Gärtnerin · 05. März 2013, 13:25

Garten-Kalk

Im Zusammenhang mit Bodenvorbereitung für den Gemüseanbau im Garten habe ich u.a. verschiedene Kalk-Sorten gekauft. Kalken soll man eigentlich am besten im Herbst, aber jetzt gerade waren sie im Angebot. :-)

Im Zeitalter der für jede Pflanze speziell verkauften Pflanzen-Spezialdünger ist m.E. viel in Vergessenheit geraten in Sachen Grundlagenwissen Bodenpflege, Kalk und Düngung. Ich jedenfalls bin immer verwirrt ob der vielen Kalk-Sorten, die man kaufen kann. Gemüse- und Schrebergärtner sind da sicher versierter im Wissen.

Gartenkalk

Was ist der Unterschied zwischen Kalk-Arten für den Garten?

Was ist der Unterschied zwischen, was ist eigentlich Gartenkalk, Rasenkalk, Kalkstickstoff, Branntkalk, Magnesiumkalk, Algenkalk, Dolomitkalk, kohlensaurer Kalk, Ätzkalk….? Handelsnamen und chemische Bezeichnungen für Grundstoffe gehen hier durcheinander. Was braucht man eigentlich wann und wofür und wann kalkt man? Ich versuch mir das mal anzueignen, vielleicht hilft´s ja auch anderen.

Boden-Kalk-Grundlagen. Warum muss man kalken?

Kalk gehört mit zur Düngung und Bodenpflege. Er enthält selbst keine Nährstoffe, ist also ein Bodenhilfsstoff und wird zur Bodenverbesserung eingesetzt. Er macht den Boden krümelig und locker und ist bei der Lösung und beim Verfügbarmachen von Nährstoffen aus dem Boden beteiligt.

Der Kalkgehalt des Bodens bestimmt den ph-Wert, also wie sauer oder alkalisch ein Boden ist (s. ph-Wert messen) Rekapituliere: ph 6-7 bedeutet schwachsauer bis neutraler Boden, Werte darunter – mehr oder weniger saurer Boden, Werte darüber – alkalischer Boden. Der Bereich, in dem die meisten gut Pflanzen wachsen, liegt zwischen ph 5 und 7. Kalken sollte man also , wenn der Boden zu sauer (Bodenversauerung, Nährstoffe festgelegt, können nicht für Pflanzen aufgeschlossen werden) ist, und auf keinen Fall ohne vorher den ph-Wert gemessen zu haben (Vielleicht fehlt ja gar keiner wie bei mir im Garten!), damit man die Menge ausgebrachten Kalk auch angemessen dosieren kann! Auf kalkreichen/alkalischen Böden (Nährstoffe waschen sich vorschnell aus, der Boden kann Nährstoffe nicht gut halten) mit ph größer 7 soll man nicht kalken, sonst macht man es nur schlimmer. Logisch, oder?

Warum im Herbst kalken?

Man kann auch im Frühjahr, möglichst im Abstand von einigen Wochen zum Dünger, ich vermute aus dem diversen Gelesenen aber, dass im Herbst kalken besser sein soll, weil dann der zeitliche Abstand zur Dünger-Ausbringung im Frühling größer ist. Kalk löst nämlich wie gesagt die Nährstoffe aus dem Boden. Wenn man ihn zusammen mit Kuhdung, Stallmist oder frischem Kompost ausbringt, gehen da ratzfatz die Nährstoffe verloren und werden viel schneller aus dem Boden (ins Grundwasser) ausgeschwemmt als ohne Kalk. Nährstoffmangel an den Pflanzen könnte die Folge sein. Deswegen sollte man nicht gleichzeitig mit der Düngung kalken, soweit ich das verstanden habe.

Zusammenfassung: Kalk erhöht den ph-Wert. Kalk = Geschwindigkeit. Je mehr Kalk im Boden, desto schneller sind Nährstoffe weg.

Wie viel Kalk pro qm? Gesundungskalkung, Erhaltungskalkung

In Gartenbüchern und auf den Kalk-Tüten wird regelmäßig zwischen Gesundkalkung und Erhaltungskalkung unterschieden. Zur Gesundkalkung stark versauerter Böden wird 400-500 g/qm empfohlen. Achtung, das ist ein richtig großer, radikaler Eingriff in das Bodenleben! Ich würd´s lieber über ein paar Jahre verteilt schrittweise angehen. Zur Gartenpflege/Erhaltungskalkung wird empfohlen, alle drei Jahre 60c80 g pro Quadratmeter zu kalken. Beim Kalken ist zu beachten, dass der Kalk gestreut und nur oberflächlich in den Boden eingearbeitet wird. Beim Streuen bevorzugt windstilles Wetter, denn das Kalkpulver ist je nachdem sehr fein.

Kalk im Kompost

Wegen seiner nährstofflösenden, beschleunigenden Wirkung ist Kalk auch Hauptbestandteil in vielen sog. “Kompostierungsmitteln”, “Kompostbeschleuniger”/”Schnellkomposter”-Pulver, die man dem Kompost zusetzen soll, damit alles schneller verrottet. Ich habe so was noch nie gekauft/verwendet, etwas Kalk auf den Kompost streuen scheint mir aber Sinn zu machen. Jetzt beim Umsetzen habe ich das erstmals gemacht. Daneben kann man den Kompost auf natürliche Weise mit Kalk anreichern indem man ihm z.B. Eierschalen zuführt.

Tja, und welchen Kalk nimmt man jetzt wofür?

Faustformel: Ätzkalk für schwere Böden, kohlensauren Kalk für eher leichte und sandige Böden.

Ätzkalk, ungelöschter Kalk, gelöschter Kalk, Branntkalk – Calciumoxid/Calciumhydroxid

Ungelöschter Kalk ist ein industriell gefertigter Gefahrstoff: Ein weißer Stein oder weißes Pulver, das mit Wasser heftig reagiert und dann heiß wird. Nach diesem chemischen Prozess (“Kalk löschen”) ist aus Calciumoxid Calciumhydroxid geworden. Ungelöschten Kalk muss man vor dem Ausbringen erst löschen, indem man ihn irgendwo lagert und mit Erde abdeckt. Keine Ahnung, wie lange das dauert, aber irgendwann ist der Prozess dann durchlaufen und kann der gelöschte Kalk im Garten gestreut werden. Gelöschter Kalk ist bereits fertig für die Gartennutzung. Dieser Kalk ist schnell-wirksam, Einsatz auf schweren Böden.

Naturkalk, kohlensaurer Kalk, Calciumcarbonat, CaCO3

Es gibt diverse Sorten Naturkalk, die also in der Natur als Kalkstein vorkommen und abgebaut werden. Der chemische Grundstoff ist Kalziumkarbonat bzw. “kohlensaurer Kalk” und kommt in Gesteinen (Kreidestein, Kalkstein, Dolomitkalk, Kalkmergel zum Beispiel), aber auch in den Schalen von Schalentieren, Muscheln etc. vor. Kohlensaurer Kalk ist eher langsamer reagierend, vielleicht auch ein Grund für eine Herbst-Ausbringung.

Dolomitkalk

Eine der gekauften Kalksorten ist Dolomitkalk, gemahlen aus Dolomitgestein. So sieht er aus:

Dolomitkalk

Dolomitkalk hat eine Besonderheit, er ist nämlich ein kohlensaurer Magnesiumkalk und enthält neben Kalk auch Magnesium und Calcium. Magnesium unterstützt das Blattgrün/die Chlorophyll-Bildung und kann z.B. auch bei verbräunten Koniferen eingesetzt werden. Aber wofür brauchen Pflanzen Calcium? Festigkeit des Gewebes, wie beim Menschen? Weiß das jemand?

Wie viel Dolomitkalk? Packungsangabe (Grüner Jan Dolomitkalk 25 kg-Sack): 1 Handvoll = 120g, auf sandigen Böden 100-125 g pro Quadratmeter, auf lehmigen/tonigen Böden 200-250 g/qm.

Zusammensetzung: 55% CaCO3, 35% Magnesiumcarbonat, 54% CaO (Nein, zusammen keine 100%)

Rasenkalk

Gute Frage – keine Antwort. Wer weiß es:

Was ist der Unterschied zwischen Rasenkalk und Gartenkalk?

Ich hab mal Rasenkalk gekauft (Grüner Jan Rasenkalk 20 kg-Tüten, soll auch gegen Moosbildung helfen). Das ist ebenfalls ein kohlensaurer Kalk, im Unterschied zum Dolomitkalk aber weiß und etwas körniger:

Rasenkalk

Wie viel Rasenkalk? 1 Handvoll = 150 g, auf sandigen Böden 100-125 g/qm, auf Lehm-/Tonboden 200-250 g /qm

Zusammensetzung: 90% CaCO3, 50% CaO

Kalkstickstoff, -”Salpeter” etc.

Dann gibt´s noch Kalk in Verbindung mit Nährstoffen, z.B. unter dem Namen “Kalkstickstoff” (Calciumcyanamid), aber mit denen habe ich mich nicht wirklich beschäftigt. Kalkstickstoff soll gegen bestimmt Unkräuter und Schädlinge helfen, aber das geht mir im Moment zu weit. Mir ist gerade erstmal wichtig, die einzelnen wichtigsten Bestandteile des Bodens näher zu betrachten und die Sackware jenseits der Fertigdünger verwenden zu lernen. Im wesentlichen sind das Stickstoff, Phosphor und Kali (N-P-K) und eben Kalk als moderierender Faktor im Boden, sowie einige Spurenelemente. Wenn man das erstmal verstanden hat, wird man von Fertigdüngern unabhängiger.

So weit meine Beschäftigung mit dem Thema bisher. Ich freue mich über Eure Erfahrungen und Ergänzungen, Ihr Kalk-erfahrenen Experten! Lasst mich und andere lernen.

Kalk/Calcium-Gegenspieler: Kalium
mehr: Dünger

eingewurzelt unter: Garten-Boden

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Vor einem Jahr
Bubikopf-Basilikum, Erfahrungen, Tomatenpflänzchen verpackt, Unbekannter Walderde-Keimling



9 Kommentare bisher

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Elisabeth, 05. März 2013, 14:07

Kalksalpeter ist Calciumnitrat, das ist der hässliche Salpeterschaden (bzw. Nitratschaden oder Mauersalpeter)im alten Gemäuer. Kalksalpeter wird in Verbindung mit Calciumoxid (Branntkalk) auch zum Düngen eingesetzt.
Ich kenne eher die chemische Seite, nicht die düngetechnische!

Susanne B, 05. März 2013, 14:28

Na, da kann ich ja froh sein, als Balkongärtnerin immer auf fertige Erden zurückzugreifen. Diese Auswahl würde mich in arge Verwirrung stürzen.

Habe mich um kurz nach eins aus dem Balkon verdrückt – bin seitdem dabei, das tote Gestrüpp aus den Kübeln zu schnippeln und freue mich über jeden grünen Austrieb, den ich dabei entdecke. Und die Meisen schimpfen, weil sie solange nicht an den Nistmaterial-Spender können.

Endlich Frühling!
:-)

Susanne B, 05. März 2013, 14:29

Äh… aus dem Büro verdrückt… soviel zum Thema Verwirrung.

Susanne, 06. März 2013, 23:32

Mal eine ganz andre Frage:
ist dieser Gartenkalk/ Rasenkalk denn nicht schädlich oder sogar giftig für Haustiere, sprich in meinem Fall Katze?
Hab nämlich schon ewig auch so einen Sack Kalk im Gartenhaus und trau ihn mich nicht ausbringen.

LG Susi

brian, 16. Mai 2013, 17:56

super text. vielen dank. das hat mir echt weitergeholfen!

Bianca, 13. Juli 2013, 11:54

Gartenkalk ist so oft ich es gesehen habe, chemisch das gleiche wie Algenkalk
CaCo3 (ca. 60% und mehr). Meist ist noch etwas Magnesium dabei.
Algenkalk gibt es übrigens auch als Nahrungsergänzung für Hunde. Da ist das Granulat halt viel feiner als bei Gartenkalk. Es ist aber eigentlich das gleiche. Von daher nehme ich mal an, dass es auch für Katzen zumindest nicht giftig ist (aber das ist jetzt Halbwissen)
LG Bianca

Frank, 15. April 2014, 20:47

Sehr gute Info zum Thema Kalk, danke für Deine Mühen
Gruß Frank

werner Schneider, 14. September 2014, 11:50

Von Kalk für sauren Boden kommt hier nix
klares rüber.
Ich will nicht düngen oder mörteln, sondern normales weisses Kalkpulver streuen, damit der vorwiegend saure Boden
alkalischer wird – muss das nun gebranter
oder ungebranter oder Dolomitkalk sein?
Eientlich eine einfache Frage…

Aber alles andere scheint wichtiger – für mich nicht!

MfG
W.Schneider

peter, 23. September 2014, 15:35

als mögliche alternative könnte man kohlenreste, asche und eierschalen nehmen um sich so den weg in den shop ersparen.
den säuregehalt bzw. ph wert des bodens sollte man allerdings so oder so vorher überprüfen…

gruß
peter

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