Gärtnerin · 11. März 2015, 11:10

Echter Beinwell

Dieses Jahr will ich mehr mit aromatischen Pflanzen/Heilpflanzen/Heilkräutern machen, mit denen ich noch keine Erfahrungen gesammelt habe. Darum säe ich erstmals Beinwell/Beinwurz (Symphytum officinale), der mir trotz seiner „wilden“ Gewöhnlichkeit im Garten noch fehlt.

Echter Beinwell, Symphytum officinale

Beinwell-Anwendungen

Beinwell ist ja besonders für seine heilende, entzündungshemmende Wirkung bei Geschwüren, Entzündungen und „Bewegungsschmerzen“ (Muskeln + Gelenke, Knochenbrüche, Beine -> „Bein“well), Prellungen, Zerrungen, Blutergüssen, Verletzungen etc. bekannt. Der Wirkstoff im Beinwell ist das Allantoin, das die Zellbildung beschleunigt, sagt Wikipedia. Innerlich angewendet kann es giftig werden. Besser nicht, wie die Kommentare unter dem früheren Beinwell-Beitrag zeigen. Leberschäden durch enthaltene Pyrrolizidinalkaloide könnten je nach Dosierung die Folge sein.

Beinwell-Salbe oder -Creme kann man kaufen, aber doch künftig auch selbst herstellen. :-) Am wirkstofreichsten sind die Wurzeln, die man im Herbst sammeln und trocknen kann, aber die Blätter können ebenfalls verwendet werden.

Weiterhin ist Beinwelljauche für Pflanzen ein guter Stickstoff-Lieferant und natürliche Düngung im Garten ist äußerst willkommen. Beim Mulchen a la Kretschmann wird Beinwell auch als Mulch eingesetzt.

Beinwell im Garten

Der Beinwell ist u.a. in Europa heimisch und gehört lt. Zander wie der Borretsch zu den Rauhblattgewächse (Boraginaceae). Die haarigen Blätter der Wildpflanze sind denen des Küchenkrauts dann auch nicht unähnlich. Die Pflanzen treiben ganz früh im Frühjahr durch und blühen bereits im April mit rosa-lila-lichen, weißen oder gelblichen Blütenkelchen, die durch Bienen und Hummeln gern besucht werden. Beinwell mag sonnige bis halbschattige Standorte mit vorzugsweise feuchtem Boden und ist eine recht schnell wachsende winterharte Staude mit Pfahlwurzeln. Mit der Zeit geht der Echte Beinwell durch kurze Ausläufer in die Breite. Die Pflanze kann lästig werden und ist wegen der Wurzeltiefe kaum wieder loszuwerden. Also sollte man sich sicher sein, wo man sie haben will, und ggf. eine Abgrenzung (Wurzelsperre, Rhizomsperre) zu benachbarten Gartenbereichen einplanen. Je nach Standortbedingungen werden die Triebe der Pflanze bis rund 1 Meter hoch.

Vermehrung

Vermehren kann man den Beinwell durch Samen. Oder noch einfacher: durch Wurzelteilung oder Wurzelschnittlinge. Man schneidet einfach eine Beinwell-Wurzel in Stücke und pflanzt diese ein, habe ich gelesen, es aber noch nicht selbst probiert.

Beinwell-Aussaat

Jetzt zu den Samen: Das Saatgut habe ich von einer Gartenfreundin letztes Jahr in die Hand bekommen, kann man aber auch im Geschäft kaufen oder eben fertige Pflanzen (Abteilung Heilpflanzen, Kräuter oder Stauden). So sehen die Beinwell-Samen aus: Dunkel, 2-3 mm lang, leicht kantig, etwa wie eine Mini-Paranuss:

Beinwell-Samen

Man kann eigentlich ab März/April direkt draußen ins Beet säen. Da im neuen Garten noch nicht genügend Flächen vorbereitet sind, die Planung noch nicht steht und ich auch noch keine Erfahrungen mit der Bodenfeuchte während der Gartensaison habe, säe ich in ein Vorkultur-Gefäß aus. Über Saattiefe braucht man sich dabei weniger Gedanken zu machen, denn die Samen vertragen durchaus etwas mehr Tiefe als nur „dünn“ beim Abdecken. Dann kann ich später die fertigen Pflanzen da hinsetzen, wo sie hin passen. Platz ist genug. Ich stelle mir vor, dass sie dann ganz Naturgarten-like irgendwo vor sich hin wuchern. ;-)

andere Stauden

eingewurzelt unter: Stauden

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Vor einem Jahr
Rhabarber verfrühen, Zwiebeln säen - Steckzwiebeln selbstgemacht, Stinkende Nieswurz - Helleborus foetidus



9 Kommentare bisher

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Thomas Pracht, 12. März 2015, 19:07

Mir hat eine Salbe, die mir ein Apotheker aus Beinwell zusammengemischt hat, sehr gut bei meinen Rückenschmerzen geholfen. Mittlerweile zum „Hausmittel“ Nr. 1 auserkoren.

Susy, 16. März 2015, 01:35

Habe schon oft Beinwell zur Linderung von Schmerzen verwendet. Ein sehr schöner Beitrag, kann es jedem nur empfehlen!

Dieter, 18. März 2015, 04:39

Nachdem bei einer Holzleiter eine Sprosse zerbrach hatte ich eine schmerzhafte Prellung. Beinwellsalbe dick aufgetragen hat nach einem Tag schon sehr geholfen.

Vor ca. zwei Tagen sah ich nachts auf HR eine Sendung über regionale Spezialitäten. Dort wurden Beinwellblätter in der Küche verwendet

Gärtnerin, 18. März 2015, 09:57

Was haben die denn daraus gemacht?

Dieter, 19. März 2015, 01:07

Infos zur Sendung liefere ich ggf noch nach.
Es gibt ein Buch von Barbara R. Schlemmereien aus der Vollwertküche in dem sie zum Thema einiges beträgt, wie Beinwell-Gemüse Suppe, Beinwellgratin, Beinwell in Eierkuchenteig etc. Es wird noch auf das Buch Comfrey – Wiedergeburt einer Heilpflanze hingewiesen.
Wenn das jetzt Schleichwerbung war bitte löschen.

Gärtnerin, 19. März 2015, 09:03

:-) Nö, ist doch interessant zu wissen.

Dieter, 20. März 2015, 00:54

Das Rezept vom HR habe ich noch nicht gefunden.
Wenn man „Kochen mit Beinwell“ eingibt bekommt man viele Rezepte und Anregungen.

Frank, 14. April 2016, 10:21

Hallo,
ich will Beinwell eher als Jauche verwenden, für meine Tomaten. Was gibt es denn da für Erfahrungen, wie viel sollte man nehmen und wie oft sollte man mit Beinwell düngen?
Gruß
Frank

Gärtner-Anne, 04. Januar 2017, 16:17

Hallo,

ich nehme zur Sommermitte (Juli-Aug.) immer ein paar Hände Beinwell-Blätter (der wuchert ja enorm) und „füttere“ damit den Hokkaido-Kürbis. Der freut sich dann, wächst & fruchtet besser. Beinwell-Blätter sind wg. ihres Stickstoff- und Kaliumgehalts ein guter Naturdünger.

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