Schlämmprobe – Anleitung und Ergebnis

18. März 2009 von Gärtnerin

Zurück zur Bodenanalyse – Abteilung Schlämmprobe -. Ich hätte dazu schon vorgestern was schreiben können, aber dann kam mir die geniale Idee, auch noch eine Vergleichs-Schlämmprobe von Garten 1-Boden anzusetzen (Erde aus mitgebrachten Blumentöpfen geholt), damit man Unterschiede sieht. So dass ich zwei Tage rumgeschlämmt habe. Zunächst zum Warum und Wie:

Was verrät die Schlämmprobe, was daran ablesen

Durch diesen einfachen Bodentest kann man Näheres über die Zusammensetzung des Bodens erfahren, u.a. den Humusanteil, der für die Lebendigkeit und Fruchtbarkeit des Bodens steht, und andere Bodenbestandteile wie z.B. Steine, Sand, Ton und so weiter. Schlämmprobe heißt´s von “Schlamm” bzw. Schlämmen. ;-)

Schlämmprobe-Anleitung

Man braucht ein durchsichtiges Glas und was zum Umrühren, oder eine verschließbare Flasche mit Deckel zum Schütteln, etwas von dem zu testenden Gartenboden und Wasser. Mehr nicht.

Ein bisschen Erde ins Gefäß geben ….

schlämmprobe gartenboden

In diesem Fall so 3 cm hoch, im Grunde aber egal, weil es ja um die Anteile der Bodenbestandteile geht, und die ändern sich nicht bei mehr oder weniger Erde. Je mehr Erde, desto mehr muss man rühren oder schütteln. Das kommt jetzt. Mit Wasser auffüllen, und so lange vermischen, bis sich ein einheitlich trübes Gemisch ergibt, und alles vom Boden verschwunden ist:

schlämmprobe mischen

Danach nicht mehr anrühren und warten. Die einzelnen anorganischen (“nicht lebenden”) Bodenbestandteile setzen sich nun unten im Glas in Schichten nach und nach ihrem Gewicht nach im Glas ab. Zuerst gehen die ganz schweren Sachen zu Boden, wie kleine Steinchen, Kies und so was. Danach folgen feinkörnigere Teilchen wie Sand und Ton. Humus – also die (ebenfalls toten – durch Bodenleben wie Regenwurm gemampft und ausgek…) organischen Stoffe, die der Boden enthält, und die durch Zersetzung von Pflanzenmaterial entstanden sind, ist sehr leicht, und schwimmt daher oben im Glas. Humus ist “Verbrauchsprodukt”. Pflanzen nähren sich von Pflanzen(teilen). Je mehr Humus, desto fruchtbar, je weniger, desto nicht. Und Humus hilft gegen so ziemlich alles. Macht lehmige, tonige, schnell verbackende Böden durchlässiger, und sandige Böden tendenziell feuchter. Deswegen sind Kompostieren, Gründüngung und Mulchen auch so gut für den Garten, weil alle drei Humus / organische Masse zum Boden hinzufügen. Humus-Trick “für Arme (Böden)”: Selbst verbrauchte, alte Blumenerde enthält mehr Humus als so mancher Sandboden, und wird deswegen von mir nach Benutzung ins Beet statt in die Tonne gekippt! Wer glaubt, durch einen Sack Fertighumus oder sogenannte “Pflanzerde” beim Pflanzen dauerhaft was auszurichten, irrt, denn Humus ist wie gesagt Verbrauchsmaterial.

Wer glaubt, besser mehr über Humus wissen zu sollen, möge die Wikipedia bemühen. ;-)

Humus-Schnellbefund-Anhaltspunkt auch ohne Schlämmprobe ist übrigens, welche Farbe der Boden hat. Humus ist dunkel. Es gibt ausgesprochen schwarz aussehende Böden, die einen hohen Humusanteil haben, und solche, die eher hell sind, wie meine beiden Sandböden in Garten 1 und 2, mit kaum Humus.

Das Absinken der groben Bestandteile in der Schlämmprobe geht sehr schnell. In wenigen Minuten sind die ersten Schichten abgelagert. Feinere Bodenbestandteile benötigen dagegen Stunden. Die ganz feinen Schwebteilchen sind sehr lange im Wasser. Es kann Tage dauern, bis sich alles abgesetzt hat, und das Wasser klar ist. So lange muss man nicht unbedingt warten. Ich würde sagen, dass sich nach 6-8 Stunden nur mehr wenig tut. Jedenfalls bei meinem Boden.

Was sagt die Schlämmprobe aus? Ergebnis Garten 1 / Garten 2

Zu den Befunden:

Boden 1 (Garten neu) und Boden 2 (Garten alt)- Schlämmprobe-Vergleich-Bilder in Gänze, Ähnlichkeiten und Unterschiede werden glaub ich deutlich:

schlämmprobe 1schlämmprobe 2

Humus-Anteil im Boden

Humus in der Bodenprobe 1 (Garten neu) und 2 (Garten alt):

schlemmprobe 1 humusanteilschlämmprobe 2 oben

Bodenprobe 1: Wie man sieht, sieht man nix. Wie ich mir schon dachte. Wo solls denn herkommen, das Wachstum, und die Regenwurm-Aktivität, wenn nix drin ist. Ich werde etwas gegensteuern müssen, und z.B. auf mein neues Staudenbeet, wo nicht nur Hungerleider drin sitzen, im April, wenn es warm genug ist, gleich mal eine Phacelia-Gründüngung säen, damit der Boden in die Gänge kommt und die Würmer Futter kriegen.

Bodenprobe 2: Wie man sieht, ist der Humusanteil in dem armen Sandböden nach 6 Jahren zwar mehr als nix, aber immer noch nicht doll. Den grundsätzlichen Charakter eines Bodens wird man nicht oder nur sehr langfristig ändern, sagte ich. Besser die Bepflanzung anpassen, als drauf zu hoffen, dass da was gedeiht, das die Bodenverhältnisse nicht mag.

anorganische Bodenbestandteile

Die anorganischen Bodenbestandteile bei Bodenprobe 1 (Garten neu) und 2 (Garten alt) im Vergleich:

schlämmprobe 1 detailschlämmprobe 2 - detail

Beide Bodenproben enthalten nur 2 Schichten, keine Steine, sondern als feinste und dickste Schicht Sand. Was man nicht sieht, aber währenddessen deutlich wurde: Der Sand im alten Garten ist deutlich grober, denn er sank viel schneller ab. In Sekunden war die Schicht fertig aufgebaut. Der Sand in Garten 2 hat dagegen etwas länger (Minuten) gebraucht. Recht deutlich abgegrenzt, zumindest auf dem oberen Foto besser getroffen, die 2., deutlich dünnere Schicht eines feineren Materials. Im Fall von der Bodenprobe aus dem alten Garten kann ich mit Sicherheit interpretieren, dass die aus dem anfangs dem Boden zugefügten Bentonit (Ton) sein muss, weil bei der ersten Schlämmprobe vor sechs Jahren wirklich nur Sand im Glas war. Die Probe aus dem neuen Garten weist eine sehr ähnlich homogene und auch ähnlich dicke Schicht auf, bei der ich dann auch mal von Ton ausgehe. Sollte wohl aus dem Seeboden stammen, der im Unterboden schlummert. Bedeutet für mich, dass ich zunächst nur am Humusanteil arbeiten werde, und trotz großer Sandigkeit des Bodens erstmal kein Bentonit zufügen werde.

Ergebnis: Sand-Ton- sonst nix im neuen Garten. Vorerst.
PS: Falls jemand einen Lehmboden hat und ne Bodenprobe dieser Art macht, sollte er wenigstens drei Schichten haben: Lehm ist schwerer als Ton. Mehr über Lehm und Ton gibts auch in der Wikipedia.

eingewurzelt unter: Garten-Boden

Alle anzeigen mit Stichwort:

Vor einem Jahr
Wintereinbruch?, Trafficreport Jahr 3 / Werbung, Tulpen und Frost, Farnblättriger Lavendel - Lavandula multifida



Kommentar hinterlassen

(notwendig)

(notwendig)
Deine Mailadresse wird nicht angezeigt.


zur Gartenblog-Startseite