Gärtnerin · 13. Februar 2014, 14:59

Pastinaken-Anbau im Garten

Laaanger Erfahrungsbericht zum Thema Pastinaken anbauen im Garten, da die Ernte hier erst jetzt beginnt. Letztes Jahr habe ich diese weißlichen Wurzeln aus der Abteilung heimische, fast vergessene Gemüse erstmals im Garten angebaut. Die Samen waren ein Samentütchen-Geschenk von der Floriade/Sortenname unbekannt und lagen hier so rum.

Das Tollste an Pastinaken (Pastinaca sativa subsp. sativa var. sativa; „der Pastinak“ oder „die Pastinake“ kann man sich aussuchen) ist, dass sie ein echtes Wintergemüse sind. Im Unterschied zu Gelagertem und Konserviertem sind sie bei frostfreiem Wetter jederzeit frisch aus dem Garten zu ernten und beanspruchen damit keine Einlagerung, nur ein bisschen Platz im Beet. Die Kälte macht sie dabei zunehmend süßer und milder. Außerdem wachsen sie hier im Garten auf eher kalkreichem Boden anspruchslos und sind damit ein Erfolg, wie man sieht: Pastinaken in Supermarkt-Größe:

Pastinaken-Ernte

Aber von vorn:

Pastinaken-Aussaat, Bodenvorbereitung und Düngung

Wie bei „karottenartig“ Wachsendem üblich werden Pastinaken ohne Vorkultur gezogen und zur gegebenen Zeit (ab März bis Juni) direkt ins Beet gesät. Nicht ohne allerdings den Boden gut vorbereitet zu haben. Das erfordert etwas Arbeit, später zeigt sich das Ganze dann abgesehen von „Beikräuter“ entfernen (was sich durch Mulchen mit Heu in diesem Fall in Grenzen hielt) absolut unterhaltsfrei (Liebt gute Wässerung, Beregnungsanlage vorhanden).

Für lange, gerade Wurzeln braucht es lockeren Boden, also habe ich mit Grabegabel + Spaten ca. 30 cm tief gelockert (Von Umgraben, Rollieren und so was bin ich kein Fan, weil das das Bodenleben durcheinander bringt). Also wirklich alles lose gemacht und wirklich ziemlich tief. Dabei zur Düngung größere Mengen Kompost mit der Grabegabel eingearbeitet, bis alles schön locker war. Pastinaken sind Mittelzehrer, also nicht allzu anspruchsvoll an die Düngung, deswegen kommt man mit viel Kompost sehr weit.

Um Wieder-Verdichtung zu vermeiden gehört anschließend dazu, dass man nie-nie mehr mehr auf dem Beet rumtrampelt! Pastinaken-Samen dann in Reihen von 30 cm alle 10 cm gesät, jeweils 2 Korn 2 cm tief. Hatte gelesen, dass Pastinaken sehr zuverlässig keimen, also gut. Die Keimung der Samen ließ allerdings dramatisch auf sich warten (fast 4 Wochen). Während alle benachbarten Gemüsesorten bereits ergrünt auf dem Beet standen, tat sich bei den Pastinaken überhaupt nichts. Dann aber!

Merke: Pastinaken haben nicht nur eine lange Kultur-/Wachstumsdauer (>160 Tage), sondern auch eine laaaaange Keimdauer! Dann keimen die Sämlinge aber zuverlässig alle (dabei jedoch recht ungleichmäßig).

Pastinaken-Wachstum

Das Wachstum ist in der ersten Zeit recht sparsam, aber irgendwann im Sommer musste dann doch die Zweit-Pastinake bei jedem Aussaat-Duo entfernt werden. Diese wurden erfreuten Kaninchen zur Verkostung vorgelegt:

Pastinaken-Ernte

Während der gesamten Wachstumszeit wurden außerdem immer wieder mal einzelne Blätter von den Pflanzen gepflückt, was diese nicht geschwächt hat. Achtung, die in Pastinakenblättern enthaltene Furocumarine können bei empfindlichen Menschen phototoxische Hautreizungen verursachen. Mir machen sie gar nichts im Unterschied zu Christrosenblättern, die ich extrem schlecht vertrage.

Die Haupt-Wachstumszeit dürfte im Hochsommer bis Oktober gelegen haben. In dieser Zeit hat man auf üppig hellgrün ergrünte Pastinaken-Reihen geblickt, auch dann noch, als alle anderen Gemüsepflanzen vom Beet verschwunden waren:

Pastinaken-Ernte

Danach sind sie eingezogen, die Blätter gelb geworden und vom Wind weggefegt, was wir nicht verfüttern konnten. Bei den milden Temperaturen nun treiben sie bereits wieder aus. Ein-zwei Pflanzen werde ich stehen lassen. Ich hoffe, dass sie dann blühen und mir für den Anbau in den nächsten Jahren Samen schenken. Hat jemand hiermit Erfahrung und kann schonmal eine Vorschau auf Blühen und Samenernte liefern?

Gute Nachbarn, schlechte Nachbarn, Schädlinge

Pastinaken sind Doldenblütler wie Karotte & Co., also sind bei ihnen auch die für diese typischen Schadbilder möglich: Möhrenschwärze, Möhrenfliege, Echter und Falscher Mehltau etc. Die Verwandtschaftsverhältnisse sollen in der Fruchtfolge berücksichtigt werden: Pastinaken besser nicht neben andere Doldenblütler wie Dill, Karotten, Petersilie, Fenchel, Sellerie etc. pflanzen und besser auch nicht Pastinake nach Pastinake pflanzen, um potentiellen Krankheitsdruck und Anfälligkeiten zu reduzieren. Abwechslung sorgt auch dafür, dass der Boden nicht einseitig ausgelaugt wird. Gute Nachbarn sind Salat, Spinat und Rote Beete. Da ich erstere im Balkonkasten anbaue, blieb nur die Rote Beete als Nachbar übrig. Die Pastinaken fanden das toll, die Rote Beete hat dort allerdings gemickert. :-(

Pastinaken-Erntezeit

Bei früher Aussaat so ab September, spätere Aussaaten sind so ab Oktober erntereif. Kann man machen, muss man aber nicht. Ich habe die Pastinaken wie gesagt bewusst stehen gelassen, weil sie dann im Winter frisch herausgeholt werden können.

Wie schmecken die? Pastinaken zubereiten?

Wie schmecken eigentlich Pastinaken, habe ich mich selbst gefragt…. Wie Schwarzwurzel-Karottenpetersilien? :-) Jedenfalls finde ich sie lecker. Die ersten drei Pastinaken aus eigener Ernte sind in einen typisch holländischen „Stamppot“ Modell „Hutspot“ geschnippelt worden und haben diesem sonst eher breiigen Gericht knubbeligen Biss verliehen.

Zubereitung: Ob man Pastinaken schälen muss oder nicht, darüber gehen die Meinungen auseinander. In unserem Fall sind sie geschält worden, weil die Oberfläche etwas unregelmäßig und stellenweise von feinen Würzelchen durchsetzt war. Ansonsten ist alles möglich: Püree, Cremesüppchen, Roh im Salat, im Eintopf, schmoren, frittieren, reiben….

Pastinaken-Rezepte gesucht? Da war doch schonmal was auf dem Gärtnerblog: Ein Pastinaken-Rezept-Event ;-)

mehr: Pastinaken in der Wikipedia

andere Gemüseanbau-Erfahrungen

eingewurzelt unter: Gemüsegarten

Alle anzeigen mit Stichwort:



8 Kommentare bisher

Kommentieren
Florian, 15. Februar 2014, 19:37

Interessant wie groß Pastinaken eigentlich sein können. Wir haben diese krautige Pflanze, inzwischen weiß ich nämlich mehr über diese Pflanze :), immer für unsere Tochter genutzt, um Ihr davon einen Brei zu machen. Hat uns allen sehr gut gemundet…

Emil, 20. Februar 2014, 10:54

Die Größe ist aufjedenfall ordentlich, mal sehen wie unsere dieses Jahr werden, bin gespannt.

daniel, 25. Februar 2014, 12:52

Toller Beitrag. Ich hoffe diese Jahr bleibt so warm wie bisher, dann wächst dieses Jahr auch einiges :-)

Inga, 03. März 2014, 22:24

Lustig, die Floriade-Geschenkpastinaken habe ich auch letztes Jahr ausgesät. Ich hatte meine recht früh gesät, so dass wir im Herbst schon ernten konnten. Das war auch gut, denn das, was wir nicht geerntet haben, wurde über den Winter von den Wühlmäusen vernichtet! :-)

Lory, 25. November 2014, 21:30

Toller Beitrag über die Pastinaken. Ich hatte nach Anbaumethoden gesucht und bin auf diese Seite durch Zufall gestoßen. Werde es nächstes Jahr auch versuchen.Danke.

Steffen, 27. November 2014, 01:01

Pastinaken sind schon was tolles, habe die auch im Gerten, aber ganz so dick wie die auf dem Bild, oder manchmal bekommt man ja sogar auch welche im Laden, sind die nie geworden.
Pastinakencreme Suppe, das ist genial!

Anja, 27. November 2014, 09:20

Ich habe seit diesem Jahr einen Schrebergarten und möchte nächstes Jahr auf jeden Fall Pastinaken anpflanzen. Ich kenne sie aus der englischen Küche, dort werden sie – vor allem für ein sonntägliches Mittagessen – kurz gekocht und dann mit etwas Honig oder hellem Sirup übergossen und im Ofen gebacken. Einfach und köstlich. Lese gerne in deinem Blog. Bin über die Rosen darauf gestoßen.

Antonia, 01. Februar 2018, 10:03

Hi, danke für den umfangreichen Erfahrungsbericht. Du hast gefragt, ob jemand Erfahrung damit hat, die Pastinake blühen zu lassen. Ich habe das letztes Jahr gemacht, allerdings aufm Balkon. Sie hat schön gelb geblüht und Samen gebildet. Manche Blüten habe ich direkt über Salate gestreut. Dann hat sie noch weitere Blüten getrieben. Die Samen kann man auch essen. Sie sind sehr würzig. Ich habe sie z.B. in Kräutersalz gemischt. Die übrigen Samen sind dann zum aussähen. Übrigens verwende ich die Blätter der Pastinake auch zum Kochen, wie Petersilie oder roh im Salat – sehr lecker. Wir hatten keinerlei Probleme mit Ausschlag oder Unverträglichkeit. Die Wurzel war nach der Blüte zäh/holzig, hatte aber noch einen guten Duft. Ich habe sie mit anderem Gemüse für einen Gemüsefond ausgekocht. Viele Grüße und viel Spaß im neuen Gartenjahr!

Kommentar hinterlassen

Deine Mailadresse wird nicht angezeigt.

zur Gartenblog-Startseite