Gärtnerin · 17. Januar 2008, 14:26

Welterbe erhalten!

Das Welterbe-Thema beschäftigt mich. Erbe ist für mich etwas, was wir von unseren Vorfahren bekommen haben, pfleglich behandeln sollten und verpflichtet sind, unseren Kindern weiterzugeben. Wenn es sich um Natur handelt, sowieso. Selbst wenn man wie üblich mit Kostengesichtspunkten argumentieren würde, um seine Zerstörung zu rechtfertigen, sollte man sich bewusst sein, dass Wirtschaftlichkeit als oft einziger Wert unserer Zeit nicht grundsätzlich das kurzfristige Maß aller Dinge sein kann.

Ich habe auf der Online-Unterschriftenliste unterzeichnet, dort die Mail-Musterbriefe an Frau Merkel und Herrn Milbradt abgeschickt und per Mail bei welterbe-erhalten.de ein Banner angefragt, das in meine Sidebar passen könnte. Mal sehen, ob ich eins bekomme. Könnte ja sein, dass die Leute da anderweitig auch viel zu tun haben, aber ich hoffe dennoch, denn ein klein wenig Öffentlichkeit könnte ich damit vielleicht beitragen.

Welterbe Elbtal erhalten! sag ich!

Der Musterbrief an Frau Merkel sieht so aus:

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

mit großer Besorgnis registriere ich die unmittelbare Gefährdung des Welterbes Dresdner Elbtal. Die richterliche Anordnung des Baubeginnes für eine elbüberquerende Verkehrstrasse im Gebiet des Welterbes gefährdet akut diese einmalige Kulturlandschaft und den Welterbetitel.

Ohne eine direkte Intervention der Bundesregierung scheint die Katastrophe unabwendbar.

Es wäre katastrophal für den Vertragsstaat der Welterbekonvention und für den Ruf Deutschlands als Kulturnation, wenn das Dresdner Elbtal als Präzedenzfall von der Welterbeliste gestrichen würde.

Ich bitte Sie deshalb dringend, Ihren persönlichen Einfluss geltend zu machen, um das Welterbe zu retten.

Mit vorzüglicher Hochachtung”

Der Musterbrief an Hr. Milbradt:

“Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,

mit Bestürzung erfahre ich, dass Behörden des Freistaates Sachsen den Bau einer Verkehrstrasse durch das Gebiet des Welterbes Dresdner Elbtal erzwingen, ungeachtet der damit verbundenen Aberkennung des Welterbetitels durch das Welterbe-Komitee der UNESCO. Dass dies mit ausdrücklicher Billigung Ihrerseits geschieht, fordert meinen entschiedenen Protest heraus.

Eine solche Maßnahme zerstört nicht nur eine einmalige Kulturlandschaft in Sachsen, sondern schadet auch dem Ruf der Kulturnation Deutschland weit über ihre Grenzen hinaus.

Ich ersuche Sie, Ihrer Verantwortung für Sachsen und für Deutschland gerecht zu werden und diesen kulturfeindlichen und völkerrechtswidrigen Akt zu unterbinden.

Mit vorzüglicher Hochachtung”

eingewurzelt unter: Ärgernis

Alle anzeigen mit Stichwort:

Vor einem Jahr
Bananenstaude sagt Lottozahlen voraus, Internationale Grüne Woche 2007, Grünlilie blüht



7 Kommentare bisher

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auenlaender, 18. Januar 2008, 11:03

Sehr schön! Ich habe übrigens gestern auf einer Veranstaltung, die eigentlich nix mit der Brücke zu tun hatte, wo er aber natürlich von einem Teilnehmer darauf angesprochen wurde, unseren Oberbürgermeister gehört. Er hat die ganze verfahrene Situation nochmal aus seiner Sicht dargestellt. Dabei wurde deutlich, daß auch ihm die Brücke optisch nicht zusagt und er der Auffassung ist, die Politik habe versagt. Dem kann man nur zustimmen. Ich verstehe einfach nicht, wie man diesen Brückenentwurf auch nur ansatzweise in die engere Wahl nehmen konnte. Es ist ein Klotz – weder in Design noch Bauweise irgendwie innovativ. Ich könnte mich ja vielleicht noch mit einer Brücke anfreunden können, die tatsächlich modern ist und sich in die Landschaft dezent einfügt (Ich denke da z.B. an etwas Elegantes wie die neue Rügenbrücke). Das heute so berühmte “Blaue Wunder” war vor ca. 100 Jahren technisch das Neueste vom Neuen, hat damals beileibe nicht allen Dresdnern gefallen (die wollten nichtmal drübergehen, bis man die Stabilität nachwies, indem man die Brücke mit Pferdegespannen und Soldaten vollstellte). Etwas Vergleichbares zu schaffen, hat man einfach verpaßt. Am allerbesten wäre aber natürlich ein Tunnel. Das Problem an der jetzigen Situation und der Grund dafür, daß einerseits die Bauarbeiten so zügig vorangetrieben werden und andererseits kaum noch Gesprächsbereitschaft für einen Kompromiss besteht, ist laut Aussage des OB, daß die Brückenbefürworter fürchten, die Brückengegner würden, wäre der Bau erstmal gestoppt und die Bindungsfrist des Bürgerentscheids ausgelaufen, “April, April” rufen und sich dann sowohl gegen ein anderes Brückendesign, als auch gegen einen Tunnel sperren. Diese Befürchtung kann ich nachvollziehen, nur hätte es so weit gar nicht kommen müssen, wenn man sich zu Beginn der Planungsphase mal kurz der Schönheit und des Werts einer solchen Landschaft inmitten der Großstadt besonnen und gleich eine für alle Seiten tragbare Lösung gesucht hätte.

Gärtnerin, 18. Januar 2008, 19:09

Traurige Sache insgesamt, und verständliche Haltungen allerseiten. :-(
Auf alle Fälle ist es jetzt schon reichlich spät. Nach meinem Eindrück hätte man die überregionale Öffentlichkeit besser einbinden sollen. Zumindest bei mir kam das Thema ja mega-spät an. Kann aber auch an mir liegen. Auf meine Mail hab ich nichts gehört bisher.

Nanette Ghantus "TerraVision" Kunst und Systemgestaltung, 19. Februar 2008, 04:34

Sehr schöne Webside.
Ganz herzlichen Dank
Wie hoffnungsvoll und beglückend, daß so viele Menschen weitermachen und an ihre Vision von einer schönen Erde glauben.
Sehr fein erahne ich auch, daß Sie wohl auch die visionäre Voraussicht des Schriftstellers Tolkin “Herr der Ringe” voll erkannt haben.
DAS – Zeitmärchen

Der Konflikt geht ja nicht um eine Brücke, sie ist nur ein Symptom.
So erkenne ich, es geht vielmehr um die weltweite harmonische Vereinigung von Ökologie im Geist des Menschen, Ökologie in der Natur, Wissenschaft, Kunst, Ökonomie, Politik und Religion,
Schönheit, Sanftheit, Liebe – zu einer neuen Hochkultur.
Eine Verbindung aus Hochkultur und Geld (und nicht wie jetzt ein Gegeneinander)
Das zentrale Thema ist das Ausklingen der Macht – auf ALLEN Seiten.

herzliche Grüße und nochmals vielen Dank
Nanette Ghantus

Nanette Ghantus

website in Arbeit

Gundula, 19. Februar 2008, 09:46

Hallo Ihr alle, die sich um unser schönes Dresden sorgen! Ich bin ganz bestimmt auch eine davon, jedoch bin ich auch eine Befürworterin der Brücke um das gleich ganz klar zu sagen! Weltkulturerbe hin und her. Was soll das? Wieso können andere Nichtdresdner (UNESCO) über unsere Stadt entscheiden? Was haben wir Dresdner von solch einer Entscheidung. Wozu brauchen wir solch eine Entscheidung von außerhalb, wenn die Bürger der Stadt diesen Bau eindeutig!!! per Abstimmung beführwortet hat? Ein Bürgerentscheid gilt bei uns nicht mehr viel. Das haben tausende Stimmberechtigte spüren müssen!
Unsere Stadt ist traumhaft schön und zieht jährlich Millionen Touristen zu uns. Da hat noch keiner vorher gefragt, ob die Stadt zum Weltkulturerbe gehört! Die Brücke wird doch dringenst gebraucht!! Und nicht nur von “nicht Grünen”! Als das Blaue Wunder an einem Woend mal für den Verkehr gesperrt wurde, war zäher Verkehsfluss und Stau auf der Bautzner Straße!
Die Brückengegner hätten mal munter und demonstrieren sollen, als ganz andere Bauten hochgezogen wurden, die das Stadtbild mehr als verschandeln! Ich denk da z. B.an die Synagoge im alten Stadtkern. Sie ist wichtig, ohne Frage, aber ein absoluter Schandfleck in der Architektur! Unser schöner alter Stadtkern wird aufs gröbste durch diese Bauweise verschandelt. Wer hat dieses Bauwerk (Bunker) wie es heut ist genehmigt? Da waren keine Plakatträger in Röcken zu sehen!
Die Brücke ist wichtig für unsere Stadt, für die Umwelt und auch für Brückengegner früher oder später! Möcht wetten, die werden mit ihren Rädern (im Bus) als erste die Brücke nutzen! Ich bin froh, jeden Tag den Baufortschritt beobachten zu können und finde es als das Allerletzte (nach der Hufeisenasenfledermaus, der Buche oder anderem Getier), die Baumaschinen und Materialien zu beschädigen. Die sollten doch lieber auf mehr Ordnung und Sauberkeit achten (teilweise bei sich selbst damit anfangen!)

Das Weltkulturerbe ist doch nur ein Gag, um die Bürger zu verunsichern – die Schönheit, Architektur und Einzigartigkeit, das Alter und die Geschichte unserer Stadt und auch die vielen Touristen jährlich kann doch keiner leugnen – dazu brauchen wir keinen Welterbetitel!!!!!!!!!!!!!
Ich liebe meine Stadt und bin stolz hier zu leben.
Viele Grüße aus Dresden – Gundula

Gärtnerin, 19. Februar 2008, 11:02

Hallo Gundula,

wie ich ja schon geschrieben hatte, hab ich durchaus Verständnis für die Brückenbefürworter, zumal ich die Verkehrssituation in Dresden am eigenen Leib schon öfter erfahren habe. Deswegen find ich ja auch, dass eine Lösung her sollte, allerdings nicht SO! Sofern eine Tunnellösung möglich ist, was ja anscheinend der Fall ist, finde ich es unverzeihlich, so vorzugehen.

Jetzt werde ich ein bisschen polemisch, obwohl es mich als Nicht-Dresdnerin wie den Rest der Welt wohl nichts angehen soll. Ich möchte einfach nur deutlich machen, was ich denke, und nicht angreifend wirken. Das Welterbe Natur ist aus meiner Sicht in dem Zusammenhang “nur” ein Symbol mit glücklicherweise weltweiter Aufmerksamkeit. Und über die Stadt entscheiden kann die Unesco nicht. Nur sagen, was sie denkt. Der Titel weist auf die Einzigartigkeit dieser Landschaft und Natur hin und nicht auf die Einzigartigkeit Dresdens. Dresden und sein Stadtbild ist in dem Zusammenhang sowas von piepegal. Oder anders: Leblose Steinhaufen unserer Zivilisation tun für dieses Ökosystem nichts und sind absolut ersetzlich. Selbst so bespendete und gefeierte nutzlose Steinhaufen wie die Frauenkirche sind absolut unwichtig. Das Thema kann und sollte nicht egozentrisch als wir-Dresdner-regional betrachtet werden, auch wenn Ihr das noch so gerne wollt. Genauso wenig, wie das bei der Abholzung des Regenwaldes der Fall ist und sollte. Es ärgert mich, dass man einerseits halbherzig meckert, wenn ANDERSWO auf der Erde das Ökosystem belastet und zerstört wird und sich Gedanken um den Klimawandel, pipapo und Stromsparen macht und andererseits einen so dicken Balken im Auge hat, dass es einen nicht mal kratzt, was man vor der eigenen Haustür anrichtet. Dresden schädigt damit sein Ansehen in der Welt. Das kann man ignorieren, aber einfordern, dass die Welt das ignorieren soll, kann man nicht.

Jens Zappe, 25. Juni 2009, 19:38

Wer heute behauptet Touristen werden nach Dresden kommen, auch wenn das Dresdner Elbtal keinen Titel als “Weltkulturerbe” mehr trägt, hat natürlich recht. Es gibt wirklich sehr viele Bilder und Graphiken die diesen Titel beinhalten.

Der eigentliche Auftrag hinter dem Titel lautet aber, etwas zu bewahren. Nämlich ein Erbe zu bewahren. Und hierbei geht es nun wirklich nicht um einen Titel sondern um unsere unmittelbare Umwelt! Sie ist doch das Erbe welches wir ererbt haben und mit dem wir verantwortungsvoll umzugehen haben, damit wir dieses Erbe unbeschadet weiter geben können.

Es ist nicht nur die Waldschlösschenbrücke und die vielen fadenscheinigen Begründungen für eine unabdingbare Notwendigkeit an dieser Stelle, sondern der Umgang mit der Wahrheit und mit ähnlich grundlegenden Dingen wie Natur und Umwelt.
Noch vor mehr als 10 Jahren war auch das große Loch am Dresdner Hauptbahnhof unabdingbar für eine Investorenansiedlung und einer damit verbundenen “Belebung” der Innenstadt! Heute jedoch gibt es niemand mehr der diese angebliche Notwendigkeit erkennt.
Im Gegenteil, wahltechnisch relevant wird auf einmal ein Mehr an Grün in der Stadt.

Diejenigen, welche solches auf einmal fordern, sind aber zum großen Teil eifrige Verfechter einer Elbquerung mittels Waldschlösschenbrücke. Und somit der Zerstörung von Naturräumen die unsere Stadt beeinflussen.

Es bleibt festzustellen, das es fast wie immer zwei Möglichkeiten gibt.

Die erste wäre : Erben mit Verstand.

Und damit schützen, bewahren, entwickeln und der nächsten Generation einen vernünftigen Start in eine sicherlich nicht einfache Zukunft zu bereiten.

Die zweite wäre: Erben ohne Verstand (und Titel)

Und damit ein Verwursten und Verramschen von Werten für kurzfristige und vor allem kurzsichtige Erfolge der eher schlechteren Art.
Wahlpolitik und Selbstbedienungsmentalität in den Vordergrund gestellt und kein Gedanke daran verwendet mit welchen Problemen die jetzige Generation ihren Nachfolgern den Weg zerrüttet hat.

Und für die zweite Möglichkeit hat bereits Arthur Schopenhauer die treffenden Worte gefunden.

Ein Haupthindernis der Fortschritte des Menschengeschlechts ist, das die Leute nicht auf die hören, welche am gescheutesten, sondern auf die, welche am lautesten reden.”

Trackback Gärtner-Blog, 26. Juni 2009, 02:40

UNESCO hat Dresden das Welterbe aberkannt…

Bin mega-stinkig. Im Radio gehört, im Niederländischen!, dass die UNESCO heute abend tatsächlich endlich Dresden den Welterbe-Titel für das Elbtal aberkannt hat. Peinlich ist das, aber höchste Zeit war es. Verlust einer Landsch…

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