Gärtnerin · 11. September 2008, 10:00

Rosa Schlangenkopf, Chelone, Schildblume

Gretel im Busch mit einer Pflanzenbestimmung für eine Staude, die ich ganz zufällig seit diesem Jahr auch hier in einem Topf stehen habe(, denke ich). Deswegen bin ich fast sicher, dass es sich dabei um den sog. Rosa Schlangenkopf (Chelone obliqua), auch Schildblume genannt, handelt. :-)

“Eines Tages musste es ja so kommen, das wußte ich.
Und heute ist es soweit: In meinem Garten ist eine Pflanze aufgetaucht, die ich nicht im gaertnerblog beschrieben finde! Auch die zu Beginn so hilfreich liebevoll angelegte Liste des Gartenvorgängers mit hundert Pflanzen enthält keine Unbekannten mehr, die das sein könnten. Da mir also nirgendwo ein Hinweis oder gar ein Foto dieser Blüten ins Auge sprang, erbitte ich nun Bestimmungshilfe ;-)

Die Pflanzen sind mir erst jetzt aufgefallen, obwohl ich den Garten letztes Jahr um diese Zeit auch schon hatte. Allerdings muss das bei meinem Wirrwarr auf gut 300 qm nicht zwangsläufig bedeuten, dass die Pflanze zweijährig ist, oder gar den Flor überspringt. Sie wuchs nämlich zwischen Storchschnäbeln im lichten Schatten derselben vor meinen Argusaugen versteckt auf 10 cm Höhe heran. Und ich habe mich sehr gefreut über diese Überraschung: Sie kommt als Einzige in meinem Garten erst jetzt im September zur Blüte.

rosa schlangenkopf chelone

Unscheinbar ist die Unbekannte allenfalls, wenn man sie nur von Weitem betrachtet ;-)

schildblume schlangenkopf chelone

Irgendwie finde ich, dass die Blütenkonstruktion fast nach einer Kesselfalle aussieht – aber wenn ich die zackigen Blätter betrachte, so möchte ich nicht ausschließen, dass diese Pflanze in den süddeutschen Wäldern meiner Kindertage wuchs.

schildblume chelone

Die Knospen sehen aus wie grüne Eicheln, die dann offenbar nach und nach heranreifen und sich schmollend öffnen. Wer die Blätter angefressen hat, weiß ich nicht. Besonders schneckengefährdet kann die Pflanze freilich nicht sein – sonst hätte sie es in meinem giftfreien Garten ohne jede Pflege nicht so weit gebracht. Ein kleiner Blickfang für den Hochsommer, robust, winterhart und pflegeleicht – bitte einen Namen für die rosa Dame !”

rosa schlangenkopf

Glücklicherweise hat Gretel so tolle Fotos gemacht, damit man sie richtig sieht, denn ich habe bei meiner versäumt, die Fotos zur rechten Zeit zu machen, und die Pflanze ist mittlerweile schon fast verblüht. :-(

Die Bilder von meiner dieses jahr per Gartenversand bestellten Schildblume: Vor der Pflanzung im Frühjahr war das eine Lieferung bestehend aus relativ zarten Rhizomen….

rosa schlangenkopf

Dann hab ich lange keine Bilder gemacht, da die Chelone-Pflanzen unscheinbar im Topf vor sich hin grünte. Wusste wieder mal nicht so genau, wo ich sie hinpflanzen will, weil ich ja noch nicht wusste, wie sie sich entwickeln, (insbesondere, wie sehr sie Ausläufer bildet, und ob sie wuchert) und wo hinpassen würde. Deswegen steht sie jetzt noch im Topf im Pflanzenregal. Blütezeit-Höhepunkt bei mir war Anfang/Mitte August, als ich im Urlaub war. Ob noch mal Blüten nachkommen, sieht man bei mir nicht, müsste aber eigentlich, denn es soll ein Spätsommer-Blüher sein, der bis in den Oktober blühen kann.

Aktuelle Bilder:

schlangenknopf schildblume 2

schlangenknopf chelone

Mein Zander ordnet die Schildblumen bzw. den Rosa Schlangenkopf den Braunwurzgewächsen (Scrophulariaceae) zu und deutet auf eine Herkunft aus Nordamerika hin. Weiterhin spuckt er die Info aus, dass es eine Chelone obliqua var. alba, also auch eine weiß blühende Schildblume geben soll. Die heisst dann synonym auch noch Chelone glabra und zu auswärts “Turtlehead”. Könnte ich mir auch gut vorstellen in weiß, falls mir die mal begegnet.

Schildblume mag feuchten Boden von Schatten über Halbschatten bis bissi Sonne, soweit ich mich erinnere. Sie bildet Samen. Ob sie sich aber durch Selbstaussaat vermehrt, kann ich noch nicht sagen, und damit auch nicht, ob sie irgendwo verwildert vorkommt. Ebensowenig, ob sie stark ausläuferbildend ist. Meine im Topf (ca. 50 cm hoch) verhalten sich bisher zivil. Außerdem stehen sie relativ un-standort-wunsch-gemäß in der Nachmittags-Sonne und der Topf ist gelegentlich auch mal trocken. Das hat bisher aber nichts gemacht. Sehr dankbares Gewächs so weit. ;-)

Frage an potenzielle Schildblume-Besitzer: Liege ich richtig mit der Pflanzenbestimmung? Wuchert sie stark? Sät sie sich selbst aus?

eingewurzelt unter: Stauden

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6 Kommentare bisher

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stoppelhopser, 11. September 2008, 14:22

Wächst sehr unproblematisch seit mehreren Jahren in meinem Garten. Wuchert nicht, bildet keine Ausläufer. Steht in relativ sandigem Boden in der prallen Sonne und blüht sich um und dumm.
Feines Pflänzchen, das ;-)
Seit der vorher für Schatten sorgende Baum gefallen ist und die Pflanze in der prallen Sonne steht, blüht sie m.E. stärker und länger.
Liebe Grüße
vom stoppelhopser

Gärtnerin, 12. September 2008, 11:14

Danke, Stoppelhopser, das hilft weiter. ;-)

Gretel im Busch, 14. September 2008, 06:37

Grünen Dank, liebe Gärtnerin, dass mein Blümelein nun einen Namen hat. Und auch bei Dir gedeiht es ja ganz offensichtlich prächtig. Die Assoziation mit einem Schlangenkopf stellte sich – wie auf Deinem Foto – auch in meinem Garten mittlerweile ein.

Es gibt wohl allerlei Sorten von der Chelone, und keine sieht wirklich ganz so aus wie meine. Denn wie oben berichtet, bringt es meine Hydra gerade mal auf 10 cm – wohingegen viele andere Sorten sogar meterhoch werden. Deshalb nehme ich an, dass in meinem Garten die gezüchtete Zwergen-Variante Chelone obliqua ‘Ieniemienie’ wächst.

Der Name Ieniemienie verweist wohl auf einen Niederländischen Züchter, denn so heisst eine Maus in der dortigen Sesamstraße. Das hübsche Wortspiel wird aber in Nederland zudem wie “mini” im Deutschen benutzt – gerne auch doppelt gemoppelt als rhetorische Verstärkung – wie bei klitzeklitzeklein. So ist ein “ieniemienie klein plantje” also ein klitzekleines Pflänzchen.

Aus Amerika gekommen… in den Niederlanden weiter gezüchtet… und in meinem Garten tut es, als gehöre es dahin, und führt mich in die Irre! Naja, das heimische, was meine Erinnerung herbeiphantasierte, war dann wohl doch eher eine Mischung aus Gefleckter Taubnessel, Knotigem Braunwurz und Waldbingelkraut ;-)

Gärtnerin, 14. September 2008, 13:21

Freut mich, dass ich helfen konnte. ;-)

gartenhändchen, 16. September 2008, 18:18

Da hast du wirklich ganz was tolles vorgefunden! Auch in meinem Garten, den ich jetzt ca. 7 Monate habe, ist nach großem rätseln über die hohe (ca. 1m)Staude die Freude über die blühwilligkeit und die äußerst geringen Ansprüche sehr groß! Sie wurde vom Gärtner vor Übername des Gartens über dem Boden abgeschnitten (im Februar) und macht jetzt nur Freude!

Grüße von gartenhändchen

Gretel im Busch, 17. September 2008, 23:58

Mit dem passenden Namen hab ich jetzt auch noch ein paar Tipps für uns SchlangenbeschwörerInnen gefunden. So sollen wir den Samenstand – wie in gartenhändchens Garten praktiziert – zum Schutz der Pflanze erst im Frühjahr kurz vor dem Neuaustrieb abschneiden. Sowieso eine gute Idee: Die Schlangenköpfe sind selbst vertrocknet recht hübsch – zumindest auf Fotos. Selbstaussaat gibt es wohl nur an zusagendem Standort – aber wer Chelone-Samen sammelt, kann es ab November versuchen (Licht- und Kaltkeimer mit Trödeleien bis zu 4 Monaten).

Teilen ist da erfolgsversprechender und zwar im Frühling. Was man dabei zu Tage fördern sollte, zeigt ja Gärtnerins Rhizombild oben. Auch weiche Kopfstecklinge könnten im späten Frühling entnommen werden. Überdies berichten manche, dass sie die Pflanze bei 40 cm auf 30 cm kürzen (Kopfsteckling eintopfen!) – dies brächte zwar eine spätere Blüte aber dafür buschigeren Wuchs. Insbesondere bei dunklerem Standort wäre das wohl ein guter Trick gegen Umfallneigungen. In der Sonne ist die Pflanze standfest und blühfreudiger.

Insgesamt gilt für die im Sumpf heimische Staude neben humos und kalkfrei für den Boden folgende Formel: Je sonniger die Lage, desto feuchter soll der Boden sein. Und umgekehrt: Je trockener der Boden, desto schattiger die Chelone pflanzen.

Dass die langsam horstbildende Pflanze wirklich wuchert, hab ich nirgends gelesen, nur dass man sie nicht so leicht los wird. Aber im Gegensatz zu anderen Rhizomen kann man ja aus diesen wohl doch ganz nette Präsente eintopfen – am Besten gleich im Körbchen mit Deckelchen und Holunderflöte ;-)

Ich freilich wäre angesichts meiner wenigen, klitzekleinen Schlangen eher froh, wenn der Bestand etwas größer würde – und habe nach außen hin ein paar Störche zur Schlangen-Ausbreitung entfernt – und gleich für die Oktober-Pflanzenbörse bereit gelegt.

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