Rotkohl-Farbstudien

10. Januar 2009 von Gärtnerin

Ein sehr interessanter Gastbeitrag von Janina zum Thema Rotkohl bzw. Rotkraut: Sie hat küchen-chemiewissenschaftliche Farbstudien mit Rotkraut gemacht. Hab ihn mit großem Vergnügen gelesen und denke, dass nicht nur Kinder an solchen Experimenten ihre Freude haben. Sendung mit der Maus? Ha! Gärtnerblog-Gastschreiber sind viel cooler! ;-)

Rotkraut oder Blaukraut?

Als ich vor Kurzem einen Krautsalat mit einem Rest Rotkohl zubereitet habe, spülte ich nach dem „Kneten“ des Krautes meine Hände in einer weißen Schüssel ab und war überrascht, dass das Wasser nicht, wie das Kraut, lila, sondern plötzlich von einem hellen Blau war.
Ich konnte mir das nur durch 2 Möglichkeiten erklären: Entweder änderte sich die Farbe, weil sie verdünnt wurde, oder das Rotkraut enthält einen sogenannten pH- oder Säure-Base-Indikator.

Ein kurzer Blick in Wikipedia brachte Gewissheit: die in Rotkraut enthaltenen Anthocyane haben pH-indikatorische Eigenschaften, das heißt, sie verändern, je nach pH-Wert ihr Farbe. Rosarot= sauer, lila bis blau= neutral, türkisgrün= basisch. Das musste ich genauer untersuchen und da ich von dem Ergebnis begeistert war, kaufte ich in der Woche drauf sofort einen weiteren kleinen Roktkraut-Kopf, um meine Experimente fotografisch festzuhalten.

Es sind Experimente mit alltäglichen Haushaltsmitteln, die aber einen spaßigen, farbigen Einblick in die Wunder der Chemie geben. Wenn ihr mal ne Stunde nichts zu tun habt, oder eure Kinder etwas an Chemie interessieren möchtet, empfehle ich euch, es einfach mal nachzumachen. Die Farben sind echt der Hammer!

Ich habe mich bemüht, alles mit meiner Kamera einzufangen, was allerdings auf Grund einer Schwäche meiner Kamera, Violett-Töne realitätsnah wiederzugeben recht schwierig war. Ein Grund mehr, es auch mal zu Hause auszuprobieren ;-)

Um einen groben Anhaltspunkt zur Farbe zu geben, steht neben jedem Probeglässchen eins mit der unbehandelten Anthocyan-Lösung drin. Wenn sich dessen Farbe ändert, liegt es lediglich an meiner Kamera, nicht an den weiteren Umständen. Es erscheint mal blauer und mal roter als es wirklich war. In echt war es eben Rotkraut-lila.

Zum Aufbau: Man nehme verschiedene, sauer oder basisch reagierende Haushaltssubstanzen, in meinem Fall: 60°C-Pulver-Waschmittel, 40°C-Flüssig-Waschmittel, Backpulver, Zitronensaft, Natron, Spülmaschinentabs, Zitronensäure, Essig, Kombucha, der schon sehr lange steht und zu Essig geworden sein sollte. Außerdem genügend Gläser für alle Substanzen, Messer, Brettchen, Rotkohl (Man braucht echt nur sehr wenig davon. Die Anthocyane sind sehr ergiebig.) und noch irgendwas zum Zerkleinern der Kohls. Ich habe dafür einen Drink-Stampfer benutzt, der sehr gut funktionierte, dafür aber, weil aus Holz, jetzt rosa gefärbt ist. Mal schaun, obs die Spülmaschine wieder raus kriegt.

rotkraut-experimente

Schneidet den Rotkohl in Teile. Ich fands klasse, welche Muster man mit den Blättern durch zerteilen erzeugen kann, aber soviel Rotkohl braucht man eigentlich nicht.

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Zuerst wollte ich eine etwa gleich große Scheibe in jedes Glas tun, …

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zerstampfen …

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und mit Wasser auffüllen:

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Dabei hilft es, auch mit dem Wasser drinne noch weiterzustampfen, damit eine satte Farbe entsteht:

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Leider wurde mir kurz darauf klar, dass es viel zu dunkel und konzentriert ist, um etwas richtiges zu erkennen und auch, um es richtig zu fotografieren, …

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weswegen es sinnvoll ist, vielleicht 3-4 Esslöffel gestampften Rotkohl in einem größeren Becher mit Wasser aufzufüllen, so dass eine stark gefärbte, aber noch durchschaubare Lösung entsteht:

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Die gefärbte Flüssigkeit dann am besten ohne Bodensatz auf die Gläser aufteilen.

Jetzt beginnt die richtige Panscherei, einfach die Haushaltssäuren und -basen zu den einzelnen Gläsern geben und staunen.

1) 60°-Waschmittel-Pulver: reagiert äußerst basisch -> grün (9)

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2) 40°-Waschmittel-Gel: reagiert nicht stark basisch. Scheinbar wird hier die Waschkraft eher durch Enzyme hervorgerufen als durch oft basische Tenside.

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3) Zitronensaft: reagiert stark sauer -> pink

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Achtet mal darauf, wie sich nur schichtweise die Farbe ändert und sich dann durch Molekülbewegung durchmischt, wenn ihr den Zitronensaft nur langsam hinzugebt:

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Die ersten drei waren einfach eine tolle Farbkombination, meiner Meinung nach.

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4) Backpulver: reagiert zu meiner Überraschung leicht sauer –> lila

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Eigentlich sollte das enthaltene Natriumhydrogencarbonat (Natron) basisch sein. Ein Blick auf die Inhaltsstoffe bringt Aufklärung: Säuerungsmittel. Diese werden zugegeben, um die basische Reaktion des Natrons, bei der Gas Kohlenstoffdioxid frei wird und das Gebäck locker macht, zu unterstützen und beschleunigen. Denn eine Base braucht eine Säure, um zu reagieren und umgekehrt. Aber dazu mehr in der Theorie.

5) Natron, diesmal alleine, ohne Säuerungsmittel: sehr schwach basisch. Die Farbänderung ist nicht sehr gut zu erkennen, aber Vorhanden.

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6) Spülmaschinentab: reagiert basisch, in etwa so stark wie das 60°-Waschmittel

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7) Zitronensäure: Reagiert natürlich sauer. ABer schaut euch den hübschen Verlauf an:

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8) Kombucha-Essig: auch ein hübscher Verlauf zum Sauren hin

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9) Essig: leider hatte ich nur noch dunklen Balsamico da, der natürlich die rosa Farbe überdeckt. Aber auch hübsch, das dunkelrot, oder?

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Hier nochmal das vereinte Ergebnis:

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Und das schönste zum Schluss: Alles zusammengießen! Zuerst die ganzen Säuren in eine weiße Schale und dann die Basen dazu: Je nach Stärke und Konzentration der Base kann es sein, dass man blau dazu gießt und sich überhaupt nichts ändert.

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Oder eben, dass es sich an der Eingießstelle leicht verändert:

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Man kann auch abwechseln. Säure-Base-Säure, jeweils bis zum Farbumschlag. Ist ein tolles Farbenspiel, aber dafür haben beim 2. Durchgang mit Fotoapparat leider meine Basen-Lösungen nicht gereicht.

Im Übrigen wäre damit auch die Uneinigkeit der Namen des Krautes geklärt. Je nach Boden-pH (sauer = Rotkohl; neutral-basisch = Blaukohl) und Zubereitungsart (mit Essig oder Zitrone = Rotkraut; mit Natron = Blaukraut) kann es ihn vielen Farbnuancen auftreten.

Vielen Dank, Janina. Sehr cool!

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5 Kommentare bisher

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Hey genial! Das ist genau das Richtige für Kindergarten und Grundschule!
Toller Einfall, Janina :)

Keisha, 10. Januar 2009, 15:11

Hast du Abflußfrei zu Hause? Ich denke, dass wir in der Schule dieses Rotblaukraut schon ziemlich gelb gekriegt haben…

Grüße,
Martin

Martin, 10. Januar 2009, 17:36

Ja. Rohrfrei ist mir leider zu spät eingefallen^^

Lg, Janina

Distel, 10. Januar 2009, 18:54

Spannendes Experiment. Vielen Dank dafür.

Sivie, 10. Januar 2009, 19:54

hab mal in botanik gelernt, dass die regional unterschiedlichen bezeichnungen (rotkraut, blaukraut..) auch auf diese unterschiedliche bodenbeschaffenheit zurückgehen.
wenn es nur bei brötchen, semmeln, wecken(?) .. ähnlich nachvollziehbar wäre :D

das experiment find ich cool ***g

Zimtspinne, 15. Januar 2009, 16:01

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