Gärtnerin · 18. August 2009, 11:29

Klostergarten Maria Laach

Liebe Gärtnerin,

da ich Deine Beiträge (und natürlich auch die Gastbeiträge der anderen) immer sehr amüsant, informativ und hilfreich finde, möchte ich auch etwas zum Gärtnerblog beisteuern. Auf dass er wachse und gedeihe!

Anlass meines Beitrags ist ein Besuch in der Klostergärtnerei Maria Laach, von dem ich gestern Abend zurückgekehrt bin.

Als meine Familie vor einigen Wochen auf die Idee kam, man könne doch mal einen Ausflug nach Andernach machen, dachte ich zunächst an nichts Aufregendes. Als mein Schwiegervater dann aber fragte, ob wir nicht in einem Aufwasch zum Kloster Maria Laach fahren könnten, horchte ich auf. Mein Suchtzentrum meldete sich sofort, denn in Maria Laach gibt es eine Klostergärtnerei!!! Ich war vor etlichen Jahren mal mit meiner Mutter dort, natürlich nicht, ohne einen Haufen photosynthetisierender neuer Freunde mit nach Hause zu nehmen. Gestern war es dann wieder so weit: Auf dem Rückweg von Andernach machten wir dort Halt. Ich schickte die anderen ins Kloster und verschwand selbst im grünen Paradies.

Der Besucherteil der Gärtnerei ist im Prinzip dreigeteilt (also der Bereich, in dem verkauft wird. Den Rest kann man soweit ich informiert bin nicht ohne Weiteres besichtigen. Im Kloster zeigt man hat nicht gerne Reproduktion live. ;-) Man landet als erstes im Zimmerpflanzenabteil. Das ist leider eher übersichtlich. Viele Raritäten hat die Gärtnerei nicht im Angebot, eher Standardmitbringsel für den Verwandtenbesuch (Schwiegermutterstühle und dergleichen). Nach Hoyas z. B. suchte ich vergeblich.

klostergärtnerei maria laach

Allerdings gibt es in Maria Laach die schönsten, rundesten Erbsen am Band, die ich kenne. Das war damals schon so und ist so geblieben. Vermutlich legt man dort viel Wert auf fromme Pflanzen, immerhin nennt man Senecio Rowleanus auch “Rosenkranz”. In unserer Gegend bekommt man die Erbse nur in einer etwas langgezogeneren Variante. Ich konnte mich so gerade noch beherrschen und habe diesmal keine gekauft. Ich wollte meine einheimische Erbse nicht unter Konkurrenzdruck stellen. Leider habe ich vergessen, von den Erbsen ein Bild zu machen.

Im Mittelteil des Ladens finden sich gemischte Pflanzen; ein paar Zimmerpflanzen, die man über den Sommer nach draußen stellen könnte, einige Kübelpflanzen, Sämereien usw. Insgesamt eher langweilig. Interessant wird es dann im Außenbereich.

klostergärtnerei maria laach 3

Der ist von der Größe her überschaubar, aber sehr gut sortiert. Ich habe alleine ca. 12-15 verschiedene Sorten Minze gesehen. Von obstduftenden Sorten (Apfel, Mandarine, Erdbeer, Ananas etc.) über länderspezifische Varianten (Englische war auf jeden Fall dabei. Leider bin ich eine Niete in Geographie, weshalb ich mir die anderen
Länder nicht gemerkt habe) alles da. Kräuter und Heilpflanzen gibt es in rauen Mengen dort, wie es sich für einen Klostergarten gehört.

Auch die Staudenabteilung ist sehr abwechslungs- und umfangreich. Es gab z. B. ca. 6-8 verschiedene Funkien (bei uns hat das größte Gartenzenter gerade mal 2 zur Auswahl, mit viel Glück 3). Leider konnte ich keinen der unsichtbaren Angestellten ausfindig machen, sonst hätte ich nach dem Umgang mit dem Funkien-Virus gefragt. Auch einige Staudenraritäten sind zu erwerben und viele Pflanzen, die man bei uns nur zur Saison kaufen kann. Steingärten lassen sich mit dem dortigen Angebot genauso gut bestücken wie Sumpfgärten, denn es gibt auch eine kleine aber feine Abteilung nur für Pflanzen, die gerne nasse Füße haben. Die Stauden sind thematisch sortiert. Bis auf wenige Ausnahmen sahen die Pflanzen gesund und munter aus (dem türkischen Drachenkopf war aber wohl im Gegensatz zu seinen Gärtnern aufgefallen, dass er nur einjährig ist. In den Töpfen standen nur noch abgeschnittene kahle Stengel).

Die Obst-Sektion hat mich ein bisschen enttäuscht. Normales Gartencenter-Repertoire, und besonders die Beerensträucher sahen nicht gerade gepflegt aus. Immerhin gab es Mitte August überhaupt noch Beerenobst (und auch noch einige Salat- und Gemüsepflanzen), aber von den kränklichen Sträuchern hätte ich keinen haben wollen (und das, obwohl ich in Bezug auf Pflanzen sehr mit Mitleid geschlagen bin). Sah teilweise nach Mehltau aus. Einige der Obstbäume trugen Früchte, aber
obwohl ich sonst die Finger auch in Gärtnereien nicht davon lassen kann, haben mich die mickerigen Erträge nicht zum stibitzen animiert.

Besonders drollig fand ich allerdings die Möglichkeiten zum Pflanzentransport. Neben den üblichen Körbchen, die für den Standardgartenfreak schnell zu klein werden, stehen im Außenbereich flache Schubkarren herum. So etwas Profanes wie Einkaufswagen gibt es im Kloster natürlich nicht. Hier ein Bild meiner Beute im Fluchtwagen:

klostergärtnerei maria laach 2

Wenn man sowieso in der Gegend ist und noch ein bisschen Platz im Auto hat oder sowieso gerade einen seiner mitreisenden Verwandten gegen ein sympathisches schweigsames Laubgehölz austauschen möchte, lohnt ein Besuch. (Das Kloster an sich soll auch ganz schön sein, hab ich mir sagen lassen…) Die Gegend ist bezaubernd, in direkter Nähe liegt der Laacher See, unbedingt sehenswert, wenn man nach der Anstrengung in der Gärtnerei – schließlich muss man stundenlang aussortieren, was man NICHT mitnimmt – noch ein bisschen Entspannung braucht.

Viele herzliche Grüße,
Bianca

Vielen herzlichen Dank für´s Mitnehmen, Bianca! Sehr informativ und amüsant! Besonders gefallen hat mir ja die Tauschmöglichkeit: “einen seiner mitreisenden Verwandten gegen ein sympathisches schweigsames Laubgehölz austauschen möchte …”. *feix*

Ich habe schon viel von der Klostergärtnerei Maria Laach gehört, weil meine Tante dort gelegentlich Besucherin ist, schon mal eine Kräuterführung in der Kräutergärtnerei mitgemacht hat, und schon mehrmals spannende Pflanzen für den Garten oder für drinnen mitgebracht hat. Und ich meine, dass die Goethepflanze auch da her kam … Auch den Erbsen-am-Bande-Einkaufstipp finde ich ziemlich gut. Ich hatte als Teen mal eine Pflanze mit ganz runden Erbsen, und bin immer enttäuscht, wenn ich die Kauf-Pflanzen in den Geschäften heute dagegen sehe. Wenn ich in die Nähe komme, werde ich auch mal in Maria Laach vorbeimarschieren. ;-)

eingewurzelt unter: Gartenbesichtigung

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1 Kommentar bisher

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Kinder-gärtnerin, 18. August 2009, 16:39

Danke für den tollen Tipp! meine Freundin wohnt dort in der Nähe (sie hat den grünsten Daumen, den ich kenne) und wenn ich sie nächstes mal besuche, müssen wir unbedingt mal zusammen hin!

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