Fuchsien-Stämmchen-Anleitung, überwintern
Fuchsien (Fuchsia) – tolle Kübelpflanzen / Ampelpflanzen (bei hängenden Fuchsien) für den Sommer-Garten, die viele Jahre alt werden können, wenn man sie überwintert!
Mutterns 2 m-Fuchsien-Stamm mit dem Fuchsienrost, dereinst selbst gezogen aus einer “normal”-Feldwaldwiesen-Fuchsie, wird dieses Jahr übrigens 25, glaube ich.
Ich habe jahrelang keine Fuchsien gehabt, weil mein alter Garten zu sonnig für die Pflanzen war, die im Schatten oder Halbschatten besser gedeihen, bzw. typische Schattenpflanzen für den Balkon sind. Es sei denn, man erübrigt echt viel Zeit für Fuchsien in der Sonne, gießt und macht und tut, dann kann es auch in der Sonne gelingen ….
Als Schattenpflanzen sind sie pflegeleicht und blühen den ganzen Sommer, vorausgesetzt, die Erde im Topf ist immer gleichmäßig feucht, nicht zu nass (Gefahr Staunässe = Wurzeln faulen) und nicht zu trocken, regelmäßiges Ausputzen von verblühten Blüten und angesetzten Samen…
findet statt, damit sie wirklich dauerblühen und nicht damit aufhören, und man düngt sie regelmäßig oder wenigstens sporadisch. Eine wöchentliche Dünger-Gabe oder Langzeitdünger wären wohl angebracht. Nach Langzeitdünger-Versorgung im Frühling bin ich diesen Sommer allerdings ziemlich dünge-faul, muss ich feststellen, so dass das Balkonblumen-Wachstum insgesamt nicht so dolle ist, wie es sein könnte. :-)
Zu den gekauften Fuchsien: Sehr günstig konnte ich drei normal kleine stehende Fuchsien dieses Frühjahr ergattern, mit dem Ziel, das eine oder andere Hochstämmchen daraus selbst zu ziehen. Die drei verschiedenen Fuchsien-Pflanzen haben sich im Wachstum erstaunlich unterschiedlich entwickelt, was man auf den Bildern aber nicht so gut sieht:
Fuchsie rosa-weiß gefüllt wächst quasi hoch und breit und kräftig, und wird daher ein Strauch werden:
Fuchsie hellrosa-violett gefüllt wächst gefällig halbkugelig-dicht, hat aber so kurze Internodien/wächst so kompakt, dass sie, um als Hochstamm Höhe zu gewinnen, Ewigkeiten bräuchte:
Fuchsie hellrosa-pink wächst mit längeren Internodien, verzweigte sich allerdings sehr mäßig von selbst, was für den Hochstamm-Gedanken erstmal prima ist. Die Form gefiel mir am wenigsten, die Internodien sind am längsten, daher ist für den Hochstamm 2010 meine Wahl auf diese Pflanze gefallen:
Anleitung Fuchsien-Hochstamm selbst gemacht
Jetzt wollte ich mal zeigen, wie man einen Fuchsien-Stamm selbst ziehen kann. Am besten fängt man damit sofort oder bald an, bevor die Fuchsien-Jungpflanze noch allzu sehr verholzt und sich in eine selbst gewählte andere Form begibt, die später schwerer zu korrigieren ist. Außerdem kann sie dann das Wachstum gleich in den Trieb stecken, der später den Stamm bildet, statt sich auf allzu viele Äste zu verteilen.
Man nehme also die Fuchsien-Pflanze zur Hand und schaue sich an, was da an Trieben dran ist, die möglichst sowieso schon aufrecht nach oben wachsen, und welcher davon einen guten Leittrieb /späteren Stamm abgeben könnte, bzw. kaufe gleich eine Pflanze, die schon einen schönen senkrechten Trieb mitbringt. Oftmals ist das dann halt aber auch nicht so, so dass man sich einen basteln muss. Ausgangspunkt nochmal:
Erstmal alles direkt am Ursprung abscheiden, was garantiert kein senkrechter Trieb ist… Dabei kann man die Fuchsie, wenn man will, gleich aus dem Schnittgut per Steckling vermehren (->Stecklingsvermehrung, Anleitung). Das klappt in Wasser oder Erde ziemlich einfach. Wir behalten eine Fuchsie mit Gabelung über:
Den rechten, oder den linken Trieb? Ich habe mich für den linken als künftigen Hauptast entschieden, weil er insgesamt gerader und eine Kleinigkeit länger war. Den rechten also auch noch abschneiden…
Den verbliebenen Fuchsien-Ast von kleinen Seitentrieben und Blättern an den Anbinde-Punkten befreien und ein wenig in Form zwingen, was gut geht, wenn die Pflanze eben noch wenig verholzt ist, und die Triebe dünn, und an einen Stab gerade nach oben binden:
Bei einsetzendem Dickenwachstum sieht man den kleinen Knick dann später kaum noch. Eigentlich je nach Blickwinkel jetzt schon kaum mehr:
Das war am 18.7. Bis heute hat das noch kleine Fuchsienstämmchen bei Kaum-Düngen ein Drittel an Länge zugelegt:
Fuchsien-Stamm – Phase 1
Die weiteren Pflegearbeiten auf dem Weg zum selbst gezogenen Fuchsienstämmchen bestehen eigentlich nur darin, sich in Geduld zu üben, regelmäßig den Zuwachs am Stab festzubinden, und neu entstandene Seitentriebe laufend zu entfernen, damit die Pflanze ihre Kraft auf das Triebspitzenwachstum des Hauptasts richtet. (rot: Seitentriebe laufend entfernen)
Manchmal hat man die Situation, dass plötzlich zwei Triebe oben dran sind, weil Fuchsien sich halt gern und freiwillig verzweigen. Dann schneidet man einen Trieb eben wieder an seinem Ursprung ab, und legt den anderen als Hauptast-Fortsetzung an den Stab zum Festbinden, und weiter gehts. ;-)
Fuchsien-Krone ziehen – Phase 2
Wenn die gewünschte Stammhöhe erreicht ist, kappt man die Spitze der Fuchsie, und beginnt dort durch regelmäßiges Entspitzen der entstandenen oberen Neutriebe die Verzweigung zu fördern, bis das Stämmchen eine gefällige Krone hat. (rot: Schneiden, um Verzweigung zu fördern):
So lange die Fuchsie also noch nicht die gewünschte Stämmchen-Höhe hat, bleibt sie immer eintriebig, danach im oberen Teil genau das Gegenteil schneiden.
Fuchsien hören übrigens auch später nicht auf, Seitentriebe zu bilden, so dass man am Stamm einige Jahre immer wieder nach-pflücken muss, bis es weniger wird. Wenn man will, kann man die am Ursprung in Topfnähe herauswachsenden Triebe dann später wachsen lassen, so dass sie eine “Unterpflanzung” darstellen. So sieht auch Moms alter Hochstamm aus: Oben Krone, unten drunter niedriger Fuchsien-Busch.:
Diese Stämmchen-Ziehen-Anleitung könnte man auch für Wandelröschen, Geranien und viele andere Balkonpflanzen anwenden, die im Wuchsverhalten ähnlich sind, und deren Zweige mit der Zeit verholzen. Ähnliches Wuchsverhalten bedeutet: Pflanze bietet freiwillig reichlich Verzweigungen an / (geringe Apikaldominanz/ “Busch-Wachstum”/ oberster Leittrieb wird nicht von Natur aus stark bevorrechtigt).
Pflanzen mit einem Wuchsverhalten also eigentlich ähnlich zu Tomaten, die man beim Ausgeizen auch ähnlich behandelt und eine Verzweigung systematisch unterbindet, um Eintrieber zu erhalten. Nur bei wenigen Pflanzen klappts anders besser / schneller, ein Stämmchen zu ziehen, wie z.B. beim Oleander-Stämmchen oder Liguster-Stämmchen, bei denen ich durch Ausschneiden eines “Stamms” aus einem Busch, und Hinbiegen der Krone aus bereits gewachsenem Pflanzenmaterial gut gefahren bin.
Fuchsien überwintern
Fuchsien überwintern frostfrei in Garage oder Gartenhaus, vorher um ca. 1/3 zurückschneiden (angehende selbstgezogene Stämmchen natürlich nicht unbedingt).
mehr Fuchsien:
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9 Kommentare bisher
KommentierenIch liebe Fuchsien, aber auf meinem mickrigen Südbalkon leider kaum realisierbar… einmal hab ichs versucht, aber es geht einfach nicht. *seufz* Die einzige Möglichkeit wären Blumenkästen an den Fenstern der Nordseite, aber abgesehen davon, daß einem da die herumlaufenden Kids alles rausreißen, die Halterungen für Fensterbretter sind schweineteuer.
Vielleicht versuche ich mich ja mal an einem Oleanderhochstämmchen oder so….
Ja, mach doch mal. Mein Oleander-Hochstämmchen, vor Jahren wegen Windanfälligkeit im alten Garten zurückgetauscht gegen die Mutterpflanze, kommt übrigens nächstes Jahr oder so wieder zu mir zurück. Das zeig ich dann mal wieder. Soll ein Prachtstück sein mittlerweile.
Hallo Gärtnerin,
danke für die detailierte Anleitung! Nach so etwas habe ich schon lange gesucht. Das ist mal eine tolle Idee. Ich liebe Fuchsien und als Stämmchen ist sie bestimmt ein schöner Blickfang. Diese Methode kann man dann sicherlich auch auf Rosen anwenden, oder?
Ich versuche es mal für Beide.
Ich war auch gerade am Überlegen, ob sich das auf andere Pflanzen, die sich hinsichtlich Verzweigung und Verholzung änhlich verhalten, übertragen lässt… ein unerschöpflicher Quell für neue Ideen, der Gärtnerblog – vielen Dank!
:-)
Danke für die Anleitung .Mit Fuchsien habe ich es nicht so,die wollen im Winter nicht bei uns in der Wohnung leben,habe es x-mal versucht.Nun versuche ich es mit Geranien.Bloß kann ich jetzt damit anfangen oder erst im Frühjahr wenn sie neu austreiben? Sie stehen im Balkonkasten in voller Blüte. Für Hilfe bin ich ganz doll dankbar.Hannchen
Gern geschehen. Wenn Du nach was lange suchst, frag doch einfach, vielleicht kann ich helfen, Dornensplitter. :-)
Probiert es doch einfach mal bei unterschiedlichen Pflanzen. Anfangen kann man jederzeit. :-)
Ich möchte auch mal ein Hochstämmchen aus Fuchsien
ziehen, aber die winterharten kommen doch jedes Jahr von unten neu? Die alten Triebe vertrochnen doch?? Hat jemand Erfahrungen damit???
Danke!!!!!!!!!!!
Hallo-
Leider bin ich immer noch unschlüssig,
ob ich alte Fuchsien-Hochstämmchen-Triebe
vor der Überwinterung
auch um 1/3 zurückschneiden darf, ohne
daß sie Schaden nehmen -
sonst alles bestens -
Danke – Gruß – und “happy planting”
KKK
Die Triebe schon, besser nicht die gesamte Krone. :-)
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