Gärtnerin · 21. Oktober 2013, 15:04

Baum-Wunde

Ein sehr ernsthaftes Garten-Problem: Der wunderhübsch gewachsene, veredelte Maulbeerbaum im Garten „blutet“ aus einer großen Wunde, und das mindestens seit vier Wochen.

Baum Astloch-Wunde

Aufgefallen war das erst, als das Harz aus der Baumwunde den gesamten Stamm runtergelaufen war, weil es auf der dem üblichen Aufenthalsort im Garten abgewandten Seite ist und also wohl ziemlich lange unbemerkt vor sich hin suppte. Und das ziemlich heftig, der Stamm war ganz nass. Die Wunde liegt in einem Loch an der Stelle, an der der Stamm sich zur Krone verzweigt, also im Zentrum des Baums. Im Gewebe des oberen, veredelten Teils, nicht in der Veredelungsunterlage. Da ich schlimme Erfahrungen mit Verletzungen von Veredelungsstellen z.B. bei Rosen gemacht habe, fürchte ich, dass es den Baum oder jedenfalls die Baumkrone das Leben kostet, wenn wir das nicht in den Griff kriegen.

Nicht dass was gewesen oder geschnitten worden wäre, das ist einfach so passiert/entstanden. Als erste Hilfemaßnahme wurde erstmal trocken getupft und ein Regenschirm über die Wunde gehängt, damit nicht noch Regenwasser im Loch stehen bleibt und Fäule begünstigt:

Baum Wundverschluss

Vielleicht war das auch die Ursache, dass da Regenwasser drin stehen geblieben ist? Kontrollen in den folgenden Tagen ergaben, dass dünnflüssiges Zeugs immer weiter aus dem Stamm rausläuft und nicht stoppt. Normalerweise sollten Bäume doch Wunden durch Harz selbst verschließen? Die austretende Flüssigkeit ist aber dünn und bleibt auch dünn und flüssig. Das geht nicht zu und hört auch nicht auf. Also bereits 2x mit einem Wundverschlussmittel für Schnittwunden an Bäumen (NL-Produkt von Bayer auf Pinienharz-Basis) versucht, die Blutung zu stoppen.

Baum Wunde blutet, Wundverschluss-Mittel Pinienharz

Fast alles was auf dem Foto nass-glänzend aussieht, kommt von dem aufgetragenen Harz (Also ganz so schlimm wie es auf dem Bild aussieht ist es nicht mehr, denn das Glänzende ist tatsächlich getrocknetes Harz. Dennoch läuft ein schmales nasses Rinnsal weiter aus dem Baum. Das dunkle Matte rechts und links vom Glänzenden zeigt, was für ein breiter Bach Flüssigkeit da anfangs rausgelaufen ist.

Fragen – Baum-Experten, bitte:

Dem Wuchs rund um die große, nässende Wunde herum nach geschlossen handelt es sich um was Uraltes, was vermutlich schon in der Baumschule passiert (vermurkst?) sein könnte. Hier muss wohl mal ein dritter dicker Leitast entsprungen und dann abgeschnitten worden sein, oder? Seit der Pflanzung hier vor 7 Jahren wurde nichts geschnitten. Oder hat jemand eine andere Idee, wie die Astloch-artige Baum-Wunde entstanden sein könnte?

Wie weiter? Jemand Erfahrung mit Wundverschluss bei Maulbeerbäumen?
Weiter mit dem Harz und hoffen, dass das irgendwann stoppt?
Oder ein anderes Mittel, sowas drüber schmieren, das das ganze Loch ausfüllt und verschließt? Wie wahrscheinlich ist es, dass ich damit eine vielleicht schon vorhandene bakterielle Infektion zu-zementiere und damit alles noch schlimmer mache? Erfolgsaussichten? Was am besten tun?

Ich würde mich über Rat sehr freuen!

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13 Kommentare bisher

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Helga, 21. Oktober 2013, 16:21

Hallo, habt ihr irgendwo Lehm in der Nähe? Wir hatten mal unseren Walnussbaum geschnitten. Der blutete auch wochenlang, ohne dass Baumharz Abhilfe geschaffen hätte. Erst als ich die Stelle dick mit Lehm eingeschmiert habe, hörte der Wundfluss auf. Ich drücke euch die Daumen.
Liebe Grüße Helga

Gärtnerin, 21. Oktober 2013, 17:05

Danke, Helga, cooler Tipp. Da muss ich mal im Hortensienbeet graben gehen, da ist ne Lehmschicht drin. ;-)

rena, 21. Oktober 2013, 18:46

harz oder wundverschlussmittel würden die bakterielle infektion die wahrscheinlich schon vorhanden ist nur noch verschlimmern, da keine luft dran kommt. vielleicht wäre lehm wirklich eine maßnahme

Ara, 21. Oktober 2013, 19:09

Hallo Gärtnerin,
Hallo Helga,
genau dieses Problem habe ich mit den Bäumen im Garten, wenn auch nicht so groß – ich befestige regelmäßig einen Slingtrainer daran und auch eine Schaukel für die Kinder hängt dran. Enorm ungünstig.
Das mit dem Lehm werde ich mal probieren.
Sportliche Grüße
Ara

Angela, 21. Oktober 2013, 20:49

Genau das gleiche Problem habe ich bei meinem Tulpenbaum zu beklagen. Der blutete im letzten Jahr den halben Stamm hinunter (aus ca. 2m Höhe) und war nicht mehr zu bremsen. Ein Wundmittel aufzutragen war wegen der ganzen Feuchtigkeit gar nicht möglich. Da ich bei den Verletzungen nicht sicher war, wer (Krallen der Nachbarkatze) oder was (Frost und Sonne im Frühjahr) die Risse verursacht hatte, habe ich den Stamm im letzten Winter mit Flies umwickelt. Das „Bluten“ hat zwar aufgehört, aber in diesem Sommer hat der Baum früh angefangen, seine Blätter abzuwerfen. Sie sahen aus, als wäre ein Pilz am Werk. Nun kann ich nur hoffen, dass er den nächsten Winter heil übersteht. Drückt mir die Daumen!

Klaus, 22. Oktober 2013, 17:33

Das gleiche Problem habe ich seit Jahren an Pfirsich, Nektarine und auch am Pfälzer Mandelbaum. Der geleeartige Saftfluß tritt nicht nur am Holz, sondern auch an den Früchten auf. Von keinem der Pflanzenlieferanten habe ich bisher eine befriedigende Auskunft erhalten wie man den Schaden beseitigen kann und was die Ursache ist.

Manni, 22. Oktober 2013, 19:37

Unser Baum suppt auch was das Zeug hält. Die harzende Stelle sieht sogar noch schlimmer aus und der experte meinte nach nur einem Blick darauf, das dort definitiv ein Ast entfernt wurde.
Davon würde ich bei euch nun auch ausgehen, doch Experte bin ich nicht.

Grüße Manni

Gärtnerin, 23. Oktober 2013, 10:06

Mensch, gibt´s viele blutende Bäume! *staun* Für all Eure Versehrten drück ich Euch kräftig die Daumen!

Ganz vielen Dank nochmal, Helga, ich war gestern im Beet nach Lehm graben, wurde fündig und habe die Baumwunde damit verschlossen. Bin gespannt, wie es weitergeht. Sollte ich versäumen zu berichten und jemand interessiert´s, schubst mich hier per Kommentar nochmal, bitte.

Klaus, 23. Oktober 2013, 17:24

Hoffentlich hast du nicht vergessen Stroh und Kuhmist darunter zu mischen. So habe ich es als Kind gelernt. Stroh allein mit Lehm reicht allerdings auch damit der Lehm nicht reisst.

Alexandra, 30. Oktober 2013, 20:10

Hallo Klaus: Das was bei deiner Nektarine, Pfirsich und Mandel handelt es sich um Gummifluss http://www.fug-verlag.de/on780 http://de.wikipedia.org/wiki/Gummifluss ob das beim Maulbeerbaum auch Gummifluss ist bezweifel ich, evtl. ist eine Infektion mit Bakterien/Schädlingen/Pilzen. Ich würde die betroffene Stelle versuchen Auszuschneiden. Den falls es eine Infektion ist hilft es dem Baum auch nichts wenn er die Wunde irgendwann selbst verschließt hat da er von innen zusammenfault

Klaus, 31. Oktober 2013, 09:38

@ Alexandra !
Herzlichen Dank für die umfassende Info. Gegen die Kräuselkrankheit und gegen Frostschäden kann ich etwas tun. Zumal einer meiner Nachbarn seinen Wacholder entsorgt hat. Ansonsten kann ich nur im kommenden Jahr die Bäume beobachten und auf die geschilderten Symptome achten. Es wäre schade wenn ich die Bäume entsorgen müßte. Weißanstrich habe ich noch ausreichend, von der Behandlung der Nashi, übrig.
Zumindest weis ich jetzt worauf ich achten muß. Maulbeerbäume neigen sehr stark zum Reißen der Rinde was man leicht durch streichen mit Weißanstrich verhindern kann. Mir ist dies beim Schwarzen und Roten Maulbeerbaum aufgefallen. Nicht verwenden soll man bei Maulbeerbäumen den Raupenleim da dieser zu Krebsartigen Wucherungen führen kann. Nochmals danke für die Info!

Gärtnerin, 11. November 2013, 11:42

Die Wundversorgung mit Lehm schien eine ganze Weile gut geklappt zu haben. Obwohl der Lehm immer noch gut abschließt, läuft jetzt aber an der Unterkante verlehmte Flüssigkeit raus. Der Lehm ist völlig durchweicht. Also keine endgültige Lösung für meinen Baum. :-( Ich lasse das jetzt über Winter mal so und schau im Frühling weiter.

Achim, 27. Mai 2016, 17:52

Hallo Gärtnerin und andere Betroffene. Hat das mit dem Lehm was gebracht.
Mein Maulbeerbaum blutet seit Jahren. Ein Wundverschlussmittel half nicht, weil sich die Flüssigkeit ihren Weg suchte. Außerdem sagte mein Gärtner, dass Zuschmieren eher kontraproduktiv sei. Ich hab’s entfernt. Der Baum blutet weiter, auch wenn es ihm augenscheinlich nicht zu schaden scheint. Weiß jemand Rat?

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