“Straßenbegleitgrün”-Versuchspflanzung in Rüsselsheim
Heute morgen hat mich Kaffeebohne, die im Ort nebenan wohnt und die Mainspitze (hiesige Tageszeitung) liest, auf einen Artikel über eine neuartige Bepflanzung von Grünstreifen-Flächen in Rüsselsheim hingewiesen. Den ich natürlich gleich mit viel Interesse studiert habe und anschließend – ganz rasender Reporter – losgespurtet bin, um eins der Versuchsbeete (Luftlinie ca. 600 m von hier) noch vor der großen Hitze in Augenschein zu nehmen.
Worum geht es?
Verkehrsflächen- und Grünstreifen-Bepflanzung und -Begrünung. Die Anforderung seitens der städtischen Betriebshöfe/Stadt-Gärtner ist ja natürlich immer, dass das Ganze möglichst nicht pflegeintensiv ist, aber trotzdem einigermaßen gut, attraktiv und gepflegt aussieht. Rüss. hat sich m.E. in bezug auf die “Straßenbegleitgrün”-Bepflanzung in den letzten Jahrzehnten nicht unbedingt einen großen Namen gemacht. In vielen Bereichen sind die Grünstreifen halt begrast (im Sommer verbrannt) und mit Büschen versehen, oder dort haben sich wilde Gehölze selbständig angesiedelt. So in der Richtung:
Wenigstens wächst da dann überhaupt was. Man darf nicht vergessen, dass die Sand-Bodenverhältnisse hier alles andere als üppig sind:

(So ähnlich sah mein Gartenboden vor 5 Jahren aus!)
Manchmal guckt man auch auf Bodendeckerrosen und Mahonien. Sicher eins der schöneren Beispiele:
Dann hat man vor Urzeiten (Keine Ahnung, wann. Damals war ich noch nicht Garten-besessen) die geniale Idee gehabt, möglichst viele Flächen auf Verkehrsinseln und so zu versiegeln und zu pflastern. Mit dem Ergebnis, dass diese Flächen, seit Spar-Maßnahmen angesagt sind, schon mal mit meterhohem Unkraut aus den Ritzen begeistern. Und zweitens: Man packt dann – seit einigen Jahren – sehr große Blumenkübel oder Weidenkörbe mit jeweils einem Bäumchen und saisonaler Bepflanzung auf die “toten” Verkehrsinseln, damit es schöner aussieht.
An sich ja nicht schlecht, aber m.E. extrem pflegeintensiv. Da muss dann quasi täglich ein Wasser-Fahrzeug kommen, um all die vielen Kübel mit den Sommerblümchen zu gießen und zu pflegen. Deswegen für mich persönlich ein Aufreger. Ich meine, es wäre vom Aufwand her vielleicht doch sinnvoller, die Steine wieder rauszunehmen und da ne gescheite Pflanzung zu machen. Aber das ist mein Gedanke dazu. :-)
Zurück zum Artikel, der mit dem Untertitel “Umstellung des Pflanzkonzepts bringt mehr Attraktivität und erleichtert die Pflege” versehen ist. In Rüsselsheim werkelt und berät neuerdings der “Naturgartenplaner.de” Dr. Reinhard Witt. Die Pflanzungs-Beispiele für öffentliches Grün auf seiner Seite finde ich betrachtenswert und die Arbeit mit Wildpflanzen sowieso spannend!
Zum Projekt mit den Rüsselsheimer Betriebshöfen aus dem Artikel zurück:
“Dr. Witt hält nichts von “verzüchtetem und monotonem Rasengrün”, er bevorzugt heimische Pflanzen, wie die Wildform des Löwenmauls, die gelbe Färberkamille oder den Steppensalbei. Über ein Netzwerk mit Produzenten erhält er die entsprechenden Materialien.
Am 12. März, einem arbeitsreichen Tag, wurden diese in Rüsselsheim nun gesät und gepflanzt, nachdem Mitarbeiter der Betriebshöfe die Flächen vom alten Bewuchs gesäubert, ausgekoffert, sowie mit Sand, Kies, Schotter und Kompost vorbereitet hatten. Bewusst wurden auf den drei Verkehrsflächen jeweils verschiedene Untergründe angelegt, um die Anpflanzung zu testen. Es handele sich hier um ein deutschlandweit einmaliges Pilotprojekt, …”
Sehr schön, dass das auch noch direkt vor meiner Haustüre liegt. Deswegen bin ich gleich mal losgestürmt, um einen Blick auf dieses attraktive Wunder der Pflegeleichtigkeit (“Und einfach ist es auch: Gewässert wird nicht, das überlässt man alles der Natur. Und nur einmal – statt bisher dreimal – wird gemäht, …”) zu werfen. :-)
Das ist die Straße, an der eines der Versuchsbeete liegt. Sie geht von Rüsselsheim aus an Königstädten, den Ortsteil, in dem ich wohne, vorbei.
Das Korn steht schon furztrocken auf dem Feld und die Bauern packen gerade schon diese riesigen Rundballen aus Stroh zusammen. Auch die Alleebäume werden wegen unseres trockenen Bodens im Sommer von der Stadt gegossen! Hinter der Straße sind dann auch gleich Spargelfelder und so was. Leider seit Johanni schon wieder abgestochen….
Ich nähere mich dem Beet, das auf dem Grünstreifen zwischen den Straßen liegt. Schön bunt…
… wie man sieht, was vor allem an den gut gedeihenden wilden Löwenmäulchen liegt. Gießfrei. Klasse!
Das Beet scheint mir dreigeteilt zu sein. Mutmaßlich ist das der im Artikel erwähnte Test verschiedener Untergründe und Pflanz-Substrate. Hier im vorderen Bereich, in dem es am besten wächst und gedeiht, fällt der dichte graue Kies ins Auge…
… während im hinteren Bereich mit dieser Bodenbeschaffenheit ….
…nur vereinzelt Pflänzchen gedeihen:
Insgesamt überwiegen die Löwenmäulchen.
Dazwischen vereinzelt die erwähnte gelbe Färberkamille …
und andere kamillenartige Wildpflanzen.
Steppensalbei habe ich nicht entdeckt. Wohl aber einige wenige Glockenblumen:
und einen Lippenblütler, den ich jetzt nicht recherchieren mag. Vielleicht kennt das jemand:
Ich finde das Projekt echt spannend und werde beobachten, wie es weitergeht. Immerhin ist man ja selbst auch am experimentieren, was Pflanzen für trockenen Boden ohne Gießen betrifft. Und was draußen an der Straße geht, geht im Garten sicher auch. :-)
Vielleicht gucke ich bei Gelegenheit auch noch mal in der Bensheimer Straße. Das ist ähnlich weit weg von mir aus.
eingewurzelt unter: Stauden
Vor einem Jahr
Garten-Shoppen diese Woche
















9 Kommentare bisher
KommentierenFind ich klasse, was die Stadt Rüsselsheim da probiert! Sieht doch toll aus und da freuen sich auch die Wildbienen und die Schmetterlinge.
Ich bin schon seit ein paar Jahren ein Fan von Dr. Reinhard Witt und versuche möglichst viele Wildpflanzen in meinem Garten anzusiedeln.
Klappt aber nicht immer, weil ich mich beim Gärtner mal wieder zum Kauf einer “exotischen” Schönheit verführen lasse oder weil die Sonderangebote bei Aldi & Co. locken ;-) Auch mag ich nicht prächtig blühende und gesunde Stauden aus meinem Garten verbannen, nur weil sie nicht wild in Mitteleuropa vorkommen. Aber gerade solche Flächen wie in Rüsselsheim bieten sich doch an, sie mit Wildblumen zu bepflanzen. Ich hoffe andere Städte und Gemeinden nehmen sich ein Beispiel daran.
Bei uns auf der Alb ist die Silberdistel so etwas wie ein Wahrzeichen. Die Stadt Meßstetten hat daher am Stadtbrunnen und am Ortseingang präsentativ Silberdisteln stehen. Aus Metall :-(
Dafür blockieren sie täglich die Straßen mit ihrem Gießtöfftöff, damit die Begonien, Impatiens, Petunien, Fuchsien und derlei Sch*** nicht verdursten.
Eine Stadt weiter säen sie immerhin diese “Bunte Blumen Wiesenmischungen” aus, da blüht auf den Verkehrsinseln immer irgendwas, Kamille, Ringelblume und Was weiß ich nicht noch alles. Auch pfleglos und gegossen wird das Zeug glaub auch nicht bis kaum.
Lange Rede, kurzer Sinn: Ich find die Idee aus Rüsselsheim absolut toll und erstrebenswert. Wäre überlegenswert, wenn ich vorm Haus diesen Bodendeckergestrüppmist rausmache.
Mensch Gärtnerin, da hast Du Dich ja todesmutig auf der Verkehrsinsel recherchiert. Spätestens jetzt hast Du Dir den Coctail in der Strandbar verdient. Jetzt drücke uns mal die Daumen, dass das Wetter nächste Woche es zuläst.
In Darmstadt haben sie vor ein paar Jahren damit angefangen, Straßeninseln mit Zwiebelpflanzen (Tulpen, Osterglocken, Allium) zu bestücken. Das sient im Frühjahr immer richtig toll aus. (Auch eine Fläche ganz in weiß, das wär doch was für Dich, Gärtnerin!) Auch andere Blumen wie Glockenblume, Lavendel sind vorhanden. Ok, es ist nicht ganz gießfrei, aber ich glaube, der Wasserwagen kommt auch nur in dringenden Notfällen. Außerdem wird bei manchen Inseln auch nur 1-2mal im Jahr gemäht, da kommt von alleine auch recht viel Wildkraut zusammen. Mir gefällt’s.
“Straßenbegleitgrün”-Versuchspflanzung in Rüsselsheim…
Ich will nur ganz kurz auf einen Beitrag im Gärtner-Blog hinweisen:
Heute morgen hat mich Kaffeebohne, die im Ort nebenan wohnt und die Mainspitze (hiesige Tageszeitung) liest, auf einen Artikel über eine neuartige Bepflanzung v…
Auch bei uns in Ehingen/Donau werden viele städtischen flächen mit wilblumenmischungen besät und sehen wochenlang absolut bombastisch aus. Was für ein gegensatz zu den meisten anderen grüninseln auf und neben öffentlichen strassen!
Der lippenblütler auf dem einen foto scheint mir der Deutsche Ziest (Stachys germanicus) zu sein.
Gruss Rositta
Bei uns in Großziethen (Schönefeld), direkt bei Berlin wurde nach umfangreichen Straßenbaumaß-nahmen am Grün wie üblich auch gespart, die Fotos sind sehr ähnlich wie die erzeitige Optik hier bei uns. Der Lippenblütler ist meiner Meinung nach eher ein Wirbeldost (Calamintha clinopodium bzw. Clinopodium vulgare), den ich auch im Garten habe (Sandig-humos und etwas lehmig), der ist ausgesprochen genügsam und sät sich auch gut (für manche zu gut = Unkraut!) aus. Du solltest dir vielleicht ein paar Samenstände für deinen eigenen Garten abknipsen und mal versuchen, ist eine hübsche Bienenpflanze und wirklich sehr pflegeleicht, die überzähligen Sämlinge muss man halt ab und zu entfernen. Eigentlich wollte ich auch mal versuchen, Einfluss auf unsere Gemeinde zu nehmen und bei der Straßengrüngestaltung etwas zu bewirken, bin aber bis jetzt nicht dazu gekommen, mein eigener Garten und die Organisation von Offenen Gärten in Berlin und Umland (und mein Hauptberuf) fordern meine ganze Kraft. Aber eines Tages … Liebe Grüße Inge (Vielleicht berichtest du mal über den Fortgang des “Experimentes”)?
Danke, Inge! Ha, noch eine Furztrocken-Wildblumen-Expertin. ;-)
Zum Fortgang des Experiments: Es blüht immer noch wie jeck so weit. Bin grad die Tage vorbeigefahren, und war echt verblüfft, dass die Blumen so schön dastanden. Muss bei Gelegenheit mal wieder Bilder machen. Spätestens nächstes Jahr.
Wenn das Ganze ein Erfolg wird, wird bestimmt jemand drauf kommen, das in irgendwelchen Gemeinde/Stadtverwaltung-Fachzeitschriften (keine Ahnung) als Erfolgsprojekt zu beschreiben. Dann braucht man andere Gemeinden wahrscheinlich plötzlich gar nicht mehr doll schubsen. ;-)
Verkehrsbegleitgrün-Versuchspflanzung Witt – Update…
Ich war mal wieder neugierig! Hier ein Beobachtungs-Update zur im März 2008 angelegten Verkehrsbegleitgrün-Versuchspflanzung (meine Beobachtungen damals) vom Naturgartenplaner Dr. Reinhard Witt in Rüsselsheim, die ich vorgestern zum zwei…
Kommentar hinterlassen