Gärtnerin · 02. April 2008, 13:48

Balkonpflanzen-Langzeitdünger

Ich stehe ja drauf, Dünger-Arten aus der Nähe zu betrachten. Hab mal wieder einen Dünger unter die Lupe bzw. Linse genommen, nämlich Balkonpflanzen-Langzeitdünger.

Langzeitdünger gibts z.B. als streubares Granulat, das man unter die Blumenerde mischen kann. Sieht dann so aus (Mayer´s Balkonpflanzen-Langzeitdünger von Penny):

balkonpflanzen-langzeitdünger

Eine weitere Form, die man kaufen kann, sind Langzeit-Dünger-Kegel (in diesem Fall Substral Osmocote), die ganz witzig und ein wenig nach gepresstem Vogelfutter aussehen. Da habe ich ein Probepackung geschenkt bekommen:

substral osmocote düngekegel

Drittens gibts da noch die allseits beliebten Düngestäbchen, von denen ich leider fotografisch keine „reinrassigen“ zur Hand habe (Die sehen i.d.R. wie kleine Pappröllchen aus), sondern nur Schädlingsfrei-Stäbchen mit Dünger drin (in diesem Fall Compo Axoris Insekten-frei, sonst oft Bayer Lizetan)

compo axoris stäbchen mit dünger

Ja, und? Alle drei: Dünger ist Dünger und geht natürlich für die liebe Blütenfülle auf Balkonien. Nr. 1 ist etwas günstiger und muss halt per Esslöffel abgemessen werden, Nr. 2 ist vergleichsweise teurer, quasi schon portioniert und muss nach Düngekegeln abgezählt werden. Nr. 3 ist auch relativ teuer, weil das quasi Two-in-one ist: Schädlingsbekämpfung und Düngung in einem. Bei mir kommt Nr. 3 nur bei einem tatsächlichen Schädlingsbefall zum Einsatz, da ich von vorsorglicher Chemiekeule nichts halte. Diese Mittel wirken übrigens wie der Dünger systemisch, d.h. die Pflanze nimmt über Erdreich und Wurzeln die Stoffe auf, transportiert sie über ihr Gefäßsystem hoch und saugende Insekten an den Pflanzenteilen gehen dann kaputt. Eine der sichersten Bekämpfungsmethoden für hartnäckige Fälle nach meiner Erfahrung, aber bei mir eben nicht prophylaktisch einfach mal so.

Zur Dünger-Dosierung:

In allen Fällen dieser Langzeit-Dünger befindet sich jeweils auf der Rückseite der Packungen die Info, meist in Tabellenform, für welche Topfgröße man wieviel davon nehmen soll.

Langzeit-Dünger sind eine Erfindung für faule Menschen und Pflanzen-Ignoranten *g* und kommen natürlich in der Natur so nicht vor. Ihr Vorteil liegt darin, dass sie über längere Zeit hinweg kontinuierlich Nährstoffe freisetzen, so dass man sich in der Zwischenzeit nicht um die Düngung der Pflanzen kümmern muss. Weniger faule Menschen nehmen stattdessen regelmäßig irgendwas anderes, z.B. Flüssigdünger (ich meistens), düngen mit Kompost aus dem eigenen Garten oder sonstwas, was gerade zur Hand ist.

Dünger mit Langzeitwirkung

Die Langzeit-Wirkung hat mich jetzt mal im einzelnen interessiert. Wie das gemacht ist, dass der Dünger eben nach und nach freigesetzt wird.

Bei dem Langzeitdünger-Granulat oben ist auf der Packung beschrieben

„Seine Umhüllung garantiert eine dosierte Nährstoffabgabe ….
kontinuierlich über einen Zeitraum von ca. 6 Monaten. … erspart jede weitere Düngung während der Blütezeit bzw. Vegetationsperiode.“

Zur Hülle kann ich entnehmen: „Aufbereitungsmittel: Hüllsubstanz … Umhüllung 50% “

Bei den Substral Düngekegeln finden sich folgende Infos:

„Wirken 6 Monate … Eine Anwendung pro Saison … 100% umhüllter Dünger“

Übrigens nicht erschrecken: Düngerkegel- oder Kügelchen-Reste, die ziemlich genau aussehen wie auf dem Bild oben, findet man oft noch nach Monaten oder Jahren beim Umtopfen und könnte sie glatt mit Schneckeneiern verwechseln. Die Hülle zersetzt sich sehr, sehr langsam, also don´t worry.

Per Google kann man zum Thema „Hüllsubstanz“ so manches finden, vor allem bei Waschmittel-Körnchen, aber das führt ja hier nicht unbedingt weiter. Ich unterstelle einfach mal, dass es sich um Stärke, Zellulose oder so was handeln muss, und dass der Unterschied zwischen 100% umhüllt und 50% umhüllt darin liegt, dass je mehr Umhüllung, desto langsamer die Düngerfreigabe….

Beim Compo-Stäbchen, das ja nicht in Perlen erscheint, sondern eher wie ne Brausetablette von der Konsistenz her,

„… brauchen die Pflanzen 8-10 Wochen nach der Anwendung nicht gedüngt zu werden.“

Keine weiteren Angaben zur Langzeitwirkung gesehen.

Nährstoffgehalte der Langzeitdünger:

Volldünger werden auch als „NPK-Dünger“ / Mehrnährstoffdünger bezeichnet. Das heißt Stickstoff (N), Phosphat (P) und Kaliumoxid (K) sind die wichtigsten Nährstoffbestandteile und in einer Mischung enthalten. Dazu kommen dann noch Spurenelemente wie evtl. Magnesium (Mg), evtl. Schwefel (S), evtl. andere Stoffe.

Die Anteile der einzelnen Inhaltsstoffe sind in % zu verstehen, z.B. N 14 %, P 10%, K 14%. Wie eine mathematische Formel sieht dann auch die jeweilige Inhaltsangabe aus.

Inhaltsvergleich:

Mayer´s Granulat: NPK (Mg+S): 14+10+14(+2+7)
Osmocote-Düngekegel: NPK (Mg):10+11+18(+2)
Compo-Kombistäbchen: NPK (Mg) 6+3+4,5(+1,5)

Der letztes Jahr besprochene und immer noch nicht verbrauchte
Universaldünger mit Guano hat NPK (Mg+S): 6+5+5(+2+5)

Mein derzeitiger Flüssigdünger NPK: 7+5+6
(ohne Magnesium explizit, es steht aber „mit Spurennährstoff“ drauf. Whatever that means.)

Die von mir heißgeliebten Hornspäne dagegen sind ein reiner N-, also Stickstoffdünger.

Auch Blaukorn ist ein Volldünger, das Compo Blaukorn Entec z.B. mit NPK 14+7+17(+2+10). Da Blaukorn und ähnliche Produkte mit „blau“ hochdosiert sind, aber im Unterschied zu Langzeitdüngern nicht zeit-verteilt, sondern sofort gnadenlos wirken, mag ich es nicht.

Wie man sieht, unterscheiden sich die Produkte entsprechend in der Mixtur. Und was ist da jetzt gut oder schlecht? Gute Frage, ich bin keine Chemikerin und das ist ganz schön komplex. ;-)

Stickstoff insgesamt ist für Wachstum allgemein / speziell Blattmasse zuständig. Deswegen sind viele Gründüngungspflanzen Leguminosen (=Stickstoffsammler, die den Boden mit Stickstoff anreichern). Stickstoffüberdüngung führt denn auch zu zu schnell gewachsenen, vergeilten, schwachen, weichen Pflanzen.

Spezielle Blühpflanzendünger und Dünger für fruchtende Pflanzen haben oft einen höheren Phosphor-Anteil als Grünpflanzendünger, also P-Anteil z.B. so viel wie N. Deswegen schließe ich mal, dass Phosphor dafür eine besondere Rolle spielt. Kalium ist irgendwie für den Wasserhaushalt in der Pflanze wichtig, Magnesium fürs Chlorophyll.

Man kanns ja mit allem zu gut meinen, besonders auch mit Dünger. Deswegen gibts, wie letztes Jahr erörtert, bei mir nur wenige solche Produkte, die auch lange brauchen, bis sie aufgebraucht sind. (Übrigens unter dem Beitrag interessante Dünger-Diskussion gewesen, damals!)

Wer sich allgemein tiefer einarbeiten möchte, schaue mal zum Thema Folgen der Überdüngung (Eutrophierung) beim LfU und in der Wikipedia vorbei.

andere Dünger-Beiträge
Düngen mit Kaffeesatz
Hornspäne als organischer Langzeitdünger
Wissenspreis für Ricarda

eingewurzelt unter: Kübelpflanzen Balkonblumen

Alle anzeigen mit Stichwort:

Vor einem Jahr
Karl-Foerster-Garten im März, Narzisse Obdam, Glockenrebe: dicke Pflanzenkinder, Schraubenbaum, Pandanus, verschiedene Wildtulpen, Schneestolz (Chionodoxa luciliae), Tulpen und Christrosen...



5 Kommentare bisher

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Katharina, 02. April 2008, 19:30

Ich dünge meist zweimal im Jahr (Frühjahr/Spätsommer) mit Blaukorn und bin damit immer ganz gut zurecht gekommen. War allerdings interessant zu sehen, was für ein Brandfleck auf der Wiese entsteht, wenn mal die Tüte umkippt. Da wuchs glaub ich fast ein Jahr nix, man kriegt ja nicht alles aufgesammelt. Kübelpflanzen werden mehr oder weniger regelmäßig mit Flüssigdünger beglückt, bei den großen Kübeln auch schonmal ne Hand Blaukorn im Frühling.

Gärtnerin, 03. April 2008, 16:01

Jaaa.. Löcher im Rasen. Wer liebt die nicht. :-)))

Hinterhofglück, 19. März 2009, 18:21

Welche Erfahrungen habt Ihr denn mit „selbstgemachtem“ Dünger? Kaffee, Bananenschale, Fisch usw.

Gärtnerin, 21. März 2009, 10:43

Kaffeesatz und so was fliegt regelmäßig auf die Beete. Grünzeug von Pflanzen auch. Bananenschalen hab ich schon gehört, mache ich aber nicht. Fisch kommt mir nicht in den Garten.

Susanne B, 04. April 2009, 15:18

Mein Arbeitskollege ist Chemielaborant und hat früher bei einem Düngemittelproduzent gearbeitet. Er schwört ebenfalls auf Bananenschalen für Rosen, kleingeschnitten und untergegraben (ich hab gedacht, ich hör‘ nicht richtig…). In den Schalen ist Kalium und Magnesium enthalten, das soll ein stabiles Wachstum unterstützen.

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