Gärtnerin · 28. Juni 2009, 13:37

Hosta Virus X, Funkien-Blätter krank

Weiter gehts mit einem ernsten Thema, auf das mich Jan van den Top /hostaworld.nl aufmerksam gemacht hat. Ich habe das Gehörte noch in einem längeren Telefonat mit Volker Eschenbach (Planwerk) vertieft, der in diversen Gartenforen aktiv ist und als verdächtige-Hosta-Begucker auch Bilder von potenziell betroffenen Pflanzen entgegennimmt, um den Gartenfreunden so weiterzuhelfen.

Hier jetzt also über Funkien-Krankheiten, genauer Virus-Krankheiten, die Blattveränderungen / Blattflecken verschiedener Art hervorrufen. In jüngster Zeit machen in Hosta-Kreisen relativ neue Hosta-Krankheiten von sich Reden. Im Gespräch mit Jan war von aktuell 12 Viren die Rede.

Am meisten Information gibt es zur Zeit über das Hosta Virus X (HVX-Virus), aber auch andere Namen wie Arabis Mosaik Virus oder Tomato Ringspot Virus sind gefallen. Ich bin gebeten worden, besonders auch auf diese bedrohlichen Viren und den Umgang damit einzugehen, um die unguten Informationen möglichst vielen Gartenfreunden weiterzugeben. (Und bitte auch weitersagen!) Und: Als Funkien-Liebhaberin bin ich erstmal erschrocken.

Die ganz schlechte Nachricht: Gegen die Virus-Krankheiten ist wohl noch kein Mittel gefunden wurde. Die ein wenig bessere Nachricht: Jeder Hosta-Freund kann selbst ein Minimum dafür tun, sich keine Viren einzuschleppen und / oder zu verhindern, dass die Krankheit sich bei den Pflanzen im Garten ausbreitet, sowie die Informationen an andere Gartenfreunde weitergeben, so dass möglichst viele Bescheid wissen und die Krankheit eindämmen helfen können.

Die Virus-Krankheiten bedrohen ganze Hosta-Bestände, und man kann sie sich zum Beispiel durch das Kaufen neuer, infizierter Pflanzen in den eigenen Garten einschleppen. In den USA gab es wohl schon einigen Druck auf Hostaproduzenten, und man ist dort bemüht, virusfreie Pflanzen-Bestände zu schaffen. In Europa sind einige ebenso aufmerksam im Umgang mit den Viren, während andere noch gar nichts davon wissen.

Während in den USA viruskranke Pflanzen-Bestände vernichtet werden müssen, ist das damit hierzulande eben nicht unbedingt selbstverständlich, und es befinden sich große Mengen infizierte Pflanzen am Markt, insbesondere im Massensegment. Hauptproblem bei der Verbreitung ist die industrielle Produktion, vor allem bei viel verkauften Massensorten. Diese Pflanzen werden z.B. von (unbedarften) Gärtnereien im Großhandel als wurzelnackte Ware gekauft, und dann eingepflanzt, um sie für den Verkauf anzutreiben, so dass nicht mehr immer nachvollziehbar ist, woher die Ware genau kam. Bei diesem Produktionsweg liegen die Gefahren weit vor den Gärtnereien, die das tun, u.a. in der Ernte der wurzelnackten Pflanzen, die maschinell (mit Wurzelverletzungen) vom Feld gerodet werden, mit dem Dampfstrahler gereinigt usw. Die Viren sind durch Pflanzensaft übertragbar, und können damit bei diesen zellverletzenden Techniken sehr leicht schon in der Ausgangsware unglaublich weit verteilt worden sein. Deswegen ist das Kaufen von Pflanzen unklarer Herkunft riskant, selbst wenn sie gesund aussehen. Es gibt Funkien-Sorten, die den Befall schneller anzeigen (nach 1-2 Jahren) und andere, in denen er jahrelang (7,8,9 Jahre) unerkannt schlummern kann. Wie ich hörte, werden gelegentlich auch wissentlich kranke Bestände zum Tiefpreis verschleudert.

Daneben existiert eine Menge Halbwissen und Unwissen, beispielsweise glauben manche, dass Pflanzen das Virus überleben und sozusagen auskurieren könnten, und es daher nicht so schlimm sei. Viruskranke Hosta bleiben aber unheilbar kranke Pflanzen und potenzielle Ansteckungsherde. Sie gefährden die anderen, noch gesunden Pflanzen.

Hosta Virus X (HVX-Virus):

Hosta Virus X, erst nach der Jahrtausendwende überhaupt aufgetaucht, hat wohl verbreitungsmäßig schon epidemische Ausmaße. Pflanzen, die vor dieser Zeit gekauft wurden, sind damit erstmal sicher. HVX tötet Pflanzen nicht, kann aber in ihnen dauerhaft leben und eine Infektion ist u.U. erst nach Jahren durch Blattveränderungen und -deformationen optisch sichtbar. In dieser Zeit der Unbemerktheit, gepaart mit Unwissen, kann durch Unvorsichtigkeit auch vom Hobbygärtner von der Trägerpflanze auf andere Pflanzen ordentlich was weitergegeben werden.

Bei festgestelltem oder vermutetem HVX-Befall muss (müsste) bei Produzenten aus Sicherheitsgründen der gesamte Pflanzenbestand vernichtet werden, in dem sich das Virus bereits unerkannt ausgebreitet haben könnte. Im Privatgarten nicht unbedingt, da die Pflanzen ja häufig nicht aus denselben Partien stammen. Jedenfalls sollte man Pflanzen mit Krankheitszeichen baldmöglichst vorsichtig aus dem eigenen Bestand entfernen und vernichten. Grabegabel verwenden, um möglichst wenig Wurzelverletzungen dabei zu erzeugen. Andere Pflanzen weiter beobachten. Die gute Nachricht: Zumindest keine Dauerseuche, die man nicht mehr los wird. Das Virus kann ohne den Wirt nicht überleben. Nachdem mit HVX befallene Pflanzen mit möglichst viel Wurzelwerk aus dem Boden entfernt wurde, und ungefähr 1 Jahr Wartezeit, bis auch Restwurzeln abgestorben sind, können gefahrlos an derselben Stelle im Garten wieder gesunde Hosta gepflanzt werden.

Es gibt wohl Testsets („Elisa kit, HVX Immunostrip„) zur Feststellung, ob man HVX oder andere Viren vor der Nase hat, aber diese sind recht teuer und nur größeren Gebinden für Erwerbsgärtner sinnvoll, also für unsereinen nicht unbedingt zweckmäßig. Hobbygärtner sollten die Blattschäden und Symptome erkennen können und dann sicherheitshalber handeln und die befallenen Pflanzen, bzw. falls man geteilt hat die befallenen Sorten, entfernen und vernichten. Am besten verbrennen. Verschiedene Viren treten auch zusammen in Kombination auf, aber letztendlich ist es wurscht, was man genau vor der Nase hat. Für alle gilt die gleiche Empfehlung!

HVX-Übertragung

Das HVX-Virus wird vor allem durch kontaminiertes Arbeitsgerät beim Beschneiden von Funkien (Blütenstiele abschneiden, Teilung von Funkien-Horsten) übertragen. Wie eben auch durch die Verwendung kranken Pflanzenmaterials (z.B. durch Roden und Dampfstrahl-Reinigen) von Gärtnereien/Züchtern. In der Folge sind dann alle Nachzuchten infiziert, auch wenn man es über Jahre vielleicht nicht sieht.

Wer von HVX nichts weiß, wie ich bis vor kurzem, kann mit undesinfizierter Gartenschere prima Überträger-Dienste leisten, weil halt über Pflanzensaft übertragen wird, schon wenn er seine Hosta vermehrt oder mit der Gartenschere Verblühtes an verschiedenen Pflanzen ausputzt. Ich hoffe, dass ich es nicht schon hier habe, wirklich! Habe alle Funkien im Frühjahr mit demselben Messer geteilt, um Ableger für Garten 2 zu machen. :-( Es ist immerhin zum Glück nur eine aus ungesicherter Quelle dabei. Ich hoffe also noch, verschont zu bleiben.

HVX scheint sich im Moment ansonsten weder über den Boden/Nematoden noch sonstwie zu verbreiten, ist so gesehen also ein zur Zeit schwerer zu verbreitendes Virus als andere.

HVX-Symptome

Probleme bei der HVX-Erkennung: Es gibt Funkien-Sorten, die Schnell-Symptom-Zeiger nach wenigen Jahren sind, wie z.B. die Massensorten Striptease, Blue Cadet, Sum and Substance und ihre Abkömmlinge, Gold Standard, und solche, bei denen es erst nach vielen Jahren optisch zum Ausdruck kommt, wie z.B. Halcyon, von der es zur Zeit noch kaum Bildmaterial von befallenen Pflanzen gibt, weil das eben so lange dauert, bis man es sieht. Und die Symptome zeigen sich dummerweise optisch je nach Sorte auch etwas unterschiedlich.

Die drei HVX-Hauptsymptome, die in unterschiedlichen Sorten aber unterschiedlich erscheinen, werden im folgenden beschrieben und bebildert. Es müssen nicht alle drei an derselben Pflanze erscheinen. Manche Hosta neigen mehr zu Inkbleed, andere mehr zu Collapsing Tissue etc. Planthunter, Hobbygärtnerin, die gerade im eigenen Garten in einem großen Bestand von HVX heimgesucht wird :-(, hat dazu Bilder zur Verfügung gestellt, und ein Hosta Virus X-Blog zu den Entwicklungen an ihren Hostas in ihrem Garten eröffnet. Vielen Dank dafür!

1. Einblutungen aus den Blattadern, farblich vom Blatt unterscheidbar („Inkbleed“).

Aus den Blattadern breiten sich Zellveränderungen ins Blattgewebe aus. Je nach Hosta-Sorte können sie verschiedene Farben haben. Wichtig zur Diagnose ist immer auch die Durchsicht. Das Blatt also auch mal gegen das Licht prüfen. Die virosen Stellen scheinen im Gegensatz zum sonstigen Gewebe durch.

2. Blattveränderungen, abgegrenzte Funkienblatt-Bereiche sehen aus wie eingetrocknet, das Blatt stirbt jedoch nicht komplett ab. („Collapsing Tissue“)

3. Marmorierte / gesprenkelte Blätter („Mottled Tissue“).

Unwissende denken manchmal, eine neue Mutation im Garten zu finden, wenn eine Hosta mit marmorierten Blättern erscheint. In diesem Fall ist es aber ein Krankheitszeichen. Es scheint noch nicht sicher, ob das Symptom auch mit HVX zusammenhängt, oder weitere vorhandene Viren wie das Arabis Mosaik Virus die Haupt-Verursacher sind.

Damit Ihr ein Gefühl dafür entwickeln könnt, wie so etwas je nach Sorte erscheinen kann, gibt es jetzt eine Bilderflut. Planthunters Bilder zu verschiedenen virosen Hostas, die Sorte ist beim Drüberfahren sichtbar. Sie hat 150 Hostas, davon schon 25 entfernen müssen. Mein Beileid und alles Gute für die nächste Zeit!

hosta Sum and Substance hvx

hosta Sum and Substance hosta virus

hosta Sum and Substance 3

hosta Betsy King 2

hosta-Bettsy King

hosta Betsy King 3

hosta Betsy King 4

hosta Little Wonder 2

k-Little Wonder hvx

hosta-Little Wonder 3

hosta-Unbekannt 2

hosta Unbekannt 3

hosta Unbekannt 4

hosta-Unbekannt hosta virus

hosta-Chantilly Lace 2

hosta Chantilly Lace hvx

hosta Lady Guinivere 2

hosta Lady Gunivere 3

hosta Lady Guinivere hvx

hosta Lady Guinivere 4

hosta Unbekannt 5

hosta Twist of Lime krank

hosta Twist of Lime hosta virus

hosta Bettsy King hvx

hosta So Sweet

hosta So Sweet hvx

hosta So Sweet 3

hosta So Sweet 2

hosta Wide Brim hvx

hosta Wide Brim

funkie Kifukurin ko Mama

hosta Kifukurin ko Mama 2

Hosta Virus X-Gegenmaßnahmen / Prävention: Was wir tun können

1. Sich über die Symptome informieren und die Bilder dazu anschauen, um kranke Pflanzen überhaupt erkennen zu können!

2. Auf keinen Fall Pflanzen aus Beständen kaufen, in denen man optisch die geringsten Symptome ausmachen kann! Hosta unklarer Herkunft, speziell aus dem Massensegment in großen Märkten, sehr misstrauisch beäugen. Die großen Hostaproduzenten/Labore haben mittlerweile schon sehr viel dafür getan, virusfrei zu züchten, aber wohl nicht alle Produzenten in diesem Markt. Einige Züchter arbeiten kostenintensiv explizit daran, ihre Bestände virusfrei zu halten, andere nicht. Die Produktionsmethoden sind dort auch anders (Labor mit virusgetestetem Pflanzenmaterial oder Teilung nur im virusfreien eigenen Bestand, statt Massenrodung). Manche Massengeschäft-Pflanzenerzeuger wissen zum Teil noch nicht mal von der Existenz der Krankheiten. Ggf. mal zur Einstellung des Verkäufers zu den Virusgeschichten und Herkunft der Pflanzen ein paar Fragen stellen, wenn Ihr irgendwo Pflanzen kaufen wollt! Dann merkt man sicher recht rasch, ob und inwieweit jemand informiert ist und auf saubere Ware ausgerichtet.

3. Potenziell kranke Hosta(-Sorten, -Bestände) im Garten, die einschlägige Symptome aufweisen, SOFORT VERNICHTEN, und erst nach Wartezeit, bis alle Wurzeln im Boden abgestorben sind, wieder neue, gesunde Hosta pflanzen. Vorsichtig ausgraben mit der Grabegabel, damit nicht der Spaten die Wurzeln zerhackt und über die Schnittstellen durch Virus-Saft eventuell benachbarte Pflanzen infiziert werden. Vergiften der befallenen Pflanzen soll wohl auch möglich sein, um das Ausgraberisiko entfallen zu lassen, aber Funkien sind verdammt zähe Geschöpfe, und das kann lange dauern. Vor allem, wenn es große alte Pflanzen sind. Ich persönlich würde lieber vorsichtig ausgraben, als dass ich noch ewig an der Pflanze rumgifte.

4. Bei allen Arbeiten an den Pflanzen (Ausputzen, Teilung, Blütenstiele oder alte Blätter abmachen etc.): Möglichst nur reißen, Schneiden vermeiden. Bei Schnitten: Hygiene, Hygiene, Hygiene! Schneidewerkzeug / Hände nach jeder Benutzung an einer Funkien-Pflanze und vor der nächsten reinigen und desinfizieren (Salmiakgeist, Spiritus, Alkohol oder über Feuer desinfizieren), um eine Verschleppung von Viren durch potenziell kranken Pflanzensaft zu verhindern. Auch bei Pflanzen, die (noch) keine Krankheitsanzeichen zeigen. Blütenstiel-Teile lieber durch einen schnellen Ruck abreißen als Schneiden. Alte Blätter nicht im Herbst abschneiden, sondern erst nach dem kompletten Eintrocknen im Winter oder Frühjahr entfernen, wenn sie von selbst abfallen. Möglichst alle „saft-verteilenden“ Praktiken vermeiden.

andere Viren, Arabis Mosaik Virus etc.

Alle Hosta-Viren scheinen recht neu zu sein. Über andere gibt es nicht so viel wie über HVX bislang, allerdings im Zweifel Maßnahmen wie siehe oben.

Es gibt darunter auch solche Krankheiten, die einfacher übertragbar sind als HVX und z.B. durch Nematoden im Boden übertragen werden (z.B. Arabis Mosaik Virus), und damit dann auch in der Lage sind, nach Entfernung der Pflanze länger im Boden zu überdauern. Dieses Virus hat wohl eine ganze Menge Wirtspflanzen, u.a. Arabis (Gänsekresse), Bohnen, Wein, Kürbisgewächse etc. :-(

Andere Blattflecken

Nicht jeder Blattfleck auf einer Hosta muss ein Virus sein. Beispielsweise kommt es auch zu Flecken/Verbrennungen, wenn nach einem Regenschauer Tropfen auf den Blättern in der Sonne einen Brennglaseffekt, und damit einen punktuellen Sonnenbrand, auslösen. Ebenfalls kann es wohl bei Frost im Frühjahr unter Nässeinwirkung zu ähnlichen Schadbildern kommen. Die nachfolgenden Blätter sollten dann aber gesund sein. Wer Zweifel hat, ob er potenziell HVX-/virose Pflanzen im Garten hat, kann Bilder davon gern an Volker / Planwerk schicken, der da dann mal drauf guckt. Bitte keine Riesendateien schicken, also vor Versand verkleinern, z.B. auf 400 px Breite, wie auch wenn Ihr was fürs Gärtnerblog schickt, und bitte auf alle Fälle auch eins in Durchsicht-Perspektive gegen das Licht dazupacken.

Für die vielen Informationen, die Gesprächsbereitschaft und die Bilder danke ich Jan, Planthunter!

Weiterführende Information zu HVX und Hosta-Viren:

Planthunters HVX-Blog zeigt Bilder ihrer betroffenen Sorten

Bilder von betroffenen Hosta sieht man auch auf Hostalibrary

Lest auch mal die Hosta-Virus-Mythen durch für ein besseres Verständnis der Krankheiten!

HVX-Forum bei perennialnursery.com

Jeder, der was weiß, möge bitte ergänzen! Und wie gesagt: anderen Gartenfreunden weitersagen. Es ist noch viel zu wenig Wissen hierüber unter den Gärtnern.

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1 Kommentar bisher

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Jutta Heil, 02. August 2016, 11:13

Hallo, meine Hosta faulen jeweils am Stilansatz ab, das meistens nach der Blüte. Die Blätter werden erst gelb und dann ist der Stilansatz wie abgefressen (sieh aus wie ein Pilz). Wer kann mir helfen?

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