Gärtnerin · 24. August 2009, 10:36

Maikäfer-Plage 2010 – was tun?

Ich habe den für meine Region in Südhessen / Rhein-Main so typischen Kiefernwald ehrlich gesagt von klein auf nie gemocht.

Erstens, und wichtigstens: Weil der Anblick der dürren Bäume mit oben wenig Nadeln und unten Bohnenstange immer das Ende der Ferien ankündigte, und schon von der Autobahn aus “leider wieder zu Hause” signalisierte, während die saftigen, humosen Mischwälder und Laubbäume anderswo für das genaue Gegenteil standen. Bis heute gerate ich in Verzückung, wenn ich an einem sonnigen Tag eine Wald-Straße unter Laubbäumen befahren darf, und das Satt-Grün der Blätter durch die Sonne glitzert. Das liegt an den Kiefern hier, mit denen das einfach nicht funktioniert.

Zweitens, weil untendrunter freiwillig von selbst überhaupt nichts wächst, und auf dem versauerten, sandigen, trockenen Ödboden höchstens Nadeln und Zapfen rumliegen, die einem selbst am Badesee das Gefühl von Wandeln in der Wüste vermitteln.

Und drittens, weil die Bäume für meinen Geschmack ästhetisch nie so der Knaller waren, und als Immergrüne auch irgendwie keine Jahreszeit kennen. Geschweige denn, dass ich sagen könnte, man sieht sie wachsen. Irgendwie kann ich auch nach Jahrzehnten keine große Veränderung an ihnen feststellen. Aber: Kiefern werden Jahrhunderte alt, und lassen sich dabei vielleicht einfach nicht so zusehen. Insgesamt also mein Urteil: Unschön und langweilig!

Drum habe ich sie lange nicht mehr so richtig betrachtet. Gestern schon, bei einem abkühlenden Wald-Spaziergang. Ich weiß, dass für 2010 eine große Maikäfer-Plage in unserer Region ansteht, die ganze Waldbestände bedroht. Und als ich das ungeliebte Gehölz so vor mir sah, konnte ich beim Gedanken, dass die Riesen vielleicht doch dann mal fehlen sollten, vermutlich erstmals ein Gefühl von Bedauern nicht unterdrücken. Sie gehören halt doch dazu. *seufz*

waldkiefer südhessen

kiefernwald

kiefer typisch für rhein-main

Maikäfer-Flug und Eiablage 2010

Maikäfer bevorzugen Laubbäume als Nahrung, aber den Engerlingen ist es, soweit ich weiß, egal, an welchen Wurzeln sie im Boden ihr Unwesen treiben. Engerlinge können Bäume umlegen. Auf die kommende Maikäfer-Plage – die fliegen alle 4 Jahre in großer Zahl – ist schon in den letzten Jahren diverse Mal hingewiesen worden. Ich habe zuletzt in Nähe der Bergstraße 2002 das Missvergnügen gehabt, mitten durch eine von Maikäfern besetzte Stadt laufen zu dürfen. Ekelhaft ist das, ehrlich! Ich kann nicht verstehen, dass man diese Viecher so putzig findet, dass man sie auch noch aus Schokolade kaufen muss.

Die Käfer fressen die Bäume kahl, es stinkt wie die Pest, die Käfer prasseln einem überall entgegen, pflastern vermatscht die Straßen …. Seitdem fürchte ich die über die Jahre berichtete Entwicklung, dass sie sich stetig ausbreiten und weiter in unsere Richtung vorarbeiten.

Die Maikäfer-Plage 2010 soll bis nach Groß-Gerau hoch reichen, also sind die Bäume oben auch potenziell gefährdet, wenn sie dort mit der Eiablage beginnen, oder schon begonnen haben, und sich dann im hervorragend durchlässigen Wüsten-Sand-Boden Engerlinge in großer Zahl entwickeln. Aktuelle Meldung zum Status der kommenden Maikäfer-Plage in der FAZ

Bei den Maikäfern und der Frage der Bekämpfung bin ich ebenso hin und her gerissen, wie bei anderen Dingen in letzter Zeit. Die Standpunkte aus dem Artikel dazu:

“Der Naturschutzbund (Nabu) lehnt eine chemische Bekämpfung der Käfer ab. Das Mittel vergifte nicht nur Maikäfer, sondern schädige auch zahlreiche andere Insekten, darunter bedrohte Schmetterlings- und Käferarten. „Es müssen die Ursachen bekämpft werden, nicht die Symptome“, sagte der hessische Nabu-Landesvorsitzende Gerhard Eppler laut Mitteilung in Wetzlar. Ursachen seien zum Beispiel der tiefe Grundwasserstand und die Klimaerwärmung. Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) dagegen meint, angesichts der schweren Bedrohung für die Wälder sollte auch ein Gifteinsatz nicht ausgeschlossen werden. Es sei zwar nicht das beste Mittel, „aber ein Aussitzen hätte fatale Folgen“, sagte SDW-Landesgeschäftsführer Christoph von Eisenhart Rothe. „Wenn nichts passiert, wird es in nur sehr wenigen Jahren eine großflächige Entwaldung zwischen Lampertheim und Frankfurt geben.“”

Großflächige Vergiftung “schmeckt” mir nicht. Genauso wenig aber der Fokus auf langfristige “Ursachenbekämpfung”. Bis wir den Grundwasserspiegel gehoben und die Klimaerwärmung abgestellt kriegen, wenn den überhaupt, haben wir dann wohl eher keine Bäume mehr. Ich finde es so schwierig, zwischen Teufel und Beelzebub zu entscheiden in einer aus dem Gleichgewicht geratenen Umwelt. Dem Wald oder den Viechern Vorrang gewähren?! Tendiere leicht zum Wald und damit zum Gift. Denn wo sollen die Viecher längerfristig hin, wenn die entsprechende Umwelt weggefallen ist.

Ein ganz tolles Dossier zum Leben und der Entwicklung des Engerlings und des Maikäfers einschließlich Abwägung der Bekämpfungs-Optionen oder auch nicht unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten habe ich übrigens hier gefunden. Habt Ihr ne Meinung dazu?! Wie da dann entschieden wird, bleibt jedenfalls spannend.

Maikäfer-Schutz-Tipps für den Garten?

Dem nächsten Frühjahr mit extremem Maikäfer-Flug sehe ich mit Unbehagen entgegen. Den obigen Baum-Riesen wünsche ich für die nächsten Jahre viel Glück und noch ein langes Leben. Merker fürs nächste Frühjahr: Ich denke, dass ich die Kübelpflanzen so lange wie möglich drin lassen werde. Vielleicht gelingt es, Fraßschäden und Eiablage im Blumentopf so wenigstens an diesen zu verhindern. Maikäfer fliegen ja im April/Mai nur ungefähr vier Wochen, und danach ist´s vorbei. Ansonsten würde mich interessieren, wie südlichere Gärtner in Maikäfer-Plage-Gebieten damit umgehen, welche Strategien Ihr entwickelt habt, und ob es Maikäfer-Tipps von Euch gibt. Wäre super, Erfahrungen von der “Front” zu hören.

mehr Käfer
Maikäfer-Plage
Marienkäfer-Larven

eingewurzelt unter: Gehölze

Alle anzeigen mit Stichwort:

Vor einem Jahr
Garten-Erika-Gräser-Angebot ab 25.8., Datura stramonium - Gemeiner Stechapfel?, Buchsbaumzünsler - neuer Buchsbaum-Schädling



14 Kommentare bisher

Kommentieren
Distel, 24. August 2009, 12:56

Ich kenne mich mit Maikäfern überhaupt nicht aus. Gut also, dass du mal auf die Gefahr hin weist.
Aber zu den Kiefern muss ich sagen, dass ich sie sogar gerne sehe. Mich erinnern die kleinen Kiefernwäldchen hier immer an den Urlaub an der französischen Atlantikküste und damit an Sommer, Strand und Meer. Außerdem finde ich, sie reichen gut und sommerlich. Aber das wird wohl ganz davon abhängen, was für Erfahrungen man damit gemacht hat.

Für weitere Tipps zum Thema Maikäfer wäre ich sehr dankbar.

LG, Distel

Kinder-gärtnerin, 24. August 2009, 13:25

Ich gestehe, hab mit meinen über 40 Jahren noch nie im Leben einen Maikäfer gesehen :-(
Mir fällt spontan das Lied von Reinhard Mey ein*lach*, aber Kiefern mag ich auch, nur nicht im eigenen Garten, da gibts kein einziges Nadelgehölz.

Cornell, 24. August 2009, 14:34

Ich habe in diesem Gebiet nuelich eine Radtour gemacht… ich fand das sehr schön

Ringo, 24. August 2009, 17:19

Mal ein Wort zu den Kiefern: Ich liebe den Anblick! Die strahlen auf mich eine unheimlich angenehme Ruhe aus. Besonders auf deinen Fotos! Da wuseln keine Blätter umher und das beruhigt…mich jedenfalls. ;-)

Gärtnerin, 24. August 2009, 20:32

Ja, ok, schärmt nur, ist ja schon gut. :-) Ich mag Pinienwälder auch, wo sie hingehören. Möglicherweise war ich doch zu ausschweifend, denn das andere Thema brennt mir bedeutend mehr auf den Nägeln. Distel und Kinder-gärtnerin, da ich weiß, dass Ihr aus dem näheren Umland kommt, kriegt Ihr nächstes Jahr ganz sicher was zu sehen, denke ich. :-(

Sus, 24. August 2009, 23:39

Um auch nochmal off-topic zu sein: Ich mag Kiefern auch nicht; am meisten stört mich der Geruch.

Ich mag Maikäfer, seitdem sie vor Aberjahren im Urlaub am Bodensee die Birke vor’m Haus bevölkert haben und sich klaglos einfangen ließen. Knapp 15 Jahre später ging’s der Birke immer noch gut.

Bis jetzt haben mich die jährlichen Mai-
und Junikäfer-Vorkommen im Garten (ja, es fliegen auch ein paar asynchron) noch nicht gestört, auch 2006 nicht. Ab und zu finde ich einen Engerling beim Umgraben, aber eigentlich eher selten. Müßten es nicht schon viel mehr sein, wenn die nächstes Jahr ‘flügge’ werden?

Ach ja, bezgl. Schokoladen-Maikäfer: In früheren Zeiten erschufen die Menschen von ihren Feinden Abbilder, um sie rituell zu verzehren. :-)

… Wenn man Wikipedia glauben darf, wurden früher echte Maikäfer als Konfekt verzehrt. Das ist dann wahrscheinlich der Ursprung von Schoko-Maikäfern. …

Liebe Grüße, Sus

Gärtnerin, 25. August 2009, 00:15

Ja, so ist der Status bislang hier auch mehr oder weniger, Sus. Klar müssten es schon viel mehr sein, die nächstes Jahr flügge werden. Vielleicht kommt Dir auch zugute, dass dein Garten noch recht jung ist / Bodenbearbeitung in den letzten Jahren und so, oder Du liegst nicht ganz im Fresskorridor, was zu wünschen ist. Ich hab dieses Jahr in Garten 1 nicht viel gegraben, so dass ich dazu nichts sagen kann, aber die länger nicht umgetopften winterharten Kübelpflanzen, die im Frühjahr neue Erde unter die Füß gekriegt haben, hatten massig Engerlinge im Schlepptau, von daher kann ich das Gelesene glauben. :-(

Ok, das mit den Abbildern lass ich mir durch den Kopf gehen. Macht vielleicht Sinn. Könnte die Schluckbeschwerden beim Verzehr der geschenkten Abbilder vielleicht reduzieren helfen. Meistens marschieren sie deswegen ohne Pappfüße in Rührkuchen. :-)

Bianca, 25. August 2009, 00:23

Grrr, also die Vorstellung von echten Maikäfern als Nachtisch finde ich schon ziemlich eklig…

Tja, die Sache mit den Maikäfern ist wieder eines der Dilemmata, die durch nachhaltige Nichtnachhaltigkeit entsteht… Irre ich mich, oder gab es in letzter Zeit hier sehr viele Artikel zu Tieren, die sich unverhältnismäßig stark vermehren oder an Stellen zu finden sind, wo sie nicht hingehören?

Ich finde es auch schwierig, zwischen Regen und Traufe zu entscheiden (stehe ja aktuell bei meinem Dickmaulrüsslerproblem vor einer ähnlichen Entscheidung). Aber bevor ein ganzer Wald stirbt, würde ich wohl eher zum Gift greifen. Leider war in dem Dossier nicht genau erklärt, wie denn die zur Verfügung stehenden Mittel wirken. Eigentlich müssten die Förster mit systemischen Giftstäbchen durch den Wald ziehen und nur die Bäume damit bestücken, die auf dem Speiseplan der Käfer stehen…

Ne, eine gute Lösung gibt es für das Problem wahrscheinlich einfach nicht (und erst recht keine schnelle). Und wenn es bislang noch kein Mittel gibt, das ausschließlich gegen Maikäfer wirkt, ist offenbar bei der Vergabe der Forschungsmittel mal wieder gepennt worden. Wenn das Problem schon so lange bekannt ist, hätte man doch längst ein entsprechendes Mittel entwickeln können (klappt ja bei Schutzimpfungen und Co. meistens auch recht zügig).

Aber damit wären wir wieder am Anfang: Dem Problem mit der Nachhaltigkeit…

Henri, 25. August 2009, 01:34

Ich habe von Heuschreckenschwärmen in Afrika gehört, die den Himmel verdunkeln und ganze Landstriche kahl fressen, darum trete ich hier noch lange nicht auf Heuschrecken drauf, um vorzubeugen.

Auch ist mir aufgefallen, dass durch den Schutz der Kormorane in Deutschland, es immer weniger Fisch auf der Welt gibt. Es gibt auch mehr Rabenvögel, die ja bekanntlich Eier und Junge von Singvögeln fressen. Jetzt weiß ich auch, warum das in meinem Garten immer weniger werden.

Viele Menschen haben noch nie einen Maikäfer live gesehen, wo doch alle 4 Jahre so eine Plage ist. Und erst die Marienkäferplage an der Ostsee, das war kein schöner Badeurlaub.

Ich denke ohne Mensch und Gift würde es der Natur bedeutend besser gehen und es regelt sich alles von selbst. Maikäfer gab’s vor 100 Jahren noch viel mehr, haben die sich etwa selbst die Lebensgrundlage weggefressen?

Nein, nein, so leicht darf man sich das nicht machen und immer gleich alles mit der chemischen Keule regeln, und warum ist ein vermehrtes Auftreten immer gleich eine Plage. Würde der Wald alle vier Jahre wie verrückt Speisepilze beherbergen, spricht jedermann von einem super Pilzjahr. Man sollte Dingen auch mal ihren Lauf lassen.

Sus, 25. August 2009, 12:41

@Gärtnerin: Aber die Alufolie machst Du doch noch vorher ab?

Liebe Grüße, Sus

Gärtnerin, 26. August 2009, 10:51

Ich bin auch dafür, den Dingen ihren Lauf zu lassen, wenn die Natur nicht längst völlig aus den Angeln gehoben ist. Vor hundert Jahren waren die Verhältnisse wahrscheinlich auch noch anders.

Alles, was sich selbst regulieren kann, soll das auch tun, deswegen setze ich seit Jahren viel weniger Chemie im Garten ein, und das mit großem Erfolg. In bezug auf obige Frage bin ich wie gesagt am Zweifeln, weil wenn etwas menschgemacht völlig aus dem Ruder läuft, gilt möglicherweise auch: Wer A sagt, muss auch B sagen. Zu einfach darf es sich dabei m.E. keine Seite der oben vertretenen Standpunkte machen.

Alufole kommt selbstverständlich ab, Sus.

Stefan, 27. August 2009, 10:40

Bevor man überhaupt über die Vertretbarkeit der Maikäferbekämpfung diskutiert, sei der Hinweis erlaubt, dass bis heute nicht mal sicher ist, ob die Verseuchung ganzer Landstriche mit DDT in früheren Jahrzehnten überhaupt (!) Wirkung gezeigt hat. Denn wie geschrieben unterliegen die Bestände einer starken natürlichen Schwankung, die in Gebieten, in denen kein DDT ausgebracht wurde nicht kenntlich anders verlief.

Vor diesem Hintergrund sollte die Sache erst mal gründlich erforscht werden. In Südhessen laufen 2 Versuche zur biologischen Bekämpfung mit Neemöl und dem Bodenpilz Beauveria brongniartii.

Eine chemische Bekämpfung kommt für mich auch als Befürworter eines gezielten chemischen Pflanzenschutzes angesichts der nicht abschätzbaren Wirkung auf den Naturhaushalt nicht in Frage.

Auenlaender, 27. August 2009, 18:00

2006, gleich in unserem ersten Jahr als Gärtner, hatten wir hier auch massig Maikäfer. Diese Typen sind wirklich aufdringlich. Ständig knallen sie einem wie Kamikaze-Flieger direkt an den Kopf. Hatte das mit dem Vier-Jahres-Zyklus etwas verdrängt und “freue” mich dank Deiner Warnung nun schon auf die nächste Gartensaison.

Was das Verhältnis zu den Kiefern angeht, so war es bei mir genau umgekehrt. Wir waren oft an der Ostsee im Urlaub. Der Abschied von den Kiefern hinter den Dünen markierte häufig auch das verhaßte Ende der Ferien. Deshalb freue ich mich immer, wenn ich welche sehe. So ist das eben mit der Prägung in der Kindheit.

Gärtnerin, 28. August 2009, 15:54

Wieder mal danke, Stefan, für die profunde Bereicherung des Informationsstandes. Bin gespannt, was die Versuche dann ergeben.

Hey Auenländer, ich habe mal wieder nur auf meine Region geschielt. Wusste gar nicht, dass das Elbtal auch belagert wird. Na dann auf das nächste Gartenjahr und möglicherweise geteiltes Leid.

Witzig, wie sehr sich gelernte Ferien-Assoziazionen unterscheiden. ;-)

Kommentar hinterlassen

Deine Mailadresse wird nicht angezeigt.

zur Gartenblog-Startseite