Ficus-Pflanzen formen
Hmtja, also ganz entgegen meines Vorhabens, den geretteten Ficus benjamina “Wildwuchs” wachsen zu lassen, habe ich irgendwie dann doch grad zur Schere gegriffen. Immer gefährlich, wenn man im Winter nicht genug zu tun hat. Dann kommt man natürlich auf dumme Gedanken! Der bisher auslandende Ficus muss jedenfalls standortplanungs-bedingt – das steht fest – mittelfristig doch irgendwie in einen kleineren /normaleren Topf als das große Hydrokultur-Gefäß umziehen, selbst wenn ich die dicken Wurzeln dafür teilweise absägen muss. Hoffentlich gelingt das. Damit er dann später nicht kippelt, musste ich ihm einfach jetzt schon mal die Überstände etwas zurückstutzen, um die künftige Form etwas schlanker zu gestalten. ;-)
Vorher:
Nach dem Schnitt:
Sieht etwas schlimmer aus, als es ist, glaube ich. Ich habe die zwei langen Äste, die nach zwei Seiten rausstanden, um ca. 1 Meter gekürzt, und ansonsten nur junge Triebe etwas eingekürzt, damit sie sich besser verzweigen, und die Pflanze später wieder fülliger wird. Immo sind ja einige streckenweise kahle Triebe zu bedauern. Eine Handvoll Stecklinge stehen im Wasser, Jey-Key! ;-)
Tipp für Erst-Ficus-Schneide-Willige: Unbedingt Zeitung oder sonst was großflächig unter die Pflanze legen, bevor man schneidet. Der beim Schneiden der Triebe austretende weiße Pflanzensaft tropft runter und …
gibt hässliche, gummiartige, getrocknet schwer entfernbare Flecken auf dem Boden! Bei Teppichboden dann auch immerwährende Flecken. Das Zeug ist übrigens je nach Empfindlichkeit bissi hautreizend und leicht giftig. Also Handschuhe anziehen, oder Hände bald mal waschen. Es gibt Leute, die via Atemwege allergisch gegen Ficus benjamina reagieren. Vermutlich sollten die beim Schneiden nicht grad im Zimmer sein.
Obwohl Ficus benjamina Bonsai-Formschnitt-geeignet ist, finde ich persönlich die Pflanzengestaltung besonders bei alten Benjamini nicht ganz so einfach. Bei moderatem Rückschnitt, also z.B. Nur-Entspitzen der Triebe, lässt sich der dann folgende Neu-Austrieb und Wuchs einigermaßen gut vorhersagen bzw. planen, aber sobald stärkere Schneide-Maßnahmen, insbesondere älterer, dicker Äste, drohen, ist es schwieriger. Das liegt daran, dass nach starkem Rückschnitt so ein Ficus-Ast massiv wieder austreibt, und – anders als bei den meisten anderen Pflanzen – an den Austriebsstellen / Blattknoten dann meist nicht nur ein neuer Trieb entsteht, sondern so was wie sternförmig mehrere Triebe aus demselben Auge, die unprognostizierbar in diverse Himmelsrichtungen wachsen. Vorzugsweise auch nach unten. Ungefähr so wie hier:
In welche Richtung die dann zeigen, – oft einige Äste ganz doof nach unten -, ist so ne Sache. Jedenfalls kann man einen stabil wachsenden Ficus immerhin kaum kaputtschneiden. Nur das Erst-Ergebnis ist manchmal erstmal bissi schwierig bzw. suboptimal, finde ich. Mittelfristig wächst die zurückgeschnittene Pflanze einfach wie Hulle, und das Trieb-Wachstum versucht sich so zu gestalten, dass die Blätter an allen Trieben schön Licht kriegen. Pflanzen sind ja nicht doof. Mit der Zeit kann man dann doch einigermaßen gut gestalten, aber mit einem einmaligen Rückschnitt isses meistens erstmal nicht getan.
Bei der Gelegenheit wollte ich auch noch ein “Erfolgs”-Gestaltungs-Projekt bei einem “befreundeten” alten Ficus benjamina erzählen. Ist schon eine ganze Weile her, aber ich bin immer noch stolz, weil es gut gelungen ist. Ausgangspunkt (leider wieder mal kein Vorher-Foto): Alter Ficus in typischer Alter-Ficus-Optik: drei dicke lange Triebe im Topf, unten z.T. noch einige schlecht belichtete dünne Triebe (lange Internodien, eher kümmerlicher Wuchs), dazwischen die unteren Äste ziemlich kahl. Oben irgendwie buschig, die Äste relativ gut belaubt, Probleme mit sich überschneidenden, nach innen wachsenden und sich aneinander reibenden Ästen mit z.T. zu dichtem Stand. Blättergewirr, das sich gegenseitig das Licht nimmt. Deswegen Beginn von Blätterrieseln aus der Baumkrone, da innen die Blätter zu wenig Licht bekommen haben.
Ficuspflanzen-Gestaltung – der Plan
Die Ausgangslage – unten fast kahl, oben zu dicht – war am besten zur Gestaltung eines Benjamini-Hochstamms geeignet, fand ich.
Für einen Hochstamm brauchts drei Gestaltungsteile:
1. EINEN Stamm
Aus den langen kahlen dicken Trieben unten “einen” Stamm formen. Das ist relativ einfach, wenn man sie denn noch einigermaßen zusammenkriegt, und die Äste nicht extrem weit auseinanderstehen. Einfach den künftigen Gemeinschaftsstamm zusammenbinden, also der Länge nach so zusammenzurren, dass sich die dicken Äste berühren. Nach einigen Monaten oder Jahren verschmelzen die Äste zum Teil miteinander, wachsen also aneinander fest, und schon hat man eine Hochstamm, der natürlich entstanden ist:
In der Zwischenzeit muss man natürlich bissi aufpassen, dass der Draht oder die Schnur, die die Einzeläste bis zum Zusammenwachsen beieinander hält, nicht in die Birkenfeige einwachsen oder irgendwelche Einschnürungen verursachen, wenn die Stämme an Dicke zulegen. Dass die Zweige nachträglich so toll zusammenwachsen, liegt, glaube ich, daran, dass Ficus-Arten insgesamt in dieser Eigenart ziemlich flexibel sind. Ich weiß nicht genau, ob Ficus benjamina auch Würgefeige-Eigenschaft hat, aber in der Family gibts jedenfalls Pflanzen, die mit ihren Ästen ganze andere Bäume überwachsen und so mit der Zeit komplett einschließen können. Schmarotzerpflanzen, die von außen großflächig angreifen.
2. Hochstamm = ohne Äste unten
Die unteren dünnen und schwachen Äste werden auf der gesamten Länge des künftigen Stamms komplett entfernt. Das geht besonders einfach, indem man sie, wenn sie noch jung und unverholzt sind, nach unten abbiegt/abrupft. Die entstandene Verletzung am Stamm heilt bald wieder zu. Der weiße Saft ist ein natürlicher Wundverschluss und schützt die Pflanze bei Verletzungen rasch. Wenn man statt abreißen schneidet, riskiert man einen verzweigen Neuaustrieb an derselben Stelle, und das will man ja nicht. Nach dem fertigen Rückschnitt inkl. dem noch folgenden Schritt 3 wird es in den nächsten Monaten üblicherweise jede Menge neuer solcher Austriebe ziemlich weit unten geben, die man dann auch regelmäßig entfernt, damit sie die Pflanze nicht unnötig Kraft kosten.
Benjamini-Krone gestalten in 2 Schritten
Das wirre Pflanzen-Oberteil habe ich mit besonderen Tricks in Form einer gefälligen Krone umgearbeitet: Alle dicken Äste stehen nach dem Zusammenbinden des Stamms immer noch straff nach oben, und natürlich noch dichter als zuvor. Jetzt kommt die Kombi-Maßnahme:
1. Auslichtungsschnitt wie mal bei den Rosen beschrieben, also a) erstmal alle toten, unbelaubten und schwachen Äste rausschnippeln, das gibt schonmal Luft. Dann b) alle doof nach innen, unten oder sonstwie sich überkreuzenden Äste rausschneiden, das gibt noch mehr Luft für die neue Baumkrone. Dann sollte man einen Rest an stabilen, kräftigen Trieben haben, die schön geordnet wie ein gut gebundener Blumenstrauß tendenziell rundherum nach oben-außen zeigen und sich nicht überkreuzen. Wenn, wie in diesem Fall, der Benjamini einem nicht gehört, sollte man vor diesem Schritt den Besitzer warnen, dass er die Augen zu machen sollte. *fg* Ähnlich wie beim Geldbaum damals mach ich so was nur, wenn der Pflanzenfreund glaubt, auch schrecklich aussehende, extreme Schneidemaßnahmen emotional verkraften zu können, und das Vertrauen zu mir und zur Schere ausreichend groß ist. :-)))))
2. Das “Problem” straff-aufrechter Wuchs der Krone lösen: Die verbleibenden Äste mit sanftem Druck in eine gefällige Kronenform zwingen. Hilfsmitteln könnten z.B. Paketschnur oder sonstige Schnüre sein, wie beim Oleander-Hochstamm mal gezeigt. Bei dem Benjamini hat sich aber während des Rückschnitts eine noch viel bessere Lösung ergeben. Am alten, abgeschnittenen Holz des Ficus waren eine ganz Menge sehr brauchbarer Astgabeln zu ernten, die ich dann als Abstandshalter für die Krone weiterverwendet habe:
Die wurden dann zwischen noch zu eng stehende Äste der Baumkrone geklemmt, die damit fortan für einige Monate auf Abstand gehalten wurden. Auf dem Bild sieht man auch die Stamm-Zusammenbindung mittels eines Kabelbinders unterhalb:
Nach einigen Monaten haben sich die Äste in der fixierten Form stabilisiert, und man kann die Abstandshalter wieder rausnehmen.
Das war das vorläufige Form-Endergebnis beim Herausnehmen der Abstands-Hölzer. In der Zwischenzeit war die Krone auch kräftig nachgewachsen, so dass der relative Kahlschlag beim Schnitt sich ziemlich ausgewachsen hatte: Schön geworden, oder?
So hochstämmig wie dieser wird der obige Wildwuchs-Ficus nicht mehr werden, da die dicken Äste zu weit auseinanderstehen, um zu einem Stamm zusammengebunden zu werden. Ich rechne aber fest damit, dass die Krone oben in den nächsten Monaten wieder dichter wird.
Nachtrag für Ficus-Probleme-Prädestinierte: Um Blätter-Fallen zu vermeiden: 1. Ficus nicht drehen (Lichteinfall soll konstant bleiben), 2. Ficus nicht ergießen (Ficus-Sterben ist meistens wegen zu guter Versorgung, nicht wegen zu schlechter), 3. Zugluft möglichst vermeiden, 4. Ficus im Sommer möglichst raus in die Sonne, das liebt er!
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Update: Ficus benjamini umtopfen mit Wurzelrückschnitt
Ficus benjamini überwintern
Ficus-Verwandte:
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24 Kommentare bisher
KommentierenOh *freu* *rumhüpf*, Du hast den aarmen Baum zurück gestutzt ……… aber ich bin sicher, er wird es mit einem buschigeren Wuchs danken, spätestens im nächsten Frühjahr.
Das Hochstämmchen hast Du echt supi hin bekommen, sieht richtig schmuck aus der Benjamin :-)
Danke, daß Du an mich gedacht hast.
Liebe Grüße
jey-Key, 30. November 2008, 19:12jK
Hallo – ganz beschämend – meine Frage – wie
gartengretel, 30. November 2008, 20:58heisst die Pflanze neben dem Ficus ? Eine
Asperagus Art ? Habe diese Pflanze seit ca. 30
Jahren – mittlerweile 160 cm hoch – schwächelt
z.Zt. sehr. Danke für einen Tip !
Hallo Gartengretel,
das ist ein Asparagus, darüber findest Du hier im Blog einiges, wenn Du es in die Suche eingibst.
Liebe Grüße
jey-Key, 01. Dezember 2008, 11:01jK
Obwohl ich “noch” keinen einzigen Ficus habe :), bin ich total beeindruckt von deinem Werk, Gärtnerin. Besonders interessiert mich der Teil mit dem Hochstamm formen. Geht sowas auch beim Zimmerhibiskus? Ich meine, ob man auch mehrere “Stämmchen” zusammenwachsen lassen kann. Das es mit einem Stamm geht, weiß ich. Und wie “alt” muß oder darf das Stämmchen sein, damit das klappt? Danke schon mal.
Kristina, 01. Dezember 2008, 12:29bestimmt ist die gärtnerin jetzt wenig beeindruckt von meinem kommentar dazu ^^
Zimtspinne, 01. Dezember 2008, 13:12ich fand den wellenförmigen erstlingsficus schöner, bizarrer und einmaliger *hmpf*
der letzte, angestrebte ist doch ein möchtegern-spießer-ficus!?
@ Zimtspinne: Über Geschmack kann man eben prima streiten. Und für “bizarren” Pflanzenwuchs braucht man außerdem genügend Raum. Unseren Wildwuchs-Ficus forme ich im Frühjahr auch zum Hochstämmchen, dann hat die Pflanze genug Platz im oberen Bereich des Zimmers – und die Menschen auf der Couch. Letzteres trifft aktuell nicht so zu, und schließlich ist unser Wohnzimmer kein Wald, sondern für uns da. Die Alternative wäre, den Ficus rauszuwerfen. Dann lieber in Form schneiden…
Anja, 01. Dezember 2008, 16:14Falls Du nicht den Asparagus meinst, sondern die andere Pflanze, Gartengretel, dann ist es ne Schefflera, zu der Du hier auch so manches findest. :-)
Danke, Kristina. Ich denke schon, dass man aus nem Zimmerhibiskus durch zusammenbinden auch ein Hochstämmchen gestalten könnte. Ob die Äste auch so miteinander verschmelzen wie beim Ficus? Glaub ich eher nicht, aber wäre ja auch nicht schlimm, wenn sie dann einfach dicht nebeneinander stehen, ohne sich zu vereinigen. Bei einem Hibi hab ichs noch nicht probiert, aber ich denke, dass die Äste verholzt sein sollte, gleichzeitig aber noch ansatzweise biegbar, also nicht so dick und starr, dass sie brechen würden, wenn man sie zusammenzwingt. Probier doch einfach mal.
Ein Spießer-Ficus. *fg* Ja, Zimtspinne, könnte man so sehen. Ich finde gut beblätterte wilde Ficusse ja auch schön, aber das wird halt echt zum Platzproblem mit der Zeit. Und eine zur Hälfte nackte Pflanze ist ohne Form nicht grundsätzlich schön…. ;-)
Gärtnerin, 02. Dezember 2008, 14:05Irgendwo, ich finde leider den Beitrag dazu nirgends mehr, habe ich doch mal in Kommentaren von meinem, natürlich ganz versehentlich *hüstel* auf dem Balkon vergessenen panaschierten Ficus berichtet, von dem ich gehoff… ähem befürchtet hatte, daß er bei Nachtfrost und Schnee erfriert. Er stand also wochenlang bei Kälte und Nachtfrost draußen, wurde einmal komplett zugeschneit und sah dennoch noch immer “grün” aus. Also hatte ich ihn herein geholt, weil ich dachte, wenn er bis jetzt durchhält, soll er doch ne zweite Chance kriegen…
Keisha, 04. Januar 2009, 17:03Tja, was soll ich sagen, heute habe ich gesehen, daß er tatsächlich stellenweise neue Austriebe bekommt. Er hat also überlebt :) Kann nur hoffen, daß sein Gesamtbild in nächster Zeit dann etwas besser wird. Nachdem ich ihn letztes Frühjahr zurückgeschnitten hatte, weil er sich total nackig gemacht hatte, hat ja nur ein einziger Ast wieder ausgetrieben gehabt. *seufz* Darum ja überhaupt seine… Balkonkur…
Hi Kaisha,
ja, ich erinnere mich an diesen Thread mit dem Beitrag von Dir :-)
Finde ich ja echt Hammer, daß Dein Ficus das überlebt hat, scheint sich ja um ein besonders zähes und kälteresistentes Exemplar zu handeln.
Ich würde mich über ein Foto mal freuen, mich würde die Panaschierung interessieren, ich habe ja auch so einige verschiedene Sorten hier.
Aufgefallen ist mir, daß sich die panaschierten Sorten auch etwas kooperativer verhalten, was den winterlichen Lichtmangel angeht.
Ünübertroffen “freundlich” ist da bisher mein Ficus “Alii”.
LG
jey-Key, 05. Januar 2009, 11:44jK
Zähes Geschöpf. Was so leben will, hat ne Chance verdient!
Übrigens sind meine Stecklinge vom panaschierten Ficus hops gegangen, Jey-Key. Ich probier das lieber im Sommer noch mal.
Gärtnerin, 08. Januar 2009, 10:54….. mhh, schade, aber kann man wohl nüscht dran machen.
Ich habe vor einigen Wochen 3 Ästchen von so einem “gewellten Ficus” zugeschickt bekommen, die habe ich in Erde gesteckt und Tüte drüber, noch leben die, ich bin echt gespannt. Ich hab noch nie Stecklinge im Winter gezogen.
LG
jey-Key, 08. Januar 2009, 12:25jK
Ich mache Fotos. Kann aber dauern, bis ich die posten kann, weil irgend so ein Hausgeist (nicht der Ich-nich… nennen wir ihn mal E.Hemann ;-) )sämtliche losen, herumliegenden Computerkabelsachen zusammen mit diversem anderem Computerkram in einen großen Sack gestopft und in den Keller verfrachtet hat. Hmja, und da ist wohl auch mein Kamerakabel irgendwie… so ganz von allein… mit hinein gehüpft *seufz* Und weil E. Hemann die Kabel alle ordentlich sortiert und zusammengebunden hat… *achtungironie*
Keisha, 13. Januar 2009, 17:10Naja, wie gesagt, sobald ich aus dem Knäuel mein Kabel herausgefriemelt hab…
Hi,
ich hab von meinem Fikus nen Ableger durch abmoosen benommen. Hab statt Moos Küchenrolle ;-)genommen hat super geklappt.
LG
Bianca, 01. Mai 2009, 19:12Sehr cool, Bianca. Noch ne Küchenrolle-Verwendung. :-)
Gärtnerin, 03. Mai 2009, 18:44Hallo liebe Gärtnerin!
Gartenschere, 27. April 2010, 21:14Vielen Dank für deine wertvollen Tips, die ich hier lesen darf!
Ich habe ein Problem mit meinem Ficus, er stand längere Zeit einseitig dunkel, wodurch er auf dieser Seite kaum Triebe hat. Vor ca. 1 Jahr hab ich ihn geschnitten und ans helle Fenster gestellt. Die Seite, die gut Triebe hatte, ist nun schön buschig geworden, an der anderen tut sich allerdings wenig. Sollten beide Seiten gleich weit zurückgeschnitten werden? Und 2. Problem: der Mittel-Leittrieb (Weiß nicht, obs Mitteltrieb oder Leittrieb heißt, sorry ;-) hatte sich auf 1m Höhe in ein V verzweigt (Astdurchmesser ca. 2cm). Das hatte ich auch gekürzt, da darüber sehr dünn gewachsen mit langen Internodien. Habe “V” belassen ca 15 cm lang, nun hat er an beiden Enden lange ausgetrieben in verschiedene Richtungen, ist aber darunter 30 cm kahl. Ich hätte wohl unter der “V”-Verzweigung schneiden sollen, oder?
Wie krieg ich ihn nun am Besten in Form? Möchte es jetzt richtig machen. Sorry, Bild wäre vielleicht besser, aber weiß nicht, wie das geht.
Vielen Dank und viele liebe Grüße!
Gartenschere
Ja, das würde ich machen, Gartenschere. Wenn die “gute” Ficus-Seite so weiterwachsen darf, fließt halt von unten her automatisch mehr Power in diese, weil ja neben den vorhandenen Blättern auch das Wachstum dort vorangehen soll. Wenn Du beidseitig korrigierst, ist das Ungleichgewicht zwischen beiden Seiten bezüglich Versorgung möglicherweise besser. Nix nutzt das, wenn die andere Seite aus wirklich toten Ästen besteht. Dann kriegst Du es m.E. nur wieder hin, wenn Du den Ficus entweder beidseitig fast kahl oder sogar runter schneidest, um einen Neuaustrieb aus dem Stamm anzuregen. Mitteltrieb-Leittrieb ist wurscht weil jedenfalls korrekt. :-)
Was das Y betrifft: schwer zu sagen. Könnte mir vorstellen, wenn Du die neuen Triebe an der Spitze regelmäßig einkürzt und nicht ellenlang wachsen lässt, dass sich das Teil oben dann mit der Zeit so verzweigt, dass es buschig wird. Und von unten her sollte auch was hochwachsen dann? Wenn Dir die Lücke unter dem V zu groß ist, würde ich es abschneiden, so dass die Buschigkeit tiefer entsteht.
Gärtnerin, 28. April 2010, 08:57Hallo!
Gartenschere, 29. April 2010, 12:17Vielen herzlichen Dank! Jetzt traue ich mich ran. ;-) Ich bin echt dankbar für diesen tollen Blog!
Viele Grüße
Gutes Gelingen, Gartenschere. Ich bin auch echt dankbar für liebe Mitleser. :-)
Gärtnerin, 29. April 2010, 12:20Nachdem ich mich jetzt seit Tagen nur auf diesem Gartenblock zu allen Pflanzen die ich habe (und das ist eine sehr übersichtliche Anzahl) belesen habe, muss ich jetzt auch mal meinen Senf dazugeben!
Ich habe mir vor geschätzen 20-25 Jahren aus Ablegern eines Ficus meiner Mama ein Pflänzchen mit (selbst-)geflochtenem Stamm gezogen. Er zog mit mir mehrmals um, stand sogar 4 Jahre in einem eher dunklen Zimmer, bekam nur selten mal ein paar Tropfen Wasser und hatte eine total buschige Krone mit einem wirklich schönen Stamm. Allerdings wuchs er nicht, velor aber auch kein einziges Blatt in der Zeit (im Winter hatte er fast gar kein Licht).
Nachdem ich wieder mal umgezogen war, bekam er es auf einmal mit einem hellen Zimmer mit Licht von 2 Seiten zu tun…aber er veränderte sich nicht…bis vor ca. einem Jahr: Da verlor er fast alle Blätter (und es waren zum Schluß wirklich nur noch ein paar trübsinnige kleine verkrüppelte Blätter vorhanden). Nachdem ich mich nicht überwinden konnte ihn zu entsorgen kam er in die Fensterbank meiner Küche und wurde da fast vergessen…als ich ihm dann drohte, dass er nun doch in die Biotonne wandert, wenn er nicht bald loslegt, kamen wirklich wieder viele neue Austriebe. Die Freude war aber nur von kurzer Dauer. Im Herbst spielte er wieder “Tod-sein” und verlor wieder alle (und dieses mal waren es wirklich ALLE) Blätter. Jetzt hat er nur einen einzigen Trieb geschoben, der auch wie wild wächst und sich verzweigt. Seit heute steht er auf dem Balkon…und ich hoffe er tut das, was ihr hier prophezeit: nämlich das er wächst wie bekloppt und vielleicht auch wieder mehrere Triebe schiebt…Ich hänge wirklich an dem Ding! Hbt ihr vielleicht noch einen Tipp, was ich machen könnte…umgetopft ist er schon.
Freue mich auf Tipps
Viele Güße aus der Pfalz
SaHe, 30. April 2010, 09:13Hallo liebe Gärtnerin!
Hab mein Sorgenkind nun ziemlich kurz geschoren. Hat wahnsinnig Überwindung gekostet… Du schriebst, ich solle die neuen Triebe an der Spitze regelmäßig einkürzen und nicht ellenlang wachsen lassen.
Meinst du damit also, immer wenn so 2 Blättchen neu dran sind, 1 abschneiden? Wird der Trieb dann stabil? Ich dachte immer, lieber erst lang wachsen lassen bis der Grund dicker ist und dann zurückschneiden.
Habe noch nen 2. großen Ficus, der in meiner 5 wöchigen Abwesenheit letzten Herbst wohl zu viel gegossen wurde und dadurch die untere Hälfte Blätter verloren hat. Hatte zurückgeschnitten, er treibt auch wie verrückt und zwar teilweise dicke kräftige Triebe aber mit ziemlich langen Internodien. Habe beobachtet, wenn ich solche Triebe zurückschneide, dass es sich nicht verzweigt und nur in eine andere Richtung (je nach Nodie) weiterwächst. Das Einkürzen der FRISCHEN noch KURZEN Triebe verhilft also zur Verzweigung?
Vielen lieben Dank!
Ach ja, vielleicht magst du ja ein Foto einstellen, wie der gerettete Ficus jetzt aussieht?
@SaHe: ich würd ihn auf jeden Fall schneiden!!
Gartenschere, 04. Mai 2010, 14:06Viele Grüße
Gartenschere
Hallo Gartenschere!
Gut, dann werde ich also den Trieb mal n bischen abschneiden…oder meintest Du, dass ich auch den Stamm runterschneiden sollte???
Freue mich nochmal auf Antwort!
Grüße
SaHe
SaHe, 04. Mai 2010, 18:40Hallo SaHe,
Gartenschere, 04. Mai 2010, 20:35ich würde auf alle Fälle, nach dem, was ich hier gelernt habe, die seitlichen nackten Triebe bis ins gesunde Holz zurückschneiden. Stamm würde ich belassen. Vielleicht weiß jemand anderes aber noch besseren Rat.
Viele Grüße
Einkürzen führt immer zur Verzweigung. Vielleicht nicht alle zwei Blättchen, aber gelegentlich. Gratuliere zum Mut. Wäre total interessant, wenn Du den Jetzt-Status aufhebst undspäter dann ein Ficus-Schneiden-und-Modellieren-Vorher-Nachher machen könntest, Gartenschere, also den Schnitt jetzt, und was dann so in 2-4-6 Monaten oder so draus geworden ist.
Lass Deinen Ficus draußen nicht verbrennen, SaHe, erstmal im Schattenlangsam eingewöhnen. Viel ERfolg!
Gärtnerin, 04. Mai 2010, 22:10naja, die nackten Triebe hatte ich bereits runtergeschnitten…aber da tut sich definitiv nichts…Der kleine steht im Schatten, nach dem ich die verbrannten Blätter am Ficus meiner Mutter gesehen habe war ich SEHR vorsichtig. Jetzt warte ich mal auf besseres Wetter…bei 6° will er nicht so richtig loslegen. Wäre mir auch zu kalt ;-)
Vielen Dank für die Tipps
Sabine
SaHe, 06. Mai 2010, 21:49Kommentar hinterlassen