Potpourri selbst gemacht – “Grundrezept”
Nachdem ich gestern eine weitere Ingredienz zu meinem selbst gemachten Potpourri erstanden habe, und das Ganze langsam Formen annimmt, möchte ich ein wenig Grundsätzliches loswerden. Mit dem Thema Selber-Herstellen von Potpourris und duften Sachen aus dem Garten bin ich durch ein Buch von Jane Newdick “Blumenfreude” (2. Auflage, Herder Verlag, Freiburg 1991) in Berührung gekommen, das ich beim Resteverkauf der Stadtbücherei für einen sagenhaften Euro erstanden habe. Ich finde das Buch sehr gut geschrieben, inspirierend bebildert und überhaupt toll. Scheint aber wohl nicht mehr hergestellt zu werden.
Was ich aus meinem Buch zum Potpourri-selber machen gelernt habe und meinem Versuch zugrunde lege:
Trockenes Potpourri, feuchtes Potpourri
Es sind sog. trockene Potpourris (schönere Optik, Duft hält nicht so lang) und feuchte Potpourris (fermentiert, also matschige, nicht so schöne Optik, Duft hält lang) zu unterschieden. Man kann sie auch kombinieren, so dass oben schön und unten länger Duft. Für meinen ersten Versuch habe ich mich für ein trockenes Potpourri entschieden, also nur mit getrockneten Blüten und anderen Zutaten.
Was ist in einem trockenen Potpourri drin?
1. getrocknete Blütenblätter
Man soll gemäß Newdick die Blütenblätter über der Heizung oder bei kleiner Stufe im Backofen trocknen können, aber das war mir zu viel Energieeinsatz. Deswegen trockne ich nach und nach auf Fliegengittern im Keller. Dauert auch nur ein paar Tage. Zur Zeit lagern getrocknete Zierkirsche-Blüten und rosa Tulpenblätter, eine Mischung aus Geranien, Glockenblumen, Azaleen, Hornveichen, die mittlerweile so aussieht…
und einige wenige getrocknete Rosenblätter. Rosenblätter – Da hab ich geschlampt. Die sind fast alle zu Boden gegangen, als ich nicht hier war letzte Woche. Ich brauche mehr Rosenblätter, also muss ich auf mehr im Garten warten. :-(
Außerdem mag ich noch einige Lavendelblüten, die gerade z.T. schon blühen.
2. Aromatische Pflanzen (Blätter oder Blüten)
Das lässt sich nicht so ganz trennen, da der eben genannte Lavendel ja auch zu den Stark-Duftern gehört. Newdick jedenfalls nennt: Schalen von Zitrusfrüchten und duftende Blätter (Zitronenverbene, Waldmeister, Kräuter wie Thymian, Ysop, Minze, Rosmarin, Salbei, Majoran).
Die für den Duft des Potpourris wichtige und eigens angeschaffte Zitronenverbene muss wie einiges anderes blätter-mäßig auch noch getrocknet werden. Ist aber schon ganz gut gewachsen, so dass ich sie bald rupfen kann. ;-)
3. Gewürze
Kennt man ja, dass in Potpourris z.B. Nelken und Zimtstangen zu finden sind, die auch für die Nase sind. Newdick schreibt von “ganz oder gemahlen”. Ich werde wohl teilweise grob zerstoßen. Schließlich will man ja nicht, dass es wie verrückt staubt und aus selbstgenähten Lavendelsäckchen pudert. Und soll ja auch schön aussehen. ;-)
Ein Mörser fehlt mir allerding noch. Aufzählung geeigneter Gewürze aus dem Buch: Nelken, Zimt, Koriander, Muskatnuss, Muskatblüte, Piment, Anis, Kardamom.
Ursprünglich sollte meins übrigens an das Frühlings-Potpourri-Rezept von Newdick angelehnt sein, mittlerweile wirds aber wohl eine Eigenkomposition. An Bord habe ich vorerst Muskatnuss, Zimt, aber nur Pulver, Piment und Nelken. Hier Pimentkörner und Nelken in der Lagerdose:
Ob die dann später auch mit den Blüten und Blättern harmonieren? Ehrlich gesagt habe ich Angst, mich der eigenen Duftkomposition zu nähern. Man wird sehen… :-)
4. Potpourri-Fixiermittel – Veilchenwurzelpulver & Co.
Wie der Name schon sagt: Ein Fixiermittel sorgt dafür, dass der Duft des Potpourris für längere Zeit fixiert wird. In der Prä-Tierschutz-Ära sind nach Newdick Zibet (von Zibetkatze), Ambra (von Pottwal) und Moschus (vom passenden Ochsen) als Fixiermittel verwendet worden. Nein also wirklich, nicht nötig für mich. Ich mag vegetarische Potpourris, keine Frage!
Das gebräuchlichste Fixiermittel ist anscheinend das Veilchenwurzelpulver, für das ich mich auch entschieden habe. Veilchenwurzelpulver gibts in der Apotheke. Obwohl die Apothekerin ganz schön in den Datenbanken suchen und bestellen musste. Der Grund: Veilchenwurzelpulver, das nicht aus Veilchenwurzeln hergestellt wird, sondern aus den Rhizomen einer Schwertlilie (Iris florentina oder Iris germanica, Deutsche Schwertlilie), läuft in der Datenbank weder unter Iris noch unter Veilchenwurzelpulver, sondern unter “Rhizoma iridis“, was natürlich für Verwirrung sorgte:
So sieht das Veilchenwurzelpulver aus:
Es riecht… sehr würzig… nicht unbedingt direkt wie Veilchen, aber sehr angenehm. Zu dumm, dass ich keine eigene Iris germanica im Garten habe, denn das Veilchenwurzelpulver ist nicht gerade billig. 100 Gramm ca. 12 Euro. :-(
Ansonsten sollen als Potpourri-Duft-Fixierungsmittel noch einsetzbar sein: Benzoeharz (Styrax, Baum aus Fernost), Tonkabohnen (Samen des Tonkabaums, Südamerika), Eichenmoos (eine Flechte, Europa) oder Vetiver (Wurzel des Vetivergrases, Indien). War mir alles zu exotisch für den ersten Versuch.
Nachtrag: Iris florentina als Pflanze im Garten
5. Ätherische Öle
4-5 Tropfen von gutem Ätherischem Öl soll man auch noch zufügen. Da bin ich noch unschlüssig. Etwas Rosenöl, etwas Lavendelöl, Duftgeranienöl? Bergamotte hätte ich noch da, wird aber dann mit Zitronenverbene vielleicht zu zitruslastig? Ich mach erst mal alles ohne das Öl fertig und seh dann weiter. *panik* :-)
Potpourri-Grundrezept
Zu den Mischungsverhältnissen der Potpourri-Bestandteile: Wenn ich mal so über die einzelnen Rezepte im Buch lese, bildet sich folgendes Muster heraus:
Ca. 3 Tassen getrocknete Blüten und Blätter
Ca. 2-4 Teelöffel Veilchenwurzelpulver
2-4 Tropfen Duftöl
Gewürze: jeweils 2 Teelöffel pro Gewürz Zerstoßenes
Deko: je nachdem z.B. 1 ganze getrocknete Päonienblüte oder ganze Ringelblumenköpfe, oder Zimtstange, oder Rosenblüte etc.
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Vor einem Jahr
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8 Kommentare bisher
KommentierenMörser = feste Gefriertüte + Nudelholz ;-)
Moschus stammt, entgegen der weitläufigen Behauptung, NICHT vom Moschusochsen sondern vom Moschushirsch!
Sogenannter “Falscher Moschus” dagegen hat mehrere Entstammungspunkte, unter anderem der Ochse aber auch Pflanzen.
Laut Wikipedia bekommt man falschen Moschus auch von Bisamratten, bestimmten Enten, der Gauklerblume und dem Abelmoschus.
Bin gespannt, wie dein Versuch weitergeht. Habs ja nicht so mit Potpourris, Duftkerzen und so.
Würd ja gern wissen, wie Foto 1 riecht. Nicht das Buch, natürlich, sondern die rosa-hellblau gefüllte Schüssel. Ich schätze mal, nach ziemlich nix, oder? Meine Blütenblätter riechen jedenfalls alle kaum… Mit Ausnahme der Holunderblüten, übrigens. Die rochen, wenn ich ehrlich bin, nach stark verschwitztem Turnzeug.
Auf das Veilchenwurzelpulver, das Steffi mit beinahe kriminologischen Methoden gefunden hat, bin ich echt neugierig. Wenn ich wüsste, was man sonst noch damit machen kann, außer Duft-Sets, würde ich die 12 Euro direkt mal aufwenden.
Keisha, die Moschusausführungen irritieren mich. Ich dachte bisher, Moschus wäre, wenn Tier, dann von einem männlichen. Was hat der Ochse in dieser Hinsicht zu bieten?…
Warum das so ist, kann ich dir auch nicht sagen, Uta. Entweder wurde bei der Benamsung “Moschusochse” nichts gedacht (beim Auerochsen ja auch nicht), oder der Sinn ergründet sich mir nur einfach nicht. Tatsächlich sind die männlichen Moschusochsen überaus potent ;-) Mit ein bißchen googeln ließe sich das wohl herausfinden, aber dazu hab ich grade keine Lust.
Ich hab geguckt. Sie heißen halt einfach Moschusochsen, man hielt sie für eine Mischung aus Schaf und Rind, es gibt auch weibliche. Und das Moschusaroma kommt aus einer Beimischung im männlichen Urin.
Das führte nun leider weit weg von der Blütenduftschmuckanleitung. Liebe Potpourrifans, lasst euch die Lust nicht verderben. Und haut ordentlich Moschus rein. Wobei ich mich frage, wieso das Zeug auch anderen Duft fixieren kann und nicht nur seinen eigenen…
Äh, im Buch steht was von Moschustier. Wie auch immer. :-)
Die Blütenmischung riecht wirklich nach ziemlich nichts. Ist eher für die Optik. Bezüglich der Veilchenwurzel-Verwendung bin ich weiter auch nicht schlau geworden, außer dass das anscheinend beim Zahnen helfen soll (sagt Google).
Ich würde schon gern nochmal zahnen…
Veilchenpulver scheint ja ne interessante Substanz zu sein.
Laut Wikipedia wurde Veilchenpulver in der Antike zur Beseitigung von Mund- beziehungsweise Schweißgeruch verwendet. Aromatisiert würden damit Wein, Liköre, Tabak, Kosmetika etc.
Auf diversen Magieseiten wird Veilchenwurzel psychoaktive Wirkungen zugeschrieben, es eigne sich für Wunschzauber, Glückszauber und Heilzauber.
Wer’s weniger esoterisch mag, trinkt das Pulver einfach als Tee: 2 Esslöffel getrockneter, grob gepulverter Schwertlilienwurzelstock einige Minuten lang in 500 Milliliter Wasser kochen.
Laut Monographie des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte werden zahlreiche medizinische Wirkungen angegeben, allerdings beruhen die Angaben nur auf “Erfahrung”.
Neben dem Hauptanwendungsgebiet Erkältungskrankheiten, wird es traditionell zur Magenstärkung, Drüsenanregung, Blutreiniung, zur Förderung der Nierentätigkeit sowie bei Hauterkrankungen angewandt.
Ob der fehlenden Wirksamkeitsnachweise rät die Behörde von der Verwendung ab.
Sehr passender Weise darf ich *räusper* verkünden, dass ich heute eine ECHTE Veilchenwurzel-Pflanze gekauft habe. Bild folgt die Tage, auch wenn dieses Jahr wohl noch keine Blüten mehr zu erwarten sind. Ich muss jetzt auch die Tage mal endlich zum Potpourrie-Mixen schreiten. Zitronenverbene und Lavendel sind fertig getrocknet…
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