GartenSpaß (Burda Senator Verlag)
Auflage 208045, 64 Seiten, 1,80 Euro
Lisa Blumen & Pflanzen (Medien Innovation GmbH, Vertrieb/Druck Burda)
Auflage ? 56 Seiten, 1,50 Euro
Grün 1000 Ideen für Haus und Garten (Living & More Verlag)
Auflage ?, 50 Seiten, 1,45 Euro
Selbst ist der Mann – Do it yourself im Garten (Heinrich Bauer Zeitschriften Verlag)
98 Seiten, 4,90 Euro,
aber die liegt thematisch natürlich etwas neben den anderen.
Scheint so, dass Mein schöner Garten noch immer die führende Gartenzeitschrift ist. Ist zwar die Teuerste unter denen hier, dafür aber auch die weitab Umfangreichste. GartenIdee und GartenSpaß muten untereinander sehr ähnlich an, sind vom Umfang her auch ähnlich, aber von verschiedenen Verlagen. Lisa Blumen & Pflanzen und Grün scheinen auf den ersten Blick das Discount-Leser-Sortiment zu bedienen. Ihre Aufmachung weicht auch am weitesten von MSG ab.
Erster Eindruck: Alle sind natürlich schön bunt-frühlingshaft und warten mit irgendwelchen Extras auf oder preisen auf der Titelseite besondere Garten-Aspekte an. Die dicksten Headlines von den Titelseiten:
Mein schöner Garten hat eine Zusatz-Heftchen “Mein schöner Garten Extra Richtig düngen!” und “36 Seiten Frühjahrs-Praxis-Magazin + Sonderteil Rasen”,
GartenSpaß setzt voll auf den Garten-Simpel (“Gärtnern leicht gemacht”, “Der einfache Weg zum Garten-Erfolg”),
GartenIdee betont simpel (“Schöner gärtnern – leicht & schnell”), zusätzlich (“Extra: Fitmacher für den Rasen”) und super (“Super-Rosen für einen schönen Sommer”),
Lisa Blumen & Pflanzen macht auf extra (“Extra 20 Erfolgsrezepte für den Balkonsommer”),
Grün 1000 Ideen für Haus und Garten auf extra auf allen Gebieten (“Plus: Jetzt mit großem Magazin”, “Extra Kreative Ideen, neue Pflanzen, Tipps & Tricks für den besten Start in die Balkonsaison”).
Ich finde, dass diese dicken Zusatz-Anpreisungen z.T. inflationär verwendet werden.
Es schleicht sich ein Gedanke ein: Kann ich nicht erwarten, dass ein Gartenmagazin Balkonpflanzen-Tipps oder saisonale Frühlings-Inhalte bietet? Oder dass Tipps zur Rasenpflege gegeben werden? Was ist daran “Extra”? Das ist es eigentlich genau, was ich von einem Gartenmagazin erwarte: originärer Gartenmagazin-Content. Gegen große Schrift ist ja gar nichts einzuwenden, aber dies als Extra anzupreisen, als ob es etwas ganz Zusätzliches, Besonderes wäre, überzeugt mich nicht so recht. So viele Gartenfreunde investieren beträchtliche Mühe und Geld in ihren Garten. Sollten sie ausnahmsweise bei den Gartenzeitschriften zu den Schnorrern gehören, die vermittelt bekommen müssen, dass es da was umsonst zusätzlich gibt?
Ob die Hefte bunter geworden sind, kann ich allgemein leider nicht beurteilen, auf Mein schöner Garten-Heft April trifft das aber zu, wenn man es mit der April-Ausgabe von 2000 vergleicht:
Rein ins Lesevergnügen…
eingewurzelt unter: Garten allgemein
Vor einem Jahr
Zierkürbis-Samenernte
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2 Kommentare bisher
KommentierenWenn eine Zeitschrift ein “Extra” plant, bekommt sie leichter Anzeigen rund um dieses Thema herein. Bzw. kann Werbeplatz teurer verkaufen. Mit Recht hoffen die Firmen, dass ihre Produkte dort mehr Beachtung finden als im normalen redaktionellen Kontext. Viele Leute heben Extra-Heftchen wie das Dünge-Special bestimmt lange auf.
Uta Alexander, 25. März 2007, 21:31Plausibel, liebe Uta. Macht ja auch Sinn. Allerdings ist nicht jedes “Extra” in den Heften ein Extraheftchen oder etwas zum Raustrennen oder gar inhaltsreich. Deswegen finde ichs blöd. ;-)
Gärtnerin, 26. März 2007, 19:32Kommentar hinterlassen