Reinhard Witt, Naturgarten, Wildpflanzen im Garten
Kaffeebohne, die mich auf auf die Versuchspflanzung von Reinhard Witt in Rüsselsheim hingewiesen hat, hatte ganz zufällig auch noch zwei Bücher von ihm im Schrank stehen, die sie mir neulich ausgeliehen hat. Was soll ich sagen? Wie üblich bei (nicht nur Garten-)Büchern: Ich habe sie verschlungen. :-)
Das erste Buch:
R. Witt, Der Naturgarten lebendig schön pflegeleicht
Das Buch macht mit den Prinzipien und Grundsätzen naturnahen Gärtnerns vertraut, den Begriffen Exoten und Wildpflanzen überhaupt, mit der Witt´schen Philosophie der Gestaltung von Naturgärten grundsätzlich. Ich habe darüber gestaunt, wie viel mehr heimische Tiere und Insekten an heimischen Wildpflanzen Nahrung und Lebensraum finden, als an deren Zuchtformen oder Pflanzenimporten aus anderen Teilen der Welt.
Inhaltlich gehts darin um naturnahe Gartenplanung sowohl für Neuanlagen von Gärten als auch Umgestaltung bereits vorhandener Gartenflächen hin zu (mehr) Naturgarten. Geländemodellierung, Baumaterialien, Pflanzen, Pflanzvorschläge für spezielle Bereiche im Garten (Z.B. Trockenmauern, Wildblumenbeete für mager bis nährstoffreich, sonnig bis schattig, feucht bis trocken, Blumenwiese, Wildblumen-Säume unter Gehölzen und Hecken, Kletterpflanzen, Teichrand etc., halt das volle Programm, was man so braucht.), einige Hinweise zum Anpflanzen sowie Beispiel-Gärten, und natürlich Bezugsadressen für die Wildpflanzen und Naturgarten e.V..
Für mich als Einstiegsbuch in die Thematik ganz prima. Vor allem an den Wildblumen-Vorschlägen für trockene, magere, sonnige Standorte bin ich natürlich hängengeblieben, die ich einen Garten ohne Gießen trotz wüstenartiger Zustände will (Blumenkübel werden selbstverständlich weiter gegossen, aber die Beete dieses Jahr bisher nur ein Mal). ;-) Es war ganz spannend zu sehen, welche heimischen Pflanzen, die ich gar selbst schon am Feldrand fotografiert habe, hier verwendet werden können, und auch, dass ich mit einigen Pflanzen im Garten bereits unbewusst was richtig gemacht habe. Und es ist natürlich eine hervorragende Ergänzung/Erweiterung der Wissensbasis, die mir Beth Chattos “Der Kiesgarten” über Trockenheitskünstler hinterlassen hat. Nur noch viel organischer und heimischer. Vermutlich wird mein Garten nie ein vollkommener Naturgarten werden, weil ich dafür viel zu viel will und den weniger naturnahen Begehrlichkeiten und Verlockungen natürlich nicht grundsätzlich widerstehen kann.
Nichtsdestotrotz plädiere ich für Wildbienenschutz, weniger Gift und mehr Natur im Garten, und für zumindest in Teilen pflegeleichte Schönheit. Was vor der Haustür unter Non-Pflege-Bedingungen ohnehin gedeiht und hart genug im Nehmen ist, könnte man ja auch in den Garten einladen…
Reinhard Witt, Wildpflanzen für jeden Garten, 1000 heimische Blumen, Stauden und Sträucher
Das zweite Buch, Wildpflanzen für jeden Garten, überlappt sich inhaltlich natürlich am Anfang in Teilen mit dem ersten. Nämlich da, wo es um die Grundlagen, die Naturgarten-Philosophie, Artengemeinschaften, und den Garten als Lebensraum für Tiere dreht. Darüber hinaus ist es ein Praxisbuch ganz dicht an der Pflanze bzw. am Samen, und deswegen für mich besonders interessant. Inhaltlich geht es um Beschaffung von Wildpflanzen, Qualität von Wildpflanzen-Saatgut, Wildpflanzen-Vermehrung (Samen selbst sammeln, trocknen, reinigen, lagern, aussäen und weiterpflegen, Steckhölzer und Stecklingsvermehrung, Risslinge, Wurzelschnittlinge, Vermehrung durch Teilung etc.).
Die Grundtechniken der Pflanzenvermehrung sind mir bereits bestens vertraut. Nichtsdestotrotz hat das Buch etwas, das mir gerade noch gefehlt hat: Ein detailreiches Wildpflanzen-Verzeichnis nach Lebensraum (Was wächst auf welchem Standort: z.B. Fettwiese, Feuchtwiese, Trockenrasen, Magerrasen, Treppen und Mauern, Stein und Schutt, Bergblumen, Ackerwildkräuter, Heide, Hecken, im Wald?). Bei jeder Pflanze ist eine bebilderte Beschreibung zu finden, die neben Botanik und Standort gute Nachbarn, den Wert für Tiere und Hinweise zur Vermehrung gibt. Klasse! Und auch klasse: Die Wildpflanzen-Tabelle am Ende, der man komprimiert zu jeder Pflanze entnehmen kann, wann z.B. die Stecklingsvermehrung am vielversprechendsten ist, oder ob Samen eher getrocknet und gelagert, oder frisch besser keimen, ob sie Licht- oder Dunkelkeimer sind, wann die Pflanze blüht usf. Darum werde ich mir dieses Buch kaufen.
Beschlossen habe ich auf alle Fälle schonmal, das nette Leimkraut (Silene, welches weiß ich nicht genau) in meinen Garten einzuladen, das seit Jahren unverdrossen am Garteneingang ausharrt und mit seinen weißen Blüten entzückt. Es bildet gerade an den ersten Blütenständen schon Samen, …
die ich geerntet habe, und die gerade trocknen.
Mal sehen, wie die Aussaat klappt!
Vielleicht demnächst auch Wegwarte und Natternkopf, oder gar die hier? Mal sehen. Garten wächst und gedeiht ja erstmal immer im Kopf. ;-)
eingewurzelt unter: Garten-Gestaltung
Vor einem Jahr
Kornblumen bei Ilona, Glockenrebe-Blüten und Bilder




2 Kommentare bisher
Kommentierenguter blog, schaue gerne als mal vorbei.
hukwa
Danke sehr, Hukwa. Du machst aber auch spannende Sachen, seh ich grad. ;-)
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