Gärtnerin · 10. April 2015, 09:51

Lärche – Larix

Unser Hausbaum ist eine 11 Meter hohe Lärche (Larix). Ich vermute eine Larix decidua, also Europäische Lärche. Die soll sich von der sonst öfter vorkommenden Japanischen Lärche ((Larix kaempferi) u.a. durch die Farbe der Rinde, den Habitus und die Form der Schuppen an den Zapfen (bei Japanischer Lärche gebogen, bei Europäischer Lärche nicht) unterscheiden. Weiterhin gibt es noch Hybridlärchen, also Mischlinge zwischen den beiden, und noch ein paar andere, die aber wohl in Europa keine Rolle spielen.

Kahle Lärche im Winter

Lärche – Baum mit schlechten Eigenschaften

Gärtner winden sich mit Grausen, wenn sie Lärche im Garten hören oder sehen. Ist die Lärche doch der einzige heimische Nadelbaum, der nur sommergrün ist und seine dann gelben Nadeln im Spätherbst komplett abwirft, und macht also giga-viel „Dreck“. Das stimmt schon, denn so sah das dann im November aus – flächendeckender gelber Nadelteppich, ausreichend für 5-6 Biotonnen-Füllungen:

Lärchennadeln

Tja, wenigstens genügend Material für reinen Nadelkompost für Pflanzen, die sauren Boden lieben, möchte man meinen. Ich plane, Rhododendren zu pflanzen, denn das passt ganz gut zu den Bodenverhältnissen hier. :-) Die Lärche hat aber noch eine schlechte Eigenschaft, die mich persönlich etwas mehr als die zeitlich begrenzte Nadelei stört: Sie ist ein sogenannter Totholzerhalter. Das bedeutet, dass sie abgestorbene Äste jahrelang oben behält. Bei Sturm oder auch einfach so fällt andauernd etwas herunter. Es vergeht keine Woche, ohne dass man mal im Garten die toten Äste mit Zapfen aufklauben darf.

Dann gibt es auch noch einen alle 7-10 Jahre wiederkehrenden, ekligen Raupenbefall an der Lärche, wenn der Lärchenwickler über sie herfällt und sie kahl frisst. Wobei ich diesbezüglich hoffe, dass diese hier verschont wird, denn der Lärchenwickler ist wohl hauptsächlich im Süden/Alpennähe unterwegs.

Als Hausbaum ist das also so ziemlich das Schlimmste, was man sich vorstellen kann.

Lärche als Hausbaum – die Gründe dafür

Dennoch: Die Lärche habe ich nicht fällen lassen, obwohl die Holzfäller das so gerne wollten.

Warum? Weil sie mir gefällt!

Ich mag Lärchennadeln am Baum, ebenso wie grüne Zedernnadeln. Ihr Farbenspiel ist toll: Jetzt im Frühling treibt sie während der Blüte frischgrün aus, später sind die Nadeln grau-grünlich, und schließlich folgt die goldgelbe Herbstfärbung. Was für ein Spektakel! Schon mal einen alpinen Lärchenwald im Herbst gesehen? Stichwort Arven-Lärchenwald. Während der Baum goldgelb erstrahlt, tut sich auch am Boden was: Die Lärche lebt nämlich in Symbiose mit verschiedenen Pilzen, was ich im Herbst auch beobachten konnte. Diesen hier, der auf dem Wurzelwerk des Baumes gedeiht, halte ich für den goldgelben Lärchenröhrling/Gold-Röhrling (Suillus grevillei, syn.Suillus flavus):

Gold-Röhrling

Wenn dem so wäre, könnte man die Pilze sogar essen. Pilzkundige, bitte um Bestimmung. Ggf. gern nächsten Herbst mehr Bilder.

Und sie blüht auch im Frühling so wundervoll schön pink!

Sie ist eindrucksvoll groß und war außerdem vor mir hier. Und sie wird sehr alt, wenn sie gesund ist und bleibt. Im Web habe ich bis zu 500-600 Jahre gelesen, bei einer Höhe von über 50 Metern und einem meterweiten Stammdurchmesser. Soll sie mal ruhig! Anders als andere Nadelbäume hat die Lärche ein Herzwurzel-System und ist also kein Flachwurzler. Darum muss man sich dann auch weniger Sorgen machen, dass der Wind sie fällt.

Und sie verleiht dem Garten hier seinen Charakter. Wenn ich sie rausnehme, fange ich wieder bei kahlem Neubaugarten an. Also wer bin ich, dass ich diesen Baum entferne? Die Herausforderung nehme ich gerne an und arrangiere mich mit den dauernden Räumarbeiten. Mal sehen, ob mir das eines Jahres zu viel wird. ;-)

Außerdem mögen die Tiere die Lärche. Sie ist immer voller Vögel und Eichhörnchen. Sogar ein Buntspecht besucht sie ab und an und neulich saß ein Käuzchen darauf.

Lärchenblüte

Jetzt gerade beginnt die Blütezeit der Lärchen. Vom Balkon aus kann ich ganz nah auf das Geschehen an den Ästen blicken.

Lärchenblüten

Die Lärche ist einhäusig. Das Pinkfarbene sind die weiblichen Blüten, während die männlichen Blüten zur Zeit als gelbliche Knubbel erkennbar sind. Sie wachsen im Unterschied zu den weiblichen Blüten nach unten. Das Grüne sind die gerade hervorsprießenden Nadeln.

Blüten entstehen am zwei- bis dreijährigen Holz älterer Lärchen. Man liest verschiedene Altersangaben, ab wann Lärchen blühen, jedenfalls aber zweistellige Jahreszahlen. Die Samen sollen übrigens braun und geflügelt sein (Drehflieger), aber bisher habe ich noch keine gesehen. Die weiblichen Blüten vergrünen im Laufe der Gartensaison und sind dann später die Lärchenzapfen, die mit Totholz manchmal erst 10 Jahre später zu Boden gehen.

Lärchenzapfen

Da ich davon ab sofort Massen habe, werde ich wohl die eine oder andere Zapfen-Bastelei erwägen. Mir schwebt mindestens ein herbstlicher Zapfen-Kranz vor.

Insgesamt eigentlich ein toller Baum, finde ich, weil auf und um ihn herum so wahnsinnig viel passiert! Sehr lebendig im Farbenspiel, mit Tieren, Pilzen, Blüten und Dekomaterial gesegnet. Tja, was soll ich sagen: Es war die Nachtigall und nicht die LercheLärche? Vielleicht eher anders herum. :-)

Die Lärche war übrigens 2012 Baum des Jahres. Mich würde interessieren, ob sich auch andere Gärtner diesen Baum im Garten „antun“? Nur Klagen oder auch Begeisterung?

mehr: Europäische Lärche in der Wikipedia
andere Bäume und Sträucher

eingewurzelt unter: Gehölze

Alle anzeigen mit Stichwort:



5 Kommentare bisher

Kommentieren
Mehmet, 11. April 2015, 13:37

Sie sagen ja, dass dieser Baum schon seit längerer Zeit dort stand, bevor Sie dorthin gezogen sind. Wissen Sie, wie lange ein Baum braucht, um so groß zu werden?

Ich hätte auch gerne mal große Bäume auf meinem Grundstück, wenn ich mal eins habe. Muss man da etwas beachten, wenn man solche großen Bäume pflanzen will?

Betula, 11. April 2015, 14:50

@Gärtnerin: Recht hast du, gefällt ist so ein Baum schnell, sollte er dir doch mal nicht mehr gefallen.
@Mehmet: Große Bäume sind etwas sehr Schönes. Der Garten sollte aber die passende Größe haben, da solche Bäume auch mächtig in die Breite wachsen. Außerdem sollte man bedenken, dass große Bäume auch einen großen Schatten machen. Und vor allem immergrüne Bäume die nahe am Haus stehen, auch für weniger Licht in den Räumen sorgen. Der Standort sollte also sorgfälltig ausgewählt werden. Und man sollte gerne Laub fegen ;-)

Bettina, 15. April 2015, 14:57

Den Goldröhrling mag ich gerne, er ist geschmacklich gar nicht so pilzig und bleibt schon gelb wenn man ihn nicht zu länge erhitzt. Aber was du auf dem Bild hast sieht mir nicht aus wie ein Röhrling sondern wie ein Lamellenpilz. Hast du ein Bild von der Unterseite?

Gärtnerin, 15. April 2015, 16:18

Danke, Bettina! Leider keine weiteren Bilder. Erst nächsten Herbst wieder. Jedenfalls schon mal gut, dass sich jemand auskennt. Foto folgt zur gg. Zeit.

Hannelore maury, 06. Januar 2018, 22:14

Auf keinen fall ist der gezeigte pilz ein lärchenröhrling. Ich hatte diesen pilz viele jahre an meiner lärche und kenne ihn genau ! Also bitte vorsicht !

Kommentar hinterlassen

Deine Mailadresse wird nicht angezeigt.

zur Gartenblog-Startseite