UNESCO hat Dresden das Welterbe aberkannt
Bin mega-stinkig. Im Radio gehört, im Niederländischen!, dass die UNESCO heute abend tatsächlich endlich Dresden den Welterbe-Titel für das Elbtal aberkannt hat. Peinlich ist das, aber höchste Zeit war es. Verlust einer Landschaftlichen Kostbarkeit. Eine Schande für das Ansehen Dresdens und Deutschlands in der Welt. Aber: Recht geschehen! Verdient! Herzlichen Glückwunsch!
“Nach jahrelanger Diskussion ist das Dresdner Elbtal wegen des umstrittenen Baus der Waldschlößchenbrücke von der Welterbeliste gestrichen worden.
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In ersten Reaktionen bedauerten deutsche Politiker die Entscheidung und sprachen von einem Ansehensverlust Deutschlands.
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Der Direktor des UNESCO-Welterbezentrums in Paris, Francesco Bandarin, kritisierte die Stadt Dresden. Es habe der Wille gefehlt, auf die UNESCO zu hören. Wenn immer das Gleiche, kein wirklicher Kompromiss angeboten und nicht ernsthaft umgeplant werde, führe das genau zu diesem Ergebnis.”
Das Heckmeck ist für mich stellvertretend für so viele Vorgänge in einem erstarrten Land: kurzfristiges “politisches” Denken und Handeln, Veränderungsresistenz, mangelnde Einsicht, fehlende Bereitschaft zum Kompromiss, viel Tammtamm und Geschwafel, wenig (gutes) Ergebnis nach Jaaaaahren, und der Rest der demokratischen Kräfte schweigt dazu in behaglichem Desinteresse. Und wenn das Kind im Brunnen liegt, kann jeder wählen: Betroffenheit zeigen, oder Schulterzucken, weil die Touristen ja trotzdem noch kommen. Demokratie? Hallo?
Die allseitige Borniertheit rund um die Zerstörung der Elbtal-Kulturlandschaft geht mir seit Monaten auf den Geist.
Die Dresdner unter sich: Mehr als einmal ist mir auf dem Blog hier und auch per Mail deutlich gemacht worden, dass das andere Menschen außer Dresdnern nichts angeht. Die Dresdner selbst wollten das Thema unter sich abmachen. Dresden war früher das Tal der Ahnungslosen und ist heute also eine Insel.
Die Politik: Jetzt ganz plötzlich heute drücken Politiker verschiedenster Ebenen ihr fürchterlichstes Bedauern aus. Als ob man nicht jahrelang hätte kommen sehen, was da kommen wird.
Mit allseitig meine ich aber wirklich alle Seiten. Ich habe mein Möglichstes getan, und viele andere hätten/haben es sicher auch getan, das Thema überregional mehr sichtbar zu machen. Meines Erachtens sind die Gegner auch daran gescheitert, dass sie wie Dresdner siehe oben gehandelt haben. Immer schön im eigenen Süppchen geschwommen. Wer zum Beispiel wie ich glaubte, dass er – abgesehen von regelmäßigen Standard-Spendenaufruf-Mails und Bitten um Cash auch nur eine Antwort auf eine Email bekommt, weil er sich engagieren möchte, lag gänzlich falsch. Auch hier ganz offensichtlich kein Interesse. Hoffentlich haben sie wenigstens viele Spenden bekommen bei der Grünen Liga Sachsen.
Nachträglich habe ich mich geärgert, dem traurigen Thema hier überhaupt Raum gegeben zu haben. Sollen sie doch! Und sehen, was dann passiert. Seit die Bäume abgeholzt sind, interessiert mich das eh nicht mehr, weil nicht reparabel in den nächsten paarhundert Jahren.
Recht geschehen! Gut so, UNESCO! Möge das alles den Entscheidern in Ewigkeit nachhängen.
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4 Kommentare bisher
KommentierenHi Steffi,
kann deinen Frust total verstehen! Was mich allerdings am meisten verwundert.
Ich war vor zwei Jahren im Sommerurlaub in Dresden. Die Diskussion war damals schon voll im Gang und ich bin leider ausschließlich Menschen begegnet, denen die Unseco völlig egal ist. Ich habe ständig gehört: “Die von der Unesco müssen bei uns ja nicht im Stau stehen”
Gruselig kann ich nur sagen, wie ignorant muss man eigentlich sein um die “Automobile Freiheit” über die Natur zu stellen.
Lange Rede auch ich finde den Vorgang an sich zum k…. aber von Seite der Unseco richtig!
Liebe Grüße aus Dreieich
Ralf
Insofern finde ich die Unseco nur konsequent
Liebe Gärtnerin,
und wie ich Deinen Frust verstehen kann!!!
Wir versuchen gerade (vermutlich vergeblich), den Bau eines riesigen Einkaufszentrums in der Innenstadt Aachens (erweiterte UNESCO-Schutzzone) zu verhindern. Ein Naturdenkmal – eine 150 Jahre alte Kastanie – soll genauso fallen wie mehrere denkmalgeschützte Fassaden. Und wir schaffen es noch nicht mal, die Leute im direkten Umfeld aufzuscheuchen…
Ich fühle mit Dir und ärgere mich ebenfalls über die Ignoranz und Kurzsichtigkeit meiner Mitmenschen.
Viele Grüße und herzlichen Dank für das tolle Blog. Ich schmökere immer wieder gerne hier herum.
Bianca
P.S.: Zum Thema “Einmischung von Nicht-Ortsansässigen in derartige Angelegenheiten”: Hier in Aachen hätten wir uns über überregionale Unterstützung gefreut. Vielleicht wäre bei einem lauten Aufschrei von außen die Stadtverwaltung zur Vernunft gekommen…
Also: Nicht abschrecken lassen, wenn es Gegenwind gibt! Man muss auch dann seine Haltung vertreten dürfen, wenn Leute anders denken, die stärker betroffen sind.
Ja, gruselig, Ralf. Ich versteh auch immer gar nicht, wo sie dieses arrogante Inseldenken hernehmen, und aber gleichzeitig drauf pochen, dass die Touristen, die ja eben von jenseits der Insel kommen, ja eh weiterhin kommen. Ich jedenfalls nicht mehr, und was ich in niederländischen potenziellen Touristengesichtern so gesehen habe, war jetzt auch nicht unbedingt grenzenlose Freude und Verständnis.
Danke Bianca, ich freue mich über Dein Feedback, und wünsche natürlich das Allerbeste für Euer Projekt vor Ort!
Klar muss man seine Haltung vertreten, immer! Erlaubt ist das ja glücklicherweise in unserer Gesellschaft, wenn auch viele von diesem Luxus wenig Gebrauch machen.
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