Hydrangea macrophylla “Blaumeise” R.I.P.

03. Juni 2008 von Gärtnerin

Eine Tellerhortensie (Hydrangea macrophylla “Blaumeise”), eine meiner Lieblingssorten (Hydrangea Blaumeise zur Ansicht), besser gesagt ein Schatten davon, etwa so aussehend (und so schnell hätte sie auch regeneriert), nur viel größer, bestieg eben zwecks Kaufverhandlungsführung meinen Penny-Einkaufswagen. Eine so große, ursprünglich kräftige Pflanze wollte ich nicht der Mülltonne überlassen.

Sprach die Filialleitung an, Betonung auf “Ich habe eben dieses arme GESCHÖPF hier gefunden”, und was soll ich Euch sagen…?! Vor meinen Augen nimmt man die Pflanze vom Wagen mit dem Hinweis, dass die nicht mehr verkäuflich sei, und schmeißt sie weg, obwohl ich bereit war, dafür zu zahlen (allerdings nicht den vollen Preis). Da steh ich dann, sprachlos, ich Depp, und frage mich wohin mit meinen Aggressionen….

Nicht, dass mir so was nicht schon ein Dutzend Male passiert wäre, und Verkäufer-Anweisungen bekanntlich vielerorts so lauten, aber da geht mir immer noch die Galle über! Kunde will Ware kaufen, Verkäufer nimmt sie ihm ab und versenkt sie im Mülleimer. Bei Hartweizengrieß sicher nicht so schlimm. In diesem Fall war Kunde der Meinung, ein Lebewesen kaufen zu wollen…

Ich stelle mir gerade vor, wie sich das Phänomen beispielsweise in einem Zoogeschäft ausnähme: Kunde wählt Kanarienvogel, Verkäufer holt ihn aus dem Käfig, klatscht ihn vor dessen Augen an die Wand und betont “Tja. Der war sowieso bisschen klein”?

Ganz ehrlich, liebe Supermärktler, glaubt Ihr, das hat mich jetzt glücklich gemacht? Trägt zur Kundenbindung bei? Zur Zufriedenheit? Zum Wiederkommen? Nö!

*schnaub*

Hortensien – Erfreulicheres:

Hortensien blau färben
Hortensie schneiden (wenn denn)
Hortensie auseinandersägen
ein paar Hortensien-Blütenbilder

Hortensie-Bücher

eingewurzelt unter: Ärgernis

Alle anzeigen mit Stichwort:

Vor einem Jahr
Garten-Koch-Event: Rhabarber - Die Gewinner, Marienglockenblume (Campanula medium), Goldlack blüht nicht



8 Kommentare bisher

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*lol* Geht’s Dir jetzt besser, Steffi?

Aber im Ernst: Kann Dich absolut gut verstehen. Manchmal ist es echt die Härte, was Verkäufer (bis rauf zum Chef) sich abkneifen.

@ Mike: Tolle Idee, wann und wo organisierst Du die erste Tafel??

Anja, 03. Juni 2008, 17:01

Ich mußte echt grinsen, nicht wegen der armen gemordeten Blaumeise, sondern weil ich mir das Szenario bildlich vorgestellt habe ……
Ich verstehe es auch nicht *Kopfschüttel* …… halt keine Achtung mehr vor dem Leben … und das Traurige, das Beispiel mit dem Kanarienvogel ist gar nicht so weit her geholt, ich war 10 Jahre lang im Tierschutz aktiv und es gibt einige “Züchter”, die sich gerne auf die Schnelle von mißgebildeten, nicht dem Standart entsprechenden oder kränkelnden Tieren trennen auf brutalste Weise ….. anstatt sie an liebevolle Menschen abzugeben, die sich freiwillig und kostenlos um die Tiere kümmern würden.

Na ja, ich möchte jedoch auch ein Positiv Erlebnis kurz schildern, das ich voriges Jahr im Netto erlebt habe.
Dort stand ein Bonsai und ließ alles hängen und “schrie” verzweifelt um Hilfe, wir schauten uns an …. und es war klar, dieses arme Geschöpf brauchte Hilfe.
Also wanderte er in den Einkaufswagen, auch zwecks Verhandlung. Wir trafen den Verkäufer und ich sagte zu ihm “Der stirbt gerade” und deutete auf das traurige Pflänzchen.
Der Verkäufer schaute uns an, schaute Bonsai an und meinte, “Rufen sie mich, wenn sie an der Kasse sind, ist 1 Euro Ok?” Mein Herz hüpfte und an der Kasse sagte er leise zu uns “Ich hab Ihnen den Bonsai als Basilikum (89 cent) berechnet..”

Ist doch schön, oder?

Liebe Grüße und für Koblenz übernehme ich selbstverständlich stundenweise die “Tafel” für “gefallene Pflanzen” :-D
jK

jey-Key, 03. Juni 2008, 17:32

Lächeln kann die Geschäftsführung verordnen, Einfühlungsvermögen lässt sich leider nicht erzwingen.
Warum gibt es eigentlich keine “Tafeln” für Pflanzen? Lieferwagen, die all die dem Wirtschaftskreislauf entgammelten, vernachlässigten und übersehenen Exemplare einsammeln und in ein hübsches, großes, helles Lagerhaus bringen, wo sie aufgepäppelt und an großherzige Gärtner(und -innen) abgegeben werden…

Mike, 03. Juni 2008, 16:33

Ich habe langsam auch den Eindruck, dass Steffi in einer Gegend mit besonders hart gesottenen Zeitgenossen lebt. Trotz allem, was man über Berliner sagt, ihr angeborenes nicht-obrigkeitsgläubiges Denken macht, dass sie Regeln für verschieden auslegbar halten. Wie sh. oben. Man kann sich tendenziell immer arrangieren. Sehr angenehm.

Was die Tafel-Idee angeht, beschleicht mich ein ungutes Gefühl: Ja, im Handel kommen aus unterschiedlichen Gründen Pflanzen um und das ist zu verurteilen. Andererseits: Wer bin ich, der da meckert?! Ich reiße täglich /wöchentlich zu üppig wuchernde Pflanzen aus und werfe die potenziellen Ableger auf den Kompost. Wo ist der Unterschied? Also, ich kann mir jetzt einen ausdenken. Aber wo ist er wirklich?

Uta, 04. Juni 2008, 00:23

Da sieht man wieder, dass ich keinen Garten zu betreuen habe, noch bin ich fast nur auf der “hegen”- und wenig auf der “morden”-Seite. Allerdings, @ Uta:
In Deinem Beispiel geht es um Förderung der “erwünschten” Arten, also quasi Deiner “Familie”. In dem Supermarkt-Beispiel wurde eine Pflanze extra zum Verkauf und damit zum Überleben gezüchtet; schon beim Transport ist “Ausschuss” entstanden, der entsorgt wird, sich aber im Preis für den Verbraucher niederschlägt, wenn der Kaufmann was taugt; und speziell diese Hortensie hätte leben und wachsen dürfen, es hätte sich ja jemand gekümmert. Sie ist im Müll gelandet aufgrund eines zwischenmenschlichen Kommunikationsproblems, und sei es nur zwischen Marktleitung und Endkunden. Ich finde, das macht schon einen Unterschied.

Wenn man es buddhistisch betrachtet, ist auch unsere Haltung von Zimmerpflanzen unter suboptimalen Bedingungen, aufgrund derer wir dann wieder Lebewesen töten müssen (Schädlinge sind schließlich auch Geschöpfe), ein absolutes no go. Irgendeinen Tod musst Du sterben.

Anja, 04. Juni 2008, 06:06

Oh, Wunder. Dieser Blog führt geradewegs in die höchsten Höhen der Philosophie. … Es geht im Leben um einen sinnvollen und möglichst schönen Tod. …
Der tiefe Zusammenhang zwischen Gärtnern (und sei es nur am Fenster) und Weltsicht drängt sich immer wieder auf. Bestimmt kommen wir bald in irgendeiner Diplomarbeit vor. :)

Uta, 04. Juni 2008, 09:43

Hart gesotten… Wohl wahr. Dass es auch ganz anders geht, habe ich erst bemerkt, als ich mal für einige Jahre im benachbarten Aus-(Bundesland) NRW gearbeitet habe. :-)

So hartgesotten wie Du im Entsorgen bin ich leider nicht, Uta. Deswegen steht hier ja immer alles voller Ableger voll. ;-)

Gärtnerin, 04. Juni 2008, 18:19

Nachtrag zur “Tafel”: Die erste Pflanzen-Babyklappe wurde installiert!

http://www.n-tv.de/1104935.html

Mike, 17. Februar 2009, 17:15

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