Orangerie-Barockgarten Darmstadt-Bessungen
Die Orangerie in Darmstadt mit angrenzendem Barock-Park (“Orangeriegarten”) gehört wohl nicht zu den berühmtesten Barockgärten, ist aber nichtsdestotrotz einen Ausflug wert. Vor allem für die Gartenbesitzer, die zu den Kübelpflanzen-Fans gehören und gerne mal aus nächster Nähe “richtige” (=ausgesprochen große, ehrwürdige) mediterrane Kübelpflanzen begucken wollen.
Da ich schon viele Jahre nicht mehr dort war, bin ich vorhin nach einem Termin mal schnell zwecks barocken Flanierens da reingehüpft.;-)
Wie der Name schon sagt, ist die Orangerie, hinter einer Lindenallee gelegen, …
ein (sehr) kleines Barockschloss, das um 1720 gebaut wurde, um darin die Orangenbäume zu überwintern, die ansonsten im Sommer im Park davor standen. Zwischenzeitlich scheint das Geld ausgegangen zu sein, denn außer diesem einen Flügel, der nur die Hälfte des Gartens ausmacht, und damit die ganze schöne Symmetrie sabotiert, wurde der Rest niemals gebaut.
Wegen des ursprünglichens Zwecks als Winterquartier für die kostbaren Pflanzen hat die Orangerie auf der Seite zum Park hin eine Fensterfront über zwei Etagen, die für ordentlich Lichteinfall in den großen Saal sorgt.
Der Schautafel ist zum Thema mediterrane Pflanzensammlungen damals folgendes zu entnehmen:
“Kostbare fremdländische Gewächse durften in keiner barocken Gartenanlage des 17./18. Jahrhunderts fehlen. Besonders beliebt waren immergrüne, gleichzeitig blühende und fruchtende Zitrusgewächse, die man in Kübeln und Töpfen kultivierte. Diese – Orangerien genannte – Pflanzensammlungen dokumentierten Reichtum, Macht und gärtnerisches Können des absoluten Fürsten. …. Im Barockgarten wurden die ursprünglich einfachen Winterquartiere der Kübelpflanzen zu repräsentativen Gartenarchitekturen, mancherorts zu aufwändig gestalteten Orangerieschlössern. Gleichzeitig nutzte man die schmuckvollen Gebäude im Sommer, wenn die Pflanzen im Freien standen, als großzügige Gartenfestsäle: ein Gebäude “… zur noth und zur lust.”! (Johannes Sigismund Elßholz, 1666).”
Die Orangerie wird heute für kulturelle Veranstaltungen und so was genutzt.
Barockpark Orangeriegarten
Der Barockpark Orangeriegarten ist frei zugänglich und beherbergt über Sommer noch immer echt riesige, alte und wunderschöne Kübelpflanzen. Wie für Barockanlagen typisch ist er formal und streng symmetrisch aufgebaut. Er beinhaltet drei Parterres mit Wasserspielen, die jeweils mit einigen Treppenstufen miteinander verbunden sind, und die typischen schnurgeraden Wegachsen in der Mitte und zu beiden Seiten, die außerdem von alten Bäumen flankiert sind.
Auf dem obersten Parterre befindet sich ein barockes Wasserbassin mit Fontäne, wenn denn Wasser drin ist. :-)
Pflanzen-technisch ist die Anlage nicht sooo spannend, da die Flächen überwiegend aus Rasen bestehen, durchsetzt mit einigen Saisonblumen-Flächen, die die einzigen formalen Elemente bilden. Beispielsweise viereckige Bänder bereits mit Sommerflor und Enzianbäumchen bepflanzt:
Oder auch wirklich attraktive Frühlingsblumen-Beete. Das hat mir in seiner rechteckigen Wildheit sehr gefallen:
Barocke Schnitthecken, Buchsbaum-Bordüren und Schnickschnack sucht man indes vergeblich.
Macht aber nix, denn dafür steht man staunend vor der Allee wunderschöner Kübelpflanzen, die den Weg auf der Mittelachse des Gartens flankieren:
Es ist beeindruckend, welche riesigen Prachtexemplare von Bäumen in Kübeln zu halten sind. Diese sind allerdings recht groß. Die Kleineren haben einen Durchmesser von knapp 1 Meter, die größeren, wie dieser Dattelpalme-Kübel sind erheblich größer:
(“Kann man xyz im Topf halten?” Klar, liebe Vielfrager, man kann alles bei entsprechender Größe im Topf halten. ;-)
Die Kübelpflanzen sind in der Orangerie alle recht groß, also 2 Meter oder größer. Einzig der Hammerstrauch (Cestrum elegans) mickert. Da ist meiner derzeit größer. ;-)
Eine Auswahl der Pflanzen
Zitrusgewächse
Orangen- und Zitruspflanzen allgemein bilden natürlich in der Kübelpflanzen-Gasse einen besonderen Schwerpunkt.
Mandarinen reichlich vorhanden:
Die Mandarinenbaum-Sammlung:
Ein Orangenbaum:
Die letzte Orange hat sich ganz oben versteckt:
Eine Pampelmuse oder Grapefruit:
Ein 2-m-Feigenbaum im Kübel:
Feigen sind schon dran:
Am größten sind die Formschnitt-Mispeln (Photinia), wie man im Vergleich mit den “kleinen” 2-Meter-Bäumchen nebenan sieht:
Ein malerischer Myrtenbaum, auch sehr mediterran:
Kugelförmig geschnittene Ligusterbäume:
Ein wirklich riesiger, dichtgewachsener Zylinderputzer (Callistemon)
Waaaahnsinn! Wenn die nicht so schwer wären und mein Garten nicht so klein…. :-)))) Wenn man sowas mal sieht, und dann seine halben Portionen daheim dagegendenkt. Sind ja alles noch Babies daheim!
Ansonsten gibts seitlich noch ein Schmucklilien-Eldorado zu bestaunen. Mindestens 30 Töpfe voll davon. Das muss ein Traum sein, wenn die blühen!
Auch schön: Schmucklilien regelmäßig mit Lorbeer-chen abgewechselt:
Mehr regionale Kübelpflanzen-Bestaun-Tipps:
Für riesen-viele Oleander-Besichtigungen empfehle ich übrigens den Park am Schloss Biebrich / Wiesbaden, und für ehrwürdige Oleander-Hochstämme im Topf und genialen Englischen Garten mit Baumsammlung das Fürstenlager Auerbach. ;-)
mehr Barockgarten
eingewurzelt unter: Garten-Gestaltung,Gartenbesichtigung,Kübelpflanzen Balkonblumen
Vor einem Jahr
Marder loswerden?, Dracaena fragrans krank, Lavendel kurz vor Blüte, Kardinalswinde / Gefiederte Sternwinde































13 Kommentare bisher
KommentierenDanke für den Ausflugstip, den werde ich mal abspeichern :-)
Lieben Gruß – Elke
Komisch, so hübsch habe ich den gar nicht in Erinnerung: Früher wurden wir für den Schulsport dort regelmäßig joggenderweise durchgejagt. Vorzugsweise bei schmuddeligem Wetter im sehr zeitigen Frühjahr. Da blühte noch nichts und die Bäumchen hielten wohl noch ihren Winterschlaf.
Vielleicht sollte ich doch mal wieder hingehen …
Liebe Grüße, Sus
Gerne, Elke. Anschließend könnte man dann zum Kaffeetrinken ins Godot gehen. Liegt auf der Seite mit Schloss einen Häuserblock weiter.
Hihi, Sus, wenn Du wüsstest, wie auserwählt Euer Sportunterricht war. Wir mussten in einer doofen Sporthalle joggen. :-(
Vielleicht hast Du damals die Botanik noch nicht so geschätzt. :-)
Das bunte Frühlingsbeet gefällt mir wirklich gut, hätte ich ja nicht gedacht, dass in einem Barockgarten so etwas “wildes” sein darf. Die sind mir sonst zu ordentlich quadratisch.
LG
Matt
Das war auch das, was mir so gefallen hat. Der Gegensatz formal und wild ist nicht ohne. ;-)
Der Zylinderputzer ist echt der Hammer – und heute hab ich so einen geschenkt bekommen, der ist allerdings erst nen halben Meter hoch und sitzt in einem Töpfchen. Ich glaube, voll auswachsen lassen darf ich den nicht!
Aber eine tolle Pflanze.
Gratuliere, Anja! Bin etwas neidisch. :-))))
Danke – :D brauchst nicht neidisch sein, so groß wie die wird, hab ich irgendwann massenweise Ableger übrig, dann sag ich Bescheid! Aus “2-7 m Höhe” (Wikipedia) kann ich nämlich nicht mal 2 m brauchen… allein schon in Ermangelung eines ausreichend hohen Winterquartiers. Wie hoch war der Zylinderputzer im Orangeriegarten? Bestimmt 3 m, oder?
Och ja, Anja, so groß wird die erstmal nicht. Dafür brauchts viele, viele Jahre.
Ja, war etwa 3 Meter hoch.
Man kann sich kaum vorstellen, dass dieser Barockgarten in Deutschland ist.
Es scheint, als würden diese Pflanzen und Blumen nur im Mittelmeerraum wachsen. Hier wird man allerdings eines Besseren belehrt-ich weiß schon, warum ich Deutschland so liebe!
Viele Grüße aus der Schwyz!
Hallo alle,
hab da eine Frage – was für eine Dattelpalmenart ist das genau?
Dank und Gruß
Ehrlich gesagt keine Ahnung. Phoenix irgendwas. Experten fragen. Bin ich leider nicht. ;-)
Hallo,
ich wollte mich auf diesem Wege über den tollen Service, die informativen Artikel, die schönen Fotos , diese Seite bedanken!
Für mich ist die Orangerie der schönste Garten in Darmstadt und Umgebung.
Viele Grüße aus Darmstadt
Thomas
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