Gärtnerin · 03. Juni 2013, 14:26

Kartoffelturm

Fortsetzung Kartoffelturm…

Wie in der Anbau-Planung angekündigt ziehe ich dieses Jahr erstmals Kartoffeln explizit im Kartoffelturm, also für maximalen Ertrag auf kleinstem Raum unter Balkon-Bedingungen. :-)

Beim Kartoffelturm-Anbau macht man sich die Eigenschaft zunutze, dass Kartoffeln durch Anhäufeln mit der Zeit immer höher wachsen und dabei mehr und mehr Lagen Kartoffelknollen bilden. Die Kartoffeln werden in einem Gefäß oder kleinen Hochbeet (daher Kartoffel-„Turm“) angebaut, zunächst 10 cm unter die Erde gelegt. Jedesmal wenn ca. 15 cm Blattgrün über der Erde stehen, wird wieder angehäufelt, bis nur noch wenig von den Trieben zu sehen ist und bis schließlich das ganze Pflanzgefäß voll ist.

6.5.:
Kartoffelturm auf dem Balkon

So kann man aus einer Pflanzkartoffel eine bis zu 80-90 cm hohe Kartoffelpflanze ziehen, die im Laufe ihres Lebens – jedenfalls pro Fläche – viel mehr Kartoffeln Ertrag bringt als wenn sie nicht so hoch wachsen würde. In der Wikipedia wird von 10 kg Kartoffel-Ernte gesprochen bei gepflanzten 0,4 kg Kartoffeln! Eine echte Wirtschaftskrisen-Nahrungsproduktions-Art also, und auf kleinster Fläche auf Balkon oder Terrasse machbar!

Kartoffelturm später im Mai:

Kartoffeln im Topf anbauen

Kartoffeltürme am 3.6.: Nachfüllbedarf:

Kartoffelturm-Kartoffelanbau auf dem Balkon

Die Füllung mit Erdreich schreitet also fort, die Wände des einen Kartoffelturms sind heute vor dem Auffüllen mit der ersten Lage Rhabarberblätter verkleidet worden:

Kartoffelturm-Anbau

Ich habe mich entschieden, den zweiten Turm nicht mehr weiter anzufüllen wegen des dafür nötigen Erdvolumens, und stattdessen später im Juni noch einige „Kartoffeltürme light“ frisch anzupflanzen, weil ja auch nicht alle Kartoffeln gleichzeitig geerntet werden sollen. Kartoffelturm light: Blumenerdesäcke 40 l oder größer (so was heb ich schon länger auf für diesen Zweck), Tütenränder runtergerollt, 1, 2 Kartoffeln in zunächst wenig Erde unten in die Tüte (mit Wasserabzugsloch versehen selbstverständlich) pflanzen, später mit Wachstum der Kartoffel Tütenrand abrollen und immer weiter füllen, bis der irgendwo angelehnte Sack ganz gefüllt ist.

Kartoffelturm bauen

Eigentlich muss man gar nicht viel bauen, sondern braucht man nur ein etwas größeres Pflanzgefäß, das in der Lage ist, mit dem Wachstum der Pflanze mitzuwachsen. Bei mir sind das 2 Mörteleimer (65 Liter) mit Löchern, gefüllt mit je 5 Kartoffeln und allem was an Erde zur Verfügung ist und Volumen zum Füllen des Kartoffelturms schafft: Gartenerde, gebrauchte Blumenerde, etwas Kaninchenmist, wenig Thomaskali und ziemlich viel Kompost, die ich schichtweise auffülle. Gedüngt wird mit Brennesseljauche, die ich dieser Tage angesetzt habe. Es ist für Notzeiten aber auch denkbar, den Kartoffelturm einfach mit Vorhandenem zu füllen. Erde, Blumenerde, Hornspäne/Fingernagel-Abschnitte, Kaffeesatz,…. Das Mitwachsen des Turms mit den Pflanzen wird ab Oberkante Blumenkübel durch ein in Töpf-Innen-Größe zum Zylinder gebogenes Stück Maschendrahtzaun erfolgen, das reingestellt wird. Beim Auffüllen wird dieses von innen nach und nach mit Rhabarberblättern, Zeitungen oder was auch immer ausgekleidet, damit die frisch eingeschichtete Erde nicht rausfällt. Man liest aber auch, dass man z.B. Schilfrohrmatten zur Höhengewinnung nehmen könne. Dann braucht man nur noch immer weiter füllen, gießen und düngen, und kann sich auf hoffentlich großen Ertrag freuen. Bei meinen 2 Kartoffeltürmen sollten auf weniger als 2 qm über 20 kg Kartoffeln zu ernten sein. Foto vom Kartoffelturm-Aufbau gibt es dann, wenn es so weit ist und die Ernte wird im Rahmen des Ernte-Berichts natürlich gewogen. :-)

Tipps zum Kartoffelanbau:

Verwendet man vorgetriebene/bereits ausgetriebene Kartoffeln bei der Pflanzung im April, geht´s schneller. Sie treiben ab einer Temperatur von 10 Grad und ungefähr diese Bodentemperatur ist auch zur Pflanzung nötig. Gerade die bereits ausgekeimten Exemplare aus dem Kartoffelsack holen und einige Tage bei mehr Wärme lagern, dann wachsen die gelegten Knollen zügigst los. Geerntet wird, wenn die Blätter verwelkt sind. Werden sie nicht gleich geerntet, sondern bei abgestorbener Kartoffelpflanze noch einige Zeit im Boden gelassen, wird die Schale dicker und sind sie dadurch besser lagerfähig. Es ist nicht unbedingt nötig, Säcke voller spezieller Pflanzkartoffeln/Saatkartoffeln zu kaufen. Zum Pflanzen eignen sich auch die Knollen der Lieblings-Speisekartoffel-Sorte aus dem gekauften Kartoffelsack in der Küche.

Kartoffeln lagern

Kartoffeln müssen Kühl (frostfrei, unter 10 Grad) und dunkel gelagert werden, am besten für gute Belüftung in einem Holz-Verschlag im Keller wie man ihn von Oma noch kennt oder einer Latten-Holz-Kartoffelkiste. Da ich keinen Keller habe, werde ich Teile der Kartoffelernte als Kartoffelsuppe und Kartoffelpüree einfrieren (Rohe Kartoffeln nicht einfrieren!) und einen Teil der Ernte draußen frostfrei in der Erde einschlagen. Später: Erdmiete-Alternativen

später: Ernte- Wiegung aus dem Kartoffelturm, Ergebnis

Kartoffeln pflanzen, Pflanzkartoffeln

Gemüse-Anbauplanung/Mischkultur 2013

und eine Mörteleimer-Warnung!

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Vor einem Jahr
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20 Kommentare bisher

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Ilona, 06. Mai 2013, 11:37

Huiiii. Ich bin ganz gespannt auf den Bericht! Ich wünsch Dir ganz viel Erfolg. Wir haben es vor zwei Jahren auch schon mal versucht. Hat so gar nicht geklappt. Wir hatten aber vermutlich auch viel zu wenig Futter für die Kartoffeln. Bin wie gesagt ganz gespannt.

Klaus, 06. Mai 2013, 17:06

Eine sehr gute Beschreibung. Meinen Anbau habe ich für dieses Jahr noch nach traditioneller Weise gestaltet. Ich hatte ja noch das Tabakbeet zur Verfügung. Für nächstes Jahr werde ich aber die von dir vorgestellte Variante des Turmes ausprobieren. Meine Saatkartoffeln habe ich von einem einheimischen Nebenerwerbsbauern und nicht aus Ägypten. D.h. nicht gespritzt und auch nicht mit Keimstop behandelt.

Bettina, 07. Mai 2013, 09:22

Ich freu mich auf den weiteren Bericht. Über einen Kartoffelturm hatte ich auch schon nachgedacht, weil mein Garten ziemlich klein ist. Ich schau hier mal zu und überlege es mir fürs nächste Jahr. Die Auffüllmasse bereit zu halten, dürfte evtl. problematisch werden, da wird auch viel Fingernägelschneiden nicht helfen…

Gärtnerin, 07. Mai 2013, 10:58

Danke für Euer Interesse am Versuch. :-)

Auffüllmasse tja: Gebraucht-Blumenerde aus Töpfen und Schalen (Nachbarn?), die oft noch viel mehr Humus enthält als magerer Gartenboden, evtl. hilft auch, beim örtlichen Kompostwerk mal eine Wanne/Sack voll Kompost zu holen, Bettina. Die überbleibende Kartoffelerde ist ja so fruchtbar und gar, dass man sie dann wieder gut für den Garten gebrauchen kann, also tät ich sagen „investieren“ in ein Anfangsvolumen könnt sich lohnen.

Gärtnerin, 07. Mai 2013, 13:04

Hab nochmal krisen-mäßig weiter drüber nachgedacht wo die Füllung des Kartoffelturms herkommen könnte. Was würde man im Ernstfall tun, wenn man kein Auto zum Transport, keine Blumenerde kaufen, kein Gartencenter bemühen, kein Nix könnte? Vermutlich alle 2 Wochen mit zwei Eimern und Schippe in den Wald oder auf eine fette Wiese oder in den Park gehen und dort fruchtbare Erde holen.

Trackback NEBELREITER.COM, 09. Mai 2013, 21:11

Garten: Mehr Kartoffeln…

Mit unserem Pflanzturm und den Palettenkästen sind wir ja sozusagen dazu übergegangen, den Garten in der Höhe zu bewirtschaften. Nun bin ich in einem Blog den Kartoffelturm gefunden. Ich hatte schon darüber nachgedacht, einmal Kartoffeln in den alten F…

Elisabeth, 14. Mai 2013, 14:57

Gerade gestern habe ich gelesen, dass man so einen Turm auch aus alten Autoreifen nach und nach bauen kann. Wo es hinpasst und wer alte Reifen übrig hat, da ist es auch eine Art Recycling-Methode!

Denise, 22. Mai 2013, 12:32

Selbiges Prozedere hatte ich letztes Jahr meinem Dad nahe gelegt, allerdings konnte ich ihn nicht überzeugen das Ganze einfach mal zu probieren. Werde ihm deinen Artikel (mit der kommenden Auswertung) dann mal vorführen.
Vielleicht gibt es dann nächstes Jahr doch einfach mal schöne Kartoffeln aus dem eigenen Garten

Mach weiter so!

zimtspinne, 24. Mai 2013, 06:53

bezügl. Substratbeschaffung…
hab ich schon überlegt, ob ich von der aufgefüllten Erde im Zuge unserer Gartenschau was hole.
dort ist ja inzwischen ein Park angelegt worden, das Gelände ist frei zugängig.
Die vielen jungen Bäumchen, die gepflanzt wurden, wurden rundherum mit Erde behäufelt. Gute Qualität, vermute ich, da alles dort wie der Teufel wuchs.
ist das legal oder sollte ich das lieber sein lassen?

Gärtnerin, 03. Juni 2013, 14:34

Heute neue Fotos von den Entwicklungen. Kompost ist irgendwie alle, habe bei den letzten beiden Auffüllen aber bereits jeweils 4-5 cm unverdünnten Kaninchenmist unter die neue Erde gepackt, einfach so als Schicht. Hatte Angst, dass die Kartoffeln mit frischem Mist verbrennen, aber sie mögen es. :-)

Bianca, 04. Juni 2013, 00:08

Meine Kartoffeln wachsen gerade in Reissäcken. Die bekommt man in Asia-Läden meistens kostenlos, die würden sonst weggeworfen. Das Prinzip ist das gleiche wie bei Erdsäcken: Ränder einrollen und mit dem Befüllen nach und nach wieder ausrollen.

Ich versuche auch gerade, Kompost im Reissack zu machen. Mal schauen, ob das klappt. Platz für einen richtigen Komposthaufen habe ich leider nicht.

Christian, 05. Juni 2013, 07:43

Huhu!

Kannst Du erklären, wie du Kartoffeln im Winter Frostfrei im Boden einschlägst? Ich habe da noch keinen guten Hinweis ergooglen können. Vor allem frage ich mich immer, wieviel Aufwand man dann betreiben muss, um eine Portion Kartoffeln zu entnehmen?
Ich mache bisher einfach nicht soviele Kartoffeln wie ich könnte, weil ich nicht weiß, wie lagern.
Könnte man sie evtl im Kartoffelturm überwintern?
Gruß und Dank Christian

Trackback Gärtner-Blog, 06. Juni 2013, 10:23

Erdmiete – Alternativen?…

Christian hat beim Kartoffelturm-Beitrag gefragt, wie man Kartoffeln draußen im Winter frostfrei einschlagen / lagern könnte. Spezieller beflügelt mich das zum weiteren Nachdenken über Alternativen zur klassischen Erdmiete, die einfache, praktische Ent…

Max, 13. Juni 2013, 12:06

Wow, eine tolle Idee und scheinbar sehr wirtschaftlich, wenn der Ertrag wirklich dabei rum kommt. Kann man damit auch jetzt noch anfangen oder ist es dieses Jahr schon zu spät? Falls nicht würde ich das glatt auch mal testen.

[…] im Herbst über eine reiche Kartoffelernte. Auch die Pflanzvariante von Stephanie vom Gaertnerblog hat dazu beigetragen meine eigene Variante des Kartoffelanbaues zu […]

Wolfgang, 03. August 2013, 14:23

Hallo Stephanie,
durch deinen Kartoffelanbau bin ich zu einer eigenen Anbaumethode inspiriert worden. Jetzt hab ich mal einfach vorgekeimte Kartoffeln in einen Sack Blumenerde gesteckt. Bin mal gespannt was im Herbst dabei heraus kommt.

Henry, 11. September 2013, 20:56

Hallo an alle Leser die gespannt auf das Ergsbnis zum Thema Kartoffelturm warten. Ich bin auch gespannt, nachdem meine eigenen Erfahrungen dieses Jahr mich nicht vom Hocker hauen. Falls jemand meine Erfahrungen nachlesen möchte, kann das in meinem Blog tun.
Ich bin dankbar für den entscheidenden Tip wie man die Kartoffeln dazu überreden kann über die volle Länge Knollen anzusetzten ;)

Steffi, 10. März 2014, 18:34

Hallo!
Hab alte Autoreifen für Kartoffelturm gegen Selbstabholung zu verschenken! Wer Interesse hat bitte melden!
(s.reisenberger@gmx.net)
Liebe Grüüüße
Steffi

Manuel, 08. Juli 2014, 09:40

Danke für die Anleitung. Wir haben bei uns jetzt auch angefangen Kartoffeln anzubauen – zwei spezielle Karoffelarten aus Peru, die man in Deutschland nicht bekommt und dein Kartoffelturm eignet sich da wirklich perfekt!

Kasselfood, 18. Juli 2014, 04:25

Ich hab davon auch gelesen, da wurde der Turm aus Holzkisten gebaut, die ohne Boden gestapelt werden. Das ganze sah so aus, als ob es sehr stabil sein muss.
Wenn das Experiment klappt, probier ich das auch nächstes Jahr.

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