Bodenanalyse Garten 2
Eigentlich wollte ich mal interessehalber einen richtigen Bodentest machen, aber hier gibts nur solche zum Einschicken, und auf die Analyseergebnisse zu warten hab ich keinen B… :-)
Deswegen wird es mit der Bodenanalyse wie in jedem neuen Garten bisher gemacht, nämlich mit Hausmitteln: Durch Beschau, Beobachtung, eine Schlämmprobe, die Hinweise zur Zusammensetzung des Bodens gibt, und mittelfristig auch durch Erfahrung damit, wie sich der Boden “verhält”, also wie die Pflanzen darauf gedeihen. Ph-Wert und anderer Schnickschnack entfällt vorerst, solange es keine Wachstumsprobleme gibt, die eine Messung erforderlich machen. Einen Boden kennenzulernen ist übrigens mit eine der spannendsten Sachen im Garten überhaupt, finde ich.
Sandboden
Zu den ersten Befunden durch Beobachtung: Obenauf, also der “Mutterboden”, ähnelt der Boden auf den ersten Blick dem, was ich vor sechs Jahren in Garten 1 selbstgemacht vorgefunden habe: Sandige Erde, wenn auch nicht so arg wie in Garten 1 damals, geringer Humusanteil, begrenzte Wasserhaltefähigkeit. Der Boden trocknet an der Oberfläche im Wind rasend schnell ab, und ist ziemlich durchlässig. Beim Austopfen verschiedener Stauden habe ich deutlich sehen können, dass der mitgebrachte Garten 1-Boden dem hier zur Zeit in Sachen Wasserhaltefähigkeit und Humusanteil (habe dort mit Bentonit und Gründüngung gearbeitet) überlegen ist. Ursprungs-Bodenverhältnisse dieser Art sind mir zunächst mal von früher schon bekannt.
Geringer Humus-Anteil – Regenwürmer “lesen”
Während Garten 1 damals bis zur ersten Gründüngung “tot” und gänzlich frei von Regenwürmern war, weil die trockene Sandigkeit ein Überleben von Würmern nicht gewährleisten konnte, sind dagegen hier Regenwürmer im Erdreich zahlreich vorhanden. Wie sie aussehen und sich verhalten, bestätigt aber die Beobachtung bezüglich Bodenfruchtbarkeit: Regenwürmer durchgraben den Boden, fressen totes organisches Material, k… es als wertvollen Wurmkot/Humus wieder aus (manchmal als ungeliebte Wurm-Häufchen), und machen den Boden so fruchtbar. Ist für sie wenig zu tun, sind sie
1. ziemlich blass, statt rosig und
2. ziemlich träge.
Das sieht man deutlich auch bei Regenwürmern, die im Topf überwintern und dabei darben. Im Gegensatz zu wohlgenährten, vielbeschäftigen Regenwürmern “hängen” sie im Boden rum und bewegen sich auch nicht wirklich agil, wenn sie versehentlich durch Grabearbeiten an den Boden geholt werden. So blass und bewegungsarm sieht ein “fauler”, unterernährter Regenwurm aus. Das Schätzchen braucht echt mehr Futter. ;-)
Hinweis: Relative Bewegungsarmut kommt auch bei großer Trockenheit oder Kälte im Boden vor, aber das ist beides nicht der Fall zur Zeit, und die in den Garten 1-Töpfen mitgebrachten Regenwürmer “rennen” dem Einheimischen auf dem Bild glatt davon.
Unterboden-Betrachtung
Den Unterboden zu kennen ist u.a. wichtig, um den Wasserabzug zu beurteilen. Hast Du z.B. ne massive Tonschicht irgendwo drunter, wird Dir nicht viel anderes übrig bleiben, als Feuchtbiotop-Pflanzen zu wählen. Denn auf dieser Tonschicht wird immer das Wasser stehen bleiben und den Oberboden batschig-nass halten. Hast Du untendrunter nur Sand, wie ich in Garten 1, dann hilft Dir auch ein Grundwasserspiegel kaum drei Meter unter der Erde nix, um den Oberboden für feuchtigkeitsliebende Pflanzen ausreichend feucht zu halten, weil das Wasser einfach nur durchläuft. Und so. Klar kann man Boden (Gärtner-Gold!) mit den Jahren und langem Atem verbessern, aber den Charakter eines Bodens wirst Du auch mit allen Tricks nicht komplett ändern, und den Unterboden wohl kaum metertief komplett austauschen können. Es macht keinen Sinn, Moorbeete auf Steppenboden anlegen zu wollen, genauso wenig wie Steingärten in feuchten Uferzonen gut gelingen, weil der Boden und die dafür nötigen Pflanzen mit gänzlich anderen Ansprüchen dann einfach nicht miteinander wollen. Das ist Gärtnern gegen den Strich. Warum sollte man?!
Der Unterboden hier ist für mich sehr interessant, und ich werde ihn besser kennenlernen müssen, um die richtigen Schlüsse zu ziehen.
Beim Ausgraben verschiedener Büsche konnte ich einen Blick auf den Unterboden werfen, also das, was unter dem irgendwann mal aufgetragenen Mutterboden liegt. Die sandige Mutterboden-Schicht ist je nach Stelle im Garten ca. 20-30 cm dick, was ne normale Dicke ist, innerhalb derer sich auch das meiste Bodenleben und Wurzelwerk-Gewusel im Garten abspielt. Darunter liegt direkt der ehemalige Seeboden (Remember: Polder-Garten!). Das sieht man auch von oben. Denn es liegen nicht unerheblich viele Muscheln auf den Beeten. Und die hat da niemand als Deko hingestreut. ;-)
Der Unterboden verhält sich für mich zunächst unbekannt. Er sieht aus wie weicher, reiner, ganz heller Sand, also etwa wie an einem Sandstrand. Wenn er trocken ist, sieht er noch mehr so aus, und man könnte direkt Sandburgen mit ihm bauen. Dennoch ist er in Sachen Wasserhaltefähigkeit nicht so schlecht wie Sand, ich denke, weil da ne Menge Schwebteilchen aus dem See drin sind. Wenn er nass ist, wird er weich, geschmeidig, beweglich, dynamisch. Ein bisschen fast wie Teig. Deswegen ist hier übrigens auch schwer bauen, es braucht Fundamente in zweistelliger Metertiefe, um darauf was fest hinzustellen! Ich hoffe, dass da auch einige Fruchtbarkeit drin steckt.
Fazit: Grob gesagt denke ich mal, obendrauf habe ich ähnliche Bodenverhältnisse wie vormals in Garten 1, mit ähnlichen To-do´s, untendrunter aber eine bewegliche Schicht (Tiefer betonieren und Beton-Basteln heißt das für Rosenbogen und so was!), die die Feuchtigkeit besser hält, aber nicht für Staunässe sorgt. Wie gut, das werde ich mit der Zeit erfahren müssen. Man wird es letztlich an den Pflanzen sehen. Der Plan immo: Ich pflanze eine Menge Robust-Stauden, mit denen ich viel Wachstums-Erfahrung in Garten 1 habe, so dass ich durch ihren Wuchs auf diesem Boden sicher recht schnell “hinter” diesen Boden komme. Außerdem einige Stauden, die in Garten 1, der jetzt ohne Gießen auskommt, zu trocken standen, und deswegen raus mussten (z.B. Phlox, Lampenputzergras). Wenn sie hier, wo es außerdem mehr Niederschläge gibt, besser zurecht kommen, sagt mir das was über den Boden. ;-)
Eine Schlämmprobe habe ich gerade angesetzt. Ist noch nicht fertig, weil es eine Weile braucht, bis sich die Schichten abgesetzt haben. Darüber schreibe ich später noch was, und über was ich mit dem Boden dann zu tun gedenke natürlich.
Update: Hier gehts zur Schlämmprobe
mehr über Boden(Verbesserung)
Kalk-und Salzgehalt des Bodens
eingewurzelt unter: Garten allgemein,Garten-Boden
Vor einem Jahr
Garten-Shopping nächste Woche, Blauregen-Warnung, Babiana - "Affenbrot", Lippia "Snow Pearl"




2 Kommentare bisher
KommentierenEin sehr interessanter Artikel und super toll geschrieben. Bin nächmlich schon lange am rätseln, wie ich denn feststellen könnte, was wir für nen Boden haben (wobei das ganze bei uns eh etwas schwierig ist).
Werd dich gleich mal unter Favoriten speichern und öfter reinlesen ;-)
Freut mich, Kreativmama, vielen Dank! Zum Thema Bodenzusammensetzung kommt heute oder morgen was in einem Extra-Beitrag, quasi als Verlängerung zu dem hier. Wieso ist das bei Euch schwierig?
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