Gärtnerin · 24. Februar 2010, 10:07

Garten-Nostalgie 00-2

Teil 2 der Vergangenheit in Garten 00:

Der Garten-Hang von der Terrasse abwärts war völlig überwuchert, Beeteinfassung/Rasenabgrenzung überhaupt kaum mehr sichtbar:

garten 00 hang 2

Beschwerden bereitete vor allem der außer Kontrolle geratene Goldfelberich, der sich mit seinen schweinchenrosa Wurzelausläufern bereits in den Rasen vorgearbeitet hatte, und der, einmal eingewachsen, trotz sorgfältiger Wurzelrodung so gut wie nie mehr vollständig zu entfernen ist. Ansonsten viele überalterte Bergenien mit langen, kahlen Stielen, die verjüngt werden mussten, quadratemeterweise verkahlte Schneeheide, die nach Rückschnitt etwas bummelte, wieder dicht auszutreiben, aber immerhin dann doch schön blühten. Stecklingsvermehrung ist mir bei ihr leider nie gelungen, und teilen wollte ich nicht, weil die riesengroßen Schneeheide-Polster nur in der Mitte eingewurzelt waren, und sonst nur auf dem Boden auflagen.

Die Kiefer im Hang wurde entfernt:

garten 00 hang

Und an dieser sonnigen Stelle eine Spätsommer-Stauden-Mischung aus lang blühenden Mädchenauge und rosa Fetthenne und Lavendel gepflanzt. Boden außerdem “dicht gemacht” mit bodendeckendem Mauerpfeffer. So konnte man dann vom dahinterliegenden Fenster auch wieder in den Garten schauen. Auf dem obigen Bild sieht man rechts auch “den Professor” hereinragen, leider nur in Teilen, den ich beim Thema Tamariske erwähnt hatte: Eine uralte, von mir heißgeliebte Frühlingstamariske mit aufgeastetem Stamm, die oben eine wirre, einsteineske “Frisur” trug, und im Frühling üppig rosa blühte. Das unbekannte Gehölz zu benamsen hat man mir damals im Mein schöner Garten-Forum geholfen. Dazwischen im ganzen Hang verteilt uralte, verholzte Edelrosen und Bodendeckerrosen, verwachsene Cotoneaster und sonstnochwas…

Von der Terrasse rechts schräg den Hang runter führte ein alter Natursteinplatten-Weg, der so zugewachsen war, dass man ihn nicht mehr begehen konnte. Neben Sträuchern und Bäumen wandert auf dem Bild auch wieder Goldfelberich herum, sowie steht da noch eine der überalterten Pfingstrosen, die später zum Flieder gepflanzt wurde.

garten 00 natursteinplatten-weg am hang

Der verwachsene Goldliguster musste auch wieder schön geschnitten werden. Weg freilegen: Da lernt man den Umgang mit der Heckenschere recht ausführlich. Der vorhandene Kompostplatz ward in Tagen mit meterhohem Gehölzschnitt bestapelt, so dass ich mir einen Häcksler lieh, um zwei Tage am Stück das ganze Schnittgut zu häckseln. Die Nachbarn dürften sich bedankt haben. :-)))

Genau hier wurden dann später auch cholerisch Platten geschmissen. Der alte Gartenweg war bei extremem Regenfall teilweise den Hang hinunter abgerutscht.

garten 00 gartenweg abgerutscht

garten 00 gartenweg abgerutscht 2

Dass bei der Schadensbesichtigung der Vermieter aus der Hose springt, und drohend Natursteinplatten schleudert, hatte ich nicht erwartet, und hat mich um körperliche Unversehrtheit fürchten lassen. War u.a. ein Grund dafür, dieses Anwesen recht bald wieder zu verlassen.

Am unteren Ende des Natursteinplattenwegs stand ein riesiger, aufgeasteter Perückenstrauch, also vielmehr Perückenbaum:

garten 00 perückenstrauch

Ich hab ihm die unteren Fransen geschnitten, damit´s ein ordentlicher Baum sei, und versucht, das Beet zu seinen Füßen zu begrünen. Hier war das Moos aus dem Rasen über die Beeteinfassung ins Beet gewuchert, und von mir entfernt worden. Niederlage! Eine gescheite Unterpflanzung ist mir nie gelungen. Das Erdreich war so verwurzelt, das man mit dem Spaten Wurzelteile ausstechen musste, aber die gepflanzten Pflanzen haben der Wurzelkonkurrenz nie standgehalten, und sind immer wieder verschwunden. Trost: Dort waren so üppig Blausternchen und Puschkinien vorhanden, dass man im Frühling einen blauen Blüten-Teppich begrüßen konnte.

Zur Rechten der Terrasse am Garten-Rand stand eine uralte, 4 m hohe Eibe, wunderschön knorrig frei aufrecht gewachsen.

garten 00 alte eibe

Sie hat mich gelehrt, dass große Eiben an trockenen, warmen Sommertagen gelbe Nadeln eimerweise fallenlassen können, weil sie zu trocken stehen, und man dann mehr Zeit zum Kehren braucht, als für die Bewässerung nötig gewesen wäre. Sie, ich und der Gartenschlauch sind daher eine enge Beziehung eingegangen. Der Boden zu ihren Füßen war seit Jahren mit Nadeln übersät und damit relativ unbekömmlich für Pflanzen, außer für die überall im Garten wild wachsenden und wild-wurzelausläufertreibenden Farne. Ich habe einige mehr mutwillig dort unterpflanzt, und dem Ganzen ein pflegeleichtes, waldiges Ambiente mit bodendeckendem Efeu verpasst, der dann nur noch regelmäßig am Plattenrand geschnitten werden musste, und das Erdgeriesel auf die Platten unterband. Das war ne schöne Ecke, echt. Eingewachsene Gärten lassen sich mit ein paar Details so viel schneller zu traumhaften Plätzen umgestalten als Neubau-Gartenland. Für alten Baumbestand würde ich mir auch heute noch beide Arme abhacken. ;-)

Neben der Eibe begann das Staudenbeet. Neben Tamariske-Ästen sieht man auf dem Bild …

garten 00 herbstastern

eine der beiden quasi-einzigen Komponenten: Hohe Herbstastern, ca.4 Quadratmeter davon am Stück. Blühen natürlich ganz schön im Spätsommer, gleichzeitig vertrocknet aber das Laub von unten her an den langen Stielen, und macht so ein hochgestieltes Mono-Herbstastern-Beet echt unansehnlich. Ich kann hohe Herbstastern deswegen bis heute nicht leiden. :-(

Die zweite Staude, ebenfalls quadratmeterweise, war gelber Sonnenhut (Bild von dessen Nachfahren). Ich habe mich in der Zeit darauf bemüht, viele Staudenpakete abzustechen und mit anderen Gartenfreunden gegen andere Sorten zu tauschen, um dem Beet mehr Vielfalt zu geben. Außerdem sind wiederum anderswo andere Schätze im Garten gewesen, die ich für hier vermehrt habe. So z.B. diese Malven-Stauden (Bild oben), Herbstanemonen, verschiedene, Bergflockenblume, die unter dem Apfelbaum in Resten vegetierte, Schleifenblume-Polsterstauden und Eselsöhrchen, die einen guten vorderen Rand zum Rasen hin fürs Staudenbeet ergaben. Unterm Apfelbaum wurden anschließend die roten, weißen, rosalichen Christrosen verstärkt, die sich in dem schweren, lemigen Boden an wieder anderer Stelle hundertfach ausgesät hatte und natürlich ohne Ende Schwarzfleckenkrankheit hatten, was ich aber auch erstmal lernen musste. Aus der Christrosen-Verpflanzung habe ich nebenbei gelernt, dass meine Haut hochgradig sensibel auf Kontakt mit deren gezackten Blättern reagiert, und juckenden Ausschlag hervorbringt. Seitdem nähere ich mich diesen schönen Blühern mit Bedacht und Handschuhen. :-)

Und die Ur-Campanula portenschlagiana, Mutter meiner Bodendecker-Glockenblume, wuchs außerhalb des Gartens im Staub unter einem Wacholder, und wurde durch Teilung auch in den Garten als Vorpflanzung für höhere Stauden hereingeholt.

Noch ein kleiner Letzter, an den erinnert werden soll: Dieser Spinzel-Sommerflieder hatte wohl ursprünglich an seinem ungünstigen Schattenplatz nie eine Schere gesehen:

garten 00 sommerflieder

Durch den Sommerflieder-Winterschnitt wie beschrieben wurde er trotzdem ein mächtiger Blütenstrauch. Und sein stecklingsvermehrter rosa Nachfahre blüht in Garten 1 weiter. In Garten 2 ist kein Nachfolger mehr mit umgezogen, weil hier schon so viele Sommerflieder vorhanden waren.

A propos Winterschnitt. Garten-Wetter frostfrei Tag und Nacht zur Zeit, ich geh dann mal die Gartenschere suchen…

Nachtrag: Noch ein Fehler, den ich nie wieder machen würde: Ein alter Kirschbaum war umgestürzt und wurde gehäckselt. Das frische Häckselgut habe ich u.a. auf dem Staudenbeet verteilt. Man sollte meinen, dass man dem Boden damit was Gutes täte, von wegen Mulch und so, allerdings entzieht das bei der Verrottung dem Boden so viel Stickstoff, dass in der Folge alle Pflanzen gewaltig mickern. Nicht tun!

eingewurzelt unter: Gartenbesichtigung

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11 Kommentare bisher

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Betula, 24. Februar 2010, 12:37

Bei der Sache mit dem alten Baumbestand ist schon was dran, wenn es nicht zu große Teile sind und sie am richtigen Platz stehen. Wir haben ein Haus mit Garten (beim Kauf 20 Jahre alt). Auf den ersten Blick wirkte der Garten toll mit den alten Bäumen und Sträuchern. Mit der Zeit stellen wir aber fest, dass viele der Gehölze zu groß geworden waren und dem Haus und dem Garten Licht wegnahmen oder sonstwie im Weg standen. Vor allem Bäume werden mit den Jahren halt riesig und der Schatten den sie werfen auch. Das ist bei der Bepflanzung zu wenig berücksichtigt worden. Von den alten Bäumen und Sträuchern die jetzt noch das sind, werden einige in den nächsten Jahren noch weichen müssen, da sie zuviel Schatten machen bwz. zu dicht an der Thuja-Hecke des Nachbarn stehen und diese verkahlt :-(

Gärtnerin, 24. Februar 2010, 13:02

Ja klar, Betula. Das ist natürlich von Nachteil. Aus dem Bestand des obigen Gartens sind auch einige gewichen. Ist aber halt doch was anderes (nicht weniger mühsam, im Gegenteil, aber zeitlich gesehen doch viel schneller), wenn man die Wahl hat, von reichlich Großem was wegzunehmen, als wenn man bei frisch gepflanztem 50 cm-Sträuchern und dreijährigen Mager-Apfelbäumchen 10 Jahre wartet, bis sie wenigstens mittelhoch sind, und nochmal 10, bis sich Atmosphäre einstellt. So hat jeder sein Kreuz zu tragen. :)

Gärtnerin, 24. Februar 2010, 13:04

Beim Bäume-Fällen fällt mir noch ein: Übrigens war bei Einzug eine Riesen-Fichte direkt vor dem Schlafzimmer in Brusthöhe gekappt worden (Die Liebe zum Baumstumpf ist mir unbegreiflich, aber gut), und ich habe das dann als Blumenampelstele verwendet.

Elisabeth, 24. Februar 2010, 14:21

Liebe Gärtnerin,
beim Lesen deiner Geschichten könnte ich meinen, du bist vor Jahren Bewohnerin unseres Grundstücks gewesen, kann aber nicht sein, ich kenne die Bewohner. Aber sonst passt alles, die gleichen Pflanzen mit denen man kämpft, Goldfelberich, hochbeinige Astern, ausufernde Schleifenblumen und allergieauslösende schwarzfleckige Christrosen. Sogar Perücken-”baum”, staksiger Sommerflieder, verkahlte Heide und geköpfte Fichte stimmen. Ich hätte auch noch Unmassen von Topinambur an den unmöglichsten Stellen und natürlich Ackerwinde und Giersch zu bieten. Wahrscheinlich waren alle diese Gewächse in den 60iger – 70iger Jahren total in Mode. Nur der ebenso vorhandene Hang kommt nicht runter – noch nicht, doch auch der Plattenbelag ist identisch! Den wirft zum Glück keiner, der war im Kaufpreis inbegriffen.
Ich kämpfe trotzdem weiter, jedes Jahr wird wieder ein Stück freigelegt.

Keisha, 24. Februar 2010, 15:01

Bei solchen Erinnerungen an verwilderte Gärten kommen mir spontan 3, natürlich nicht ernst zu nehmende Gedanken auf:
1. Gottseidank hab ich keinen Garten!
2. Bombe zünden oder Planierraupe nehmen. Geht schneller, kostet weniger Nerven.
3. Vor 2. noch beim NABU anfragen, ob man das nicht als Naturschutzgebiet ausweisen kann… gibt Gelder von der EU. Wenn nicht: Siehe 2.

Mal im Ernst.
Für einen gemieteten Garten hätte ich, glaube ich, nicht den Nerv und die Lust, so einen Aufwand an Geld und Zeit zu investieren. Und wenn die Herrschaften dann den Garten schön haben, wird Eigenbedarf angemeldet…

Klaus, 24. Februar 2010, 16:11

Hallo Betula !
In meinem Garten hatte ich einen “Zwergkirschbaum”
der wuchs und wuchs und nahm den anderen Bäumen Sonne und Nahrung. Der Ertrag war nur gering.
Jetzt kam die Kettensäge zum Einsatz. Er wurde eingestutzt und die Rinde abgeschält, eine große Baumscheibe drumherum und Kletterrosen gepflanzt.
Es sieht schon gut aus und mit etwas Phantasie kann man sich vorstellen wie es aussieht wenn die
Rosen den Baumstumpf überwuchern. Er ist etwa 4
Meter hoch. Um die Begrünung zu forcieren pflanze
ich in diesem Jahr Afrikanische Riesenkalebassen
in die Baumscheibe. Die Triebe sollen ja bis 15
Meter lang werden.

Gärtnerin, 25. Februar 2010, 13:59

:-))) Keisha, Du hast ja irgendwie Recht. Wobei mich das Ganze kein Geld, sondern nur Arbeit gekostet hat. Wenn man bedenkt, dass ich die minikleine Dienstboten-Souterrain-Wohnung mit bei Regen überlaufender Toilette im sanierungsbedürftigen Altbau nur deswegen gemietet habe, weil ich mich auf den ersten Blick in den Garten verliebt hatte, stellt man schon fest, dass man manchmal Opfer seiner Leidenschaften wird, besonders, wenn man sie dafür auch noch anschreien lassen muss…

Hihi Elisabeth, wie sich Garten-Schicksale gleichen! Ich leide ein wenig mit Dir. Topi, Ackerwinde und Giersch hatte ich aber damals glücklichweise nicht.

Susanne B, 25. Februar 2010, 18:27

Liebe Gärtnerin, ich bin voller Bewunderung für diesen anhaltenden Enthusiasmus. Für die ersten vier Wochen ginge das bei mir auch, aber danach…
@Keisha, Punkt zwei: Groooßartig *lach*!!!

Gärtnerin, 27. Februar 2010, 10:18

Vielen Dank, Susanne. Vier Wochen sind doch schon prima! In vier Wochen habe ich quasi nen halben Garten fertig planiert, wenn sein muss. :-) Nein im Ernst, ich glaube, dahinter steckt ist eine gewisse Ausdauer (möglicherweise auch krankhafte Besessenheit *g*), die u.a. auch dafür sorgt, dass ich seit 5 Jahren gartenblogge und immer noch nicht aufhören will. :-)

Susanne B, 28. Februar 2010, 20:09

Was ausgesprochen positiv für uns Leser und Hilfesuchende ist… weiter so!
:-)

Gärtnerin, 01. März 2010, 17:18

Jaja, man bemüht sich im Rahmen seiner Möglichkeiten. :-)
Is schon wieder Gartensaison-Stress. Tauschgarten-Wiedereröffnung steht an, so viel zu tun draußen…

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