Gärtnerin · 07. Oktober 2008, 09:44

Ingwer – eigene Ernte

Für die Freunde der Küchen-Pflanzen-Experiment haben wir hier einen Gastbeitrag von Janina zum erfolgreichen Ingwer-Ziehen in der Küche. Vielen Dank dafür, ist echt spannend! :-)

“Hallo Gärtnerin,

da du ja interessiert an Kultivierungsexperimenten bist, wollte ich mal erzählen, wie es mir mit dem Ingwer ergangen ist.

Ich hatte im Winter/Frühjahr diesen Jahres ein frisch aussehendes Ingwerrhizom in Erde gepflanzt und anfangs erging es mir ähnlich wie Uta. Da waren zwar ein paar Triebe, aber alle eher klein und schnell wieder braun werdend. Der Topf stand die ganze Zeit am Küchen(Südwest-)fenster und wurde eher selten gegossen, da ich gelesen hatte, Ingwer möge es nicht zu nass.

Im Spätfrühling habe ich den Ingwer umgetopft, da ich sowieso gerade dabei war, alles mögliche größer zu topfen und sah, dass sich das alte Rhizom ziemlich ausgepowert hatte. Es war praktisch nur noch eine leere Hülle. Aber nebendran saß ein frisches, lebendiges Rhizom, das nach dem Umtopfen auch erst richtig loslegte. Der Topf stand am gleichen Platz wie vorher und wurde eben immer dann gegossen, wenn ich vom Salatwaschen was übrig hatte oder die Erde arg trocken aussah, aber häufiger als vorher. Gedüngt wurde ab und zu, aber wie bei mir üblich, nicht allzu oft.

Man konnte ab dann regelrecht zuschauen, wie das Rhizom gewachsen ist, denn genau dort, wo die Triebe aus der Erde kamen, war natürlich unterirdisch das Rhizom. Die Triebe wurden immer nach einiger Zeit wieder braun und zogen ein, aber dafür kamen genügend neue nach.
Mittlerweile sah das ganze so aus:

Ingwer ganz

Ein dichter Puschel beblätterter Triebe, die auf ein flächiges Rhizom hindeuteten, von dem ich heute entschied, etwas zu ernten.

Ingwer Rhizom

Also wurde alles ausgegraben. Zuerst hatte ich vor, alles rauszunehmen und nur eine kleine Ecke des Rhizoms wieder einzusetzen und alles andere zu verarbeiten, aber irgendwie hab ich dann doch nur ein kleines Stück zum Verkosten und Verkochen abgemacht.

Stück Ingwer

Der Rest war so mit Wurzeln verflochten, dass ich dachte, wenn ichs akut brauche, kann ichs immer noch ausgraben und habs ganz frisch.

Am gespanntesten war ich auf den Geschmack. Konnte der Ingwer, der ja als Zimmerpflanze gehalten und nie ungefilterte Sonne, schon gar nicht in tropischer Intensität, gesehen hatte, überhaupt einen so starken und charakteristischen Geschmack ausbilden?
Die Antwort ist erstaunlicherweise: Ja!

Stück Ingwer 2

Das Ingwerfleisch ist etwas blasser, schmeckt sehr scharf, etwas weniger süß-säuerlich, aber dafür sehr viel frischer als der gekaufte und die Haut lässt sich noch wunderbar leicht abschälen, da sie noch nicht so schuppig eingetrocknet ist. Auch ist das Rhizom scheinbar weniger faseriger, wobei ich nicht weiß, ob das an der Frische oder am Erntezeitpunkt liegen mag.

Für mich ist das Experiment ein absoluter Erfolg und ich werde ab jetzt wohl immer Ingwer kultivieren, vor allem, weil er in seiner Kultivation sehr tolerant und genügsam war und es wirklich innerhalb weniger als eines Jahres mit einem kleinen Topf möglich ist, meinen Jahresverbrauch an Ingwer selbst zu ziehen, und immer frischen Ingwer im Haus zu haben, begeistert mich. Mit gekauftem Ingwer hatte ich immer das Problem, dass ich zuviel oder zuwenig hatte, wobei das überzählige Stück immer irgendwo rumgammelte und vertrocknete. Das passiert nun nicht mehr. Im übrigen kann man Ingwer auch sehr gut einfrieren, aber darauf bin ich vor meinem Experiment leider noch nicht gekommen =)”

Zum Glück bist Du darauf nicht gekommen, Janina! Das ist ja wohl mal absolutely cool! Ganz ehrlich, ich bin nicht so der Ingwer-Gewürz-Fan, aber die Pflanze finde ich einfach toll. Sollte Ingwer die ultimative Alternative zum stets schnell toten Zimmerbambus sein?! Bei mir würde wahrscheinlich kaum jemals geerntet, aber ich finde das Experiment nicht nur besonders dekorativ, sondern auch absolut praktisch, und hätte nach Utas Ingwer-Bemerkungen nicht gedacht, dass Ingwer im Topf so problemlos sein kann!

eingewurzelt unter: Gemüsegarten

Alle anzeigen mit Stichwort:



13 Kommentare bisher

Kommentieren
Mike, 07. Oktober 2008, 11:17

Ich pflanze gelegentlich auch Ingwer-Knollen ein. Einmal, vor vielen Jahren, hat mein Ingwer sogar recht hübsch geblüht.
Meist warte ich aber nur ein paar Monate und entnehme und konsumiere die Wurzel dann. Gewissermaßen nur eine kleine Geschmacks-Auffrischung.

Ilona, 07. Oktober 2008, 12:29

Wow!!! Vielen Dank für den ausführlichen Bericht. Ich habe ja schon oft gehört, dass man Ingwer einpflanzen kann, aber dass es auch so gut funktioniert und auch noch toll aussieht…..
Oha…. Ich fürchte ich habe eine neue Pflanze für das Küchenfenster….
;-)

Heike, 08. Oktober 2008, 08:29

Prima Idee, ich hatte es vor ein paar Jahren auch schonmal ausprobiert..ich werde es jetzt wieder tun–lG Heike

Veronika, 29. Juli 2009, 15:10

Danke für den tollen Bericht. Ich lebe in Italie auf
der Insel Elba und habe eine eingepflanzte Ingwer-
Knolle geschenkt bekommen, die schon sehr schöne
Blätter hat. Sie steht jetzt seit 10 Tagen draussen
auf der Terrasse in Brüll-Hitze und es geht ihr dort
sehr gut. Ich giesse regelmässig aber nur ganz wenig. Hoffe, dass ich bis zum Oktober ernten kann, da wir dann nach Deutschland fahren und ich
gerne vorher ernten möchte. Werde weiter berichten
wie es der Pflanze ergangen ist.

Distel, 09. August 2009, 10:38

Ich wollt nochmal ein kleines Update geben:

Scheinbar wächst Ingwer sehr saisonal.
Nachdem ich ihn geerntet (und den Bericht geschrieben) hatte, tat er erst mal gar nichts mehr und zog alle Blätter ein.
Mich störte der Topf nicht, also ließ ich ihm etwas Zeit und säte nur etwas Kapuzinerkresse drum rum, um auszuprobieren, ob man diese im Winter drinnen kultivieren kann.
Erst im Frühling (als die Kapuzinerkresse bereits von Spinnmilben dahin gerafft war) trieb der Ingwer langsam wieder aus. Und mittlerweile ist die Pflanze üppiger als letzten Oktober.
Ich finds immer noch klasse, wie man von oben durch die Triebe sieht, wohin das Rhizom wächst. Nämlich, momentan, überallhin!
Ich hab übrigens nicht mehr zwischendurch geerntet. Anfangs dachte ich, es sei besser, in in Frieden zu lassen, während er eh nix tut und später wollte ich ihn nicht in seinem Wachstum stören… Vielleicht sollte ich mich einfach mal trauen für das nächste asiatische Gericht.

Zusammenfassend kann man sagen, dass Ingwer sehr praktisch ist. Eigentlich sollte man ihn in der dunkleren Jahreshälfte problemlos irgendwo dunkel stehen haben können (oder aufessen) und, sobald es warm ist und die ganzen drin übherwinterten Pflanzen Platz nach draußen machen, kann man ihn ans Fenster holen und später ebenfalls mit raus stellen, bis er wieder einzieht. So stell ichs mir vor, aber an meinem Küchenfenster ist Pflanzenmäßig sowieso nie viel los, da nur wenige Pflanzen kein Problem mit dem Fettdunst haben (keine Dunstabzugshaube). Daher kann mein Ingwer dort das ganze Jahr stehen (der hälts nämlich ohne Probleme aus) und wenns mir im WInter zu kahl wird, wird was leckres drum rum gesät.

LG, Distel

[...] Claudia, vielleicht hilft Dir das: Ingwer – eigene Ernte – Garten selbstgemacht! – Gartenblog __________________ Grüße aus Oberbayern Kaffeehaferl „Kinder brauchen nicht erzogen werden, [...]

Klaus, 06. Mai 2010, 17:17

Hallo Pingback !
Habe mal kurz bei dir reingeschaut, um nicht
das Fahrrad neu zu erfinden !
Bei uns wuchs der Ingwer wild auf einer Wiese
in Teichnähe. Aber jetzt haben die Wisente alles zerlatscht. Muss ich wahrscheinlich jetzt selbst
anbauen um mein Bier zu würzen.
Dann wird die Schädlichkeit des Alkohols ausgeglichen und ich lebe gesünder.
Das Bier von Guiness ist mir auf Dauer zu teuer.

Klaus, 10. Mai 2010, 08:28

Hallo !
Ich muss mich etwas korrigieren !
Es gibt drei verschiedene Bezeichnungen für diese
Bezeichnung für diese, in Asien nicht endemische
Pflanze.
Kalmus – für die mitteleuropäische Abart
Ingwer – für die asiatische
Ginger – für die britische

Erst nach intensiven vergleichenden Studien kam
ich, völlig überrascht, darauf.
Für mich war verlockend das britische Ginger-Ale
nachzubrauen.
Nach dem Vergleich der einzelnen Pflanzen und
Rhizome machte es klick.
Hallo Uta !
Nachdem ich meiner Pflicht nachgekommen bin, empfehle ich den Hinweis im Koch-Event.
Es dürfte für Hobbyköche interessant sein, diese
ähnlichen Knollen geschmacklich zu vergleichen.
Viel Glück beim Experiment !

Sus, 10. Mai 2010, 09:03

Klar, warum nicht? Danke für den Tip(p)! Ist in die Themenliste aufgenommen.

Liebe Grüße, Sus

Klaus, 10. Mai 2010, 12:44

Wenn mich die Wisente lassen,mache ich Fotos.
Aber ohne Kacke, dann schmeckts besser.

ich, 29. Oktober 2010, 23:00

ingwer kann man sehr gut einfrieren.

einfach schälen, in frsichhaltefolie einwickeln und einfrieren.
im gefrorenen zustand lässt sich der ingwer auch sehr gut mit einer feine reibe bearbeiten.
da hat man keine merkbaren fasern und keine stückchen.

Meggy, 22. April 2011, 11:08

Hallo ihr Ingwerfreunde ;0)

Ich hatte es auch bei einem Bekannten gesehen, dass er eine Ingwerwurzel im Glas stehen hat und da ich eh eine Pflanzenliebhaberin bin, habe ich es auch probiert.
Leider ohne Erfolg ;0( Ich hatte aber noch ein paar Wurzeln in einer Ecke in der Küche im Obstkorb liegen und oh wunder ich glaubte es kaum als ich vor ein paar Tagen die Wurzeln anschaute hatten sie Triebe ohne das ich irgentwas gemacht habe ;0)) Die werde ich jetzt einpflanzen und mal schauen ob es klappt, bin aber guter Hoffnung !!!
Mich würde nur interesieren ob man den Ingwer in´s Freiland pflanzen kann und ob er überwintert?
Liebe Grüße, Meggy ;0)

Gärtnerin, 22. April 2011, 12:37

Gratuliere zur Ingwer-Bewurzelung. Tipp: Fragen der Winterhärte einer Pflanze kann man sich prima beantworten, indem man sich raussucht, wo die Pflanze herkommt und ob das unserem Klima entspricht. Ingwer ist eine tropische Pflanze, und da gibts keinen Winter wie bei uns. :-)

Kommentar hinterlassen

Deine Mailadresse wird nicht angezeigt.

zur Gartenblog-Startseite