Hydrokultur: Vorteile, Nachteile, Irrtümer
Teil 5 von Anjas Hydrokultur-Serie.
Vorteile der Hydrokultur
- Umtopfen wesentlich leichter und sauberer
- Wurzeln werden besser mit Luft versorgt
- Wurzeln lassen sich schneller und unkomplizierter auf Schäden überprüfen
- seltener Gießen erforderlich (Topp-Vorteil im Urlaub)
- durch Wasserstandsanzeiger besserer Überblick, wann gegossen werden muss
- Schädlinge, die in Erde leben, finden keinen Nährboden
- Raum-Luftfeuchtigkeit wird erhöht, weil immer auch etwas Wasser aus dem Topf verdunstet
- Stecklinge können direkt in Blähton gesetzt werden und müssen nicht mit den ersten zerbrechlichen Würzelchen umgesetzt werden
- sämtliches Zubehör kann immer wieder verwendet werden (Substrat lässt sich auskochen)
- Düngen mit Hydrodünger ist völlig unkompliziert und erfolgt nur alle 3-4 Monate, alle Pflanzen bekommen denselben Dünger
- Überdüngung ausgeschlossen, die Pflanzen nehmen, was sie brauchen
- auch kalkempfindliche Pflanzen können mit stark kalkhaltigem Wasser gegossen werden, wenn spezieller Hydro-Dünger mit Ionenaustauschern eingesetzt wird
- Pflege ist einfach, wenn Grundsätzliches beachtet wird
- Pflanzen wachsen angeblich besser (hab ich nicht überprüft)
- Pflanzen sind angeblich langlebiger
- für Staub-Allergiker: kein Nährboden für Allergene an Hydro-Pflanzen im Schlafzimmer
Nachteile der Hydrokultur
- teils recht hohe Anschaffungskosten für Zubehör, v.a. Dünger
- nicht bequem überall erhältlich
- aufgrund der fehlenden Isolation einer Erdschicht bekommen Pflanzen leichter „kalte Füße“ – relevant bei Balkon-Kübelpflanzen und im Winterquartier
- selbst im Pflanzenfachhandel bekommt man oft drastische Fehlinformationen
- extrem große Pflanzen finden evtl. nicht genug Halt, so dass schwereres Substrat verwendet werden muss (Lava o.ä.)
- die Standortansprüche oder Beschaffenheit mancher Pflanzen vertragen sich so schlecht mit dem System, dass ihre Haltung in Blähton aufwändiger wäre als in Erde (z.B. Zwiebelgewächse wie Ritterstern)
- Haustiere können zugängliche (also fast alle) Pflanzen in Blähton mühelos ausbuddeln, besonders für Katzen- und Kaninchen-Halter empfiehlt sich Hydrokultur also nur sehr bedingt. Freunde von mir besitzen allerdings eine irre Katze und haben das Problem daher auch mit Erdpflanzen, sie lösen es durch große Steine auf den Topfoberflächen.
Irrtümer über Hydrokultur
Gelegentlich liest man, Hydrokultur-Pflanzen würden stinken. Meine tun das nicht, abgesehen von einer einzigen vorübergehenden Ausnahme: Eine Dracaena marginata Tricolor hatte Schildläuse, und da die Kombi-Zäpfchen lt. Aufschrift auch für Hydrokultur geeignet waren, hat sie zwei in den Übertopf bekommen – die Dinger stanken echt bestialisch. Aber kaum waren die Schildläuse überstanden und die Pflanze in einem neuen Topf zuhause, war auch der Gestank Geschichte.
Die Begriffe „Hydrokultur“ und „Seramis“ bezeichnen vollkommen unterschiedliche Systeme, obgleich sogar Verkäufer in Läden sie irrtümlich relativ häufig für synonym halten. Das unter dem Namen „Seramis“ patentierte System hat mit dem Hydrokultur-System hauptsächlich den (allerdings ganz anders aufgebauten) Wasserstandsanzeiger gemeinsam. Das „Seramis“-Tongranulat eignet sich nicht für die Verwendung in Hydrokultur.
Hydrokultur-Grundlagen (1)
Hydrokultur-Behälter, Blähton, Wasserstandsanzeiger (2)
Hydrokultur-Pflege, Umstellen auf Hydrokultur (3)
Hydrokultur-Vermehrung von Pflanzen (4)
Noch mal vielen lieben Dank für die Mühe, Anja! Sehr gut erklärt und bebildert, finde ich, und einiges war mir völlig neu. Wäre nicht im Traum darauf gekommen, dass man Pflanzen in Hydro auch selbst vermehren kann. Sehr, sehr interessant!
eingewurzelt unter: Zimmerpflanzen
Vor einem Jahr
"Rotklee" blüht, Gundermann/Glechoma als Ampelpflanzen


6 Kommentare bisher
KommentierenSuper Arbeit kann ich nur sagen!!
Hallo zusammen, warum ist denn ein spezieller Dünger notwendig? Kann ich nicht normalen Flüssigdünger hernehmen? DEn hab ich schon Zuhause. Oder geht der nur bei Erde?
Danke und VG,
Rita
Weil der normale Dünger sich im Gegensatz zu Hydrokultur-Dünger mit der Zeit an den Hydrosteinen ablagert und zu einer stinkenden, faulenden Brühe im Topf führen kann. (aus Erfahrung)
Oh! klingt nicht lecker. Genau so eine stinkende Brühe hatte ich die Tage vor mir, als ich mir eines kleinen Drachenbäumchens aus dem Büro erbarmt habe. Unten im Topf brauer Batz und die Wurzeln sind auch zur Hälfte abgefallen.
Jetzt ausgetopft, zwei Tage getrocknet; Blähton ausgekocht und im Backofen gehabt. Wurzeln leicht gekürzt, alles wieder rein in die sauberen Töpfe, frisches Wasser drauf und hoffen. Und richtigen Dünger verwenden (werde ich empfehlen).
Schöne Grüße und danke für diese inspirierende Seite :-)
Danke, super Arbeit, hat mir sehr geholfen!
Sehr gut, vielen Dank!!
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