Gärtnerin · 23. Februar 2010, 13:02

Garten 00-1

Alte Fotos gefunden, von “meinem” ersten Garten! Dieser Garten mit seinen Pflanzen hat mich geprägt, und wurde deshalb auch damals schon beim Gartenblog-Willkommen erwähnt:

“Beim nächsten Umzug 2000 konnte ich mir Wohnen ohne Garten schon gar nicht mehr vorstellen und mietete eine Wohnung mit meinem ersten “eigenen” Garten – 600qm zugewachsene Gartenwildnis. Da gabs richtig viel zu tun, vor allem bodenverbessernde Maßnahmen (schwerer toniger Boden), Bäume fällen, alte Stauden-Schätzchen teilen, verjüngen und Sträucher (Strauch- und Heckenrenovierung) retten und ich lernte, lernte, lernte.”

Die Nummerierung Garten 00 ergibt sich durch Rüchwärtszählen. Jetzt sind wir in Garten 2, Garten 1 wurde gerade aufgegeben und dann gab es noch (Reihenhaus-)Garten 0, von dem hier eigentlich nichts zu sehen ist. Warum das alles so war und ich so Pflanzenrenovier- und Pflanzenvermehrungs-freudig drauf bin wie ich bin, erklären die Bilder vielleicht: Die Fotos sind entstanden bei Einzug, als Dokumentation aus Sicherheitsgründen, für den Fall, dass es Ärger mit dem Vermieter geben würde. Das Grundgefühl der Vorsicht war richtig, es hat nämlich (mächtig) Ärger gegeben, es sind sogar Natursteinplatten geworfen worden (nicht von mir) allerdings wurde die Fotodoku schließlich glücklicherweise nicht gebraucht.

Warum ich sie hier zeige: Nostalgische Erinnerungen überkommen mich! Viele der Pflanzen auf den Bildern sind Mutterpflanzen von Pflanzen, die ich dort vermehren gelernt habe, und die hier auf dem Gartenblog zu sehen sind. Was habe ich alles gelernt und getan, um diesen entgleisten Garten wieder schön herzurichten. Der alte Besitzer war gestorben, die Erben hatten länger keinen Finger krumm gemacht, und das einstige Paradies war vorerst absolut verkommen, und immer noch so reich. Man musste den Schatz nur wieder freilegen. So einen Garten zu mieten ist schon relativ heldenmütig für einen Anfänger, so nachträglich gesehen. :-) Genau an dieser Stelle muss ich mal ein ganz dickes Dankeschön an die damaligen Mein-schöner-Garten-Gartenforum-Teilnehmer schicken, die mir (damals am Anfang) sehr, sehr, sehr viel weitergeholfen haben mit Rat und Tat! Leider habe ich keine Nachher-Fotos, aber vielleicht kann man sich die Veränderung der Gartengestaltung doch vorstellen, wenn ich dazu sage, was ich wo so gemacht habe.

Es handelte sich um einen geneigten Hanggarten, Terrasse und Garteneingang oben am Haus, dann einen mit Pflanzen bewachsenen Hang, und eine große, abschüssige Rasenfläche, umgeben von altem Baumbestand (alte Fichten, alte Apfelbäume, Kirschbäume, Eiben, Wacholder, Buchsbäume…) sowie noch so manchem Gewächs dazwischen.

Der Garteneingang Garten 00 war versehen mit einer verkahlten Heckenkirsche-Einfassungshecke.

garten 00 eingang

Dort habe ich sehr erfolgreich Hecken verjüngen gelernt, indem ich die alten Sträucher auf den Stock gesetzt habe. Innerhalb kürzester Zeit war da wieder eine dichte, grüne, rechteckige Hecke. Nachzuchten der Heckenkirsche aus Stecklingen begleiten mich seitdem.

Der Baum oben mit den Wildlingen aus dem Boden ist ein wunderschöner Haselnussbaum gewesen, allerdings durch die Wildtriebe aus dem Boden völlig zugewachsen. Ich habe sie regelmäßig abgeschnitten, aber nie wieder wegbekommen, denn hat sich erst mal am Fuß des Baums ein entsprechendes Wachstumsgewebe gebildet, das solche hervorbringt, wächst das dort immer und ewig wieder nach. Der Haselnussbaum hatte den Haselnussbohrer. Die Nüsse hatten alle kleine Löcher und waren nicht verwertbar, und eine Lösung für diesen Schädling habe ich damals nicht gefunden. Der Baum war auch meterhoch… Hinter der Hecke wuchs an manchen Stellen noch spärlich Pachysandra, ein immergrüner Bodendecker, den ich massiv gleichzeitig in Balkonkästen und im Boden dort durch Teilung vermehrt habe, um den Boden wieder dicht bewachsen zu kriegen. Dazwischen hatten sich wilde Akeleien gesät und Schneeglöckchen dichte Horste gebildet, aber das wusste ich bis zum ersten Frühling gar nicht. Es war entzückend anzuschauen. Eine überalterte rosa Herbstanemone als einzige hohe Staude wurde dort entnommen, geteilt und in vielen Stücken anderswo im Garten vor den Gehölzrand verpflanzt. Der alte Herr muss Pflanzen sehr geliebt haben. Ich habe unbekannterweise oft an ihn gedacht beim Gärtnern in seinem Garten, und durch die Nachzuchten von seinen Pflanzen lebt er in all meinen Gärten weiter.

Eine total vergreiste Kletterrose gegenüber dem Eingangsbeet musste renoviert werden.

garten 00 eingang kletterrose

Hier habe ich, wie auch bei vorhandenen Edelrosen und Bodendeckerrosen nach Anleitung meiner Mom das Rosen-Schneiden gelernt. :-) Die Kletterrose hat dann im 2. Jahr wunderschön pinkrot geblüht. Ein tolles Erfolgserlebnis war das! Kleiner Blick auf das Bodendeckerrosen-Gestrüpp, das erstmal niedergemacht werden wollte,…

garten 00 bodendeckerrosen

und mich durch gesunde Bodendeckerrosen-Stecklinge bis zum jetzigen Garten auch noch jährlich erfreut. Ich halte sie für “The Fairy“. Der ganze Rosen-Hang war mit wilden Primeln unterwachsen, die sich dort selbst versät hatten und von Wilderdbeeren überwuchert waren. Nach Freischneiden der Rosen und Entfernen der Erdbeerausläufer konnte man sie im Frühling in allen Farben blühen sehen. Es war wunderschön! Andere Frühlingsblüher an der Stelle waren riesige Dichternarzissen-Horste. Tausende Narzissen im Garten, ungelogen. Daher wohl u.a. auch meine Vorliebe für weiße Narzissen. Es hat eine Weile gedauert, bis ich mitbekommen habe, warum sie überhaupt nicht mehr blühen wollten: Die Zwiebeln hatten sich stark vermehrt und waren zu dicht aufeinander. Narzissen hören auf zu blühen, tun das aber ganz bald wieder, wenn man sie auseinandersetzt… Und die alten Tulpen, die nur noch Blätter schoben, habe ich gedüngt, bis sie im 2. Jahr danach wieder blühten.

Weiter an dem Garteneingangsbeet entlang stand eine prächtige Aucuba japonica (auch wenn ich das damals nicht wusste), die aber unten total verkahlt war, was man hier nicht so sieht, sowie die unansehnlichen Reste einer lieblos abgehackten Thuja-Hecke.

garten 00 aukube thuja

Deswegen weiß ich, dass bei aller Hoffnung Thuja nach starkem Rückschnitt nicht bis kaum regeneriert und Aukube auf Verjüngungsschnitt sehr schön verzweigt und dicht weiterwächst. In die Thuja-Stümpfe habe ich bewurzelte Efeu-Stecklinge geschickt, um nicht mehr auf den Schandfleck schauen zu müssen.

Der Boden daneben unter alten Fichten, genau am Terrassenrand, war unansehnlich kahl:

garten 00 alter baumbestand

Zuerst habe ich dort versucht buntlaubige Efeusorten anzusiedeln, aber sie haben sich als zu wenig frostfest erwiesen. Weiter unten wuchs Immergrün (Vinca minor) erfolgreich. Ich habe es brachial vermehrt, um den Boden unter den Nadelbäumen damit auszustatten. Das hat funktioniert. Immergrün hat seine Vorzüge. Der dünne Baumstamm dort auf dem Bild gehört einem alten Flieder, der zurückgeschnitten, von Wildtrieben aus dem unveredelten Teil aus dem Boden befreit und so wieder zur Blüte gebracht wurde. Ihm wurden eine Menge Pfingstrosen beigegeben, die anderswo im Garten das Blühen altershalber lange aufgegeben hatten. Durch Falsch-Einpflanzen (erstmal zu tief) habe ich gelernt, warum Pfingstrosen nicht blühen.

Weiter links um die Ecke mussten ein paar Wildsträucher, die sich selbst ausgesät hatten, erstmal gerodet werden, …

garten 00 terrasse

woraufhin eine mir unbekannte Blütenstaude da untendrunter innerhalb kürzester Zeit Hunderte von Blüten in gelb schob. Ich musste erst noch lernen, dass die Pflanze Gemswurz heißt, wunderschön dicht und anspruchslos auch an mageren Standorten gedeiht und einen schönen grünen Teppich zaubert. ;-) Die Kletterrose am Pfahl war abgestoben und wurde entfernt. Die Iris an der nächsten Terrassenecke waren vergreist, große kahle Flecken dazwischen, und blühten kaum noch. Es handelte sich um diese violetten Bartiris hier auf dem obersten Bild, die mich seitdem auch begleiten. Da ich nicht die ganzen Rhizome zum Verjüngen einzeln ausgraben und wieder einpflanzen wollte, habe ich einfach alte, abgestorbene Knollen rausgenommen und ungefähr die Hälfte der Knollen dort entfernt. Das hat gereicht, um sie in einem Jahr wieder topfit zu kriegen. Die lose hingestellten Kantensteine am Terrassenrand wurden in die Erde eingesenkt, damit sie niemandem auf die Füße fallen.

Fortsetzung: Garten-Nostalgie 2

eingewurzelt unter: Garten allgemein,Gartenbesichtigung

Alle anzeigen mit Stichwort:

Vor einem Jahr
Rasen-Kissen Gärtnerin Art



2 Kommentare bisher

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Micha, 24. Februar 2010, 08:35

Dein Garten sieht aus wie eine Kopie von meinem :-) Bei mir wuchert allerdings noch mehr Unkraut.

Manuela, 25. Februar 2010, 17:04

Ich mag ja wilde Gärten!

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