Vermehrung durch Absenker – Anleitung
Renate hat einen ganz tollen Japanischen Blumen-Hartriegel (Cornus kousa, denk ich mal), der aus Andenkensgründen kleinteilig übersiedeln soll. Dazugehörige Blumen-Hartriegel-Vermehrungs-Frage, bei der ich um Mithilfe bitte:
“Hallo Gärtnerin,
ich bin heute bei der Suche nach Stecklingsvermehrung auf Ihre Seite gekommen, ich finde sie sehr interessant und habe sie sofort gespeichert.
Meine Frage ist zum Japanischen Blumenhartriegel, Foto füge ich als Anlage bei. Wir haben 1998 einen Japanischen Blumenhartriegel “Nicole” als sehr langsam waschenden Baum für 184,90 DM gekauft. Dieser Baum hat für mich eine besondere Bedeutung, da mein inzwischen verstorbener Mann und ich lange danach gesucht hatte. Nun will ich mein Haus mit meinem Garten verkaufen und kann den Baum ja nicht mitnehmen.
Meine Frage also: Kann man von diesem Baum Stecklinge machen (ja, ist aber sehr schwierig, habe ich gelesen) und diese als Bonsai ziehen?
Für eine Beantwortung bedanke ich mich schon einmal”
Tolles Teil, Renate! Das ist der Hartriegel mit den wunderschönen großen weißen vierblättrigen Blüten. Gibts aber auch manchmal mit rosa Blüten. Blütezeit Mai-Juni. Traum-Gehölz! Und: Hat damals einen echt stolzen Preis gehabt, der Hartriegel! Leider habe ich keinen, so dass ich nicht aus erster Hand was zur Vermehrung genau bei ihm sagen kann. Soweit ich weiß, ist es aber nicht unbedingt problematisch, eine Stecklingsvermehrung nach der Blüte (also quasi dann jetzt bald) durchzuführen, jedenfalls bei anderen Hartriegel-Arten, und der Japanische Blumen-Hartriegel soll, wenn auch langsam, immerhin schneller wachsen als der Amerikanische (Cornus florida). Nicht alle Stecklinge bewurzeln wahrscheinlich, aber so manche vielleicht doch, wenn man Glück hat. Auch wenn´s ne Weile dauern kann.
Ich habe keine Ahnung, inwiefern Du Zeitdruck hast, aber da es eine ideell wichtige Pflanze ist, würde ich die Vermehrung jetzt baldigst nach allen Regeln der Kunst in Serie und Variationen durchprobieren. Ich würde:
1. Die in der Anleitung Stecklingsvermehrung beschriebenen Tipps und Kniffe zum Verdunstungsschutz durchprobieren.
2. Auf jeden Fall parallel mehrere Stecklinge probieren. Das erhöht die Chancen.
3. Eventuell Bewurzelungspulver/Bewurzelungshormone kaufen (vermutlich Fach-Gärtnerei), und probieren, ob das zusätzlich hilft. Die benutze ich zwar nie, weil man sie eigentlich in den meisten Fällen gar nicht braucht, aber wenn ich in dieser Situation wäre, und es ganz unbedingt klappen sollte, würde ich sie vielleicht einsetzen.
4. Parallel auf alle Fälle auch noch eine Vermehrung durch Absenker versuchen. Das ist bei echt langsam bewurzelnden Pflanzen ( wie z.B. Rhododendron, Magnolie etc.) eine Vermehrungsmethode mit Potenzial, weil der Steckling nicht vor der Bewurzelung von der Mutterpflanze getrennt wird, sondern dran hängen bleibt bis nach der Bewurzelung, und damit auch währenddessen weiter versorgt wird. Dadurch hat der Absenker sozusagen mehr Zeit Wurzeln zu bilden. Stecklinge verdorren bei ganz übel langsam wachsenden ( und bewurzelnden) Pflanzen nämlich häufig, weil sie absterben, bevor die Wurzelbildung eingesetzt hat.
Vermehrung durch Absenker – Kurz-Anleitung
Probieren geht ja aber über Studieren. ;-)
Erst die Absenker-Vermehren-Skizze, (mal wieder weltberühmt gezeichnet :-))) ,) dann die Erläuterung:
1. Du suchst Dir einen passenden, eher unteren und oder sogar schon eher hängenden Ast, der aber noch vital sein muss. Also geschmeidig, biegsam und bewurzelungswillig. ;-)
2. Du biegst den Absenker-to-be testhalber vorsichtig nach unten, und schaust, wie und an welcher Stelle Du ihn so in den Boden in eine Rinne eingraben könntest, dass er aus dem Graben mit der Spitze noch das Erdreich überragt.
3. Du machst eine Mulde (10-20 cm, nicht viel mehr) an dieser Stelle im Boden, und lockerst auch das Erdreich untendrunter ein wenig, damit eine junge, Wurzeln schlagende, aufstrebende Pflanze dort ihre zarten Würzelchen auch gut unterbringen kann.
4. Du biegst den Ast in die Mulde, so dass er dort zu liegen kommt (, bzw. käme, wenn er nicht wieder hochschnellen würde,), und die Triebspitze, die über dem Boden bleibt, dann noch aus der Mulde rausragen kann. Das Verbindungsstück zwischen tiefstem Punkt des Asts in der Mulde und Mutterpflanze entblätterst Du komplett.
5. Jetzt kommen verschiedene bewährte Hausmanns- (bzw. Gärtnerin-) Tipps, wie man einen Absenker im Boden fixiert, so dass er sich aufgrund der Ast-Spannung nicht selbst raushebeln kann:
Absenker-Fixieren Variante 1 (einfach): Einen Zelthering zur Fixierung benutzen und den Absenker damit unten in der Mulde feststecken. Er wird mitsamt dem Absenker beim Schließen der Mulde eingegraben. Beim Ausgraben der bewurzelten Pflanze muss man sich aber daran erinnern, dass der da war. ;-)
Absenker-Fixieren Variante 2 (biologisch): Eine kräftige Astgabel mit zwei lang-genugen Enden von irgendeinem Gehölz schneiden und wie den Hering über den Absenker-Ast fest ins Erdreich stecken, so dass er nicht hochkommen kann. Die Mulde dann schließen.
Absenker-Fixieren Variante 3 (Ohne Gewähr, weil nicht alle Pflanzen das Beschweren in Wurzelbereich mögen): Flachen Stein auf den Absenker an der tiefsten Stelle legen, dann zugraben.
Absenker-Fixieren Variante 4 (Nur, wenn er tendenziell nicht zu viel Spannkraft hat, oder von selbst zum Liegen neigt.): Mulde einfach ohne Fixierung drinnen mit Erde auffüllen und ein Brett neben den herausstrebenden Ableger-Trieb auf die zu fixierende Stelle oben aufs Erdreich legen, ggf. noch nen Blumentopf draufstellen.
Dann heißt es Warten. In Deinem Fall wahrscheinlich relativ lange, bis der Trieb zu wachsen beginnt. Wenn er das einigermaßen kontinuierlich tut, kann man nach einiger Zeit vorsichtig unten nachschauen, wie es mit der Bewurzelung so geht. Und dann irgendwann kommt…
6. Den Absenker als eigenständige Pflanze mit Wurzeln vorsichtig ausgraben, und die Verbindung zur Mutterpflanze in der Nähe des neuen Wurzelbereichs abschneiden. Pflanze eintopfen und mitnehmen.
Alles Theorie, aber bei Langsam-Bewurzelern vielversprechend. Hoffe, das hilft, und drücke fest die Daumen.
Blumen-Hartriegel lässt sich zum Bonsai gestalten. Jedenfalls gibt es welche zu kaufen. Alles weitere siehst Du dann, Renate.
Jemand noch konkrete Erfahrungen mit Japanischen Blumen-Hartriegel vermehren? Die Dauer würde mich interessieren. Manche Sträucher und Bäume kommen mit wenigen Wochen bis zur Wurzelbildung aus (Forsythie, Weigelie etc.), andere brauchen länger (viele Immergrüne wie Kirschlorbeer 1 Jahr ungefähr bis zu einer vernünftigen Jungpflanze), Magnolie und Rhodi u.U. noch länger….
andere Hartriegel-Arten
Thema Japanischer Garten
eingewurzelt unter: Gehölze
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2 Kommentare bisher
KommentierenHallo Gärtnerin,
Vielen Dank für die vielen Tipps. Ich werde mir sofort Bewurzelungspulver/Bewurzelungshormone besorgen. Das mit dem Absenken geht bei mir nicht, da die ersten Äste des Baums in ca 85 cm Höhe anfangen und die Äste nicht so lang sind. Ich werde aber eine andere Art des Absenkens ausprobieren, habe ich einmal gelesen.
Ein offener Folienschlauch wird über einen Ast gestreift, unten zugebunden, dann Erde hinein, den Trieb an passender Stelle leicht anritzten, die Erde anfeuchten und unter den Blattspitzen zubinden. Stecklinge werde ich mir dann auch noch genügend machen.
Übrigens habe ich auch den rosa blühenden Blumenhartriegel, ist aber ein Strauch, Die größte Bedeutung hat eben für mich, der als Baum wachsende Blumenhartriegel, er wächst übrigens nur ca. 6 – 8 cm im Jahr und zwar jeder Ast fächerförmig, das kann man natürlich nur im Winter sehen, wenn keine Blätter dran sind.
Ich werde Dir auf jedem Fall von meinem Ergebnis berichten.
Nochmals vielen Dank
Gruß Renate
Das nennt sich dann Variante von Abmoosen. Ich wünsche Dir ganz viel Erfolg, Renate, und hoffe, dass ich vom Eintreten desselben höre. ;-)
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