Gärtnerin · 27. Januar 2013, 11:10

Rinderdung gekörnt, Hühnerdung

Beschäftige mich damit, wie ich wegen Gemüseanbau-Plänen schneller mehr Humus in den Boden kriege. Bin ja langjähriger Bodenverbesserer, aber jetzt muss ich doch etwas mehr Gas geben. Dabei bin ich über ein Angebot für Rinderdung, „gekörnt“ gestolpert, den hier viele Schrebergärtner zum Gemüseanbau verwenden. Jetzt habe ich Rinder-Sch… noch nie im Garten gebraucht, also erstmal damit beschäftigen:

Rinderdung soll ja sehr gut für den Boden sein, und wie Kompost eine sensationelle Mischung aus Humus und Nährstoffen, also auch ganz ordentlich Düngewirkung haben, wobei keine Gefahr der Überdüngung /Überdosierung gegeben sein soll, und sich der Unkraut-Samen-Anteil ebenfalls wie bei Kompost gegen Null bewege, weil der Rinderdung im Herstellungsprozess ebenfalls stark (>70 Grad) erhitzt wird. Ich habe gelesen, dass man ihn bei der Anwendung im (Gemüse- + Zier-)Garten am besten etwas in den Boden einarbeiten soll, um Geruchsentwicklung und Fliegen vorzubeugen, und das man im Allgemeinen von einer Dosierung von 100-200 Gramm pro qm für die Grunddüngung im Frühjahr und einer Nachdüngung mit der Hälfte der Menge im Sommer spricht. Aber auch, dass Rinderdung + Gartenerde 1:1 ganz gute selbst gemachte Blumenerde ergeben soll. Und auch, dass Rinderdung mit Urgesteinsmehl kombiniert schneller zum Aufschließen der Nährstoffe und Mineralien führen soll.

Bei der Frage, ob ich das jetzt zusätzlich zum im Komposter und bei der Kompostanlage kostenlos verfügbaren Kompost noch brauche, bin ich mehr oder weniger unschlüssig. Alles, was organischer Humus ist, ist erstmal toll. Rinderdung ist ein Naturprodukt und ein seit Jahrhunderten bewährtes Düngemittel. Günstig ist er auch.

Andererseits liest man unschöne Sachen, z.B. über EHEC-Bakterium und Rinderdung, z.B. das hier. Es könnte also sein, dass man sich damit was einfängt, was man so gar nicht haben will.

An Kuhfladen zum Selbst-Trocknen komme ich hier nicht so leicht. Wenn man Herstellern trauen möchte, ist im Produktionsprozess der Rinderdung ausreichend erhitzt, um gefährliche Keime ausschließen zu können, und ist es ziemlich sicher, diesen Dünger einzusetzen. Blöd ist, dass das (mein) Konsumentenvertrauen in letzter Zeit zu oft auf die Probe gestellt wird.

Eine gärtnerische Frage ist aber die wichtigste jenseits dieses Themas:

Brauche ich überhaupt/unbedingt Rinderdung, wenn ich Kompost habe? Was kann Rinderdung, was Kompost nicht kann?

Ach ja, Hühnerdung-Pellets hat der Händler auch. Hierzu in einer Studie gelesen, dass der nicht als Alleindünger geeignet zu sein scheint, und dass er stark salzhaltig ist. Boden oder Grundwasser versalzen, das wollen wir doch nicht.

Und natürlich will ich alles wissen, was Ihr dazu zu sagen und an Erfahrungen mit Rinderdung und Hühnerdung gemacht habt! :-)

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20 Kommentare bisher

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Betula, 27. Januar 2013, 15:10

Letztes Jahr habe ich ja meinen Mini-Bauerngarten neu angelegt. Da wir hier Löss-Boden haben, der durch Regen wie Beton zusammenhockt, habe ich reichlich gekauften Kompost und Sand in die Gartenerde eingearbeitet. Das Ergebnis war toll: Fast alles ist super gewachsen und war gesund. Besser kann das auch mit Rinderdung nicht werden.
Auch in den Blumenbeeten haben wir schon im Vorjahr den Boden so verbessert. Im ersten Jahr ist alles fast zu üppig gewachsen, letztes Jahr war es dann normal. Drei Jahre soll so eine reichliche Kompostgabe vorhalten. Danach soll ich mit Hornspäne nachdüngen, sagte uns der Kompost-Fachmann. Mal sehen wie sich dieses Jahr alles entwickelt.

Kornblume, 28. Januar 2013, 08:59

Wenn du Kompost hast, brauchst du an sich keinen Rinderdung mehr. Der Kompost liefert Nährstoffe und reichert den Boden mit Humus an. Nichts anderes würde Rinderdung machen. Er wäre zusätzlich auf Beeten für Starkzehrer interessant. Dazu könntest du ihn jetzt ausbreiten (auch den bekörnten), reinregnen lassen und die Reste bei der Beetvorbereitung einarbeiten. Bis die Pflanzen den Stickstoff brauchen, ist er von den Bodenlebewesen aufgeschlossen und somit pflanzenverfügbar. Und vergiss die ganze Panikmache wegen EHEC. Das Problem sind frische Exkremente auf Früchten, die verzehrt werden. Also immer waschen oder schälen, es kann ja auch mal ein Fuchs, Waschbär oder Nachbars Katze vorbeischauen…

Frauke, 28. Januar 2013, 17:32

für getrockneter Rinderdung aus dem Sack würde ich keinen Cent ausgeben
am besten noch aus Kalifornien mit langem Frachtweg!!und dann schon allein die Kunsstofftüte dazu

wenn du Kompost hat ist dies immer die besserer Alternative und arbeit mit Gründüngung
die bayrische Gartenakademie hat da sehr schöne Seiten in Infos

mein Vater hat früher im Herbst frischen Rinderdung eingegraben für die Starkzehrer, nur woher bekommt man ihn noch ?
aber besser für den Boden ist es, wirklich nur gut abgelagerter Mist zu nehmen oder frischen Mist noch einmal zu kompostieren,
herzliche Grüße Frauke

zimtspinne, 28. Januar 2013, 19:00

Frauke,

bei uns grasen auf den Dörfern an jeder Ecke Rinder… und Pferde(knödel) sind übrigens auch nicht zu verachten!!

Wurde das Zeug früher nicht auch schon über die Beete gkippt, neben Kompost?

Ich glaube nicht, dass beides zusammen zu einer Überdüngung führt. Viel schlimmer ist da der freizügige Gebrauch von Kunststoffdünger (ich frevle auch manchmal damit, hab aber auf dem Balkon auch andere Bedingungen)

Klaus, 28. Januar 2013, 19:36

Irgendwie fühle ich mich wieder einmal als Außenseiter. Vor wenigen Wochen habe ich mir von einem Mini-Gestüt frischen Pferdemist geholt und diesen auch z.T. im Garten schon ausgebracht. Irgendwie hatte ich das Gefühl dass die Pferdehalter froh waren den Mist los zu sein und sich über den mehr symbolischen Obolus freuten. Der noch nicht verarbeitete Mist kommt auf den Komposthaufen und kann dort verrotten. Frisch ist er zu scharf für viele Pflanzen. Wenn man natürlich „stinkige“ Nachbarn hat, dann ist getrockneter Dung besser. Es kann auch nicht jeder mit einer Fuhre Mist durch die Stadt fahren.

Tom, 29. Januar 2013, 11:35

@zimtspinne: Also meine bescheidene Erfahrung, die ich mit Überdüngung gemacht habe, war, dass man besser ganz langsam und gemächlich steigern sollte.

Ich habe über einen Monat immer leicht die Dosis erhöht und gedacht, die Pflanze hält das aus. Habe dann die Dosierung beibehalten aber nach 2 Wochen plötzlich eine starke Überdüngung festgestellt (Blätter gelb, rote Flecken…) Und das obwohl ich keinen Biodünger sondern Mineraldünger verwendet habe, der ja angeblich sofort wirkt.

Von Kunststoffdünger kann ich auch VON HERZEN abraten!

Ich hoffe, ich konnte weiterhelfen.

VG,
Tom

zimtspinne, 29. Januar 2013, 15:39

Huhu Tom,

sprichst du im ersten Teil jetzt von Rinderdung oder von künstlichem Dünger?

Ich schätze mal, unsere Großeltern haben das Pferde-, Schafs- und was es sonst noch so an Viechern gab -dungzeugs auch nicht dauernd wiederholt sondern einmal im Frühjahr drüber (oder Herbst?) und gut.

Das wird ja auf Feldern auch so gemacht, wobei diese ausgelaugten Monokulturen nochmal ein spezieller Fall sind.

Meine Erfahrung mit Dünger allgemein ist die, dass man der Pflanze besser tut mit weniger. Das ist immer noch mehr als genug.

Ich hab irgendwo mal gelesen, die deutschen Gärten seien völlig überdüngt. Und das kann ich mir auch sehr gut vorstellen, wenn ich so an mein Düngeverhalten früher denke.

Fakt ist (und das ist wirklich ein Fakt), dass viel Dünger die Pflanze schwächt. Sie wird instabil in der Zellstruktur und außerdem weniger widerstandsfähig. Parasiten finden leichter Einlass. Die Abwehrmechanismen werden durch den Dünger geschwächt.

Ich hab dieses Jahr über den Winter nur extrem wenig gedüngt und hatte bisher noch keine Schädlinge. keine Schildläuse, Spinnmilben, Blattläuse, Wollläuse und auch keine Trauermücken. Irgendwas davon oder mehrere hatte ich jeden Winter.
Im Sommer Blattläuse auf den Draußenpflanzen. Das ist definitiv ein Zeichen voon Falschpflege, weil die draußen an sich genug Nützliche haben, um die Läuse in Schach zu halten.
Es kann natürlich auch andere Ursachen haben, zB Trockenheit, zu wenig Nährstoffe, zu feucht usw.

Nochmal zu dem Tierdung. Sinnvoll wäre es ja, mal ältere Leute zu fragen, wie die das gehandhabt haben. Häufigkeit, Menge, Zustand, das alles. Die wissen das sicher, das wurde ja auch über Generationen hinweg weitergegeben und verbessert.
Nicht wie heute, wo man was im Supermarkt vorgesetzt bekommt und sich dann kümmern kann. bzw die Hersteller dran interessiert sind, wenn man möglichst flott nachkauft.

Die letzte Generation, die noch halbwegs was altmodisch überliefert bekamen sind noch meine Eltern, da gabs noch keine inet. Ab da ist die Überlieferungskette unterbrochen oder funktioniert nur noch sehr mangelhaft.

sehr schade! Ich war mal so begeistert, als ich mit meiner Oma spazierenging und sie total viele Wildkräuter kannte, die ich für Unkraut gehalten hätte. Sie kannte auch fast jede Feldblume und deren Wirkung. Pilze ähnlich.
Meine Mutter ist bei den Wildkräutern auch noch sehr fit, aber bei den Pilzen schon nicht mehr. Da fehlte ihr das Interesse.
die anderen „Kinder“ haben damit gar nichts am Hut und so wird diese alte Wissen nicht mehr weitergegeben. Man kann ja das smartphone zücken und nachgucken^^

Karin, Groningen, 30. Januar 2013, 18:24

Gebe im Frühling immer eine Schicht Kompost auf meinen Blumengarten. Beim Pflanzen von Rosen, Rittersporn usw. gebe ich manchmal getrockneten Rinderdung ins Pflanzloch. Früher streute ich ihn im Garten aus, um einregnen zu lassen, aber davon blieb nicht viel übrig, weil Nachbars Dackel alles auffrass.

Andreas, 31. Januar 2013, 16:08

Vor einiger Zeit las ich einen Artikel darüber, dass Archäologen im brasilianischen Dschungel auf alte, extrem gute Böden aus vorhistorischer Zeit gestossen sind, die wohl anfangs zufällig aus der Mischung von Abfällen mit Kohle entstanden sind und von der Kultur, deren Hinterbliebenschaften die Archäologen gefunden hatten, dann regelmäßig verwendet wurden. Mittlerweile wird dieses Humus-Kohle-Gemisch irgendwo in Deutschland industriell hergestellt. Wo genau, weiss ich nicht.

Birgit W., 01. Februar 2013, 12:34

Dung aus der Tüte muss man bezahlen…
in quasi jeder Stadt gibt es aber Kaninchenzüchter die sich freuen wenn
jemand vorbeikommt…gerne mit Kindern..
und sich den Mist direkt aus dem Stall
mitnimmt. Kaninchenmist hat den Vorteil das er stänig kontrolliert wird (wohingegen in Pferdedung oft Spulwürmer
gefunden werden!) er kostet nichts ! und
man kann ihn praktisch sofort untergraben
weil er nicht so scharf (z.B. Hühnermist)
ist. Tomaten wachsen und gedeihen mit Kaninchenmist am allerbesten :). Man kann
ihn natürlich auch als Lage in den Kompost füllen.
Liebe Grüße Birgit

zimtspinne, 01. Februar 2013, 16:10

Ich mach dann mal nen Aushang bei uns im Wohngebiet, wer zum Frühjahr Karnickelmist abzugeben hat. Ich miste auch selbst aus :D

Betula, 01. Februar 2013, 20:33

@ Zimtspinne: Du glaubst gar nicht wieviel Mist zwei Kaninchen machen können ;-) Mit Heuresten, die teilweise vom Urin durchweicht sind, sind das pro Woche locker 2-3 Eimer voll.

@ Birgit W.: Wieviel Kaninchenmist empfiehlt die Fachfrau pro Tomate? Und wie oft?

Gärtnerin, 03. Februar 2013, 12:41

Gute Idee, der Karnickelmist. Die Böhnchen werden bei uns sowieso auch als Dünger verwendet. Vorsicht ist geboten bei Holz-Einstreu, weil die super-langsam verrottet.

Gärtnerin, 03. Februar 2013, 12:47

Ähm, ich hab mich übrigens entschieden: Nur Kompost neben Karnickelknödeln!
Danke für Euren Input!

zimtspinne, 06. Februar 2013, 08:30

In meiner direkten Nachbarschaft wohnen Kaninchen, die sitzen nämlich im Sommer immer draußen hinter einem Katzennetz.
Ob ich die mal frage?

Vielleicht wäre das ja auch was für (große!) Balkonkübel. Was meint ihr?

zimtspinne, 06. Februar 2013, 08:31

Betula wollte die Menge auch wissen…. also, wir brauchen hier noch genauere Infos, bitte :)

Anne Marie Hoffmann, 26. Februar 2013, 11:21

Also der Beitrag ist klasse und die Kommentare dazu machen ihn noch interessanter. Klasse!

Reiner Kutzer, 15. Januar 2014, 19:13

Tomaten düngen mit Kuhpellets.Ich gebe in einen Blumentopf ( ca.10 cm ),der sich am Wurzelstock der Tomate befindet ( Gießhilfe )einen Eßlöffel voll obengenannter Pellets.Dann wird die Tomate darüber regelmäßig gegossen. Ihr werdet erstaunt sein über den Erfolg.

haselmausdd, 16. Januar 2014, 14:21

Interessante Beiträge!
Hi Rainer – die Tomatenpflanzen könnte man doch gleich in guten Kompost stellen + Gießhilfe? Meine beiden Kompoststiegen müssen in diesem Jahr durchgesiebt werden und der größte Teil kommt in das Tomatenzelt. So hatte ich es mir jedenfalls vorgestellt. Mit Pellets hab ich keine Erfahrung, aber mit frischem Pferdedung. Dieser wurde zwar eingearbeitet, aber das Stroh hatte ich noch Wochenlang im ganzen Garten verteilt liegen. Es war nicht schön und wird bestimmt nicht wieder gemacht.
Erfahrung kann ich auch mit Kompost und meinen Rosen weitergeben. Hatte im letzten Jahr 2 Rosen (1 Busch- u. 1 Rankrose)gekauft und die eine im Gartenbeet mit Kompostunterlage eingepflanzt, die andere in einen größeren Topf mit Häcksel aus der Humuswirtschaft umgesetzt. Die im Beet ist wunderbar angewachsen! Die im Topf hatte nach ein paar Tagen gelbe Blätter, wurde immer kahler und auch die Triebe sahen krank aus. Also, als Sofort-Notlösung die Erde mit Kompost ausgewechselt und sieh da – sie hat wieder ausgetrieben und ich war glücklich über den Lebenswillen meiner Rose. Im Herbst hab ich sie dann ins Beet samt Topf gesetzt und abgedeckt. Nun bleibt meine große Hoffnung auf ein neues Wachsen im Frühjahr. Fazit für mich – wer seinen Kompost pflegt braucht kaum! chemischen Dünger. Ich freu mich auf das kommende Gartenjahr – liebe Grüße aus DD

wolf, 10. Januar 2017, 18:46

Rinderdungpellets gebe ich 2 Gartenschäufelchen voll in einen 10 l-Eimer. Dazu 100 g Zeolith oder 1 kg Gesteinsmehl plus 100 ml Pflanzenkohle. Das alles mische ich und weiche es mit aktivierten EM ein. Dann Wasser bis Eimer voll. Umrühren. Fertig. Düngen.

Speziell die Tomatendüngung:
5 Teile abgelagerter Pferdemist plus
1 Teil Hühnermist oder Taubenmist oder
gekauften Guano.
Mischung ins Pflanzloch.
Eine Hand voll Erde drüber.
Gehackte Brennnesseln dazu.
Dann Tomatenpflanzen setzen.

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