Blumenzwiebeln essen, Tulipalin, Tulpenfinger…
Während der Blumenzwiebel-Pflanzung fiel mir wieder ein, dass ich vor kurzem gehört habe, dass die Niederländer im Hungerwinter in ihrer Not Blumenzwiebeln gegessen haben, weil nichts anderes da war. Seitdem wollte ich mich gern in die Situation versetzen und probieren:
Wie schmecken Tulpen?
Der NL-Nachwuchs meinte, dass die nicht besonders schmecken können, weil man sonst wohl mehr davon essen würde. Tatsächlich hat das Blumenzwiebeln-Nicht-Essen jedoch andere Gründe: Sie sind giftig. Sie sind so gesehen nicht essbar! Tulpen enthalten Tulipalin A, das der Verdauungstrakt nicht wirklich gut wegsteckt, und – wie ich soeben gelernt habe – sogar auch bei Berührung, z.B. bei Tulpenarbeitern, die dauernd Hautkontakt mit Tulpenzwiebeln haben, in Form eines Kontakt-Ekzems/ einer Dermatitis (ichsachmaAusschlag) fiese Folgen hat. Die Krankheit heißt “Tulpenfinger” bzw. Tulpendermatitis. Und ich zitiere weiter aus der Quelle:
“Mehrere Untersucher empfehlen die Züchtung allergenarmer Tulpen und Alstroemerien, die bisher jedoch nicht gelungen ist [4, 18]. PVC-Handschuhe werden durch Tulipalin a leicht penetriert, Handschuhe aus Nitrilkautschuk sollen zum Schutz geeignet sein [13].”
Uiui! Das wusste ich alles gar noch nicht, ist aber beim Hobbygärtner, der einmal im Jahr Blumenzwiebeln pflanzt, wahrscheinlich auch vernachlässigbar.
Nun denn, zurück zum Thema: Ich habe eine Tulpe aufgehoben zwecks Verspeisung. Selbstversuch. Nun saß ich denn nun vor derselben und überlegte. Soll ich probieren? Soll ich nicht? Die Dosis, bei der die Giftigkeit in welcher Form auch immer zutage tritt, ist mir unbekannt. Mit Gift spielt man nicht, auch nicht mit Naturgiften. Nein! Andererseits haben die Niederländer es ja auch überlebt. Aber vielleicht gekocht oder was weiß ich?!
Nun, ich habe mich durchgerungen, ein winziges Eckchen zu probieren. Liebe Kinder, bitte nicht nachmachen! Auch nicht mit anderen wie Narzissen, Hyazinthen etc., die ebenfalls giftig sind!
Sehr winzig und von innen her. Wer weiß, womit die Blumenzwiebeln behandelt wurden. Vielleicht gebeizt wie die Steckzwiebeln so häufig….
Zum Geschmack also: Tulpenzwiebeln schmecken wider Erwarten gar nicht soooo übel. Hat mich geschmacklich sehr an Futtermais erinnert, also so stärkehaltig, mehlig wie dieser. Anschließend habe ich gleich mal zwei belegte Brote und zwei Gläser Wasser nachgeschoben, um eventuelle Folgen durch Gift zu verdünnen. Nach 1,5 Stunden geht es mir noch immer gut. Ich glaube, ich werd´s überleben. Eventuelle Spätfolgen teile ich ggf. mit, wenn ich noch kann. :-)
Wie es denen damals dabei ergangen ist, möchte ich mir nicht wirklich vorstellen.
zum Tulpen-Lexikon
zur Blumenzwiebel-Liste
eingewurzelt unter: Garten allgemein
zur Gartenblog-Startseite



11 Kommentare bisher
KommentierenOh meiiii, fällt das unter winterlichen, unbefriedigten Buddeltrieb?! Du machst ja Sachen. Bin gerade ein wenig schockiert.
Nee, Buddeltrieb ist befriedet, Maren. Ich habe mich vielleicht in letzter Zeit zu viel mit niederländischer Geschichte beschäftigt. Und ich neige halt dazu, immer alles wissen zu wollen. ;-)
Mir gehts gut. Außer bisschen flau im Magen. Größere Mengen würde ich nicht davon essen.
Liebe Gärtnerin,
es ist wirklich ganz erstaunlich, wie Du, um uns weiterzubilden Dich in Gefahr begibst. Wir – die Leser und Mitschreiber Deines Blogs – danken es Dir mit der hoffentlich nicht posthumen Verleihung des großen Gärtnerordens am Bande..;o))) Schön, dass Du noch lebst!!! LG
*miep* Neues Lebenszeichen. *kicher*
Ich bin begeistert! Das beweist wahren ForscherInnengeist! Mussten doch die meisten großen Forscher ihre Theorien im Selbsttest überprüfen, weil sich sonst dafür niemand freiwillig hergab.
Du kannst Dich einreihen in die Riege großer Entdecker (z. B. Barry Marshall, der das Magengeschwürbakterium an sich selbst testete; oder Ferdinand von Hebra, der die Übertragung der Krätze durch die Krätzmilbe an sich selbst bewies; oder Freud, der interessante Selbstversuche mit Kokain machte – wie medizinisch wertvoll das auch immer gewesen sein mag).
Respekt!
Mit Narzissen, Schneeglöckchen oder Märzenbechern sind derartige Versuche auf keinen Fall zu empfehlen! Die sind, wie alle Amaryllisgewächse, wirklich giftig und wurden auch im Hungerwinter garantiert nicht gegessen.
Zur Giftigkeit sonstiger Frühblüher (Hyazinthen, Kaiserkronen, Zwiebeliris) kann ich nichts beitragen. Die meisten (alle?) Zierlaucharten dürften hingegen essbar sein, da ja auch zahlreiche andere Allium-Arten (Zwiebel, Knoblauch, Schnittlauch, Porree) gegessen werden.
Also, das Einzige, was ich weiß, ist, daß Schnecken (mit und ohne Gehäuse) Hyazinthenzwiebeln lieben und davon nicht eingehen.
Liebe Grüße, Sus
Oma beschwertet sich mal während des Sonntagsessens, weil die Schalotten sich nur schwer hätten schälen lassen… “Aber dies Jahr hab ich doch gar keine Schalotten gesetzt?” sprach der Großvater. Sie hatte sich versehentlich aus der Blumenzwiebelkiste bedient. Die Sauce auf deren Grundlage schmeckte ausgezeichnet, und überlebt haben wir auch alle, sogar völlig symptomfrei.
Aha. Dann ist Kochen vielleicht doch ganz gut. Ich muss mich bei nächster Gelegenheit nochmal nach der damaligen Zubereitungsart erkundigen. :-)
Ich frage mich besorgt, was als Nächstes kommt.
Es wäre weniger gefährlich, die Interessen vom Bauch zur Nase zu lenken: Frikandel-Parfüm, Old-Amsterdamer-Sauna-Essenz…
Übrigens las ich kürzlich, dass Holzschuhe prima Gartenzwerge ergeben, wenn man sie bemalt und hochkant ins Beet stellt.
Bwääh. Uta mobbt mich mit stinkigen Niederländischkeiten… :-)
Kommentar hinterlassen