Drachenbaum-Zucht, Selektion und Sortenentwicklung
Woher kommen denn nun die neuen „Dragontree“-Dracaenas? Aus dem Labor? Menschliche Kreation? Nein! Generative Vermehrung? Blüten, Samen, Aussaat? Nein! Es hat mich wirklich überrascht, das zu erfahren: Es sind allesamt Mutationen, die von selbst entstehen, und vegetativ vermehrt werden. In den Mutterpflanzen-Feldern kann man sehen, dass Mutation gar nicht so selten ist. Mitten drin finden sich einzelne Pflanzen, die plötzlich einen Trieb hervorbringen, der völlig anders aussieht, als die anderen, und der sich in Wuchsverhalten, Farbe, Form, Größe etc. unterscheidet. Das sieht man z.B. auf diesen Bildern:
Dracaena-Mutationen bei den Mutterpflanzen:
Diese Mutanten werden geschnitten, bewurzelt und am Rand des Mutterpflanzen-Feldes aufgehoben, um ihre Eigenschaften und ihr Wuchsverhalten genauer zu beobachten. Sehr spannend zu sehen, was die Natur so an verschiedenen Dracaenas hervorbringt! In diesem Neue-Sorten-Feld habe ich erstaunliche Pflanzen gesehen, die man im Geschäft niemals sehen würde. Denn nicht alle Mutationen sind für Konsumenten-Augen hübsch und dadurch kommerziell interessant, und die Entwickung einer Sorte bis zur Marktreife kostet höhere fünfstellige Summen und etwa 10 Jahre Arbeit.
Bei jeder Sorte, bei der man sich für den Anbau entscheidet, wird schließlich mit einer einzigen Pflanze angefangen!. Nicht kommerziell interessant sind z.B. Drachenbäume, deren Blätter sehr anfällig für Blattflecken sind, die also dazu neigen, schnell krank auszusehen, denn die Käufer sollen ja lange Freude an ihren Pflanzen haben. Ebenso gibt es Mutationen, deren Form nicht unbedingt das ästhetische Empfinden des Konsumenten trifft. Es gibt eine Vorliebe für Blätter, die nicht zu steil nach oben stehen und auch nicht schlapp nach unten hängen, etc. Auf alle Fälle ist diese Sammlung von Mutationen, Launen der Natur und Kuriositäten für einen Drachenbaum-Liebhaber wie mich gefährlich schön! Wunderbar! Ich zeige Euch erst die Sammlung der Mutationen, die zur Zeit beobachtet werden. Hier standen einst auch Kanzi, Malaika & Co, bevor sie einen Namen hatten und vermehrt wurden. ;-)
Und jetzt nur ein paar Beispiele von Pflanzen, die ich sehr schön und interessant fand:
Ein Drachenbaum mit weißen Streifen, aber mit zu steil nach oben stehenden Blättern. Ist doch aber auch sehr hübsch, oder?
Hellgrüne Dracaena fragrans mit klaren gelben Streifen innen:
Eine Dracaena mit asymmetrischer Blattzeichnung:
Eine Dracaena mit spiralförmigem Blattwuchs:
Bei einer Dracaena mit sehr langen Blättern wies mich Ruud auf etwas hin, das ich noch nicht wusste, und worauf ich auch nie gekommen wäre: Dracaena-Blätter eignen sich durchaus auch als Schnittblumen-Grün, da sie in der Vase wochenlang halten. Und: Dracaena ist eng mit Sansevieria verwandt. Deswegen ist es auch möglich, diese wie die Sansevieria zu vermehren, indem man ein Blatt in Wasser stellt. Oder eben in der Vase stehen hat. :-)
Ich werde das mit diesem Testblatt testen. Wieder eine neue Vermehrungs-Art! Es steht jetzt an meinem Küchenfenster in einem Wasserglas. Ob Wurzeln kommen? Ich bin gespannt!
Mutationen, die ihrer Optik wegen absolut nicht geeignet für die Zucht sind, gibt’s natürlich. Diese kuriose, „wertlose“ Dracaena Lemon Lime-Mutation mit Trieben mit (fast) nur weißem Streifen, bei denen die Blätter aber ziemlich hängen, habe ich bekommen. Liebhaberstück. :-)
Eine Dracaena-Pflanze, die dieser hier sehr ähnlich sieht, und die ich nicht kannte, befindet sich übrigens im Palmengarten Frankfurt. Ich hatte sie letztes Jahr fotografiert, aber kann das Foto leider nicht mehr finden. Jedenfalls denke ich, dass diese eine ähnliche Mutation sein muss, da dort ansonsten überwiegend wenige weit verbreitet Sorten wie Lemon Lime, Massangeana und Warneckii zu sehen sind.
Ebenso hat eine Dracaena fragrans „Lime Light“ zu mir gefunden.
Lime Light ist eine der größeren Dracaena fragrans-Sorten mit rein hellgrünem Blatt, die aber sehr empfindliche Blätter hat, und dazu neigt, unschön auszusehen.
Man darf jedenfalls gespannt sein, was noch so alles aus Honselersdijk den Weg in unsere Zimmer finden wird. Die Dracaena Yellow Coast kommt übrigens auch von dort, nämlich von einem Kollegen von Ruud Scheffers. ;-)
weiter:
De Plaats
Dracaena-Produktion
Dracaena Dorado
Dragontree-Sortiment. Dracaena-Sorten im Vergleich.
eingewurzelt unter: Zimmerpflanzen
Vor einem Jahr
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12 Kommentare bisher
Kommentieren*Staun* ….. echt Hammer, diese Mutationen, die Natur ist doch immer wieder faszinierend.
Das freut mich für Dich, daß Du diese “wertlose” Mutation abstauben konntest :-)
….und die “Lime Light” ein Traum, den ich noch nie im Geschäft gesehen habe.
Wenn Du da mal Nachzucht von hast, merk mich vor büüdde……. ich hätte dann vielleicht was “Coast” mäßiges zu bieten ….. mhh
Liebe Grüße
jey-Key, 14. August 2008, 16:48jK
Besonders klasse finde ich hier ja den Spiralwuchs und die asymmetrische Blattzeichnung. Ich bin kein Freund von Symmetrie und Gleichheit. Finde ich recht langweilig.
Keisha, 14. August 2008, 17:09Und deine “wertlose Mutation” wird immer etwas ganz Besonderes sein, so lange sie lebt, denn sie erinnert nicht nur an diesen Urlaub, sondern ist auch ein Einzelstück (so lange du sie nicht vermehrst *hihi*)
Die Blattvermehrung werd ich auch sofort ausprobieren.
Was mich da noch interessieren würde… bei Sansevierien wachsen ja grüne Pflanzen aus bunten Blattstecklingen nach. Wie verhält sich das bei Dracaenen? Hast du da Infos?
Mal sehen, Jey-Key. Erst lasse ich sie mal wachsen, bevor ich sie köpfe. Oder vielleicht pflücke ich mal ein Blatt, wenn das andere im Wasserglas wirklich Wurzeln kriegt. ;-)
Leider keine Infos, Keisha. Müssen wir wohl abwarten. :-)
Gärtnerin, 14. August 2008, 17:17Ja Klar, ich meinte ja auch nicht heute oder nächste Woche ;-)
Mit dem Blatt, das werde ich natürlich auch mal ausprobieren, aber ich denke, bis da eine ansehnliche Pflanze draus wird, das brauch jede Menge Geduld.
LG
jey-Key, 14. August 2008, 17:34jK
Hat von euch inzwischen jemand die Blattstecklinge ausprobiert? Bei mir ging das voll in die Bux. Ich habe mehrere Blätter von verschiedenen Drachis vorsichtig abgemacht. Mit Ausnahme der grün-weißen D. sanderiana sind alle anderen Blätter weggefault. Bei der D. sanderiana wundert mich das Durchhalten allerdings nicht. Die wird inzwischen ja schon für Holländische (oben offene) Becken als Aquarienbepflanzung verkauft, weil sie (as fast as she can) oben raus wächst.
Keisha, 29. August 2008, 17:41Mein Blattsteckling steht noch immer unverändert im Wasserglas. Keine Fäulnis, noch keine Wurzelbildung. Ich warte ab.
Gärtnerin, 01. September 2008, 12:34Ach Mann, dann eben so …….. habe jetzt zig mal versucht ein TracBack zu diesem Artikel zu setzen, funzt aber einfach nicht :-(
Ich habe in meinem Blog, gerade über meine Dracaena marginate Mutation/Varietät in hellgrün berichtet, das paßt ja ganz hier gut als Ergänzung :-)
http://dracaena-drachenbaum.de/2009/04/19/dracaena-marginata-mutationvarietat-hellgrun/
Liebe Grüße
jey-Key, 19. April 2009, 18:01jK
Hat mittlerweile jemand Erfolg mit Blattstecklingen erzielen können?
Stefan, 19. April 2009, 21:22Sehr cool, Jey-Key!
Gärtnerin, 20. April 2009, 09:34Nein, ging schief.
Gärtnerin, 20. April 2009, 09:34*lol*, ich bin unschuldig …….. habs grade in den Feeds gesehen, daß der Track-Back “schon” angekommen ist …… kannste ja löschen Gärtnerin, ist ja doppelt gemoppelt.
… und ja, ich finde das total cool und freu mich sehr über die hellgrüne D. marginata, hat ja nicht jeder ;-)
Liebe Grüße
jey-Key, 20. April 2009, 22:41jK
these varieties are extremely unique and interesting. If you are ever willing to spare some i would happily pay for them and arrange the shipping to usa
eric reiner, 01. August 2010, 07:08Kommentar hinterlassen