Wasserchemie oder “Lohnt Wasser abkochen wirklich?”
Meine Lieben, als ich vorhin so in der Küche stand und Liter um Liter an Leitungswasser abkochte, durch den Kaffeefilter seihte und mir die Finger verbrannte, hab ich mich, mal wieder, gefragt, ob sich der ganze Aufwand überhaupt lohnt.
Moment! Da hab ich doch was! Ich als Aquarianerin hab doch all diese kleinen Tropftestfläschchen rumliegen und damit kann man so tolle Sachen wie Wasserhärte und ph-Wert testen! Also habe ich das gemacht. (Nur keine Fotos, das war mir bei der Abmesserei und dem Getröpfel heute zu blöd. Hol ich vielleicht mal nach.)
Vorneweg ein klein bißchen Chemiekunde. Zugrunde liegen bei meinem Wassertest u.a. die Gesamthärte (GH), die Karbonathärte (KH) und der ph-Wert. Die Maßeinheiten für GH und KH sind °dH, also Grad deutsche Härte.
Die Gesamthärte:
Die Gesamthärte wird von aufgelösten Salzen im Wasser bestimmt, hauptsächlich Kalzium- und Magnesiumsalze. Also das, was im Volksmund so “Kalk” genannt wird.
Die Karbonathärte:
Die Karbonathärte wird von diversen anderen Salzen im Wasser bestimmt, unter anderem dem Bikarbonat, das als ph-Puffer wirkt und dafür sorgt, daß zB im Aquarium keine gravierenden ph-Wertschwankungen eintreten, was Fische im Allgemeinen nicht so lustig finden.
ph-Wert:
Dieser Wert legt fest, ob sauer oder basisch. Der Wert 7.0 ist ph-neutral, alles darunter ist “sauer” und alles darüber ist “basisch”.
In meiner kleinen Versuchsreihe habe ich 3 verschiedene Wasser (Wässer?) getestet: Leitungswasser frisch gezapft, abgekochtes und durch einen Kaffeefilter gefiltertes Wasser und Wasserfilter gefiltertes Wasser (zB Brita, Pearlco etc).
Die Tropftests (von Tetra, für Interessierte) funktionieren wie folgt: Abgemessen werden immer 5 ml Wasser. Bei GH und KH tropft man nach und nach das Mittel ein. Nach jedem Tropfen schüttelt man um es zu verteilen und beobachtet die Farbe. Tropfen zählen nicht vergessen! Sobald ein Farbumschlag passiert, zB von rot nach grün (GH) oder blau nach gelb (KH), hat man den Härtegrad. Anzahl an Tropfen = °dH. Soweit verstanden? Der ph-Wert sind 7 Tropfen Mittel auf 5 ml Wasser.
Wichtig ist noch, die kleine Meß-Küvette (also das Behältnis, in dem das Wasser getestet wird) mit dem zu testenden Wasser auszuspülen, um eine “Verunreinigung” durch anderes Wasser zu verhindern.
Ich geb euch mal die Werte und dann fasse ich kurz zusammen.
Gesamthärte:
Leitungswasser: 5 ml Wasser + 14 Tropfen = 14° GH dH
abgekocht : 5 ml Wasser + 11 Tropfen = 11° GH dH
Wasserfilter : 5 ml Wasser + 3 Tropfen = 3° GH dH
Karbonathärte:
Leitungswasser: 5 ml Wasser + 11 Tropfen = 11° GH dH
abgekocht : 5 ml Wasser + 9 Tropfen = 9° GH dH
Wasserfilter : 5 ml Wasser + 3 Tropfen = 3° GH dH
ph-Wert:
Leitungswasser: 5 ml Wasser + 7 Tropfen = ca. 8,0 – 8,25
abgekocht : 5 ml Wasser + 7 Tropfen = ca. 8,5 – 8,75
Wasserfilter : 5 ml Wasser + 7 Tropfen = 5,0
Okay, was ist hier passiert?
Das Leitungswasser… hmja, hier auf der Alb isses halt ein bissele hart, gibt aber schlimmere Gegenden in Deutschland. Den Gesamthärtewert kann man auch bei seinen Stadtwerken / Wasserwerken erfragen.
Das abgekochte Wasser hat nur wenig an GH und KH verloren, ist zu meiner Überraschung jedoch basischer geworden. Ich habe es dreimal überprüft und neu getropft, weil ich dachte, ich hätte einen Fehler gemacht.
Der Wasserfilter hat GH (also Kalk!) und KH ziemlich radikal entfernt und das Wasser ist sehr sauer. Wahrscheinlich läge es sogar noch unter 5, doch die Tetratest-Skala zeigt nur 5 – 10 auf.
Welches Fazit man da für sich nun ziehen mag, meines lautet: Kein Abkochen mehr! Schade um den Strom… lohnt nicht.
PS: Mit dem KH-Wert und dem ph-Wert kann man den CO2-Gehalt des Wassers errechnen, aber ich denke, DER ist für unsere Pflanzen höchst nebensächlich.
eingewurzelt unter: Garten allgemein
Vor einem Jahr
Flammenbaum - Flamboyant - Delonix regia, Spektakuläre Tierstimmen


18 Kommentare bisher
KommentierenAlso wir halten das bei unsren Blumen mit dem Gießwasser einfach so wie es unsere Oma bereits schon machte. In das Leitungswasser kommen Eierschalen die in der Kieskanne dann bleiben Wasser wird immer nur aufgefüllt und unsere Blumen wachsen und gedeihen wundervoll!
Mir erschließt sich grade der Sinn der Eierschalen nicht ganz… Eierschalen bestehen aus Kalzium und geben dieses ans Wasser ab. Wozu kalkhaltiges, hartes Wasser zusätzlich kalken?
Das gäbe für mich nur Sinn, wenn ihr in einem Gebiet mit sehr weichem Wasser lebt.
Oder gibt es da andere chemische Reaktionen mit den Schalen?
Hallo Keisha,
ich wüsste ja noch allzugerne, wie sauer denn Regen(tonnen)wasser ist :-) ?
Zu den Eierschalen: in Essig lösen sie sich auf, man könnte also annehmen, dass sich in saurem Wasser auch etwas löst, in basischem tut sich wahrscheinlich recht wenig, oder? Rico: wie lange “halten” denn eure Eierschalen? Verändern die sich?
Was tun denn andere so alles in ihr Gießwasser???
Sonntägliche Grüße von
Merowinga
Merowinga, Regenwasser teste ich, wenns mal regnet ;-) Immo schneits ja bloß. Obwohl das an und für sich das gleiche Wasser sein sollte…. hm.
wegen den Eierschalen: Genau das meinte ich ja. Säure löst das Kalzium aus den Schalen. Dadurch wird höchstens das Wasser “entsäuert” und das Gleichgewicht etwas in Richtung basisch verschoben. Wie gesagt, mir erschließt sich noch nicht ganz der Sinn… außer, man hat wie ich ein kleines Becken voller Wasserschnecken, die saures Wasser nicht so gut abkönnen und Kalk zum Gehäusebau benötigen. In diesem Falle bekommen sie ab und zu auch Eierschalen ins Wasser.
Das ist ja mal ein cooles Experiment. Danke für den Beitrag Keisha, das lässt lernen. :-)
Kann man eigentlich sehr kalkhaltiges Wasser auch mit destiliertem Wasser verdünnen? Oder mit Wasser aus dem Wäschetrockner? Das wäre natürlich nur für kleinere Mengen Gießwasser praktikabel, aber viele Planzen vertragen ja, Gott sei Dank, Kalk. Hat das schon mal jemand probiert?
Mach ich eigentlich immer, Betula, wenn Kondenswasser aus dem Trockner anfällt. Ich misch es meist halb-halb mit Leitungswasser oder meinem Aquarienwasser. I.d.R. geb ich einen Hauch Dünger mit rein, weil in destilliertem Wasser, und nix anderes ist das aus dem Trockner, so gar kein Spurenelement drin ist.
Bislang hat es nix geschadet.
Danke für die Info, Keisha, und auch für den tollen Artikel oben :-)
Ich werde in Zukunft dann auch das bei uns sehr harte Leitungswasser mit Kondenswasser aus dem Trockner (da hab ich immer reichlich!) mischen.
ich krieg bei bedarf regenwasser von einer fam. mit garten, fange aber manchmal selbst welches auf, indem ich einfach einen eimer/gießkanne unter die regenrinne unten am haus stelle.
die endet ganz praktisch knapp einen meter über der erde und fließt einfach auf eine dort endende rasenfläche.
nun frag ich mich, ob das wasser überhaupt gesund für pflanzen ist, da im eimer immer reichlich dreck am grund schwimmt (ich renn nicht sofort los bei regen sondern warte erst immer eine weile).
von so einem hausdach wird offenbar so einiges runtergespült, nicht vergleichbar mit dem regenwasser, das meine bekannten von ihrem gewächshausdach auffangen.
ich glaub, ich muss das auch mal näher untersuchen :D
Ich würde jetzt spontan sagen, der “Dreck” b esteht sicherlich zu 90% aus organischen Materialien, sprich raufgewehtes Laub, tote Insekten, Ästchen, Blütenpollen etc und vielleicht auch ein bißchen aus dem vielzitierten “Saharasand”. Sähe ich jetzt nicht groß ein Problem darin. Ok, verrottendes Zeug im Blumentopf drinnen ist nicht so dolle, aber wozu gibts Teesiebe?
Andererseits wäscht Regen generell viel Dreck aus der Atmosphäre, Feinstaub, Rußpartikel, chemische Elemente usw. Da ists dann auch egal, ob das Regenwasser vom Gewächshaus oder vom Hausdach aufgefangen wird ;-)
So als Idee: Nimm doch mal eine Wasserprobe mit in eine Zoohandlung und bitte sie, das Wasser für dich zu testen. Normal machen die das servicetechnisch kostenlos mit einem Universalteststreifen und können dir ph-Wert, Härte etc auf einmal bestimmen.
Hi, Zimtspinnne!
Stimmt schon, daß das Wasser vom Dach recht dreckig ist. Das ist aber zu 90% Dreck, den die Luft oder der Regen oder die Vögel dort oben deponiert haben. Also nichts anderes, als das, was auch direkt auf die Pflanzen im Garten herunterfällt. Und denen bekommt der Regen, oder? :-)
Probleme sehe ich eher bei Asbest-Dächern oder so was.
Unser Zisternenwasser vom Dach ist (erst grob und dann etwas feiner gefiltert) angeblich sogar für die Waschmaschine geeignet.
Liebe Grüße, Sus
Upps, da war ich wohl zu langsam … :-)
Danke für diesen Beitrag. Auch ich koche seit Jahren das Wasser ab – und das umsonst, wie ich jetzt lese…
Das ist echt überraschend. aber zum glück hab ichs nicht abgekocht :)
vielen dank für den informativen beitrag!
Bezüglich des oben erwähnten Eierschalenwassers und kalkhaltigem Leitungswasser bekam ich kürzlich von einem Gärtner die Auskunft, der Kalk der Eierschalen wäre ein “anderer” Kalk als der der Eierschalen. Mh?
Ich würde auf jeden Fall mal gerne ausprobieren mit Eierschalenwasser zu gießen. Aber wie mache ich das? Wieviele Eierschalen soll ich pro Liter ungefähr anssetzen? Wie lange muß das Gebräu dann stehen? Und muss ich dann die Lösung verdünnen? Wenn ja, wie stark?
Bei der umfangreichen Diskusion steht leider überhaupt nichts über den teilweise sehr hohen
Asbestgehalt im Trinkwasser. Er entsteht durch
die Asbest-Trinkwasserrohe ( in Deutschland über
30 000 Kilometer ). Es wurden bei Stichproben
teilweise über 1 Million Asbestartikel in einem
Liter Trinkwasser gefunden. Ob diese Asbestanteile beim Waschen der Wäsche wohl in
den Stoffen hängen bleiben?????
Eigentlich muß man dann beim Bügeln einen
Mundschutz tragen!!!!
Manfred
Ich frage Euch, bleiben die Asbestanteile vom
Trinkwasser im Kaffeefilter hängen??
Es ist doch seltsam, daß über den hohen
Asbestanteil im Trinwasser, kaum etwas in
der Presse geschrieben steht!!??
Manfred
Habe bei Google zum Asbestanteil in Trinkwasser
einen ganz schlimmen Höchstwert entdeckt.
Hier schreibt man, dass das Trinkwasser in Hannover mit 700 Millionen Partikel Asbest ( in
einem Liter ) verunreinigt ist!!!!!!
Ob die Einwohner von Hannover davon etwas wissen????
Welches Wasser wird hier eigentlich für die
Herstellung von Getränken verwendet.
Ich glaube es gibt überhaupt keinen zulässigen
Grenzwert für Flüssigkeiten.
Ich würde mich freuen, über Eure Stellungsnahme.
Manfred
01.06.2011
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