Gärtnerin · 23. Juli 2010, 10:21

Rambler-Rosen im Topf

Bianca ist für Rambler-Rosen entflammt. Zu schön, diesen glühend-leidenschaftlichen Bericht zu lesen. ;-)

“Liebe Gärtnerin,

nach längerer Schreibpause melde ich mich mal wieder mit einem Beitrag für den Gartenblog. Der Anlass: Ich habe mich verliebt! Vor wenigen Wochen war in unserer Stadt “Tag der offenen Gartentür”. Da musste ich natürlich hin. Bereits im ersten Garten erwischte es mich: Ich habe zum ersten mal Ramblerrosen gesehen und bin ihnen gleich verfallen.

Zur Erklärung: Rambler sind Rosen, die selbsttätig klettern und dabei zum Teil mächtige Ausmaße erreichen. Sie überwuchern mit Vorliebe Bäume, Pergolen, Bögen und was sonst noch im Weg steht. Und das mit einer unglaublichen Wuchsgeschwindigkeit (langsame Kinder also besser nicht alleine im Garten lassen). Ich bin mir sicher: Davon ist das Dornröschenschloss umflort worden. Rambler besitzen lange, verhältnismäßig weiche Triebe, die im Jahr schon mal den ein oder anderen Meter zurücklegen können. Die Blüten sind im Vergleich zu anderen Rosen klein, aber zahlreich. Außerdem duften viele ganz wunderbar.

Bei meinem Besuch in besagtem Garten lernte ich neben der Besitzerin gleich zwei Vertreterinnen kennen: Ghislaine de Feligonde (hellgelb/orange, leicht gefüllt) und eine weitere, deren Namen ich mir nicht gemerkt habe. Ich vermute aber, dass es New Dawn war (rosa/weiß changierend, ebenfalls leicht gefüllt). Obwohl letztere nach Angaben ihrer Besitzerin erst seit 2006 an ihrem Standort saß, hatte sie sich schon zwei mittlere Bäume vollständig einverleibt. Rosenäste mit Trauben von Blüten hingen über die Bäume, dazwischen, daneben und überhaupt überall! Ghislaine de Feligonde war nicht minder einnehmend, auch sie hatte bereits einige kapitale andere Gewächse gekapert.

Ich fühlte mich tatsächlich wie im Märchen. Der kleine verwunschene Garten mit den Ramblerrosen (einige andere Rosen gab es auch) und zahlreichen Hostasorten war zauberhaft angelegt; lauschige Winkel mit Sitzplätzen zum Verweilen, ein kleiner Teich, viel Hach und Ohhhh…

Obwohl die Gartenbesitzerin mir erklärte, dass Rambler tief wurzeln und deswegen nicht in Kübeln zu halten sind, war mir klar: Das muss ich irgendwann ausprobieren. Dieses Irgendwann kam dann schneller als erwartet. In unserem Haus beherbergen wir einen kleinen Kulturverein, den wir selbst gegründet haben. Die Vereinsräume haben Zugang zu meinem Hofkübelgarten. Eines unserer Vereinsmitglieder war so begeistert von meiner Hinterhofbegrünung, dass er mich fragte, ob mir nicht noch irgendeine Pflanze fehlen würde. Dreimal dürft Ihr raten…

Gestern kamen sie an, gleich zwei; Gloire de Dijon und Alchymist, angereist in Containern. Ich hatte mir Orangetöne gewünscht, mich aber ansonsten überraschen lassen. Alchymist, eine Züchtung aus den 1960ern, soll gelb/orangefarben blühen und – hust – selbst für einen Rambler außergewöhnlich wuchsfreudig sein (der Gedanke an die nötige Kübelgröße trieb mir den Schweiß auf die Stirn, ein Zweithaus wollte ich eigentlich nicht bauen…)

Gloire de Dijon reiste direkt mit Kind und Kegel an: Sie hat schon drei Knospen, und eine ist offen! Sie ist stark gefüllt, changiert zwischen lachs- und crèmefarben. Und sie duftet! Die nur fünf Zentimeter große Blüte verströmt einen intensiven Duft nach sonnenwarmen Zitrusfrüchten, einem Hauch Sandelholz und – hmm – Rose.

Bei ihr streiten sich die Geister, ob sie nun wirklich ein Rambler oder doch eine “normale” Kletterrose ist. Sie ist eine für meine Begriffe alte Sorte aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Angeblich ist sie zickig, auch wenn ich angesichts ihrer gelungenen Blütendemonstration so kurz nach der Ankunft nicht ganz daran glauben mag (die Leute, die sie für schwierig halten, finden auch ihren Duft mittelmäßig). Wir werden sehen.

Hier zwei Bilder. Einmal beide Exemplare im Reiseoutfit (links Alchymist, rechts Gloire) und die bereits geöffnete Blüte der Gloire:

ramblerrosen

rambler-rosen

Ich hoffe, in Bezug auf die künftige Residenz eine akzeptable Lösung für die Herrschaften gefunden zu haben: Seit eben besitze ich zwei ausgediente (und inzwischen gereinigte) Ölfässer. Jedes etwas über einen Meter hoch und mit einem Durchmesser von ungefähr 60 Zentimetern (Augenmaß, also nicht so genau nehmen). Gloire de Dijon wird in ein rostbraunes Fass ziehen, während Alchymist ein blaues bewohnen soll.

Zusätzlich plane ich, an den zukünftigen Standorten den Hofbeton unter den Fässern punktuell zu entsiegeln, um potentieller Wurzelexzentrik Vorschub zu leisten. Als Baumersatz werde ich den beiden Bewährungsgitter anbieten, die mit etwas Abstand an die Hofwände gedübelt werden. Mal sehen, wie sich die beiden einleben.

Ich werde berichten.”

Da bin ich ja gespannt! Einen dauerhaft passenden Topf für eine Ramblerrose zu finden, scheint mir schwierig. In ein Fass gepflanzt, schaffen sie es sicher länger, und wenn darunter ein Loch für mehr Wurzelraum im Beton ist, bin ich überzeugt.

Zur Gloire de Dijon kann ich sagen, dass sie bei mir im Garten nichts als Probleme macht. Seit der ersten Blüte letztes Jahr auf den Fotos in diesem Beitrag ist sie anhaltend kränklich. Sie hat so ziemlich alles an Schädlingen und Rosen-Pilzkrankheiten, was man sich vorstellen kann, und zwar sowohl gleichzeitig als auch nacheinander. Als wo immer möglich non-Chemie bevorzugende Gärtnerin habe ich ihr notgedrungen schon quasi pfundweise Chemie verabreichen müssen, immer mit dem Ergebnis, dass im Anschluss gleich wieder was ist. Im Herbst wird sie verpflanzt, um zu schauen, ob sie an einem anderen Standort vielleicht besser… Wenn nicht, fliegt sie raus. Insofern interessiert mich natürlich besonders auch, was Du für Erfahrungen mit ihr machst, Bianca.
New Dawn hatte ich im alten Garten, war pflegeleicht und gesund. Vermisse ich schmerzlich. .-(

An alle: Hat jemand schonmal länger einen Rambler im Topf/Fass etc. gehalten und Erfahrungen damit? Wär doch interessant zu wissen…

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8 Kommentare bisher

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Betula, 23. Juli 2010, 14:17

Wir haben die Ramblerrose Lykkefund vor 3 Jahren neben den Eingang gepflanzt. Dort haben wir bei der Hofsanierung eine schmalen Kiesstreifen gelassen. Darunter ist ca. 60 cm Mineralbeton (Schotter). Der Wurzelbereich der Rose ist rechts und links noch zusätzlich durch die Betonfundamente vom Hoftor und Pergola eingeschränkt. Im ersten Jahr wuchs die Rose (Wurzelware) ca. 1,50 m, im zweiten und dritten etwas weniger, blühte aber prächtig und duftete betäubend. Die Sorte ist praktisch dornenfrei und deshalb gerade an Wegen gefahrlos. Außer ein paar Läusen hatte sie bis jetzt keine Schädlinge oder Krankheiten.
Mein Tipp für Bianca: Mach ein Loch ins Pflaster, fülle es mit guter Erde und Kompost und pflanze deine Rosen rein. Den Rest machen sie selbst, zumindest die robusten Sorten.

In dem o.g. Kies-/Schotterstreifen wachsen übrigens noch viele andere anspruchslose Pflanzen, B. Chatto lässt grüßen ;-)

Bianca, 23. Juli 2010, 19:25

Liebe Betula,

ja, ich hatte auch gehofft, dass die Rosen den Rest selbst erledigen, wenn ich den Boden entsiegele.

Die Fässer haben den zusätzlichen Nutzen, dass ich noch weitere kleinere Töpfe/Fässer/Waschbecken (ich nehme alles als Pflanzgefäß) vor die Riesendinger stellen kann. Wenn ich die Rosen direkt in den Beton setze, ist das schwierig.

Aber Deine Erfahrungen mit Lykkefund stimmen mich optimistisch, dass der Versuch mit der Rambler-Hofhaltung nicht aussichtslos ist.

Habe mir Lykkefund übrigens gerade mal angesehen, da könnte ich gleich wieder schwach werden…

Beste Grüße
Bianca

Steph, 24. Juli 2010, 12:37

Hallo Bianca, ich kann dich ja so gut verstehen es sind wundervolle Rosen.
Wir haben letztes Jahr eine Pauls Himalayan Musk gepflanzt. Sie hat dieses Jahr wundervoll geblüht. Auf fiefhusen.de sind Bilder zu sehen.
Bin gespannt auf die Berichte deines Topfexperimentes.

Viele Grüße Steph

Bianca, 24. Juli 2010, 19:30

Hallo Steph,

wow, ist der schön! Wahnsinn, das alles in einem Jahr! Wahrscheinlich wird jemand in hundert Jahren darunter den mumifizierten Hund vom Nachbarn finden, der nicht mehr schnell genug fliehen konnte…

Ich bin jetzt schon süchtig, jedes Mal, wenn ich solche Bilder sehe, denke ich: Die will ich auch! Und die! Und die erst!!!

Liebe Grüße von der Besitzerin eines – seit heute! – ca. 25 Quadratmeter größeren Hofgartens, der sicherlich bald völlig überwuchert ist.

Wühlmaus, 29. Juli 2010, 16:07

Ich habe auch eine Lykkefund an der Hauswand und kann Betulas Bericht in allem bestätigen. Ich habe auch nur ein paar Bodenplatten hochgenommen, den Zement darunter aufgeklopft und das Loch mit Erde aufgefüllt. Dass darunter noch eine Sandschicht ist, kümmert die Lykkefund überhaupt nicht. Der Haupttrieb ist jetzt im dritten Jahr nach Einsetzen der wurzelnackten Pflanze schon mindestens 3m hoch.

Viele Grüße

blaxxuns, 28. Juni 2011, 09:07

Liebe Gärtner und Gärnterinnen
Ich hab zu diesem Thema mal eine Frage..
Da ich leider nur einen Balkon habe, Rosen aber einfach viel zu schön finde, um darauf zu verzichten, habe ich mir jetzt eine Rose im Topf zugelegt (Beetrose “Gartenspaß”).

Ich hab mich im Internet auch schon fleißig zum Thema “Unterpflanzung, Begleitpflanzen” belesen und mir gedacht, mit ein paar hübschen Sommerblühern kann ich ja nichts falsch machen.
Denkste! Haben die von Dehner bei der Nachtkerze doch glatt vergessen draufzuschreiben, dass die winterhart und mehrjährig ist.. und deswegen ein Tiefwurzler.

Jetzt hab ich das Blümschn aber schon und weiß nicht wohin damit, außer in den Rosentopf.

Meine Frage ist jetzt also… Geht das vielleicht nicht doch, Rose und Nachtkerze (Oenothera speciosa “Siskiyou”)?

Liebe Grüße,
Jacqueline

Betula, 28. Juni 2011, 14:56

Das kommt stark auf die Größe des Topfes an. Ich würde es mal versuchen. Wenn die Nachtkerze sich als zu wüchsig für die Rose zeigen sollte, kannst du sie immer noch rauswerfen. Wenn die Rose sich durchsetzt, geht die Nachtkerze schlimmstenfalls ein. Du hast also nichts zu verlieren.

Anne, 29. Juni 2011, 16:09

Wir hatten einige Jahre lang Rosen in Kübeln: New Dawn, Raubritter (ein kletternder Strauch), und eine nette kleine Bodendeckerrose. Meiner Erfahrung nach spielen sie drei, vier Jahre lang brav mit, bleiben wohl in allem wesentlich zarter als ihre “frei ausgepflanzten” Kollegen – kein Wuchern, keine meterlangen Triebe, etc (Vergleichsobjekte hatten wir direkt daneben).
Danach aber fängt das große Kümmern an… all die Kübelrosentips von Düngen, Stärken, Regenwurmansiedeln, oberste-Erdschichten-Austauschen haben bei uns nicht viel gebracht.
Allerdings waren unsere Kübel nicht ganz so gigantisch wie Biancas, und einen Hinterausgang konnten wir den Wurzeln auch nicht bieten. Ob es damit besser klappt?
Bei meiner Ma, andererseits, hält es ein Rosenhochstamm schon seit mehr als 20 Jahren im Kübel aus und scheint sehr glücklich dort zu sein.

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