Giersch bekämpfen
Bin gerade dabei, das Unkraut-/Wildpflanzen-Verzeichnis mal wieder zu vervollständigen. Dabei fällt mir auf, dass zum Giersch (Aegopodium podagraria) immer noch nix drin ist, weil ich, obwohl ich natürlich schon Ewigkeiten Giersch-Bilder gemacht habe, noch nix dazu geschrieben hab. Das sei hier mal schnell nachgeholt.
Giersch gehört für die meisten Gärtner neben Quecken(gras) und Schachtelhalm zu den drei schlimmsten Hass-Unkraut-Pflanzen, weil er sich robust im Garten hält und durch unendliche unterirdische Wurzel-Ausläufer (Rhizome) als ähnlich schwer zu bekämpfen erweist wie Quecke. So ähnlich vermehrt er sich auch. Deswegen gilt meist: Einmal Giersch, immer Giersch. Das ist die schlechte Nachricht.
Giersch essen, Heilpflanze
Die gute ist, dass er gegenüber der Quecke immerhin einen bedeutenden Vorzug hat: Giersch-Blätter sind nämlich gesund und essbar, z.B. im Salat oder als Gemüse, so dass eine Möglichkeit der Bekämpfung das regelmäßige Verspeisen der frisch gewachsenen Wildkräuter ist. Mit regelmäßigem Entblättern dabei oder Mähen schwächt man die Pflanzen natürlich gleichzeitig etwas, aber nur kurzzeitig. Giersch hat übrigens einige giftige Doppelgänger, deswegen empfiehlt Wikipedia, beim Giersch-Sammeln zum Essen darauf zu achten, dass der Stiel auch wirklich dreieckig ist!
Hildegard von Bingen hat ihn übrigens als Heilpflanze eingesetzt. Deswegen steht er auch dieses Jahr im Hildegarten auf der LaGa Bingen. Dort habe ich diese Fotos gemacht:
Als Bodendecker wachsen lassen
Wie man sieht, ist er eine im Juni weiß blühende, frischgrün-belaubter Pflanze, zweifellos mit absoluten Bodendecker-Qualitäten. Wer sich in einem Wildgarten mit ihm abgefunden hat, kann ihn natürlich auch einfach wachsen lassen. Wer das Überleben anderer Pflanzen im Blick hat, wird aber was tun müssen, denn der macht mittelfristig alles andere platt, was nicht gerade viel größeres Gehölz ist. Wenn man Giersch wirklich im Garten “kultivieren” will, kann man eine Wurzelsperre einbauen, um ihn nicht darüber hinaus wachsen zu lassen, ähnlich wie beim Topinambur, Maggikraut, oder dem Bambus empfohlen. Vorsicht ist trotzdem die Mutter der Porzellankiste, weil die Pflanze ja auch Samen bilden kann, die daneben fliegen können.
Gegen Giersch Kalken, Abdecken, Ausgraben, Unkrautvernichter
Giersch mag er keinen Kalk, so dass Kalken ihn ebenfalls etwas schwächt, aber wohl kaum dauerhaft zur Strecke bringt, wenn Ihr mich fragt. Abdecken mit Mulchfolie, Karton, Rindenmulch etc., was man immer wieder als Tipp liest, um ihn mangels Licht auszurotten, halte ich für keine effektive Maßnahme. Ratzfatz ist er nämlich mit langen Wurzelschnüren unter den paar Metern lichtlos durchgetaucht und kommt dann auf der anderen Seite wieder raus.
Ansonsten gilt für den Giersch genau das Gleiche wie für die Quecke. Nicht zerstückeln durch Umgraben oder Fräsen, das machts nur schlimmer, weil die vielen dabei entstehenden Wurzelstücke dann kurz drauf unendliche Mengen neuer Pflanzen ergeben. Sorgfältig die langen Schnüre ausgraben, immer wieder, und ihn nie die Oberhand gewinnen lassen, sind m.E. die, wenn auch arbeitsaufwändige, einzige Lösung. Auch in bepflanzten Beeten. Total durch-gierschte Stauden kriegt man nach dem Ausgraben auch kaum mehr “sauber”. Ableger ziehen und weg damit! Giersch samt Wurzeln bloß raus aus dem eigenen Garten, und niemals nicht auf den Kompost! Prävention würde ich auch empfehlen, vor allem beim Pflanzentausch mit Pflanzen aus Giersch-Gärten! Ich habe mir vor drei Jahren über einen Funkien-Ableger mal ein Stückchen Giersch ins Staudenbeet geschleppt, das ich dann kurz später nur mühsam wieder unter Kontrolle gekriegt habe.
Roundup wie bis neulich noch bei den Quecken eingesetzt, ist eine Möglichkeit. Nach diesem Film kommts bei mir aber nicht mehr in den Garten, so dass ich jetzt noch vorsichtiger werde. Zur Zeit ist mein Garten Giersch-Clean, aber er steht seit Jahren vor den Garten-Toren, ca. 2 Meter vom Garteneingang entfernt. Ich achte regelmäßig drauf, dass er mir nicht näher kommt. Lieber grabe ich das ganze Stück Wildwiese davor von Hand durch, als anschließend meinen Garten!
eingewurzelt unter: Unkraut im garten
Vor einem Jahr
Häufchen-Funde im Garten, Pflanzenbestimmung Gartenpflanzen




13 Kommentare bisher
KommentierenHallo Steffi, mit Giersch kämpfe ich schon reichlich 30 Jahre. Sehe ihn aber inzwischen nicht mehr als Unkraut – also Feind – sondern Garten mitbewohner. Habe ihn an meiner Terrassenböschung wachsen lassen, ich kann nicht mehr auf den Knien rumkriechen und ihn rausziehen. Also mit der el. Heckenschere kurz gehalten.Er wehrt sich indem er mich das El Kabel hat anknabbern lassen.
Aussamen darf er nicht- auch Dein Rat ab in die Mülltonne ist sehr zu begrüßen,Alle Kräuter die Samen haben soll man nicht auf den Kompost werfen.
Aber jetzt was anderes. Wochenlang wird über allerhand Schadbilder an Pflanzen und Schädlinge berichtet, wir sind empört über den Citrusbockkäfer, der mit Fächerahorn aus China eingeschleppt wird, haben Grasmilben auf dem Rasen
ein unerschöpfliches Thema -beobachten unseren Buchs mit Sorgen – wundern uns über das Fehlen von Schmetterlingen, bemerken das weniger werden der Singvögel – dafür das Überhandnehmen der krächzenden Rabenkrähen – deren Leibspeise sind gerade aus dem Boden gekrochene grüne Bohnen und manch anderes.- die schwarzen amerikanischen Eichhörnchen habe ich noch nicht bemerkt- kann ja noch kommen. Wir kämpfen gegen Braun-und Krautfäule bei den Tomaten – zupfen an den Rosen die befallenen Blätter ab, sammeln eventuelle Raupen vom Grünkohl, haben Monilia pilzfäule an den Äpfeln – weil nicht gespritzt. Und so weiter bis morgen früh.
Und jetzt gibts Probleme mit dem KIRSCHLORBEER.
Diesem Giftgewächs. Habe mich mit einem Gartenfachmann – hier in meiner näheren Umgebung ist ja das größte zusammenhängende Baumschulgebiet,unterhalten. Meine Frage an ihn: Warum wird der KL so häufig angepflanzt?
Weil er dauernd angeboten wird, überall wird fast damit geworfen. Er ist leicht zu produzieren, hat ganz geringe Ausfallquote und gute Gewinnmargen.
Auf die Giftigkeit angesprochen meint er: normalerweise kaut man auch keine seiner Blätter.
Auf die Allergiegefahr bei der Blüte für Allergiker meinte er: Naaaa jaaa , aber nicht alle die einen Kirschlorbeer gepflanzt haben sind allergisch dagegen. Frage : ? wo kommt der denn her?
Irgendwann mal aus dem Balkan. Das wars dann.
Nun hat das System, Mutter Natur- was gefunden um diesem Giftgewächs die Schranken aufzuzeigen – und schon verdient sich die Giftindustrie dumm und dösig an den Mittelchen. Mein Meinung wird mal wieder bestätigt, daß ein Großteil der Hobbygärtner zu viel mit der Giftspritze hantiert.
Meine Blautanne , die von der Sitkafichtenlaus ziemlich kahl gemacht wird, sollte ich auf anraten der Gartenbaubehörde mit ??? spritzen. Sie ist ungefähr 12 Meter hoch. Hebebühne mieten ?
Autokran ?? Hier feiert der Wahnsinn schaurige Triumphe- Spruch nicht von mir – aber gut – gell ?
Also Betroffene mit wehleidigem Kirschlorbeer -
betrachtet doch die Sache als eine Fehlentscheidung – wenn der KL eliminiert ist, was anderes pflanzen.
So jetzt hab ich genug gewettert, Axt und Kettensäge raus und weg mit KL. Könnt ihn ja zurückgeben.
Bin auf die nächste Schreckensmeldung von der grünen Front gespannt, die kommt so sicher wie der nächste Flugzeugabsturz.
Aber die Globalisierung hat schon mit den Phöniziern angefangen, fortgestzt hat Marco Polo,
Christoforo Columbus, Captain COOK, und Legionen von Nachfolgetätern, manches war ja ganz brauchbar aber das war wohl eher Zufall.
Es grüßt Klabautermann Reinhard Rasenhasser
Tschüss
auch morgen geht die Sonne wieder auf.Ob wir sie sehn, interessiert die gar nicht.
Für Glyphosat, den Wirkstoff von Roundup besteht kein Patentschutz mehr, sprich: er wird auch von zahlreichen anderen Firmen (preiswerter) angeboten.
Im Verzeichnis zugelassener Pflanzenschutzmittel unter https://portal.bvl.bund.de/psm/jsp/ kann man alle zugelassenen Pflanzenschutzmittel mit dem Wirkstoff nachschlagen.
Es gibt aber auch biologische Herbizide wie Pelargonsäure. Nachteil ist die Notwendigkeit einer sehr hohen Konzentration (100 ml Mittel mit 500 ml Wasser mischen bei Finalsan) Perlargonsäure ist eine in Pflanzen vorkommende Fettsäure, die als ökologisch unbedenklich gilt.
… alleine die stets militärische Ausdrucksweise zeugt von einem Unverständnis gegenüber der Natur und einer Kultur die versucht einen endlosen Kampf gegen eben diesem Feindbild zu führen. Mittlerweile versucht man sie noch nicht mal mehr zu verstehen.
Nur die Natur hat viel Geduld und noch mehr Zeit. Ein Verständnis welches der Mensch nicht aufzubringen scheint, weil er eben sehr langsam lernt und versucht alles zu beschleundigen.
Dabei ist er selbst die Ursache des Problems, geht nicht an diese sondern an die Symptome und spielt weiter die erste Geige in der Opferkultur.
Das Problem sind nicht die Dinge selbst sondern die Meinung über die Dinge…
Ich habe einen Garten übernommen, der langsam aber sicher ‘zugirscht’ und habe mich bis jetzt sehr geärgert.
Heute hat mir aber jemand erzählt, daß man Girsch essen kann. Wenn er jung ist wohl einfach mit in den Salat machen, oder gedünstet wie Spinat. Als Tee ist er angeblich harnsäuresenkend.
Jetzt ist er mir schon sympathischer. Mal sehen, wie lange er nun das dauerhafte abernten mitmacht
Gute Hunger, Eva! Abernten schwächt jedenfalls, aber nur, wenn regelmäßig gemacht.
Also essen würd ich das Zeug nu nich, hab die Schnauze schon voll davon wenn ich fertig bin mit “rausrupfen”… ;-)
Jetzt ist schon Mai, Giersch schmeckt nicht mehr so besonders. Aber mir hat er, seit ich wusste, dass man ihn essen kann, schon manche Suppe bzw. Salat “gestreckt”. Es ist ein tolles Gefühl, seine Feinde einfach zu vertilgen!!!
Giersch ernte ich bis zu 8x im Jahr und mache davon leckeres Wildkräuter-Pesto (mit Gundelrebe + Knoblauchrauke. Durch das viele Pflücken wird der Giersch zwischen den Stauden weniger.
Jetzt habe ich gehört – noch nicht durchgeführt – dass kartoffelpflanzen Giersch vertreiben. Das ist doch einen Versuch wert, oder?
Bei mir liebt er Kalk, denn er steht bei den Rosen!
Giersch ist ein prima Ersatz für Petersilie – bis in den Herbst hinein. Und im Pfannkuchen und auf der Pizza schmeckt er ebenfalls. Gemischt mit anderem Gemüse ist er ein wahrer Alleskönner. Seine Kieselsäure macht ihn so gesund und hilft unserem Körper, sich von überschüssigen Säuren zu befreien.
Der Heilige Serafim von Sarov (Russland, + 1833) soll angeblich während seines etwa 20 Jahre dauernden Einsiedlerlebens sich nur von einer einzigen Pflanze ernährt haben: Giersch.
Also: Köche der Welt – erfindet 1000 neue Giersch-Rezepte! – Mahlzeit.
Auch ich habe viel Erfahrung mit Giersch! Der elterliche Garten, den ich nun seit ein paar pflege, befand sich schon eine Giersch-Plantage. Nach reichlich Ausgraben der Wurzeln habe ich über den Sommer schwarze Folie über das Beet gelegt und es hat gut geholfen. Der Nachteil…es wächst auch nichts anderes.
In einem anderen Beet habe ich nach dem Ausgraben Zierkürbisse ausgesäht (einfach die Zierkürbisse entkernt und die Kerne reichlich verteilt.
SUPER-ERFOLG!!!!
Die schnellwachsenden, grossen Blätter entziehen dem Giersch den Lebensraum, der Giersch bekommt kein Licht mehr, das notwendig ist, um ihn wachsen zu lassen. Somit verkümmert er unter den Zierkürbisblättern. Zudem sind die Blätter sehr ansehnlich, es wachsen sehr schöne gelbe Blüten, die den ganzen Sommer blühen und zum Herbst kann man Zierkürbisse ernten. Diese eignen sich für eine schöne Herbstdekoration.
Also eine rundum gelungene Sache.
Viel Erfolg beim Ausprobieren dieser biologischen Gierschbekämpfung.
RoudUp hilft kaum, Giersch wird gelb, stirbt aber nicht ab. Mehrfaches Besprühen soll aber helfen….
Es hilft aber eine Bepflanzung mit Geranium macrorhizzum. Das verdrängt den Giersch, wenn man anfangs ein bißchen hilft, indem man den Giersch, wenn er noch einmal hochkommt, entfernt. Die Wurzeln kann man drinlassen.
Hilft auch gegen Quecken, gleiches Prinzip, aber nicht gegen Winden. Die muß man an Bambusstangen hochranken lassen und dann, wenn genügend Blattmasse da ist, mit RoundUp spritzen, indem man andere Pflanzen abdeckt. Und gegen Ackerschachtelhalm hilft nur jäten/ausgraben.
Huhu…
Also bei uns kommt Giersch auch auf den Teller und ich kann nicht sagen, dass er sich ausbreitet… er hat sein Fleckchen, für mehr reicht es nicht, weil ich ihm ständig die jungen Blätter nehme und gemäht wird er auch.
Wir essen ihn jung im Salat, pürieren ihn mit Öl und gemahlenen Nüssen und fügen zu dieser Basis gern Parmesan, Salz, Chili oder andere Gewürze hinzu. Auf frischem Brot einfach sehr lecker…
Manchmal trifft er sich mit ein paar Kartoffeln, Zwiebellauch, Gundermann und Co im Suppentopf. Ich verwende ihn überall da, wo ich sonst Petersilie brauch… Auch kurz durch die Pfanne geschwenkt, mit Sonnenblumenkernen ist er eine leckere Beilage… Aber aus meiner Sicht nicht wie Spinat… Dafür ziehe ich dann doch die allseits “beliebte” Gartenmelde vor…
Hach… Wat freu ich mich wenn der Winter wieder vorbei is ;))
Mensch Tanni, wenn ich von all den Köstlichkeiten lese, die man aus Giersch machen kann, bedauere ich richtig, dass ich keinen im Garten habe ;-)
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