Wegwerfblumen
Und so zog ich denn aus und durch die Läden, um ein Rankspalier – Dänisches Bettenlager: Angebotsware kommt voraussichtlich frühestens am Freitag – und einen Sprühschlauch – Lidl: leider ausverkauft – zu erbeuten…. :-(
Und zog so von Haus zu Haus zum großen Supermarkt, da erblickte mein stechend Auge die armen Mitgeschöpfe, die, auf einem Wagen zusammengepfercht, unter künstlicher Sonne vor dem Kühlregal soeben ihr Leben aushauchten. Hunderte und Aberhunderte von Lieschen, die Hälfte aller auf dem Wagen, die doch so fleißig ganze Sommer blühen, hatten bereits aufgegeben, dicht gefolgt von Männertreu, Petunien und Tagetes. Vertrocknet mahnten ihre darrenden Leichen den Konsumenten, dass er Teil einer Gesellschaft ohne Werte und ohne Zeit für den oder das Nächste ist….
Es ist schon immer wieder schockierend, wie mit “verderblicher Angebotsware” in den Geschäften so umgegangen wird. In Holland zu Millionen mit Energieeinsatz, Wasser, Licht und Düngelösung im Gewächshaus großgezogen, in Plastiktöpfe, Plastikpaletten, Plastiktüten verpackt und – vermutlich – über die Aalsmeerer Blumenbörse versteigert, rumpeln die Blumen stunden-, tagelang wieder mit Energieeinsatz per LKW über die Autobahnen, Zwischenlager, bis zum Endlager Geschäfte, furztrocken, halblebig. Am Ende sieht die Kalkulation wohl vor, dass die Cent-Wegwerfware sowieso zu 50% über den Jordan geht. Warum also noch Kosten für 15Minuten Personaleinsatz und 5 Liter Wasser verursachen? Die Kassiererin will sich heute abend auch noch welche mitnehmen, hat sie gesagt. Ich habe ihr empfohlen, lieber gleich … , weil es heute abend vermutlich zu spät ist. Vielleicht kann man sie im Sozialraum kurz gießen…
Und das ganze Tamtam ist also wirtschaftlich? Ja, klar, wirtschaftlich bestimmt.
Nicht falsch verstehen, ich habe verstanden, dass das der Gang der Dinge ist heute, aber muss man das Zeug denn unbedingt auch noch innerhalb des ersten Angebotstags verrecken lassen?
Ich weiß schon, warum ich meine Sommerblumen regelmäßig selber ziehe. Wer das mal gemacht hat, denkt mit mehr Wertschätzung über Wegwerfpflanzen und Pflanzen im Allgemeinen nach.
Der gemeine Konsument dagegen eher selten, scheint mir. Soll alles bitte SOFORT PERFEKT aussehen. So wie unser Leben, unsere Wohnung, unser Partner, unsere Fitness, unsere Familie, unsere Kinder? (Sorry, Polemik!) Was soll man da sagen? Wenn nicht, dann Mülleimer. Bin immer noch umringt von Leuten, die jährlich alles neu kaufen, “Blümchen”, Kübelpflanzen, am liebsten auch Stauden und “so süß blühende Bäumchen” und im Herbst schön ordentlich alles wegschmeißen. Warum sich unbequemerweise mit irgendwas belasten. “Ach, das war winterhart?” Na sowas. Nicht gewusst, weggeschmissen. Pech. Überwintern? “Nö. Kenn mich mit Blümchen nich aus.” Man wünscht, die “Blümchen” würden gelegentlich bellen und ganz feste beißen. Direkt in die Nase. ;-)
Am Leichenwagen kam ich nicht vorbei. Petunien (8,5 Pflanzen) wollt ich keine, auch kein Männertreu (16,5 Pflanzen), aber sie dauerten mich in ihren 10er-Trays, so schon nicht mehr ganz vollzählig…
Und dann waren da noch ein trauriger Gauchheil/Anagallis (Zusatz monelli sagt mir nix), Drehfrucht/Streptocarpus, Verbena speciosa “Blaue Lagune“, Sonnengold/Lysimachia congestiflora (auch noch gelb :-(, ….
… Fächerblume/Scaevola, die Blaue Mauritius/Convolvulus sabatius und die noch recht lebendige Hängenelke “Romeo“.
Und ich weiß nicht wohin mit ihnen. Ich bin dann jetzt mal im Garten…
eingewurzelt unter: Einjährige Sommerblumen
Vor einem Jahr
Gartenangebote ab 24.4. - Grillen und Leuchten :-), Pflanzenbörse die Erste - Groß-Gerau, Kätzchenweide-Schnitt, Fleischlos, Die Biene Maja wird 30!, Rote Johannisbeeren, Rückschnitt, Margeriten-Läuse-Tipp, Vergissmeinnicht, Tausend Besucher!




7 Kommentare bisher
KommentierenZum Beitrag “Wegwerfblumen”, der mir voll und ganz aus der Seele spricht. Ich bin auch so ein “Blumenretter”. Egal ob in einem Geschäft oder auf dem Friedhof oder schon in der Biotonne. Ích kann es nicht sehen, wenn Blumen weggeworfen werden. Dementsprechend schaut es bei mir auch aus. Alles wird irgendwo hingepflanzt, wenn in den Blumenbeeten kein Platz mehr ist, dann in Kübel und Töpfe. Letztes Jahr habe ich mal versucht meine Kübelpflanzen zu zählen: bei 200 habe ich aufgehört. Leichtsinnigerweise hat mein Mann gesagt, dass ich meine Blumen in seiner Werkstatt überwintern kann (ca 70 qm). Ab dem ersten Frost kommt er da leider nicht mehr durch. “Zum Glück” (mich reut jede Pflanze) kommen nicht alle über den Winter, so dass immer wieder Platz im Frühjahr für neue Rettungsaktionen ist. Dazu kommen immer noch die Neuaussaaten, die auch alle aufgehen und die dann alle noch irgendwo eingepflanzt werden (viele verschenke ich natürlich). Aber dafür ist mein Garten das ganze Jahr über ein einziges riesiges Blütenmeer!!
Ich hab aus akutem Platzmangel (nur ne 4-Zimmer-Wohnung und kleiner Balkon)leider nicht so viel Raum für Wegwerfpflanzen. Aktuell betüddel ich eine, von meiner Mama selbst gezogene, Japanische Wollmispel, die vor sich hin kümmerte und weggeworfen werden sollte. Konnte ich natürlich nicht zulassen, schließlich hatte ich die Mispel, aus der der Kern stammte, “eigenhändig” gekauft und gegessen ^^. Was die Wegwerfgesellschaft angeht: Als im Januar meine über mir wohnende Nachbarin auszog, hat sie Nachts ihren Ficus benjamini einfach übern Balkon ins Gestrüpp geschmissen. Ich hab ihn leider erst am nächsten Morgen entdeckt, und in dieser Nacht hatte es geschneit :-( Ich hab ihn reingeholt und nach meinen Möglichjeiten alles versucht, aber er ist wohl erfroren :-( Das fand ich wirklich schade, denn er war über anderthalb Meter hoch. Nur weil er nicht mehr schön genug war, wurde er einfach weggeschmissen…
Oh Mann, Silvia, was beneide ich Dich um die Fläche… Allein die Werkstatt ist mehr als halb so groß wie mein Garten…. Ich kann mir da nur helfen, indem ich Rettlinge früher wieder in Umlauf bringe. So hat z.B. am Wochenende das Leberblümchen eine begeisterte Liebhaberin gefunden. Freut mich dann immer. ;-)
Fiese Benjamini-Geschichte, Keisha! Wünsche gute Genesung für die Mispel!
Hab diesen Beitrag heute erst gelesen. Er ist einfach spitze. Du sprichst mir total aus dem Herzen. Treffender kann man es nicht beschreiben. Super !!!!!
Diese Löcher in den Malven- und Stockrosenblättern machen mir auch schon ne Weile zu schaffen. Erst dachte ich, dass es sich um das Werk kleiner Raupen handeln würde. Aber nun ist alles klar, danke für die Recherchen.
Dankedanke. :-)
Ja, so treffen sich verwandte Seelen…letzens einen halbverdursteten Zierahorn mitgenommen der sich bis auf ein paar Blätter wieder erholt hat..dazu ein vertrockneter Baislikm von der Nachbarin und eine angefaulte, runtergesetzte Sansverie weil im Supermarkt eben alles gleich oder garnicht gegossen wird ^^
Leider weiß ich immer noch nicht, wo in meiner Nähe so eine pflanzenklappe ist.
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