Fürstenlager Auerbach
Im Vorbeifahren aus dem Süden habe ich gestern mal wieder einen Abstecher in den Staatspark Fürstenlager Auerbach in Bensheim-Auerbach gemacht. Lag gerade auf dem Weg und das Fürstenlager ist ein von mir gern und viel besuchter grüner Platz. Ich würde sogar behaupten, dass ich da jedes Jahr mal hin muss, sonst bin ich unglücklich. :-)))
Diesmal habe ich Fotos gemacht, damit auch ferner Wohnende mal einen Blick drauf werfen können. Worum also handelt es sich?
Das Fürstenlager ist als Sommerresidenz von Landgraf Ludwig VIII. (1739-1768) und Landgraf Ludwig X. von Hessen-Darmstadt/Großherzog Ludwig I. (1790-1830) erbaut worden. Die Infotafel gibt Auskunft darüber, dass als Gartenarchitekten J.J. Hill, C.L. Boetticher, und die Hofgärtner Geiger und Haas zugange waren und das Fürstenlager 1766-1807 erbaut wurde.
Es handelt sich um eine Sommerresidenz der ganz besonderen Art. Nicht Schloss mit Park wie üblich, sondern die Landgrafen zogen es stattdessen vor, mit ihrer Gefolgschaft auf dem Landsitz das idyllisch romantische Landleben zu spielen (das für die echte Landbevölkerung sicher nicht halb so idyllisch war).
Demzufolge ist zwar ein Herrenhaus an exponierter Stelle vorhanden, insgesamt handelt es sich bei den Baulichkeiten aber eher um ein kleines, entzückendes Dörfchen aus relativ schlichten Häuschen, Hofgebäuden und Ställen, in dem sich verlustiert wurde. So gibt es im Dörfchen Schwanenweiher, Ententeich, Stallbau, Kavaliersbau, Konditoreibau, Meierei, Gesundbrunnen (eigene Kur-Quelle!) etc.
Und dies alles in 42 Hektar romantischer Bergstraße-Hügeligkeit, nicht etwa auf platter Fläche.
Die zweite, herausragende, und absolut sehenswerte Besonderheit des Fürstenlagers ist die z.T. exotische Baumsammlung, die in Form eines sehr alten und optisch sehr reizvoll gestalteten Englischen Landschaftsgartens oder vielmehr Parks “ausgestellt” ist. Neben wunderprächtigen Alleen, z.B. einer Linden- und Platanenallee. findet man dort auch Bäume, die nicht so oft zu sehen sind. Ein Prachtstück der Baumsammlung ist einer der ältesten Mammutbäum (Sequoia) Europas, der über 50 Meter Höhe misst und ca. 140 Jahre alt ist. Er war dereinst ein Geschenk des englischen Königs an die Landgrafen von Hessen.
Vom Parkplatz aus – 2-3 Gehminuten entfernt – betritt man das Fürstenlager durch eine gemächlich ansteigende, ehrwürdige Lindenallee. Für mich einer der schönsten Anblicke überhaupt, wenn die Sonne scheint:
Vorbei an Schwanenteich und Entenweiher, erreicht man die ersten Gebäude des Idyllendorfs. Hier der Stallbau und dahinter der Kavalierbau. Es wird auch schon im Ansatz deutlich, was ich am Fürstenlager noch so mag: Kübelpflanzen. Kübelpflanzen, Kübelpflanzen…. Aber das seht Ihr gleich noch.
Die zweigeschossigen Gebäude im Dörfchen sind sehr einheitlich in weiß mit hellgrauen Fensterläden gehalten.
Und zum Teil wirklich spielzeugmäßig idyllisch. Hier das “Wachthäuschen” in Nähe der Herrenwiese. Da gibts u.a. Eis. ;-)
In Höhe der Platanenallee begegnet man ihnen endlich (*vorfreude-immer-vorfreude*): Den wunderschönsten Oleander-Hochstämmen, die mein Auge je erblickt hat. Oleander mit einem Stamm, der so dick ist wie unsereiner Oberschenkel hat. Richtige Bäume! Sehr gepflegt, üppig blühend, nicht etwa vereinzelt, sondern in Serie. Eine eigenständige Allee beinahe. Wie alt die wohl sein mögen? Ich D… hab wieder mal nicht gefragt, obwohl gerade ein Gärtner unterwegs war. :-(
Diese Pflanzen haben mich damals dazu inspiriert, selbst mal einen Oleander-Hochstamm zu gestalten, was gut geklappt hat. Wer mal drunter gucken möchte, wie sich so eine betagte Krone von innen optisch darstellt:
Die Oleander sind für mich DIE Kübelpflanzen im Fürstenlager. Daneben gibt es eine Vielzahl von Schmucklilien, panaschierte Abution, Riesen-Bleiwurz, Engelstrompeten und sonst noch was. Sollte man auf den Bildern sehen.
Am “Ende” des Dörfchens findet sich das schmucke Herrenhaus, das heute das Parkhotel Herrenhaus mit wunderschöner Terrasse beherbergt.
Wenn Ihr jemals in der Nähe heiratet: Das ist sicher einer der schönsten Plätze der Welt für so eine Feier, denn….
der Ausblick auf die Herrenwiese ist einzigartig! Genau gegenüber des Herrenhauses schaut man auf den prachtvollen, leicht ansteigenden Hang mit diesen wunderbaren Bäumen, der oben vom sogenannten Freundschaftstempel (1824 erbaut, weiß, kaum zu sehen auf den Bildern) geziert wird. Meine Fotos können diesen Ausblick einfach nicht wiedergeben. Da beim Kaffee zu sitzen, der Wasserfontäne zu lauschen und da rauf zu schauen ist wunderbar. Meditativ. Inspirierend. Göttlich. Der eigentliche Grund, warum ich da immer wieder hin muss.
Der lange spitze Baum zur rechten Seite ist übrigens der beeindruckende, königliche Mammutbaum:
Beeindruckend finde ich auch, dass da jemand “englisch” geplant hat und das Baum-Bild von der Struktur her nach 150 Jahren immer noch gut komponiert aussieht. Mir entwachsen die Dinge in 2 Gartensaisons. ;-)
Zu beiden Seiten der am Rand geschwungenen Baumwiese führen Spazierwege hinauf zum Tempel. Der Ausblick von oben nach unten aufs Herrenhaus ist übrigens auch Weltklasse, aber leider hatte ich gestern nicht so viel Zeit, hinaufzugehen. Der Freundschaftstempel ist der höchste Punkt des Hügels. Auf der anderen Seite befindet sich ein Weinhang, dessen Träubchen *hm-hm* recht lecker munden. ;-) Auch dort kann man noch sehr schön auf dem Höhenweg weiterspazieren, beispielsweise zur “Ludwigslinde” (einst von Ludwig gepflanzt, der Baum wurde zwischenzeitlich ersetzt, ist aber schon wieder riesig). Nicht alle sehenswerte Botanik findet sich auf der Herrenwiese. Es lohnt sich wirklich unbedingt, an einer Führung teilzunehmen, und den Baumriesen und dem Thema Englische Parkgestaltung persönlich zu begegnen. Es gibt aktuell so 4-5 Führungen und Veranstaltungen im Monat oder auf Anfrage für Gruppen. Das Fürstenlager gehört zum Kulturerbe Hessen und ist unter Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten.
Infos von der Verwaltung, noch paar Bilder
mehr Oleander
eingewurzelt unter: Gartenbesichtigung
Vor einem Jahr
Hilfe, wir werden belagert..., Funkien

















6 Kommentare bisher
KommentierenDanke für den schönen Bericht. Ich wusste gar nicht, dass es so etwas Schönes in unserer Gegend gibt.
LG Katja
Man spaziert ja direkt mit. Schöner Ort, da will ich auch mal hin. Die Bemerkung über die Oberschenkel stimmt mich allerdings sehr nachdenklich und besorgt.
Unbedingt mal besuchen, Katja! Danke für Deinen Papiergruß. Sehr schade, dass ich nicht da war.
:-(
Menno, Uta, jetzt wollte ich mich mal schlanker schreiben als ich bin… Kein Grund zur Besorgnis. Gar keiner!
Leider hab ich Deine supertolle Seite erst jetzt kenengelernt ,auf der Suche nach den Schädlingen, die meinen Oleandern so zusetzen. Die tolle Olean
derallee dürfte um die 30 Jahre alt. sein. Ich habe nämlich 1984 auf unserer ersten Mallorcareise einen Steckling mitgebracht, der genau so aussieht wie die Alleebäume.
lg mamasagres
Die Oleander sind mind. 50Jahre alt wenn nicht älter! Ich bin einer der Gärtner dort und fragte die älteren Kollegen, einstimmig waren sie dieser Meinung! Leider gibts keine Niederschriften dazu, zumindest noch keine gefundenen… Ich suche weiter…
Vielen Dank, dass Du der Frage nachgehst, Rodrigue. Ich freue mich, mal was von einem Original-Fürstenlager-Gärtner zu hören :-) und bin gespannt, ob Du auf Doku zu diesen Prachtexemplaren stößt.
PS: Wenn da beim Schneiden mal ein Steckling vom historischen Pflanzengut übrig bliebe, würde ich mich geehrt fühlen. ;-)
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